Dienstag, 30. Dezember 2008

Deutsche Begriffe im Englischen

Zu Christmas schenke ich euch was: deutsche Begriffe, die ins Englische übernommen worden sind.

Das hier ist von einem meiner Lieblingsautoren von Krimis, Ian Rankin:








Weitere Bespiele sind zeitgeist, realpolitik, gesamtkunstwerk, schadenfreude (siehe unten), angst (meist klein geschrieben, und letztere etwas abgewandelt in der Bedeutung – tja, wir machen es auch). The Guardian hat mal aus Jux einen „angst index“ geführt – eine graphische Darstellung der Häufigkeit des Gebrauchs in der eigenen Zeitung.







Siehe auch meinen Beitrag zu „blitz“.

Allerdings: Wenn wir uns Wörter ausleihen, dann eher aus dem Französischen – denn wir finden die Sprache edel (es wurde früher am königlichen Hof Englands gesprochen).

Besonders hübsch finde ich unsere Version von Adel verpflichtet – noblesse oblige.

Wir haben früher in guten Restaurants bon appetit gewünscht – was etwas vom profanen enjoy your meal oder dem amerikanisch-knappen enjoy verdrängt worden ist.

Aber wir wünschen uns meist gar nichts beim Essen – we just tuck in (wir hauen einfach rein). Dazu meinen böse teutonische (und erst recht gallische) Zungen: Klar, denn es lohnt nicht.

Montag, 29. Dezember 2008

Es wird auf dem Dach Golf gespielt


In der Regel kann ich den Was-ich-eigentlich-sagen-wollte-Sinn von „Englisch“ aus germanischer Feder identifizieren, aber bei obiger Anzeige (im Handelsblatt) bin ich mit meinem Denglisch am Ende.

Daily on the green sind rüstige Rentner mit Platzreife und finanzkrisensicherem Einkommen aus Bundesobligationen – was das mit einem Büroturm in München zu tun hat, kann ich nicht sagen (oder haben die 18 Löcher im/auf dem Dach?).

Green ist klar - Umwelt. Aber wieso THE Green, wieso ON the Green? Und auch für Golfer ist der Satz recht rough.

Weiter unten steht zum allem Überfluß „The green sign in town“. Hier kann ich wenigstens die linguistische Intention der Werber erahnen – wahrscheinlich wollte der Verfasser dieses genialen Anzeigentexts ein „Zeichen für die Umwelfreundlichkeit setzen“. Stattdessen hat er ein grün gestrichenes Schild aufgestellt.

Warum hat er (erfolgslos) versucht, seine Botschaft ins Pseudo-Englische zu transportieren? Weil Englisch cool ist, selbst unter den Architekten und Immobilienentwicklern (ein Neologismus, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf den sehr lange etablierten Begriff „property developer“ zurückgeht – dabei gibt es doch „Bauträger“).
Dann sollten aber die Schöpfer des „skyline tower“ (auch eine Wortschöpfung, die bei uns ein Fragezeichen und Stirnrunzeln auslöst) wenigstens richtiges Englisch einsetzen. Oder bei Deutsch bleiben. Why not? Would make a nice change.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Eine rhetorische Frage

Wir machen viel im Bereich HR (auch wieder Denglisch) in letzter Zeit.

Zum Beispiel: Rhetorik-Weiterbildungsseminare. Wie sagt man das auf Englisch?

Erstens: „weiter“ bitte einfach weglassen. Klar gibt es „further“, und klar gibt es „further training“, aber das sagt man meistens nicht.

Und Rhetorik? Ja, die alten Griechen hatten „rhetoric“, und das Wort wird heute noch gebraucht – hat aber oft einen bitteren Beigeschmack.

Hier ein Beispiel:

http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/politics/8233578/Boris-warns-Cameron-on-bank-tax-and-rhetoric.html

Sagt einer: „That’s just rhetoric“ (Betonung vorne auf RHET“) - dann meint er, dass ist nur heiße Luft, und es steckt nix dahinter.

Wenn einem beigebracht wird, wie man einen Vortrag hält, so redet man von:

public speaking
speaking skills
oder sehr oft im Kontext von Unternehmen
presentation skills

Die Weiterbildung/Seminar nennt man
training
skills development (programme)
oder schlicht
course

Eine rhetorische Frage? A rhetorical question.

Freitag, 12. Dezember 2008

Ein Böblinger Fitness-Studio für Schwule?

Ich spiele ab und zu Squash in BB - in einem Zentrum Namens Pink Power

http://www.pink-power-online.de/

Womit wir gleich drei denglische Fehltritte hätten.

Pink, Power und Fitness-Studio.

Pink (Englisch) ist rosa.
Power (Englisch) ist Kraft oder Macht (auch Strom). "Er hat Power" oder "Das ist eine richtige Power-Frau" kann man auf Englisch nicht mit "power" wiedergeben. "He's got power" würde bedeuten: er hat (politische oder sonstige) Macht.

Pink Power (Englisch) wird meist als die politische Macht/Einfluss/Kraft der Schwulen verstanden (wobei es nicht ganz eindeutig ist).

Im ersten Satz des folgenden Blogs werden die zwei Wörter (pink/power) eben in diesem Sinne verwendet:

http://goinguphill.blogspot.com/2005/06/pink-power.html

And we go to the gym, wenn wir was für die Muckis machen wollen. Angeblich gibt es auch auf Englisch "fitness studios" - aber ich habe noch nie eins gesehen (ausser im Internet) und habe das Wort (in England) noch nie gehört.

Schleichwerbung für ein Bordell

Chinesische Zeichen sind schön, nicht? Aber wenn man sie nicht versteht...

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/tv/news/chinese-classical-poem-was-brothel-ad-1058031.html

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Und wie erkenne ich einen guten Übersetzer?

Bei den folgenden Umständen bekommen wir ein positives Gefühl:

  • Wenn einer ein ordentliches Sprachstudium hat (ja, es gibt Ausnahmen - aber unsere Erfahrung zeigt: es gibt "Sprachler", und sie haben meist ein entsprechendes Studium hinter sich. Und ein Studium ist in der Regel mehr als nur Bier saufen und Party machen - manche lernen was dabei)
  • Wenn einer unter Aufsicht sein Handwerk gelernt hat – in einer Sprachabteilung oder bei einem renommierten Übersetzungsbüro, am besten drei, vier Jahre.
  • Wenn einer mit anderen kooperiert – in einer Bürogemeinschaft, aber auch virtuell über's Internet oder in Online-Foren
  • Wenn einer sich spezialisiert – und auf entsprechende Fachkenntnisse hinweisen kann
    Wenn einer Fragen stellt – auch zur Zielgruppe, Tonalität, Fachtermini – und auf Unstimmigkeiten im Ausgangstext hinweist
  • Wenn einer nicht nur eine Leidenschaft für das liebe Geld, sondern auch eine Leidenschaft für Sprache an den Tag legt
  • Wenn einer offensichtlich den Text nicht nur „runterrattert“ – sondern mit den eigenen Worten ausgedrückt hat. Die Aussagen des Ausgangstextes sind alle da, die Strukturen sind aber „neu“ und „natürlich“
  • Wenn einer darauf hinweist, wie er mit gewissen Textteilen oder Begriffen umgegangen ist – oder ausdrücklich auf Stellen hinweist, die er überprüft haben möchte

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Woran erkennt man einen schlechten Übersetzer?

Es gibt gewisse Hinweise – aber für jede hier zitierte „Regel“ bestehen natürlich auch Ausnahmen.

Bei den folgenden Umständen bekommen wir zumindest ein ungutes Gefühl:
  • Wenn einer behauptet in die Fremdsprache übersetzen zu können, vier verschiedene Sprachen als „Native“ zu sprechen, und 12 verschiedene Fachgebiete zu beherrschen
  • Wenn einer nie Fragen stellt – selbst dann, wenn der Kunde und das Thema völlig neu sind, und der Text an manchen Stellen recht vage ist
  • Wenn einer sofort nach der Uni angefangen hat, als Freiberufler zu arbeiten, nun alleine werkelt, und der Meinung ist, er hätte alles im Rahmen seines Diploms gelernt, was man wissen muss
  • Wenn einer meint, es wäre alles „ganz einfach“ und er hätte alles „problemlos“ übersetzen können
  • Wenn einer einen Begriff einfach aus einem Wörterbuch nimmt (und nicht zum Beispiel im Internet überprüft)
  • Wenn einer sich Kritik oder Gegenvorschläge nicht anhören will oder seine Behauptungen nicht belegen kann
  • Wenn einer kein richtiger Sprachler ist (Sprachstudium?) und sich auch nicht besonders für das Sprachliche interessiert
  • Wenn einer das Übersetzen nur nebenbei macht und vor allem als „zusätzliche Geldquelle“ ansieht
  • Wenn einer die Grundbegriffe der Wirtschaft und des von ihm gewählten Fachgebiets nicht beherrscht
  • Wenn die Texte (Satzstrukturen und Vokabeln) sehr eng am Ausgangstext kleben

Dienstag, 9. Dezember 2008

Flugzeuge im belly

Ein Flugzeug. Zwei Flugzeuge.

An aircraft. Und jetzt….??? No, nicht two aircrafts, sondern two aircraft.

Ich weiss auch nicht warum. Allerdings: Plural bei euch Teutonen ist echt kompliziert.

Gut, gut, bei uns gibt es sheep, mice, people. Aber sonst ist das einfach. Sssssssssssssss. Und aus die mouse.

Aber bei euch? Oh Gott. Der Hund. Die Hunde. Der Schlüssel. Die Schlüssel. Aber mit den Schlüsseln. Volk, Völker. Mädchen, Mädchen. Landsmann, Landsleute. Landsmännin (hallo???? was ist das für ein Wort???), Landsmänninnen!!!!

I rest my case. (nein, nicht „ich setze meinen Koffer ab“, sondern „damit ruht die Beweisführung für die Anklage" - sprich: "mehr muss ich wohl nicht sagen, oder"?)

Montag, 8. Dezember 2008

Grundsätzlich immer, aber manchmal wieder nicht

Ihr Germans macht uns das Leben nicht leicht. Aber manche Übersetzer denken auch nicht groß nach.

Nehmen wir das Wort „grundsätzlich“. Was das Wort bedeutet, und wie man das übersetzt, hängt grundsätzlich vom Zusammenhang ab.

Zum Beispiel:

Diebstahl wird grundsätzlich zur Anzeige gebracht

ist ganz anders als

Grundsätzlich sind wir über die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung einig, offen sind aber noch viele Details.

Leider wird das Wort fast immer mit „In principle“ übersetzt. Was im ersten Fall recht irreführend wäre. Besser wäre "always" oder "without fail".

Leo ist natürlich in dieser Hinsicht nicht besonders hilfreich.

Doppelpunkte setzen wir Anglos anders

Die beliebte Einleitung

Kurzum:

gibt es bei uns extrem selten.

Ja, klar, es gibt „In short“, wird jedoch viel seltener gesichtet als im germanischen Sprachdschungel.

Und: wir setzen nicht gleich einen Doppelpunkt dahinter. Denn: Wir arbeiten viel lieber mit Kommas. Übrigens: es ist auch bei Übersetzungen ins Deutsche zu beobachten, dass zu viele Kommas (ein)gesetzt werden.

In short, we tend to introduce new ideas using different words, and different punctuation.

Dasselbe gilt für:

Das heißt:
Mit anderen Worten:
Fazit:
Und:
Denn:
Übrigens:
Dasselbe gilt für:

Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen

Auch Pünktchen wollen „translated“ werden.

Drei Punkte am Ende einer Liste? Zum Beispiel:

Aachen
Berlin
Chemnitz


Habe ich im Englischen nie gesehen. Vielleicht gibt es das - aber sicherlich seltener als im Deutschen. Entweder

etc. (hier zum Beispiel)

oder

other

je nachdem, was passt.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Dem faulen Übersetzer wieder mal zu aufwendig

Wir sollten diese Woche einen vorhandenen englischen Text nicht anfassen, sondern nur hier und da die neuen deutschen Teile übersetzen. Jaaaa, aber da steht zum Beispiel:

expense-related compensation.

So ein Quatsch. Ich weiß, was gemeint ist: aufwandsbezogene Entschädigung. Compensation ist aber eher das Gehalt für einen Top-Manager. Und expense sind Kosten – sprich: Ausgaben. Aber ich will vielleicht was verdienen an dem Auftrag?

Hier ist die Abrechnung (auch so ein kniffliges Wort) nach Aufwand durch einen IT-Provider gemeint.

Ja, und was sagt man da?

Meist irgendeine Formulierung mit time and materials (oder material, aber üblicher ist mit dem S).

Zum Beispiel: services will be charged on a time-and-materials basis.

Wenn es nur um die Arbeitszeit geht, so sind unter Umständen Begriffe wie man-hours oder daily rates nützlich.

Administrativer Aufwand? In der IT ist das administrative effort (nicht efforts mit s). Administrative overhead ist auch eine ziemlich gängige aber meist etwas „negative“ Möglichkeit. Zum Beispiel: we wish to reduce our administrative overhead.

Im normalen Leben ist der Aufwand natürlich oft expense, oder cost (wenn Moneten im Spiel sind)

Wenn der faule Übersetzer nicht richtig recherchiert, weil sich aus seiner Perspektive der Aufwand nicht lonht, dann ist das: it isn’t worth the effort (oder sehr salopp: it aint worth the effort).

Aber ich finde: it’s worth the effort - if you want to get it right.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Skills not qualifications

Wir schlagen uns diese Woche mit vielen PPTs rum - die oft schwierig zum Übersetzen sind: halbe Sätze, Abkürzungen, kontextfreie, vage Formulierungen.

Diese Woche sind auch einige false friends dabei: Zum Beispiel Qualifizierungsprogramme für Mitarbeiter. HALT! Nicht qualification. Qualification ist für uns ein Stück Papier. Hier geht es um training programs, oder skills development programs. Ähnlich stehts um qualifizierte Arbeitskräfte - das sind skilled workers.

Montag, 1. Dezember 2008

Organigramm auf Englisch

organisational chart, oder kurz: orgchart (Olli - ist meist ein Wort!!!). Nix mit Grammis. Das klingt nach Auszeichnungen für Pop-Musik.

Dienstag, 25. November 2008

Konstruktive Kritik in der Formel 1

Alles, was mit k anfängt, ist kritisch zu betrachten.

Konstruktion beispielsweise.

Construction ist das Bauen. Die Bauindustrie heißt bei uns ganz offiziel the construction industry. The building industry geht natürlich auch, hat jedoch einen ganz leichten Hauch des Umgangsprachlichen.

Aber: wie fast immer bei den faux amis gibt es eine gewisse Schnittmenge:

The house is well constructed
hat durchaus eine etwas andere Schwingung als
The house is well built

Beim ersten Satz ist schon eine Prise vom deutschen Begriff Konstruktion dabei.

Und nicht unerwähnt darf the constructors' championship bei der Formel 1 (Achtung: formula 1 mit aaaaaaa). Was auf Germanisch wohl Konstrukteursmeisterschaft genannt wird. Ist wahrscheinlich eine falsche Übersetzung, die den falschen Übersetzer überlebt hat. Geht aber. Denn: Die gelungene construction eines Boliden ist die gelungene Umsetzung einer gelungenen Konstruktion. If you see what I mean.

Ja, und wie übersetzt man nun Konstruktion? Meist design, manchmal engineering und gelegentlich beides zusammen: design engineering. Bei dem Wort design denken Schwaben, Fischköpfe und Ossis natürlich sofort an schwarz gekleidete Besserwisser, Alessi-Wasserkocher und Audi TT. Aber design im Englischen ist breiter gefasst. Es heißt eben Konstruktion, Gestaltung und ja, (Produkt-)Design. Je nach Kontext.

Konstruktive Kritik? Kein falscher Freund (false cognate). Constructive criticism.

Mittwoch, 19. November 2008

Mein obszöner Fehler

Wie schon erwähnt - wir übersetzen die Kundenzeitschrift von T-Systems. Es geht auch ganz schön hektisch zu. Gestern abend nach einem langen Tag schrieb ich bei einer Bildunterschrift (caption) pubic safety statt public safety. Spellchecker bringt da natürlich auch nicht viel. Im Satz ist es dann - Gott sei dank - unserem eagle-eyed Praktikanten aufgefallen.

Oh Gott wäre das peinlich gewesen!!!! Denn: Pubic bezieht sich auf den Bereich oberhalb der Genitalien. Pubic hair = Schamhaare.

Was passiert in so einem Fall, wenn es in den Druck geht?

Meist gar nix. Aber grundsätzlich müsste der Übersetzer für einen eventuellen Schaden (zB Neudruck) aufkommen.

Und dann stellt sich die Frage - ist er denn versichert? Wir haben eine (recht teure) Berufshaftpflichtversicherung. Aber ich würde jede Wette eingehen, mindestens 90% der Übersetzer haben sie nicht.

Samstag, 15. November 2008

Offshore, nearshore und andere Trauungen

Olli fragt mich – was ist richtig:
off shore, off-shore oder offshore?
on site, on-site oder onsite?

Da muss ich wieder mal etwas ausholen.

Die Entdeckung der Langsamkeit
Teutonen setzen Wörter gern zusammen, vor allem Substantive (compound nouns heißen die Dinge). Wir viel weniger. ABER: wenn zwei Wörter zueinander gefunden haben, eine Weile harmonisch zusammengelebt haben und sich nicht allzu oft verkracht haben – dann heiraten sie eben. Nur: die Trauung ist selten offiziell. Oft schleichend. Und die Verwandten streiten sich lange, ob sie überhaupt stattgefunden hat. Man kann wie bei einem Scrabble-Streit in einem dictionary nachschlagen – aber die Verlage sind sich auch nicht immer einig.

Shakespeare und Obama
Ja, was denn? Es gibt meist keine festen Regeln sondern nur Tendenzen und kulturspezifischen, firmenspezifischen Konventionen. Die Obamas heiraten etwas schneller als die Browns. Und oft ist es einfach eine Frage der Zeit. Shakespeare schrieb immer to-day. Today machen wir das nicht mehr.

Germany’s next topmodel (aaaaaaaaah)
Auf jeden Fall verteilen die Deutschen im vermeintlichen Englishen viel zu viele Bindestriche und Heiratsurkunden. Germany’s next topmodel ist zum Beispiel für alle Angelsachsen ein Graus. Top und Model leben getrennt (sorry, die paar Google-Ausnahmeerscheinungen lass ich nicht gelten). Super und star jedoch cohabit most of the time. Confused? Kein Wunder.

Zurück zu offshore
Irgendwann mal waren off und shore ganz klar Wörter ohne Klebebindung. Sie sind nun zusammengeschweißt. Sowohl Merriam-Webster’s (USA) als auch Collins (GB) sind sich einig: offshore. Auch die Google-Ergebnisse sind da ziemlich eindeutig (allerdings ist die Recherche erschwert – Google scheint nicht zwischen „off shore“ und „off-shore“ zu unterscheiden).

Jetzt on-site
Hier wird’s knifflig. Ja, die waren auch mal Single. Aber jetzt nicht mehr. Merriam-Webster’s sagt die Beziehung ist noch relativ locker: on-site. Collins und Oxford (meine Ausgaben) schweigen zum Thema. Es gibt zwar viele Fälle von onsite, aber das Internet scheint relativ klar für den Bindestrich zu sprechen.

The answer for Olli
Also Olli: offshore ist ziemlich eindeutig. On-site ist der klare Gewinner, aber onsite hat auch viele seriöse Anhänger. Zu nearshore sagt Collins nix, Merriam sagt zusammen, ich sage auch: nearshore.


Und Website? Und Email?
Ähnlich sieht's mit Web site, Web-site und Website aus. Die Tendez geht Richtung heiraten. Bei e-mail und email widerstrebt sich das e noch ziemlich heftig gegen die endgültige Langzeit-Commitment. Aber ich bin gespannt, wie lange es dem Druck standhält. Aber bitte nicht e-Mail mit großem M. That's German.

Wertigkeit neu entdecken
Übrigens: es heißt offiziell high quality aber high-quality product. Warum? Weil damit klar wird, dass high und quality zusammen das dritte Wort product beschreiben.

Die Polizei muss her!
Aber Olli – du hast im Prinzip ein ganz anderes Problem entdeckt: die Uneinheitlichkeit in der Verwendung innerhalb eines Unternehmens. Im Prinzip müsste jedes Unternehmen, das sich international schimpft, eine interne „Normierungs- und Beratungsstelle“ für Englisch einrichten (oder Polizei, wenn man will). Bei BASF und Daimler zum Beispiel ist das der Fall. Eine solche Stelle – wenn sie kompetent ist - entwicklet Richtlinien und interne Wörterbücher, und kann fachmännische Antworten auf sprachliche Fragen geben.

Es ist extrem wichtig für die Qualitätskontrolle.

Bei anderen Firmen kauft jeder beim Übersetzer-Discounter ein, der ihm in den Gelben Seiten entgegenspringt. Solche Büros halten es meist nicht besonders genau mit der Einheitlichkeit.

Echte Best Practice
Wir haben übrigens gerade den Auftrag für die Zeitschift Best Practice von T-Systems erhalten. Und was haben wir als erstes getan? Ja, Konventionen definiert. Das ist Best Practice.

Free English lessons:
Cohabit – Beamtenenglisch für zusammenleben

Mittwoch, 12. November 2008

Peking Duck

Peking heißt bei uns schon sehr lange Beijing. Peking sagt kein Schwein mehr. Höchstens auf der Speisekarte als Peking Duck zu bestellen.

Hannover? Bei uns Hanover. Mit einem N.
München kennt wohl jeder. Munich.
Braunschweig? Brunswick. Sorry, ich finde es auch häßlich.
Nürnberg. Nuremberg. Ja, ja, mit einem M.
Lissabon. Lisbon. Ist uns schön öfter von gutgemeinten Grafikern „korrigiert“ worden.
Tokio? Tokyo.
Brasilien? Brazil. (danke für den Hinweis, Axel!!!)

Ach, und bitte: Bei Namen und Straßen – ss nicht ß schreiben. Den Buchstaben ß haben wir nicht, kennen wir nicht. Ü, Ö und Konsorten sind erkennbar und nachvollziehbar. Aber ß nicht.

Und liebe Übersetzer: denkt dran: Namen aus dem Russischen werden anders transliteriert.

Sprich: Der Autor Ilija Trojanow ist bei uns als Iliya Troyanov bekannt. Vot i tak.

headquarters mit s

Ich habe heute eine ganz einfache Bitte: headquarters mit s am Ende schreiben. Oder einfach Zentrale. Aber bitte nicht headquarter. Das ist Denglisch.

Nachtrag: es gibt eine Steigerung - hauptquarter...(unter "Zuschauer schränken sich ein")

http://www.sport1.de/de/ussport/ussport_nba/artikel_32705.html

Montag, 10. November 2008

Weihnachten - eine Zeit zum Besinnen oder Besaufen?

Um diese Jahreszeit übersetzen wir recht viele Weihnachtskarten. Und gelegentlich kann das in einem Kulturkampf ausarten.

Denn: die deutschen Kunden wünschen ihren ausländischen Partnern oft ein besinnliches Weihnachtsfest.

Nu – manche Landsleute scheuen sich, das Wort Christmas zu schreiben, weil man ja die Juden, Muslimen (und Atheisten?) damit angeblich beleidigen könnte. Aber solche political correctness will ich gar nicht erst kommentieren (Happy Holidays ist übrigens da die meist gekaufte Lösung).

Nein, wir haben ein etwas anderes Problem. Vor allem in England ist Weihnachten die Zeit zum Feiern. It’s a time to let your hair down – also eine Zeit, in der man die Sau rausläßt. Es ist mehr Besaufen als Besinnen. Das Besinnliche - wenn überhaupt - kommt nachher. Es wird manchmal mit Silvester in Verbindung gebracht. Das heisst: wir machen es wieder mal genau umgekehrt wie die Deutschen.

Und wie übersetzt man besinnlich? Mit einem Wort gar nicht, mit einem Adjektiv auch schlecht. Wenn der Kunde unbedingt darauf besteht, dann sagen wir sowas wie:

We wish you a Merry Christmas and a Happy New Year – and time to rest, relax and reflect.

Somit bedienen wir (hoffentlich) mehr oder weniger beide Kulturen.

Nachtrag: meine Schwester hat sich bei mir beschwert. Happy Holidays wäre rein Obamaisch, hat sie gemeint. Stimmt. Season's Greetings hat sie vorgeschlagen. Geht auch. Gott, die Frau ist noch kritischer als ich.

Samstag, 8. November 2008

operativ, produktiv - konstruktive Kritik

Operatives Management auf Englisch? Operational management. Nicht operative. An operative ist jemand, der eine Maschine bedient.

Produktivumgebung (ja, ja, IT schon wieder)? Production environment. A productive environment ist eine, in der die Menschen gern und gut arbeiten.

Wird eine Anwendung produktiv geschaltet (Wirkbetrieb, Regelbetrieb), so heisst das:

The application has gone live.
The application has gone into production.
The application has been transferred into the production environment.

Und so weiter. Aber nix mit productive, regular, action - oder was ich sonst für Auswüchse erlebt habe.

Freitag, 7. November 2008

Die buzzwords von 2008 auf Englisch

Wir „entwicklen“ gerade unsere Weichnachtskarte – und spielen dabei mit den buzzwords (also die Begriffe, die gerade „in“ sind) des Jahres 2008.

Die Kreditklemme = credit crunch
Rettungspaket = bail-out package
Einstellungsstop = hiring freeze oder auch job freeze
Gewinnwarnung = profit warning
Markturbulenzen = market turmoil (singular)
Kreditverbriefung = debt securitisation (auf Obamaerisch securitization)
Produktionspause = suspended production (zum Beispiel: Daimler has suspended production... Es gibt aber auch andere Möglichkeiten: production cutbacks, to curb production)
Geldvernichtungsmaschine = Lehman Brothers
Wendelin Wiedeking = Hedge Fund Manager of the Year
Hypo Real Estate = the black hole of Munich

Tolles Jahr für neue Begriffe, nicht?

Mittwoch, 5. November 2008

Digitalisierung, Authentifizierung, Adaption

Heute wieder mal was für die IT-Fuzzis. Naja, nicht nur.

Digitalisierung heisst auf Englisch to digitise (auf Obama-Englisch: digitize). Liebe Übersetzer, bitte memorise. Auf Denglisch ist das digitalise. Leute, das ist FALSCH!

Authentifizierung heißt auf Englisch authentication. Nicht authentification. Leute, das ist FALSCH! Auch auf Obama-Englisch.

Ach, alles auf Englisch ist kürzer? Nein, nicht immer.

Wird ein Text von uns adaptiert, so ist das Endprodukt eine adaptation. Manche Konkurrenten behaupten, adaptions anzubieten. Leute, das ist FALSCH!!!! Und das obwohl es angeblich deren Kernkompetenz (core competency) sein soll.

Montag, 3. November 2008

Out of office in Welsh

Auch in Großbritannien wird übersetzt - gelegentlich auchs Walisische. Und auch in Great Britain geht das manchmal schief.

Ich bin Axel E. für den Hinweis auf folgenden Bericht dankbar:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/wales/7702913.stm

oder auch auf Deutsch:

http://www.zoomer.de/news/news-zoom/mixed/abwesenheitsnotiz/falsches-straszenschild-dank-falscher-mail

Dahinter steckt aber auch ein Problem, mit dem wir auch zu ständig zu kämpfen haben: man sollte gesetzten fremdsprachlichen Text von einem entsprechend kundigen Ausländer korrektur lesen lassen. Bei uns ist das schon im Preis inbegriffen. Das Angebot wird aber nicht immer in Anspruch genommen. Und oft hat der (deutschsprachige) Kunde unseren Text zwischenzeitlich "korrigiert" (da fällt mir das wunderbare Wort "verschlimmbessert" ein).

Es ist ein Vorgang, der in der eigenen Sprache undenkbar wäre - eine deutsche Broschüre oder Anzeige, die von einem Nichtdeutschen geändert wurde - und dann ab in den Druck ohne Gegenkontrolle? Aber auf Englisch? Ja klar, machen wir. Englisch kann doch jeder.

Freitag, 31. Oktober 2008

Die Wellness-Inflation und Taschen aufm Po

Ich habe es schon mal moniert: wellness gibt es zwar auf Englisch – aber der Begriff wird selten verwendet, und nur im Bereich Gesundheit.

In Deutschland dagegen wird das arme Wort in die Länge gedehnt, bis es für alles passt.

Heute zum Beispiel versuchen wir einen Kunden im Bereich Mode (wo denglisch richtig blüht) davon abzubringen, eine Produktlinie so zu nennen – denn die Polos und Hosen sind nicht irgendwie besonders gesund. Nur leger. I do not hold out much hope.

Wir haben ihn auch darauf hingewiesen, dass man Rückseite lieber nicht mit backside übersetzt – denn dass ist der Po. Back (bei einem T-Shirt) oder reverse (bei einem Blatt Papier) sind da die richtigen Begriffe.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

A good call

Heute kam eine fast schüchterne aber berechtigte Anfrage von einer großen Münchner Agentur „Ich verstehe zwar, worum es geht – aber zwei Sachen irritieren mich", meinte die Dame. Es ging um den Satz:

The fun continues at XYZ.com

“Wieso at? Und wieso kein www?"

Tja.

Es heißt on the Internet nicht in the Internet.
Es heißt at XYZ.com und nicht under XYZ.com
Es heißt Call me at 017414, oder call me on 017414, und nicht under.

Auch bei diesen relativ einfachen Sachen gibt es viele, die die teutonischen Präpositionen übernehmen.

Und www?

In letzter Zeit ist ein klarer Trend bei Webadressen in englischsprachigen Anzeigen zu erkennen – das www wird weggelassen. In Germany gibt es das auch gelegentlich, aber nicht so oft. Vielleicht kommt es noch?

Nachtrag: die Übersetzung von Good call fehlt. Es bedeutet eine gute Entscheidung, vor allem eine Entscheidung, bei der man Sachen "abwägen" muss, sein Wissen oder Erfahrung einsetzen muss. "Call" kommt aus dem Sportbereich - zum Beispiel: the line judge called the ball out (der Linienrichter sagte, der Ball war im Aus)

Samstag, 25. Oktober 2008

Big Blue Goes Green - auch auf Deutsch

Sehr viel Werbung ist selbstverliebt. Und sehr viele Werber auch. Viele Anzeigen und Spots werden schlecht oder holprig übersetzt. Das Ergebnis ist Antiwerbung.

Es gibt aber gott sei dank auch positive Bespiele.

Die Werbung für green IT (umweltfreundliche Informationstechnologie) von IBM (oft Big Blue genannt) ist so ein Fall.

http://www.youtube.com/watch?v=VSNFE6eUjfY


Ein relativ abstraktes und schwer zu verkaufendes Thema wird hier richtig anschaulich dargestellt.

Und die deutsche Version (die oft auf n-tv läuft) ist auch verdammt gut. Die Übersetzung (naja, von Übersetzung kann man schlecht reden – es ist eine gelungene Adaption/Lokalisierung) ist exzellent – vor allem die griffige, glaubhafte Ausdrucksweise des Managers: „macht Mordseindruck auf die Ökos“ (werden auf Englisch abwertend tree huggers genannt), „jetzt mal Klartext“ und so weiter – super, super, super.

http://de.youtube.com/watch?v=p62cB_CeJz8

Übrigens: Germans benutzen das Wort Manager etwas anders als wir (nämlich für "wichtige" Leute in der Wirtschaft). In England und New England dagegen ist fast jeder ein Manager – auch wenn er nur Würtschen verkauft. Wenn es um leitende Angestellte oder Entscheider (decision-makers) geht – dann sind das eher executives oder senior managers.

Freitag, 24. Oktober 2008

Handbag vs pockets

Laut der offiziellen Website ist Joy "Das Trendmagazin im Pocket-Format. Für junge, moderne Frauen."

Naja, das müssen recht grosse pockets sein. Klar, man (frau) kann von pocket size reden. Aber das Ding sollte entsprechend handlich dimensioniert sein.

Handbag-size ist der übliche Begriff bei Frauenlektüre. In der Hosentasche könnte so n Zeitschrift recht blöd aussehen.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Billiger Flug? Billige Übersetzung?

GermanWings ist bekanntlich eine Billigfluglinie. Trotzdem leistet sie sich eine Hochglanz-Zeitschrift samt Interview mit Anke Engelke. Die Übersetzung dagegen scheint auch low budget zu sein (10 Cent pro Wort laut Eintrag auf proz.com).

Bei GermanWings hapert es manchmal am Service. Bei den Übersetzern hapert es ein wenig an der Orthografie und Grammatik.

Beispiel Titelblatt:





Das heißt its nicht it’s. Und A city on its way? Versteh ich nicht. On the way to where? Macht nix.

Es wäre auch ratsam, wenn die Übersetzer mal die Schreibhilfe einschalten würden.

Accommodation zum Beispiel schreibt sich mit zwei M. Die Übersetzer haben sich wohl aus Kostengründen ein M gespart. Gleich viermal auf Seite 60 und 61.



Arg German vom Duktus ist auch die Überschrift auf Seite 54.





Wellness for the hair?

Wellness ist das sprachliche Pendant zu Roger Whittakar. Ja, irgendwie „English“ – aber richtig Karriere hat er erst in Deutschland gemacht.

Wellness wird im Deutschen richtig breitgetreten und für alles genommen. Und "the hair" ist auch nicht gerade schön. Macht nix.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Aus dem Gleichgewicht geraten

Englische Fachbegriffe werden von Teutonen gern abgekürzt – mit unbeabsichtigten Folgen.

UBS, NordLB und German Invest zum Beispiel verkaufen Finanzlösungen, die völlig aus dem Gleichgewicht geraten sind: Off-Balance-Lösungen.


Gemeint sind natürlich Lösungen, die nicht auf der Bilanz auftauchen (z.B. Leasing). Aber eine Bilanz ist ein balance sheet. Abkürzen sollte man das nicht. Denn: Balance ist das Gleichgewicht. Off balance heisst aus dem Gleichgewicht geraten. Naja, die Finanzmärkte sind das schon.

Samstag, 18. Oktober 2008

Handelsblatt-Headline-Horror

Die Wochendbeilage vom Handelsblatt heißt – klar, muss sein – Weekend.

Auf Seite 6 und 7 von der aktuellen Ausgabe ist eine große, vermeintlich englische Headline:





Verlieren heißt auf Englisch lose. Nicht loose. Loose ist "lose" im Sinne von "nicht fest gebunden", und das S wird scharf ausgesprochen. Sorry, ich finde es auch nicht logisch, aber so ist es nun mal. Englisch ist nicht phonetisch. Ich habe mich auch deshalb auf der Uni für Deutsch und Russisch entschieden – und ließ Französisch gauche liegen.

Wir lassen uns auch nicht schreibtechnisch reformieren. Da würden alle auf die Barrikaden gehen – mit einer inzwischen recht tuddeligen (erm, wie schreibt man DAS?) Maggie Thatcher wahrscheinlich ganz vorne, eine Union Jack wedelnd.

Und wir setzen auch nicht obsessiv einen Komma vor jedem When, if und because. In unserem Beispiel oben ist das ganz klar teutonisch-falsch.

Gott, wie oft haben uns übereifrige Grafiker diesbezüglich schon "korrigiert" (und/oder unsere bettelnde Kommentare ignoriert).

Seufz. Have a nice weekend. Trotz credit crunch und market meltdown.

Freitag, 17. Oktober 2008

Wenn deutsche Kunden Englisch schreiben...

Fast täglich erhalten wir Emails mit folgender Bitte:

"Wir haben selber was auf Englisch geschrieben… Sie brauchen nur kurz drüber schauen!"

Bei solchen Anfragen schrillen bei uns sofort sämtliche englische, schottische und walisische Alarmglocken. Selbst der einsame Schwabe im Büro geht in Deckung.

Aber ich kann doch Englisch??!!
Auch wenn der Kunde 10 Jahre in den USA lebte und sich bestens mit den englischen Fachbegriffen der Branche auskennt – er (oder sie) kann besser auf Deutsch als auf Englisch formulieren. Und wir können besser Englisch – really.

Wenn ein Nicht-Muttersprachler selber auf Englisch schreibt…
  • Häufig stimmt die Struktur/ die logischen Verbindungen des Dokuments nicht – denn der Autor muss sich zu sehr auf die Fremdsprache konzentrieren!
  • Vieles ist unklar formuliert – teilweise verstehen wir einfach nicht, was der Autor sagen wollte. Wir müssen anrufen, oder raten
  • Viele Formulierungen sind unnatürlich – trotzdem kann es selbst einem geschulten Muttersprachler schwer fallen, das Problem genau zu erkennen und zu korrigieren
  • Besonders beliebt sind "falsche Freunde" – Wörter, die auf Englisch und Deutsch sehr ähnlich klingen, aber doch unterschiedlich sind. Hier kann es sehr schwer sein, die eigentliche Intention des Autors zu deuten

Ich erinnere mich besonders gern an die Anfrage für ein 50-seitiges Dokument von einem großen Konzern mit Sitz in Bonn. The Men in Magenta wollten es selber auf Englisch schreiben (angeblich um Zeit und Geld zu sparen) - dafür waren 4 Wochen anberaumt. Wir sollten drei Tage zum Überarbeiten haben. Schnell drüber schauen geht doch flott, oder? Der erste Satz im Entwurf ließ schon Schlimmes erahnen: "The actual document...". Wir haben dankend abgelehnt.

Warum ist das so schlimm?

Bei Englisch-made-in-Germany können wir nicht frei texten oder übersetzen – sondern müssen uns erst mal mühsam in den Text reinfinden. Die Gefahr ist sehr groß, dass wir Fehler in den "fertigen" englischen Dokumenten übersehen. Auf jeden Fall ist das Endergebnis nie so gut, wie bei einem Text, der von Anfang an von einem Muttersprachler erstellt wurde. Und das Ganze wird wesentlich aufwendiger und teuerer. Mit Spaßfaktor Null.

Bauen Sie Ihr eigenes Haus?
Zum Vergleich: Wenn Sie versuchen, Ihr Haus selber zu bauen und erst zum Schluss den Fachmann holen, so kann er nicht kurz drüberschauen – sondern er muss erst mal feststellen, was und wie alles gemacht wurde. Und oft muss er alles, inklusive Fundament, komplett neu machen. So geht‘s uns auch.

Was tun?
Wir werden gern auf Deutsch gebrieft. Aber schreiben lieber selber auf Englisch. Das ist besser, schneller und nervenschonender. Und fast immer billiger.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

England, my England

Wir haben heute einen Artikel zum Übersetzen über Paul Potts. Angeblich wurde er bei England’s got talent entdeckt. Hmmm. Der Wettbewerb heißt aber: Britain’s got talent (und er hat laut dem Autor standing ovations erhalten – bei uns gibt es nur eine standing ovation - da sind wir knauserig).

Sehr oft sagen (und denken) die Deutschen England, wenn Britain gemeint ist. Und in der Wirtschaft ist der Markt the UK. Das merken auch viele Übersetzer nicht.

Der Unterschied zwischen UK and Great Britain? Bei GB fehlt Northern Ireland.

Übrigens: England, my England ist ein Buch von DH Lawrence. Und der ist mit einer Deutschen nach Mexiko durchgebrannt. Er hat eh einen Knall gehabt. Auch wenn ich seine Bücher liebe.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

n-tv should watch its words

Ich hab schon mal erwähnt, dass ich ein n-tv junkie bin – also süchtig nach dem Nachrichtensender n-tv.

Und dass ich auch von deren flüssigen Übersetzungen aus dem Englischen angetan bin.

Allerdings: manchmal hapert es an der Genauigkeit.

Doch gerade mitten in der credit crunch werden die Worte der Politiker auf die Goldwaage gelegt.

Beispiel 1:

US Treasury Secretary, Henry Paulson, warned yesterday: "One thing we must recognise – even with the new Treasury authorities – is that some financial institutions will fail."

Bei n-tv war sich Mr Paulson plötzlich weniger pessimistisch – da sprach er nur noch davon, dass sie Pleite gehen könnten.

Macht ja nix...

Beispiel 2:
Diesmal wurde die Vorsicht des isländischen Premierministers weggewischt:

Geir H. Haarde: "We will not be closing banks but it is conceivable that some of them will not be able to function without our authorities intervening"

Bei n-tv war conceivable (also denkbar) plötzlich "offensichtlich".

Macht ja nix...

Beispiel 3:
Ach, ich weiss nicht mehr, wer das war – aber irgend ein hohes Tier sagte im Interview: "I keep getting texts about it". Texts ist richtiges Englisch für SMS, was (eher) denglisch ist. Das wusste der n-tv Reporter natürlich nicht – und aus den SMS wurden Briefe.

Macht ja nix...

Notpimmel am Flughafen Frankfurt

Ja, eine ungewöhnliche Überschrift, gebe ich zu. Aber das gibt die Übersetzung her.

Denn: Es gibt bekanntlich Wörter mit mehreren Bedeutungen – und der Muttersprachler hat im Kopp eine eindeutige "Reihenfolge" der Assoziationen. Und es gibt natürliche und nicht ganz natürliche Wort-Kombinationen (Kollokationen). Wenn dies beim Übersetzen nicht beachtet wird, so kann es fatal-amüsante Folgen haben.

Ein stopcock ist eindeutig ein Absperrventil.

Cock hat dagegen verschiedene Bedeutungen – aber vor allem eine: Pimmel.


Ich bin für folgendes Bild den Twin Translators – siehe http://www.uebersetzungsfehler.com/ – ewig dankbar.




Also selbst für einen Notpimmel ist das etwas klein geraten, finde ich.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Verantwortunglos am Flughafen Stuttgart

Das Flughäfele Stuttgart ist angeblich international. Und deswegen schwätzt man auf Englisch.

Auf der Website kümmert sich aber keiner um die Qualität der Inhalte:

No responsibility is taken for the correctness of this information.

Schade. Was ich durchaus hätte verstehen können wäre: No responsibility is accepted for the accuracy of information provided on this Website. Oder gar liability. Aber so...

Außerdem ist die Website übersät mit deutschen Textfetzen.

Take a look:

http://www.stuttgart-airport.com/sys/index.php?section_id=0&id=0&lang=1

Gut, meine Mutter würde "Schnellbuchung" vielleicht gerade noch verstehen. Aber bei "Abflug" wäre sie wohl überfragt. Was der reibungslosen Rückkehr hinderlich sein könnte.

Montag, 6. Oktober 2008

Säuglinge werden erschossen - und Mutti macht mit

Ich habe neulich das Thema "Shooting" angesprochen. Heute habe ich dank einem Kollegen - Richard Briggs - die Steigerung:



2007 wurden in Stuttgart Mütter aufgerufen, ihre Kinder zu erschiessen:



Zugegeben, Deutschland ist nicht besonders child-friendly, aber das geht echt etwas zu weit.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Focus Green? Was für Golfspieler vielleicht?

Ich zitiere:

„Das Design Center Stuttgart schrieb den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg im Jahr 2008 als Focus Green aus. „

Focus Green ist nicht Englisch. Es ist Möchte-Gern-Englisch. Lassen Sie sich zuerst folgende Wortkombinationen auf der teutonischen Zunge zergehen:

Schwerpunkt Ökologie
Faszination Auto
Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge

Was haben sie alle gemeinsam? Sie sind ganz schön nackt – gänzlich ohne Präposition und Interpunktion. Und viel wichtiger: das zweite Wort beschreibt das erste. Ist kurz und knackig – auf Deutsch. Ist irreführend und irritierend – auf Englisch.

Focus beschreibt für uns das zweite Wort Green. Also geht es um einen besonderen Golfplatz, oder? Ein Green, bei dem man sich ganz arg konzentrieren muss.

Interessanteweise gibt es ein paar Fälle, bei denen wir Angelsachsen die Wörter auch umdrehen:

Lake Garda (oder auch Lake Constance)
Team GB

Und ihr würdet es nicht tun. Wie klingt das? See Garda. Mannschaft Großbritannien? Ziemlich bescheuert, oder? Aber ihr macht genau das tagtäglich mit unserer Sprache. Stop it please.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Tastatur? Nicht unbedingt keyboard. Stift? Nicht unbedingt pen.

Wir haben zur Zeit eine ausgezeichnete Praktikantin. Wie übersetzt man Praktikantin? Früher war das in England jemand on a work placement oder on an industrial placement, aber inzwischen unterwerfen wir uns den Yanks und sagen auch an intern.

Sie ist aber eher auf dem Gebiet law and commerce stark als information technology.

Sie ließ sich deswegen bei einem Text für Motorola gleich dreimal austricksen:

Tastatur? Tja, bei einem PC ist das natürlich eine keyboard. Aber bei einem handheld oder cell phone ist das ein keypad.

Und wenn man einen Stift zum Draufdappen auf dem PDA hat, ist das kein pen sondern eher ein stylus. Oder doppeltgemoppelt stylus pen:

http://phone.cellphoneshop.com/1/1/16563-stylus-pen-motorola-a1200.html

Und Nr. 3?

Es ging um Images – und sie hat fleißig (verzweifelt?) auf der entsprechenden Website nach Bildern gesucht. Aber in der IT ist das natürlich was anderes: es ist die "Abbildung" einer bestimmten Software-Konfiguration, die man dann flott auf vielen anderen Geräten implementieren kann – ohne lästige Installationsroutinen. Und sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ist das tatsächlich ein image.

Freitag, 26. September 2008

Ach, ein Schmerzmittel für Kriminelle?

Bayer hat ein neues Produkt. Aspirin Effect. Dazu braucht man kein Wasser und daher – laut eigener Website – the perfect delivery form for when you are on the run. Also wenn man auf der Flucht ist. Kann ich mir gut vorstellen: über den Stacheldraht, dann durchs Gestrüpp, vielleicht ein Gummiknüppel auf die Birne – da bekommt man schnell Kopf- und Gliederschmerzen.

Gemeint war wohl: on the move, on the road, mobile professionals, on the go (wobei Letzteres eher die Geschäftigkeit/Aktivität als die Mobilität ausdrückt). Aber definitiv nicht on the run!

Insgesamt klingt der Text recht komisch – womöglich sogar von einem Außengeländer übersetzt. Hätte ich von Bayer echt nicht erwartet.

http://www.aspirin.com/aspirin_effect_en.html

Donnerstag, 25. September 2008

Garbage in, garbage out

Ja, das führende IT-Denglisch-Inkompetenzzentrum ist wieder sehr aktiv gewesen (und das ist mein Kunde!!! Seit fast 20 Jahren! Solange kämpfe ich gegen sprachliche Windmühlen!! Seufz).

Es gibt wieder mal eine Broschüre aus Berlin. Auch hier muss ich leider feststellen: der deutsche Text ist suboptimal. Übergibt man das suboptimale Orginal an einen suboptimalen translator, kommt astreiner Schrott dabei raus. Oder wie die Amis zu sagen pflegen: garbage in, garbage out (GIGO).

Ich entschuldige mich jetzt schon bei den Leuten, die nicht unbedingt "IT savvy" sind. Das wird für euch jetzt langweilig.

Garbage in:
Fliegender Wechsel. Ambition: Vom Konzept bis zum Regelbetrieb der Application Management Services

Garbage out:
Swift change. Ambition: From conception to standard operation of AMS


Garbage in - Erklärung

Erstens: Application Management Services ist nicht unbedingt der beste Begriff – es geht um Pflege, Wartung und Weiterentwicklung, nicht um Betrieb/Hosting.

Zweitens: Fliegender Wechsel? Nach etwas Recherche bin ich dahinter gekommen – der Übergang zum AMS-Outsourcing-Modell mittels Ambition kann recht schnell und reibungslos über die Bühne gehen. Kommt nicht klar rüber.

Drittens: Es geht nicht wirklich um den Regelbetrieb der AMS – sondern um die Pflege der Kundenanwendungen mittels AMS im Regelbetrieb. Ambition ist eine Methodik für das Aufsetzen der AMS. Das kommt auch nicht klar rüber – der Begriff "Regelbetrieb" wird hier zweckentfremdet.

Viertens: es sind hier verschiedene Gedanken ohne Methodik zusammengeworfen worden.

Garbage out – Erklärung

Erstens: das hat der Übersetzer nicht kapiert.

Zweiten: ditto: es geht hier um den Übergang, nicht um schnelle Veränderung per se

Drittens: der Denkfehler hat der Übersetzer einfach übernommen. Conception ist meist Empfängnis. OK, mit "of AMS" nicht ganz so eindeutig, aber auch nicht gut. Es geht hier um planning mittels a proven methodology. (vor allem um gut aufgesetzte, gut durchdachte Prozesse – also wäre process design auch eine Möglichkeit). Und es ist nicht standard operation – im Gegensatz zu non-standard operation, was auch immer das ist. Es geht hier um die AMS-Aktivitäten während ongoing operation(s) oder the production phase - oder nach go-live.

Viertens: garbage in, garbage out.

Macht ja nix.

Übrigens: ich schreibe nicht nur Schmähblogs über meine Kunden (aus purer Verzweifelung). Ich versuche auch, sie vom denglischen Holzweg auf die Anglo-Saxon Superhighway zu führen.

Also habe ich bei Entdeckung des Go-Globality-Sprachmülls (siehe früheren Eintrag) den Leiter Marketing des Inkompetenzzentrums persönlich angeschreiben, und meine lingusitische Kritik und chirurgische First Aid angeboten. Keine Anwort. Der Text inklusive Fußnote des Übersetzers ist noch online zu haben:

http://download.sczm.t-systems.de/ContentPool/en/StaticPage/38/86/46/388646_Next-Generation-Workplace-ps.pdf?client=t-systems.de

You can lead a horse to water, but you can’t make it drink.
Free English lessons:

Garbage in, garbage out – eine moderne Redewendung, in etwa: Müll als Input, Müll als Output

You can lead a horse to water, but you can’t make it drink – eine recht alte und schöne Redewendung. Man man kann das Pferd zum Wasser führen, aber saufen muss es schon alleine – sprich: Hilfe kann man anbieten, aber wenn sie nicht genommen wird – kannscht nix mache

IT savvy – kennt sich im Bereich IT aus, IT-affin

In deutschen Werbeagenturen wird scharf geschossen

A shooting, meine lieben Werber, ist eine Schießerei. Wenn Heidi Klum mit einem Hamburger zwischen den perfekten toothy-pegs abgelichtet wird – so ist das ein (photo)shoot (ohne ing).

Ähnlich aber komplexer ist es bei Briefing. Briefing ist der Prozess des Gebrieft-werdens. A brief ist die Beschreibung des Auftrags bzw. der Auftrag an sich (wobei man natürlich auch briefing documents haben kann).

Man kann zum Beispiel sagen: That was not our brief.

Sprich: das war nicht der (uns vom Kunden beschriebene) Auftrag.

Siehe auch:

http://www.ford-peacock.com/selecting-an-agency/thebrief.html

Ähnlich ist auch Reporting. Das ist die Berichterstattung - nicht der Bericht (Achtung Emma: DER Bericht nicht DAS Bericht!!!).

Also: schickt bitte in Zukunft an den Oberchef einen Report und kein Reporting.

Free English lessons:
toothy-pegs = Beißerchen

Freitag, 19. September 2008

Mr Weitzen in New York – und das Wort seriös

Meistens texten wir Anzeigen oder übersetzen Presseinfos. Es gibt aber auch Aufträge der ungewöhlichen Art. Heute zum Beispiel durfte ich ein Internet Scam mitaufdecken.

Ein Bekannter von mir hat ein extrem lukratives Angebot für seine inzwischen nicht mehr so attraktiven Anteile an einer US-Firma erhalten. Das Angebot, der Vertrag, die dazu gehörige Website – alles sah recht seriös aus. Die Firma existiert ja tatsächlich. Den angebenenen contact gab es auch in Echt. Aber irgendwie... it was too good to be true.

Die Telefonnummer war nicht identisch mit der, die ich selber im Internet gefunden hatte. Und warum kam das Fax aus Japan?

Ich habe also die Firma einfach mal angerufen (unter der Nummer, die bei dem SEC zu finden ist) und mit einem Herrn Weitzen von the legal department telefoniert.

"Erm, we don’t have a Website."

und als er dann die Adresse eingab

www.icahnassoc.com

"That's not us."

Free English lessons:

Scam – Nepp, Betrug (ein Trick, mit dem man einem anderen Geld aus der Tasche zieht)

Wie übersetzt man seriös? Fast nie mit serious – denn das ist ernst. Respectable, business-like, professional – und in diesem Fall vielleicht kosher – ein Wort, das dem netten und seriösen Herrn Weitzen sicherlich bekannt sein durfte!

Übrigens: Ansprechpartner am besten schlicht und einfach mit contact übersetzen – lieber nicht contact person (gibts, aber nicht so häufig), und erst recht nicht contact partner.

im Internet = on the Internet (nicht in!!)

Donnerstag, 18. September 2008

Warum gibt es so viele schlechte Übersetzungen/Übersetzer?

Da gibt es jede Menge Gründe. Hier nur unsere Top Ten.

1. Es wird meist pro Zeile bezahlt – also je schneller und schludriger ich bin, desto mehr verdiene ich. Fragen, Recherche, Umformulieren? Koschtet Zeit und Geld.

2. Kaum jemand wird richtig ausgebildet – Germanistik/Anglistik? Ja. Die hohe Kunst des Übersetzens? Nein. Mittelhochdeutsch und feingeistige Literatur? Ja. Verständnis (und das entsprechende Vokabular) für technische und betriebswirtschaftliche Themen? Nein. Auch das Schreiben wird nicht gezielt unterrichtet. Inzwischen sind auch viele Sprachendienste in Unternehmen dichtgemacht worden – das spart jede Menge Geld, hat aber einen wichtigen „Ausbildungsweg“ zunichte gemacht.

3. Die großen Büros arbeiten vorwiegend nach dem Prinzip: Masse schlägt Klasse – und verteilen ihre Aufträge an billiger-ist-besser, anonyme Freiberufler in der ganzen Welt. Für den Übersetzer gibt es wenig Austausch mit dem Kunden, und wenig Grund, auf Qualität zu achten.

4. Es gibt fast nie eine richtige Kontrolle, geschweige denn eine Überarbeitung, oder Feedback für den Übersetzer – das würde die Kosten enorm erhöhen, und verlangsamt den Prozess

5. Zahlreiche Übersetzer haben den Beruf als Notlösung ergriffen – oder aus Liebe zur Anonymität. Sie sind oft schlecht motiviert, und nicht gerade kommunikativ (und das in einem Beruf, bei dem Kommunikation im Mittelpunkt steht)

6. Überraschend viele Übersetzter haben wenig Sprachgefühl (siehe 2 und 4)

7. Erschreckend viele Übersetzter haben wenig bis keine Ahnung von den Themen, die sie übersetzen (und packen ziemlich alles an: heute Medizin, morgen Maschinenbau, übermorgen Middleware)

8. Übersetzen ist verdammt schwierig – und oft sind die Ausgangstexte unlogisch, unstrukturiert oder einfach falsch. Aus einer schlechten, komplizierten Vorlage ein gutes Endprodukt zu machen ist möglich – aber extrem aufwendig. Der Kunde sieht meist nur den Preis, und entscheidet sich dagegen.

9. Das Endprodukt kann leider oft vom Kunden nicht beurteilt werden – ich bin kein KfZ-Mechaniker, aber ich sehe und merke den Unterschied zwischen einem Porsche und einem Trabi.

10. Der Kunde ist meist nicht der Konsument. Wenn dem Konsumenten der Sprachbrei nicht schmeckt – bekommt es der Kunde in den meisten Fällen gar nicht mit.

Montag, 15. September 2008

Von Menschen und Maultaschen

Umsatzsteuererklärung, mini-break am Lago di Ledro und dann auch noch Scharen von aus dem Urlaub wiederkehrende Kunden - wie lästig. Man merkt es: ich komme nicht zum Bloggen.

Also wieder mal auf die Schnelle.

Letzte Woche durfte ich die angeblich schon englischen Titel von Abteilungen und Managern eines dynamischen schwäbischen Mittelständlers überprüfen. Wie gewohnt und hier schon oft bemoaned, war alles schön verdreht – finance and control human ist zum Beispiel besonders nett. Erinnert an die Schilder auf der Autobahn: Vorsicht: hier arbeiten Menschen! Oder in diesem Fall nur der eine. Der Control Human. Man stellt sich den typischen Dialog auf dem Flur der Starship Enterprise vor:

Have you seen the Control Human ?
Yep, he's gone to lunch.


Womit wir beim Leckerbissen des Auftrags wären: denn bei der stark exportorientierten Firma wird im casino gegessen. Nur ist das leider im Englischen Roulette und Co. und nicht Maultaschen und Co. Wie die Marketing-Managerin auch meinte: „Dann werden wir wohl das Schild über der Tür austauschen müssen.“ Ich würde es zumindest vor dem nächsten Besuch aus Utah empfehlen.

Übrigens: der Trend zum Hintenanstellen von Adjektiven wird auch zu recht im wunderbaren Buch Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod angeprangert.


Free English lessons:
mini break - Kurzurlaub
bemoan - beklagen

Donnerstag, 4. September 2008

Wertschöpfungskette – wie übersetzt man das?

Ja, ja, die Ferien gehen zu Ende, die Anfragen häufen sich, und ich habe kaum noch Zeit fürs Bloggen.

Also ein Quickie (ja, auch ich komme ohne Denglisch nicht aus) heute.

Wertschöpfung – value creation, value added, added value

Wertschöpungskette – value chain. Nicht value-added chain. Und nur ganz selten value creation chain.
Überhaupt verkürzen wir den Gedanken Wertschöpfung oft auf value. Und besser als "to create value added" ist ganz einfach "to add value".
Denn es heisst ja beim Werbetextern und writers überhaupt: Keep it short and simple (KISS).

Dienstag, 2. September 2008

Deutsche Bank: Kill your babies!

Es gibt einen klugen Spruch unter den copywriters: Kill your babies!

Mit dieser brutalen Aufforderung ist gemeint: manchmal machts Päng im Kopf und es erscheint plötzlich eine wunderbare Alliteration, ein unheimlich witziges Wortspiel oder eine humorvoll verdrehte Redewendung. Nur: es erfüllt nicht den Zweck. Sprich: der Text soll ein Produkt verkaufen, eine klare Botschaft vermitteln. Tut er aber nicht.

Siehe in diesem Zusammenhang das veraltete aber unheimlich unterhaltsame Buch vom inzwischen verstorbenen Altmeister Ogilvy (Ogilvy on Advertising, ISBN 1853751960).

Also, wenn es nicht funktioniert, funktioniert es eben nicht – weg damit, und neu anfangen.

Dasselbe gilt für den angeblich englischen Claim von der Deutschen Bank.

Ich habe gestern performance erwähnt. Und wie der Zufall es will, kam am selben Tag unser Praktikant mit einer Ausgabe von The Economist zu mir, zeigte auf eine Anzeige vom Branchenprimus und fragte einfach: What are they trying to say?

Denn: a passion for performance ist auf den ersten Blick eine unheimlich gute Widergabe von Leistung aus Leidschaft. Aber nur auf den ersten Blick.

Performance kann vieles heißen. Ausführung. Auftritt. Auch Leistung – aber das Wort ist nicht von vornherein positiv belegt. Es ist neutral. Erst in Kombination (high performance, outperformance, poor performance) wirds klar, wohin, die Reise geht.

Bei dem besagten Claim riecht das Wort performance eher nach Auftritt auf der Theaterbühne als nach Leistung auf dem Parkett. Die ganze Konstruktion hat was eigenartiges an sich. Auch passion wirkt wie ein Fremdkörper – es ist ZU leidenschaftlich, und erinnert eher an Rumpy Pumpy als an Ackermann.

Neine, es ist nicht völlig falsch. Aber auch nicht ganz richtig. Es ist Denglisch. Kill your Denglisch!!!

Free English lessons:
Rumpy pumpy / rumpy bumpy - humorvolle, niedliche Bezeichung für den Austausch von Körperflüßigkeiten

Sonntag, 31. August 2008

Wenn deutsche Werbeagenturen sich verlieben

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Ein alter Kumpel ruft an. Er ist völlig hin und weg von einer Frau. Er ist von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Er hat die "total attraktive und sehr intelligente" Dame den Eltern schon vorgestellt – sie sind ebenfals begeistert. Der Termin beim Standesamt steht schon fest.

Sie fragen unschuldig: "Wie heißt die Angebetete denn?"

Der Hin-und-Weg-Kumpel: "Jackie."

Sie: "Ja, aber Jackie ist doch ein Mann!"

Tja, so geht es uns, wenn deutsche Werbeagenturen selber englische Claims entwicklen. Denn sie tun es meist am grünen Tisch – gänzlich ohne professionelle muttersprachliche Mitwirkung. Und verlieben sich in die eigene Kreation. Dann kommt der (deutschsprachige) Kunde – der das Ganze genau so toll findet und die internationale Umsetzung absegnet. Dann erst werden wir angerufen.

Daher sind wir leider oft in der undankbaren Rolle des ewigen Neinsagers. Denn englische Claims, die von deutschen Werbern entwickelt werden, sind in 99.9% der Fälle nichts - oft völlig daneben, bestenfalls sinnentleertes Baby-Englisch.

Warum?

Jedes noch so einfache Wort hat im Englischen andere Assoziationen als im Deutschen. Und es gibt viele wichtige aber subtile Unterschiede in der Sprache und der Kultur.

Wieviele deutsche Texter wissen, dass competence keine Kompetenz ausdrückt, performance erst mit einem positiven Adjektiv zu "Leistung" wird (viele Grüße an die Deutsche Bank)? Wieviele wissen, dass Dinner for One nur in Deutschland (und Südafrika) bekannt ist? Oder dass, be inspired nicht annährend an "Lass dich inspireren" kommt?

Übrigens: Auch der Begriff Claim ist eher Deutsch als Englisch. Üblich ist slogan, tagline oder strapline. Mit claim wird meistens das gemeint, was man mit dem Slogan zum Ausdruck bringen will (also: behaupten will).

Ich hatte mal mit einer Berliner Werbeagentur zu tun, die mich mit etwa 40 denglischen Claims fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Kein einziger war brauchbar. Aber die Agentur war nicht davon abzubringen. Sie waren fast alle selbstgestrikte Übersetzungen aus dem Deutschen oder zusammengestückelte Wörterbucheinträge.

Meine Rolle? Ich sollte *eigentlich* den englischen Claim selber entwicklen – meine Vorschläge wurden konsequent ignoriert. Statt dessen durfte ich immer wieder dieselbe Frage beanworten: "Wieso geht das nicht?" Das ist oft schwierig zu erklären. Und immer frustrierend – für beide Seiten.

Ich bin irgendwann mal ausgestiegen. Und konnte nur noch an den wunderbaren und kaum übersetzbaren deutschen Begriff denken: beratungsresistent!

Freitag, 29. August 2008

Verarbeitung, gut verarbeitet - wie wird's übersetzt?

Wie heißt Verarbeitung auf Englisch? Wie immer ist der Kontext entscheidend.

Viele Übersetzer schreiben reflexartig processing oder gar finishing. Das ist meist daneben.

Verarbeitendes Gewerbe ist auf jeden Fall manufacturing, oder the manufacturing industry. Und bei vielen Branchen, bei denen deutsche gern verarbeitend hinzufügen, würden wir es nicht tun (auch wenn tatsächlich plastics processing gibt, so sagen wir Angelsachsen doch oft einfach plastics industry oder plastics manufacturing).

Wenn was gut verarbeitet ist, so ist das einfach well made oder ein Beispiel von high-quality manufacturing. Bei Autos, Häusern und technischen Anlagen reden Fachleute gern auch von high build quality.

Hier ein nettes Beispiel von build quality:

http://www.independent.co.uk/life-style/motoring/features/the-ten-best-convertibles-1763071.html?action=Popup&ino=3

Muss man eine unangenehme Nachricht verarbeiten, so ist das allerdings digest (verdauen).

I hope the Leo Loving Linguists have digested this latest posting. Have a nice weekend.

Mittwoch, 27. August 2008

Individuell/Individuallösung auf Englisch

Individuell/Individual- ist ganz selten individual auf Englisch. Denn individual heißt einzeln.

Nehmen wir das Beispiel Software. Eine Individuallösung ist meist a custom solution – also von Grund auf für einen bestimmten Kunden entwickelt. Eine Standardlösung, die angepasst wurde, ist dagegen a customized solution.

Ganz allgemein kann man auch von customer-specific, made-to-measure, tailor-made oder tailored software sprechen. Meine Landsleute schreiben zeitweise bespoke software – was mich aber zu sehr an die häßlichen Anzüge von Prince Charles erinnert.

Außerhalb der IT-Welt ist personalized manchmal die beste Variante – wenn zum Beispiel ein Produkt oder ein Schreiben an eine Einzelperson angepasst wird.

Leider hat sich diese Erkenntnis bei meinem Noch-Kunden T-Systems nicht überall durchgesetzt. Der Konzern hat soeben eine neue Tochter gegründet: Individual Desktop Solutions. Macht ja nix – die Firma hat eben ein sehr individuelles Englisch.

Mit und ohne S - sowie ein Bericht aus Sinsheim


Gratulation! Auf Englisch? Congratulations. Plural. Mit einem S. Stehende Ovationen? Standing ovation. Singular. Ohne S. Wir machen eben alles etwas anders.

Übrigens: war die letzten Tage viel in Museen und Freizeitparks unterwegs – in ohrenbetäubender Begleitung zweier Jungs aus Sheffield sowie deren Eltern.

Besonders gut fanden the boys die Übersetzungen im Technikmuseum Sinsheim. Denn sie waren unfreiwillig komisch. Offensichtlich von einem Nicht-Muttersprachler erstellt, und gespickt mit orthografischen und grammatikalischen Fehlern. Aus "Leistung auf dem Papier" wurde "paper performance", aus "Daimler lieferte nur" wurde "Daimler did not deliver", und aus "Bausatz-Auto" wurde ein "cit cat". Na guten Appetit!


Mittwoch, 20. August 2008

Con and out-of-order word order revisited

The Games Convention findet gerade in Leipzig statt. Laut n-tv heißt die Messe ab nächstem Jahr (in Köln) GamesCon. Interessant, interessant: SpieleNepp in Cologne.

Und heute schickt uns ein (recht angenehmer) Kunde in der Modebranche eine Pressemitteilung mit vielen nicht-ganz-richtig-aber-bitte-genauso-stehen-lassen denglischen Titeln und Aufgabenbezeichnungen. Zum Beispiel Collection Planning Men. Was gemeint ist, ist einem Deutschen wohl klar – die Planung von der Männer-Kollektion. Es wird allerdings von englischen Ohren und Augen anders wahrgenommen: Männer, die die Kollektion planen.

Blog-Urlaub: die nächsten 6 Tage werde ich fleißig Englisch üben, Bacon braten, Wii spielen und Kanu fahren. Erst danach gibt es eine Fortsetzung des Blogs.

Dienstag, 19. August 2008

Incompetence with system

Es gibt griffige Wörter und Wortkombinationen, die oft für Headlines und Slogans eingesetzt werden. Kompetenz in Finanzen, Logistik mit System, Kreativität ohne Grenzen.

Es gibt natürlich core competencies. Aber das habt ihr eh von uns geklaut. Also Vorsicht: während Kompetenz eine aüßerst positive Ausstrahlung hat, ist Competence so la la – es ist die Fähigkeit, irgendwas zu tun, aber viel mehr auch nicht.

Stellen Sie sich zum Bespiel folgenden Dialog vor:

"Is he any good?"
"He's competent."

Das nennt sich damning with faint praise. Sprich: es ist gerade so wenig Lob, dass es wie vernichtende Kritik ankommt.

Viel besser ist expertise, oder skills.

Soziale Kompetenz zu Beispiel ist nicht, liebe BASFler, social competence, sondern soft skills oder interpersonal skills.

Dann gibt es mit System. With system ist völlig bedeutungslos. Ich höre den Kundenberater schon grummeln: wie übersetzt man es denn? Naja, die Idee dahinter könnte man etwa mit "systematic" umschreiben – aber nur umschreiben. Das ist nicht headline-tauglich. Wie sooft heißt die Lösung: komplett neu auf Englisch dichten.

Ohne Grenzen ist ähnlich. Ich habe verschiedene Übersetzungsversuche gesehen: without borders, without frontiers, without limits - und heute bei SAP: without barriers. Leider wird "barriers"vor allem in Verbindung mit Behinderung verwendet – barrier-free housing zum Beispiel (was ihr auch geklaut habt).

Diese Versuche sind nicht auf der Nonsens-Ebene von with system. Aber für die meisten Headlines nicht das Ideale – denn es geht nicht um geografische Grenzen oder physische Barrieren. Sondern um das "Grenzenlose" an sich. Eine Möglichkeit wäre unlimited. Creativity unlimited zum Beispiel. Aber auch hier wäre es besser, auf Englisch von Null anzufangen – und nicht typisch deutsche Strukturen zu übernehmen.

Übrigens Spiel ohne Grenzen gabs auch bei uns. Hieß allerdings: It’s a Knock-Out

Montag, 18. August 2008

MoreCon AG – Nepp von Haus aus?

Man sollte Firmennamen, die angeblich englisch sind, vielleicht mal auf deren Bedeutung überprüfen?

MoreCon zum Beispiel. Con heißt auf Englisch Nepp, Bauerfängerei, Betrug. Es ist keine Abkürzung für Connections. MoreCon ist eine Steigerung davon. Also wird wohl mehr geneppt und betrogen als anderswo. Es gibt auch den schönen Ausdruck con artist – also einer, der cons hauptberuflich macht. Das wäre doch ein schöner Firmenname, oder? ConArtists AG. Ist besser als MehrBetrug Ltd.

Sonntag, 17. August 2008

Flip-Flops and The London Eye

Ich schaue gern n-tv. Vor allem den tollpatschigen aber liebenswürdigen Manfred Bleskin – he has something avuncular about him.

Der Nachrichten-Sender übernimmt gerne Nachrichten von englischsprachigen Sendern. Ich nehme an, die Redakteure übersetzen die Texte selber. Denn die Beiträge sind meist angenehm flüssig, aber gelegentlich falsch oder einfach ohne Hintergrundwissen übertragen.

Beispiel 1: Es kam letzte Woche ein sehr schöner Bericht über meine Lieblingsattraktion in der englischen Hauptstadt: The London Eye.

Das Rad dreht sich ohne Unterbrechnung - aber extrem langsam. Damit können Opis, Omis und Hinnis problem- und gefahrlos ein- und aussteigen. Denn, wie ein Vertreter der Betreiberfirma betonte: "It's not supposed to be a white-knuckle ride." Sprich: die Leute sollen sich nicht vor Angst mit den Händen festkrallen. Daraus wurde bei n-tv leider genau das Gegenteil: "Das ist nichts für Angsthasen."

Na danke. Wieviel deutsche Rentiers habt ihr damit abgeschreckt? Anderseits: vielleicht verkürzen sich dadurch die Wartezeiten.

Beispiel Nr. 2: zur Zeit sind in den USA mit den Köpfen von Obama und McCain dekorierten Flipflops der absolute Renner. Hierzu lief ganz kurz ein Bericht auf n-tv. Wahrscheinlich deswegen so kurz, weil das Hintergrundwissen fehlte. Denn der Grund für diese plötzliche Nachfrage nach der famös flexiblen Footwear wurde nicht mitgeliefert: flip-flop ist ein sehr beliebtes Schimpfwort für Kandidaten, die ihre Meinung in Anbetracht der neuesten realpolitischen Notwendigkeiten ständig hin- und herbiegen.

Übrigens: Haben Sie gewußt, wie Realpolitik auf Englisch heißt? realpolitik. Echt.

Der beste/schlimmste Fehler, den ich bei n-tv erlebt habe, liegt ein paar Jahre zurück: Irgendeinem Hollywood-Starlet wurde von irgendeinem anderen Hollywood-Starlet vorgeworfen, sie sei a tramp. Das ist nicht nett. Das ist eine abgemilderte Ausgabe von "Schlampe". Wie wurde es übersetzt? Mit "Penner". Denn es kann auch ein Obdachlose sein. Und das stand wohl im Langenscheidt oder bei Leo.

Ich hab n-tv eine nette Mail geschrieben. Hätte ich mir sparen sollen. Keine Anwort. Keine Korrektur. Der Bericht war noch Monate lang zu lesen. Ganz schön schlampig. Manfred, you disappoint me.

Free English lessons:
avuncular - wie ein Onkel, freundlich und fürsorgend
knuckle - Fingerknochen
ride - Fahrt

Freitag, 15. August 2008

Wie übersetzt man Impressum? Part 2. Take 2.

Wir wollen heute mal die virtuelle Denglisch-Welt ins Visier nehmen.

Ein Website-Impressum ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, klar definiert, und fast immer auf der Startseite klar erkennbar. Woanders ist das anders. Egal. Das Ding muss übersetzt werden.

Die meisten Übersetzer schreiben imprint. Leo-Müll. Siehe Part 1.

Manche schreiben masthead. Hab ich sogar ein paar mal im echten Online-Leben gesehen – aber immer nur auf Websites von Zeitschriften. Das liegt auch nah (see Part 1 again). Jetzt googeln Sie aber masthead. Merken Sie was? Fast alles deutsche Websites. Also nicht falsch, aber auch nicht unbedingt die beste Lösung.

Disclaimer oder legal info vielleicht? Wenn es stimmt, dann gern. Aber ein Impressum umfaßt meist allgemeine Infos, nicht nur juristiche Haftungsausschlüsse.

Ich empfehle wieder fuzzy research. Was finden wir: About this Website. Recht häufig. Weniger oft: Website info oder site information.

Fazit: es gibt hier tatsächlich eine Lösung – eine, die dem deutschen Impressum (mehr oder weniger) entspricht. Und im Englischen verwendet und verstanden wird. Also Lazy Leo Linguists take note: nie wieder imprint schreiben.

Free English lessons
Take 2 = Klappe 2; also im übertragenen Sinne ein 2. Versuch
Fuzzy = unscharf; fuzzy research in Anlehnung an fuzzy logic
Leo fans take note = Leo-Anhänger aufgepasst

Donnerstag, 14. August 2008

Lemons and limes

Kennen Sie den Unterscheid zwischen einer Limette und einer Zitrone? Schon seit dem Kindergarten wahrscheinlich.

Aber Dr Oetker und Becks wissen es nicht. Die nennen ihre Produkte mit Limettengeschmack Green Lemon. Die meinen lime. A lime is small, and green and round. A lemon is bigger, more of an oval, and yellow. Es sei denn, sie ist extrem unreif. Aber eine Limette ist sie dann trotzdem nicht.

Wie übersetzt man Impressum? Part 2. Naja. Vielleicht doch nicht.

Ich habs ja gesagt: ich habe echte Probleme mit dem Thema. Es regt mich einfach auf.

Also zuerst a little diversion: ich habe gestern auf BBC Prime die Krankenhaussendung Holby City geschaut. I love Holby City. Besonders die strict-but-oh-so-sexy ward sister in der schicken blauen Uniform. Seufz.

http://www.bbc.co.uk/drama/holbycity/characters-cast/characters/chrissiewilliams.shtml

But I digress. Zurück zur Sprache. Da sagte eine nurse: "He's been having blackouts."

Naaaaaa? Was heißt das denn? Also der Kohl, der auch für passende Vergleiche immer gut war, meinte in Bezug auf den Kollegen Goebels-Gorbatschow damals: "Ich had' da einfach 'n Bläckaut." (hmm, I’m showing my age). Aber er hat sicherlich was anderes damit sagen wollen.

Denn: er ist (leider) nicht in Ohnmacht gefallen. Ein black out ist auch ein Stromausfall (wenn alle Lichter und Holby City nicht mehr zu sehen sind). Oder im Krieg die absichtliche Verdunkelung (same again).

http://atschool.eduweb.co.uk/nettsch/time/wlife.html

Dort sieht man auch, dass man umgekehrt auch Fehler macht – mit the blitz zum Beispiel

Aber ein Aussetzer ist das nicht. Da würde man bei plötzlicher Leere im Kopp sagen: My mind went blank. Oder bei einer unerwarteten Handlung vielleicht: I don’t know what came over me. Oder gar: It was a moment of madness. Aber nicht: I had a black out.

Impressum? Oh bitte. Nicht heute. Ich will BBC Prime gucken. Außerdem: ich bekomme Besuch von einer AC-Mailand-Anhängerin. Und ich bin FC Liverpool-Fan. Das Leben kann echt grausam sein.

Übrigens: Mailand = Milan auf Englisch. Und FC Liverpool wird am besten übersetzt mit Five Times Champions of Europe.

Free English lessons:
Ward sister – Oberschwester? Ward = Station, sister = Chefin
A little diversion – hier: ein kleiner Abstecher, Ablenkung; sonst Umleitung
But I digress: ich komme vom Thema ab - aber ironisch-förmlich

Mittwoch, 13. August 2008

Menschenhandel!!!!!

Xing wieder: The banker sales company sucht Verstärkung.

Kein Wunder - einem Kreditinstitut (nein, nicht credit institute), das seine Leute verkauft, wird ganz schnell das Personal ausgehen.

Meine Empfehlung: Strong sell.

Wie übersetzt man Impressum? Part 1

Ich habe mich eine ganze Weile vor diesem Begriff gedrückt. Zum einen ist es verdammt knifflig zu erklären. Zum anderen regt mich das Thema auf – denn hier merkt man die Bequemlichkeit vieler Übersetzer (sprich: es steht weit oben bei Leo, also nehme ich das halt – auch wenn ich das selber nie gehört habe). Aber eins nach dem anderen:

Heute widmen uns den Print-Produkten (morgen kommen die Websites dran)

Bei germanischen Publikationen stolpert man regelmäßig über die Überschrift "Impressum". Nun, was steht bei englischen newspapers, magazines and books? GAR NIX.

Es werden zwar Herausgeber, Anzeigenverkaufsleiter und Art-Director aufgeführt. Aber ohne Überschrift. Das ist mir damals in Liverpool und London natürlich gar nicht so aufgefallen – aber später habe ich im Gegensatz zu den Lazy Leo Linguists (sehen Sie – das Thema regt mich auf!!!!) Recherche betrieben.

Aber welcher Kunde akzeptiert den Hinweis: GAR NIX? Keiner. Erst recht nicht der schwäbische Grafiker, dem das Wort Impressum so vertraut ist wie die Schlachtrufe von VfB Stuttgart. Also schreiben viele Übersetzer imprint, oder die besonders faulen (sorry, sorry, aber ich habe Sie gewarnt: das Thema regt mich auf!!!!!) gleich impress. Impress ist beeindrucken. Hoffentlich tut das die Zeitschrift auch. Aber die Überschrift ist n Scheiß (I did warn you).

Imprint ist schwierig, sehr schwierig. Ja, ja, auf Seite 397 unter Absatz 24 der Mega-Groß-Ausgabe von dem Oxford-Wörterbuch steht irgendwas dazu. Aber ich habe noch nie in meinem Leben diese Überschrift gesehen – bis auf übersetzte deutsche Titel.

Man nehme einen normal sterblichen Engländer und zeige ihm diese Überschrift. Was versteht er dadrunter? GAR NIX. imprint ist für ihn ein Abdruck. Wovon ist nur die Frage.

Hat denn imprint GAR NIX mit Publikationen zu tun. Doch, doch. Es steht sogar teilweise auf der Impressumseite drauf. Und imprint page ist absolut koscher. Wir verwenden das Wort aber ganz anders.

Haben Sie einen novel irgendwo rumliegen? Schauen Sie vorne rein – da steht unter Umständen sowas wie: Pantheon is an imprint of Random House (ich habe übrigens genau diesen Satz gestern auf dem Weg zum Squashspielen in Waiblingen im National Public Radio gehört – ein Sender, der den Beweis liefert, dass es doch intelligentes Leben auf dem Planeten USA gibt).

Oder googeln Sie mal (mit Anführungszeichen vorne und hinten) "is an imprint of". You see? Imprint ist sowas wie eine Untermarke von einem Verlag.

Also was tun? Fuzzy research heißt das Zauberwort. Damit meine ich: um das Thema herum recherchieren - nicht nur versuchen, eine schnelle, nicht-hinterfragte Bestätigung für eine bequeme Übersetzung zu finden.

Und wir werden dann fündig. So schreiben manche US-Titel masthead. Aha!!!! Wir haben die Lösung!!! Jaaaaa. Maybe. Es wird aber selten als Überschrift verwendet (Und bitte bloss nicht für Websites, aber das kommt in Part 2).

Außerdem: für viele bedeutet masthead nicht die Auflistung der Magazin-Mitmacher sondern der Schriftzug auf der Titelseite. Es ist möglicherweise wieder so eine Kultur-Kluft zwischen Britain and America. Ich bin mir da nicht sicher.

Es gibt auch andere Möglichkeiten: credits liest man bei manchen coffee-table books zum Beispiel. Ich persönlich finde about this publication oder publication details nicht schlecht als Hilfslösung. Aber es ist nur das: eine Hilfslösung für verständnislose VfB-Stuttgart-Fans mit Hang zur Grafik.

Eins ist jedoch bombensicher: imprint ist keine gültige Überschrift. Leo fans take note.

Free English lessons:
Fuzzy = unscharf; fuzzy research in Anlehnung an fuzzy logic
Novel = Roman
Coffee-table book = Bildband
Leo fans take note = Leo-Anhänger aufgepasst!

Montag, 11. August 2008

Lob und Tadel – an object lesson

Das Wort "Objekt" gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Objektschutz, Objekte an der sonnigen Algarve, Objektstühle, und Objektteppiche.

Sie haben es schon erraten – es heißt nicht object. Ein object ist ein Gegenstand.

Also object carpet gmbH ist Denglisch. Mit "headquarter" in Denkendorf. Also gleich zweimal Tadel. Denn die produzieren keine Gegenstandsteppiche. Und es heißt headquartersssssssssssssssssss. Mit ssssssssssssss. Immer.

http://www.object-carpet.de/html/english/contact/germany/index.php

Es gibt aber auch Lob. Denn Sie haben Objektteppiche woanders richtig übersetzt – contract carpeting. Wieso contract? Weil Sie und ich in den Laden laufen, und den Teppich mehr oder weniger gleich mitnehmen. Wer ein Firmengebäude oder einen Konzertsaal damit auslegen möchte – der muß einen Vertrag unterschreiben.

By extension – es gibt auch contract seating, contract furniture, contract lighting.

Die Villa an der Algarve? Das ist ein property. Und begehrenswert. Übrigens eine Villa im Sinne von einem impostanten Haus ist keine villa. Eher a big house. Oder a mansion. Aber dann eindeutig ironisch gemeint. Denn ein mansion hat um die 100 bedrooms und ist meist ein Adelssitz.

http://www.bearainfo.com/areainfo/dunboy.htm

Free English lessons:
Object lesson = ein Paradebeispiel (wie man was macht)
By extension = in diesem Sinne; siehe auch

I‘m not comfortable with comfortable software

Komfort ist ein dehnbarer, luxusanmutender Begriff. Comfort nicht. A chair is hoffentlich comfortable. Eine Software-Lösung nicht. Es gibt tatsächlich Leute, die das sagen, also falsch ist es nicht - aber I'm not comfortable with it. Ich vermute dahinter auch eine Umkehrosmose über Walldorf.

Für mich ist sie je nach Kontext user-friendly, intuitive, funtionality-rich oder powerful. Aber nicht comfortable. Es sei denn, Sie wollen sich auf die Silberscheibe setzen.

Auch in anderen Zusammenhängen ist Vorsicht geboten - luxury oder convenience ist manchmal die bessere Übersetzung

Freitag, 8. August 2008

Ganz billige Nummer


Diesmal nix mit Denglisch - naja, es sei denn der Begriff Googeln gehört dazu.

Probieren Sie folgendes: Googeln Sie mal meinen Namen:
Martin Crellin.

Da erscheint plötzlich rechts oder oben eine Anzeige (Google AdWords) von der Konkurrenz (wenn deren Budget für heute nicht erschöpft ist). Das heißt: die haben ganz gezielt meinen Namen als Auslöser für die Anzeige gewählt.

Da mein Name – wenn auch ungewöhnlich – keine eingetragene Marke ist, kann ich wohl nicht viel dagegen unternehmen. Und ich könnte es auch als Kompliment auffassen. Aber a bisl komisch fühlt sich das schon an. Big Brother läßt grüßen. Jetzt habe ich selber eine Anzeige geschaltet. Und habe festgestellt, dass Google mein Name nur 3 Cent wert ist! Sag mal!

Mittwoch, 6. August 2008

Best of? Bog off!

Zur Zeit grassiert eine Pest in Deutschland. Die Best-Of-Pest. Klar gibt es best of – aber es muss unbedingt THE davor stehen (bis auf he has just released a best-of album, aber das ist was anderes – das Album heißt trotzdem THE best of Jeff Buckley). Und es muss auch in sinniger Verbindung mit irgendwas stehen.

Aber in Deutschland hat best of ein Eigenleben entwickelt, und wird einfach willy nilly eingesetzt: "Weisst du, das ist so n‘ Art best of, gell?"

Das beste (schlimmste) Beispiel bis dato: hier in meiner Wahlheimat gibt es eine Kampagne mit dem Namen Ludwigsburg Best Of. So, so, jetzt wirds auch noch spontan nach hinten gesetzt. Das ist halt doppelt denglisch. Doppelt doof.

Umdrehen oder verdrehen: FC Liverpool = Liverpool FC

Mit wenigen Ausnahmen mögen wir Inselaffen unsere Wortkombinationen wie folgt: das Hauptwort ganz hinten, oder vorne, aber dann bitte glasklar mit Präpositionen ausgeschildert.

Es heißt also Liverpool FC und nicht FC Liverpool. Und Director of Advertising Sales, nicht Director Advertising Sales.

Bei manchen Job-Titeln kann man es gerade noch machen – Director of Sales, Europe – aber ein Komma ist zumindest implizit.

Die deutschen mögen es gern umgekehrt und frei von lästigen Präpositionen. Das treibt teilweise seltsame Blüten.

Es wird zum Beispiel in Berlin ein consultant public gesucht. Also Zuschauer für Berater müssen her (leider verkürzt die Firma Public Sector sehr gern auf Public, und nennt sie auch gern eine industry).

Oder man betreibt die Integration von Service-Line-Systemen – mit Service Line Systems Integration.

Oder es existiert ein Progam Partner Hosting – das heisst wohl, dass die programmierenden Partner irgendwo empfangen und verköstigt werden – oder in einem Rechenzentrum dumm rumstehen.

Und Key Account Manager Distribution beinhaltet die Zwangsverteilung von Großkundenbetreuern.

Versucht man das dem Kunden beizubringen, so kommt fast immer postwendend der Einwand: "Das heißt bei uns aber so." I give up.

Auch die ganzen kurzen, knackigen Überschriften nach dem Motto "Faszination Technik" und "Mythos Mercedes" sind nix auf Englisch. Sorry. Und bitte bloß nicht Mythos mit myth übersetzen – das ist was Negatives, sprich eine Illusion, eine Schimäre (zum Beispiel, it’s a myth that you can express things more succinctly in English than in German – erklären Sie mal Servicewüste Deutschland oder beratungsresistent auf Angelsächsisch).

Überhaupt liebe ich das Wort beratungsresistent – gerade in Bezug auf Denglisch und vor allem Werbeagenturen. Ja, ja, you know who I mean!

Ach, ja, und einen Gin-Tonic bitte schön brav mit den Worten gin AND tonic bestellen.

Montag, 4. August 2008

I work in the logistic. Ein Plädoyer für road rage

Road rage – also Wutausbrüche im Straßenverkehr – gibt es sicherlich sehr lange. Ich kann mir Reiter zu römischen Zeiten (deswegen haben wir noch Linksverkehr, ihr habt euch von dem französischen Zwerg beinflussen lassen) vorstellen, die einander "Mein Pferd hatte Vorfahrt, du Ar****!" an den Kopp geschmissen haben.

Was mich aufregt? Lichthupe? Notorische Mittelspurfahrer? Holländer in den Alpen unterwegs mit Wohnwagen? Sonntagsfahrer mit Hut und gehäkelter Klopapierhaube? Ja, auch. Aber vor allem Transportunternehmen, die noch nicht kapiert haben, dass Logistik logistics und nicht logistic heißt.

Zu allem Überfluß gibt es eine Messe in München mit dem doppeltgemoppelten denglischen Titel transport logistic:

http://www.transportlogistic.de/

Und überhaupt: die deutschen verwenden das Wort Logistik für ziemlich alles. Was zum Beispiel ist eigentlich Medienlogistik? Genug. Lass mich bitte ganz schnell rechts überholen…

Übrigens: dasselbe gilt für aerobics, politics, cosmetics, physics, statistics, acoustics und so weiter.

Sonntag, 3. August 2008

Get globality!

Hübsche Headline. Vielleicht kann mir jemand erklären, was der deutsche Texter damit sagen wollte? Und warum der Übersetzer sie einfach übernommen hat?

Nachtrag: ich habe so eben die ganze englische Broschüre ausgedruckt. Und da fiel mir eine (recht große) Fußnote auf der ersten Inneseite auf. Da steht fett und unübersehbar: Alternative: More flexible than ever. More standardized than ever.

Erm, das war wohl ein Alternativvorschlag des Übersetzers? Macht nix - gleich ins Layout rein, mitdrucken. Durch den Übersetzer gegenlesen lassen? Nö, das machen wir selber.

Die englische Version hat sowieso eher Unterhaltungs- als Nutzwert. Die Fußnote trägt nur dazu bei.

Samstag, 2. August 2008

Ein Akku zweiter Klasse

Heute morgen brachte mein Laptop folgende Microsoft-bekannte Meldung:

Niedriger Batteriestatus.

Die arme Batterie. Was hat sie denn so schlimmes getan, dass sie einen so niedrigen Status bekommen hat? Beim Abi durchgerasselt? Jetzt bei Hartz IV gelandet?

Kommt wohl von low battery status.

Low bezieht sich allerdings auf Battery und nicht Status. Wie wäre es mit "Achtung: Akku bald leer"? Bill, are you listening?

Genug für heute: ich brauche dringend ein McMenü (was natürlich kein menu ist, sondern ein extra value meal).

Freitag, 1. August 2008

IT workplaces from the same mold

Deutschlands Hersteller Nr. 1 von IT-Denglisch bringt mich heute schon wieder zum Lachen.

Es geht um Next-Generation Workplace. Das kann man durchaus sagen. Wenn es um den workplace insgesamt geht – also um den abstrakten Ort, wo man arbeitet, den Betrieb. Aber nicht, wenn es um die konkrete Technik geht – sie wird höchstens dort eingesetzt.

Ich gebe zu: Der Unterschied ist schwer zu verstehen.

Zum Beispiel: wenn ich vor meinem Bürogebäude stehe, dann kann ich sagen: This is my workplace. Und wenn es um Mobbing (was natürlich nicht so heißt, sondern bullying oder harassment) geht, dann ist das auch in the workplace. Aber wenn ich auf meinen konkreten, physischen Arbeitsplatz (= den Schreibtisch mit PC) zeige, dann nicht - höchstens aus einer gewissen Entfernung!

Der Platz an sich ist my desk oder vielleicht my cubicle, der Arbeitsplatzrecher ist halt meist my desktop system oder notebook. Die gesamte Technik ist aus IT-Sicht the desktop environment. Der Arbeitsplatz in einem Call Center dagegen ist eher eine workstation.

Diesen Unterschied versteht der deutsche Texter von dem hübschen White Paper, über das ich heute gestolpert bin, offensichtlich nicht (oder wurde schon auf Denglisch gebrieft).

Wenn man aber den ohnehin irreführenden und teilweise sehr schwer verständlichen deutschen Text durch eine noch schlechtere Übersetzungsmühle schickt, dann kommt folgender Müll heraus. Bitte insbesondere auf den Schlusssatz achten!

Independence works better when you’re connected. Combined on an entirely as-needed basis.

Next Generation Workplace forges a unity out of a variety of IT workplaces. That’s because it handles services and devices separately and links them through standardized service modules. The result: the widest variety of access, service and device combinations. And always from the same mold.

Independence works better? Combined? Was wird combined? Und so weiter. Allerdings liegt auch viel an dem Ausgangstext. Den erspare ich Ihnen an dieser Stelle.

Wer sich für die richtige Verwendung von next-generation workplace interessiert, mag vielleicht hier schauen:
http://download.microsoft.com/download/8/3/1/83130e47-e8c5-48e9-ba54-f29e8fe34a67/Avanade_Accenture_UCLaunch2007_Final.doc

Have a nice weekend. I'm out of here.

Donnerstag, 31. Juli 2008

High-tech forge!

Übersetzen ist nicht einfach. Aber manch Mitgleid dieser Zunft ist einfach grottenschlecht.

Ich habe vor mir die aufwendig gestaltete Kundenzeitschrift eines führenden deutschen Unternehmens, das etwa 40.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Englische stammt von dem größten Übersetzungsbüro der Welt (zumindest laut der Liste, die mir vorliegt).

Ein paar Leckerbissen:

The "Cooperation Center" should become a main location for all of [name removed]’s strategic partners . 2,000 square meters of office space are available in this high-tech "forge." The Cooperation Center functions according to the principle of short paths. The approximately 45 partner companies have quick access to construction data.

Oder wie wäre es mit:

When a flood of information streamlines into a single flowing river.

Häh? I understand train station.

Oder eine Anzeige:
Real ICT - IT and TK become one.

Naaaa, verstehen Sie was? Als Teutone vielleicht schon. Als Brite ohne Deutschkenntnisse wahrscheinlich nicht. Nein, kurze Wege und High-Tech-Schmiede kann man nicht wörtlich widergeben. Mit Konstruktion ist hier mitnichten construction gemeint. Das Wort "should" impliziert eine moralische Verpflichtung; es ist nicht Ausdruck einer Zielsetzung. TK steht natürlich für Telekommunikation. Und erklärt wird hier sowieso der englische Begriff ICT (information and communications technology). Also sollte man vielleicht genau diese Wörter verwenden? Das hat der Übersetzer wohl nicht kapiert – und nachfragen ist mühsam. Und aus TK wird leider oft TC gemacht. Nein, das ist kein gängiger Ausdruck für telecommunications. Aber was soll’s. Zack und weg.

Und übrigens; was ist Real ICT im Gegensatz zu Unreal ICT? Leider hört der Kunde - mit wenigen rühmlichen Ausnahmen - nur ungern auf meine Einwände. Es wimmelt dort nur so von Denglisch.

Fairerweise muss ich erwähnen: der Kunde weiß um die Probleme bei der Zeitschrift und will handeln. Ich frage mich nur: In welcher Branche sonst wird eine solche "Leistung" vom Marktführer (regelmäßig) erbracht und gut bezahlt?

Montag, 28. Juli 2008

Xing ist eine Fundgrube für False Friends

War heute kurz auf Xing, und innerhalb von 5 Minuten habe ich zwei False-Friend-Sünder auf frischer Tat ertappt – und wieder mal möchte-gern company names.

Perspectives GmBH – eine Unternehmensberatung. Das Problem? "Perspektiven" beinhalten Chancen, neues, Innovationen, Zukunft… perspectives dagegen sind nur Blickwinkel.

Aber das geht noch. Es kommt viel, viel besser:

Bog-solutions. Den überflüssigen deutschen Bindestrich lassen wir mal durchgehen. Solutions ist auch ok. Aber bog???? In England ist ein bog ein Klo (in Russland, Kroatien und woanders ist das Gott, aber das ist eine andere Geschichte). Also verkauft der nette Herr aus Münster (eine sehr schöne Stadt, in der ich zum ersten Mal auf einem Wasserbett schlief) wohl robuste Bürsten und gelbe Flüssigkeiten.