Freitag, 31. Oktober 2008

Die Wellness-Inflation und Taschen aufm Po

Ich habe es schon mal moniert: wellness gibt es zwar auf Englisch – aber der Begriff wird selten verwendet, und nur im Bereich Gesundheit.

In Deutschland dagegen wird das arme Wort in die Länge gedehnt, bis es für alles passt.

Heute zum Beispiel versuchen wir einen Kunden im Bereich Mode (wo denglisch richtig blüht) davon abzubringen, eine Produktlinie so zu nennen – denn die Polos und Hosen sind nicht irgendwie besonders gesund. Nur leger. I do not hold out much hope.

Wir haben ihn auch darauf hingewiesen, dass man Rückseite lieber nicht mit backside übersetzt – denn dass ist der Po. Back (bei einem T-Shirt) oder reverse (bei einem Blatt Papier) sind da die richtigen Begriffe.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

A good call

Heute kam eine fast schüchterne aber berechtigte Anfrage von einer großen Münchner Agentur „Ich verstehe zwar, worum es geht – aber zwei Sachen irritieren mich", meinte die Dame. Es ging um den Satz:

The fun continues at XYZ.com

“Wieso at? Und wieso kein www?"

Tja.

Es heißt on the Internet nicht in the Internet.
Es heißt at XYZ.com und nicht under XYZ.com
Es heißt Call me at 017414, oder call me on 017414, und nicht under.

Auch bei diesen relativ einfachen Sachen gibt es viele, die die teutonischen Präpositionen übernehmen.

Und www?

In letzter Zeit ist ein klarer Trend bei Webadressen in englischsprachigen Anzeigen zu erkennen – das www wird weggelassen. In Germany gibt es das auch gelegentlich, aber nicht so oft. Vielleicht kommt es noch?

Nachtrag: die Übersetzung von Good call fehlt. Es bedeutet eine gute Entscheidung, vor allem eine Entscheidung, bei der man Sachen "abwägen" muss, sein Wissen oder Erfahrung einsetzen muss. "Call" kommt aus dem Sportbereich - zum Beispiel: the line judge called the ball out (der Linienrichter sagte, der Ball war im Aus)

Samstag, 25. Oktober 2008

Big Blue Goes Green - auch auf Deutsch

Sehr viel Werbung ist selbstverliebt. Und sehr viele Werber auch. Viele Anzeigen und Spots werden schlecht oder holprig übersetzt. Das Ergebnis ist Antiwerbung.

Es gibt aber gott sei dank auch positive Bespiele.

Die Werbung für green IT (umweltfreundliche Informationstechnologie) von IBM (oft Big Blue genannt) ist so ein Fall.

http://www.youtube.com/watch?v=VSNFE6eUjfY


Ein relativ abstraktes und schwer zu verkaufendes Thema wird hier richtig anschaulich dargestellt.

Und die deutsche Version (die oft auf n-tv läuft) ist auch verdammt gut. Die Übersetzung (naja, von Übersetzung kann man schlecht reden – es ist eine gelungene Adaption/Lokalisierung) ist exzellent – vor allem die griffige, glaubhafte Ausdrucksweise des Managers: „macht Mordseindruck auf die Ökos“ (werden auf Englisch abwertend tree huggers genannt), „jetzt mal Klartext“ und so weiter – super, super, super.

http://de.youtube.com/watch?v=p62cB_CeJz8

Übrigens: Germans benutzen das Wort Manager etwas anders als wir (nämlich für "wichtige" Leute in der Wirtschaft). In England und New England dagegen ist fast jeder ein Manager – auch wenn er nur Würtschen verkauft. Wenn es um leitende Angestellte oder Entscheider (decision-makers) geht – dann sind das eher executives oder senior managers.

Freitag, 24. Oktober 2008

Handbag vs pockets

Laut der offiziellen Website ist Joy "Das Trendmagazin im Pocket-Format. Für junge, moderne Frauen."

Naja, das müssen recht grosse pockets sein. Klar, man (frau) kann von pocket size reden. Aber das Ding sollte entsprechend handlich dimensioniert sein.

Handbag-size ist der übliche Begriff bei Frauenlektüre. In der Hosentasche könnte so n Zeitschrift recht blöd aussehen.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Billiger Flug? Billige Übersetzung?

GermanWings ist bekanntlich eine Billigfluglinie. Trotzdem leistet sie sich eine Hochglanz-Zeitschrift samt Interview mit Anke Engelke. Die Übersetzung dagegen scheint auch low budget zu sein (10 Cent pro Wort laut Eintrag auf proz.com).

Bei GermanWings hapert es manchmal am Service. Bei den Übersetzern hapert es ein wenig an der Orthografie und Grammatik.

Beispiel Titelblatt:





Das heißt its nicht it’s. Und A city on its way? Versteh ich nicht. On the way to where? Macht nix.

Es wäre auch ratsam, wenn die Übersetzer mal die Schreibhilfe einschalten würden.

Accommodation zum Beispiel schreibt sich mit zwei M. Die Übersetzer haben sich wohl aus Kostengründen ein M gespart. Gleich viermal auf Seite 60 und 61.



Arg German vom Duktus ist auch die Überschrift auf Seite 54.





Wellness for the hair?

Wellness ist das sprachliche Pendant zu Roger Whittakar. Ja, irgendwie „English“ – aber richtig Karriere hat er erst in Deutschland gemacht.

Wellness wird im Deutschen richtig breitgetreten und für alles genommen. Und "the hair" ist auch nicht gerade schön. Macht nix.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Aus dem Gleichgewicht geraten

Englische Fachbegriffe werden von Teutonen gern abgekürzt – mit unbeabsichtigten Folgen.

UBS, NordLB und German Invest zum Beispiel verkaufen Finanzlösungen, die völlig aus dem Gleichgewicht geraten sind: Off-Balance-Lösungen.


Gemeint sind natürlich Lösungen, die nicht auf der Bilanz auftauchen (z.B. Leasing). Aber eine Bilanz ist ein balance sheet. Abkürzen sollte man das nicht. Denn: Balance ist das Gleichgewicht. Off balance heisst aus dem Gleichgewicht geraten. Naja, die Finanzmärkte sind das schon.

Samstag, 18. Oktober 2008

Handelsblatt-Headline-Horror

Die Wochendbeilage vom Handelsblatt heißt – klar, muss sein – Weekend.

Auf Seite 6 und 7 von der aktuellen Ausgabe ist eine große, vermeintlich englische Headline:





Verlieren heißt auf Englisch lose. Nicht loose. Loose ist "lose" im Sinne von "nicht fest gebunden", und das S wird scharf ausgesprochen. Sorry, ich finde es auch nicht logisch, aber so ist es nun mal. Englisch ist nicht phonetisch. Ich habe mich auch deshalb auf der Uni für Deutsch und Russisch entschieden – und ließ Französisch gauche liegen.

Wir lassen uns auch nicht schreibtechnisch reformieren. Da würden alle auf die Barrikaden gehen – mit einer inzwischen recht tuddeligen (erm, wie schreibt man DAS?) Maggie Thatcher wahrscheinlich ganz vorne, eine Union Jack wedelnd.

Und wir setzen auch nicht obsessiv einen Komma vor jedem When, if und because. In unserem Beispiel oben ist das ganz klar teutonisch-falsch.

Gott, wie oft haben uns übereifrige Grafiker diesbezüglich schon "korrigiert" (und/oder unsere bettelnde Kommentare ignoriert).

Seufz. Have a nice weekend. Trotz credit crunch und market meltdown.

Freitag, 17. Oktober 2008

Wenn deutsche Kunden Englisch schreiben...

Fast täglich erhalten wir Emails mit folgender Bitte:

"Wir haben selber was auf Englisch geschrieben… Sie brauchen nur kurz drüber schauen!"

Bei solchen Anfragen schrillen bei uns sofort sämtliche englische, schottische und walisische Alarmglocken. Selbst der einsame Schwabe im Büro geht in Deckung.

Aber ich kann doch Englisch??!!
Auch wenn der Kunde 10 Jahre in den USA lebte und sich bestens mit den englischen Fachbegriffen der Branche auskennt – er (oder sie) kann besser auf Deutsch als auf Englisch formulieren. Und wir können besser Englisch – really.

Wenn ein Nicht-Muttersprachler selber auf Englisch schreibt…
  • Häufig stimmt die Struktur/ die logischen Verbindungen des Dokuments nicht – denn der Autor muss sich zu sehr auf die Fremdsprache konzentrieren!
  • Vieles ist unklar formuliert – teilweise verstehen wir einfach nicht, was der Autor sagen wollte. Wir müssen anrufen, oder raten
  • Viele Formulierungen sind unnatürlich – trotzdem kann es selbst einem geschulten Muttersprachler schwer fallen, das Problem genau zu erkennen und zu korrigieren
  • Besonders beliebt sind "falsche Freunde" – Wörter, die auf Englisch und Deutsch sehr ähnlich klingen, aber doch unterschiedlich sind. Hier kann es sehr schwer sein, die eigentliche Intention des Autors zu deuten

Ich erinnere mich besonders gern an die Anfrage für ein 50-seitiges Dokument von einem großen Konzern mit Sitz in Bonn. The Men in Magenta wollten es selber auf Englisch schreiben (angeblich um Zeit und Geld zu sparen) - dafür waren 4 Wochen anberaumt. Wir sollten drei Tage zum Überarbeiten haben. Schnell drüber schauen geht doch flott, oder? Der erste Satz im Entwurf ließ schon Schlimmes erahnen: "The actual document...". Wir haben dankend abgelehnt.

Warum ist das so schlimm?

Bei Englisch-made-in-Germany können wir nicht frei texten oder übersetzen – sondern müssen uns erst mal mühsam in den Text reinfinden. Die Gefahr ist sehr groß, dass wir Fehler in den "fertigen" englischen Dokumenten übersehen. Auf jeden Fall ist das Endergebnis nie so gut, wie bei einem Text, der von Anfang an von einem Muttersprachler erstellt wurde. Und das Ganze wird wesentlich aufwendiger und teuerer. Mit Spaßfaktor Null.

Bauen Sie Ihr eigenes Haus?
Zum Vergleich: Wenn Sie versuchen, Ihr Haus selber zu bauen und erst zum Schluss den Fachmann holen, so kann er nicht kurz drüberschauen – sondern er muss erst mal feststellen, was und wie alles gemacht wurde. Und oft muss er alles, inklusive Fundament, komplett neu machen. So geht‘s uns auch.

Was tun?
Wir werden gern auf Deutsch gebrieft. Aber schreiben lieber selber auf Englisch. Das ist besser, schneller und nervenschonender. Und fast immer billiger.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

England, my England

Wir haben heute einen Artikel zum Übersetzen über Paul Potts. Angeblich wurde er bei England’s got talent entdeckt. Hmmm. Der Wettbewerb heißt aber: Britain’s got talent (und er hat laut dem Autor standing ovations erhalten – bei uns gibt es nur eine standing ovation - da sind wir knauserig).

Sehr oft sagen (und denken) die Deutschen England, wenn Britain gemeint ist. Und in der Wirtschaft ist der Markt the UK. Das merken auch viele Übersetzer nicht.

Der Unterschied zwischen UK and Great Britain? Bei GB fehlt Northern Ireland.

Übrigens: England, my England ist ein Buch von DH Lawrence. Und der ist mit einer Deutschen nach Mexiko durchgebrannt. Er hat eh einen Knall gehabt. Auch wenn ich seine Bücher liebe.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

n-tv should watch its words

Ich hab schon mal erwähnt, dass ich ein n-tv junkie bin – also süchtig nach dem Nachrichtensender n-tv.

Und dass ich auch von deren flüssigen Übersetzungen aus dem Englischen angetan bin.

Allerdings: manchmal hapert es an der Genauigkeit.

Doch gerade mitten in der credit crunch werden die Worte der Politiker auf die Goldwaage gelegt.

Beispiel 1:

US Treasury Secretary, Henry Paulson, warned yesterday: "One thing we must recognise – even with the new Treasury authorities – is that some financial institutions will fail."

Bei n-tv war sich Mr Paulson plötzlich weniger pessimistisch – da sprach er nur noch davon, dass sie Pleite gehen könnten.

Macht ja nix...

Beispiel 2:
Diesmal wurde die Vorsicht des isländischen Premierministers weggewischt:

Geir H. Haarde: "We will not be closing banks but it is conceivable that some of them will not be able to function without our authorities intervening"

Bei n-tv war conceivable (also denkbar) plötzlich "offensichtlich".

Macht ja nix...

Beispiel 3:
Ach, ich weiss nicht mehr, wer das war – aber irgend ein hohes Tier sagte im Interview: "I keep getting texts about it". Texts ist richtiges Englisch für SMS, was (eher) denglisch ist. Das wusste der n-tv Reporter natürlich nicht – und aus den SMS wurden Briefe.

Macht ja nix...

Notpimmel am Flughafen Frankfurt

Ja, eine ungewöhnliche Überschrift, gebe ich zu. Aber das gibt die Übersetzung her.

Denn: Es gibt bekanntlich Wörter mit mehreren Bedeutungen – und der Muttersprachler hat im Kopp eine eindeutige "Reihenfolge" der Assoziationen. Und es gibt natürliche und nicht ganz natürliche Wort-Kombinationen (Kollokationen). Wenn dies beim Übersetzen nicht beachtet wird, so kann es fatal-amüsante Folgen haben.

Ein stopcock ist eindeutig ein Absperrventil.

Cock hat dagegen verschiedene Bedeutungen – aber vor allem eine: Pimmel.


Ich bin für folgendes Bild den Twin Translators – siehe http://www.uebersetzungsfehler.com/ – ewig dankbar.




Also selbst für einen Notpimmel ist das etwas klein geraten, finde ich.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Verantwortunglos am Flughafen Stuttgart

Das Flughäfele Stuttgart ist angeblich international. Und deswegen schwätzt man auf Englisch.

Auf der Website kümmert sich aber keiner um die Qualität der Inhalte:

No responsibility is taken for the correctness of this information.

Schade. Was ich durchaus hätte verstehen können wäre: No responsibility is accepted for the accuracy of information provided on this Website. Oder gar liability. Aber so...

Außerdem ist die Website übersät mit deutschen Textfetzen.

Take a look:

http://www.stuttgart-airport.com/sys/index.php?section_id=0&id=0&lang=1

Gut, meine Mutter würde "Schnellbuchung" vielleicht gerade noch verstehen. Aber bei "Abflug" wäre sie wohl überfragt. Was der reibungslosen Rückkehr hinderlich sein könnte.

Montag, 6. Oktober 2008

Säuglinge werden erschossen - und Mutti macht mit

Ich habe neulich das Thema "Shooting" angesprochen. Heute habe ich dank einem Kollegen - Richard Briggs - die Steigerung:



2007 wurden in Stuttgart Mütter aufgerufen, ihre Kinder zu erschiessen:



Zugegeben, Deutschland ist nicht besonders child-friendly, aber das geht echt etwas zu weit.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Focus Green? Was für Golfspieler vielleicht?

Ich zitiere:

„Das Design Center Stuttgart schrieb den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg im Jahr 2008 als Focus Green aus. „

Focus Green ist nicht Englisch. Es ist Möchte-Gern-Englisch. Lassen Sie sich zuerst folgende Wortkombinationen auf der teutonischen Zunge zergehen:

Schwerpunkt Ökologie
Faszination Auto
Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge

Was haben sie alle gemeinsam? Sie sind ganz schön nackt – gänzlich ohne Präposition und Interpunktion. Und viel wichtiger: das zweite Wort beschreibt das erste. Ist kurz und knackig – auf Deutsch. Ist irreführend und irritierend – auf Englisch.

Focus beschreibt für uns das zweite Wort Green. Also geht es um einen besonderen Golfplatz, oder? Ein Green, bei dem man sich ganz arg konzentrieren muss.

Interessanteweise gibt es ein paar Fälle, bei denen wir Angelsachsen die Wörter auch umdrehen:

Lake Garda (oder auch Lake Constance)
Team GB

Und ihr würdet es nicht tun. Wie klingt das? See Garda. Mannschaft Großbritannien? Ziemlich bescheuert, oder? Aber ihr macht genau das tagtäglich mit unserer Sprache. Stop it please.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Tastatur? Nicht unbedingt keyboard. Stift? Nicht unbedingt pen.

Wir haben zur Zeit eine ausgezeichnete Praktikantin. Wie übersetzt man Praktikantin? Früher war das in England jemand on a work placement oder on an industrial placement, aber inzwischen unterwerfen wir uns den Yanks und sagen auch an intern.

Sie ist aber eher auf dem Gebiet law and commerce stark als information technology.

Sie ließ sich deswegen bei einem Text für Motorola gleich dreimal austricksen:

Tastatur? Tja, bei einem PC ist das natürlich eine keyboard. Aber bei einem handheld oder cell phone ist das ein keypad.

Und wenn man einen Stift zum Draufdappen auf dem PDA hat, ist das kein pen sondern eher ein stylus. Oder doppeltgemoppelt stylus pen:

http://phone.cellphoneshop.com/1/1/16563-stylus-pen-motorola-a1200.html

Und Nr. 3?

Es ging um Images – und sie hat fleißig (verzweifelt?) auf der entsprechenden Website nach Bildern gesucht. Aber in der IT ist das natürlich was anderes: es ist die "Abbildung" einer bestimmten Software-Konfiguration, die man dann flott auf vielen anderen Geräten implementieren kann – ohne lästige Installationsroutinen. Und sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ist das tatsächlich ein image.