Dienstag, 30. Dezember 2008

Deutsche Begriffe im Englischen

Zu Christmas schenke ich euch was: deutsche Begriffe, die ins Englische übernommen worden sind.

Das hier ist von einem meiner Lieblingsautoren von Krimis, Ian Rankin:








Weitere Bespiele sind zeitgeist, realpolitik, gesamtkunstwerk, schadenfreude (siehe unten), angst (meist klein geschrieben, und letztere etwas abgewandelt in der Bedeutung – tja, wir machen es auch). The Guardian hat mal aus Jux einen „angst index“ geführt – eine graphische Darstellung der Häufigkeit des Gebrauchs in der eigenen Zeitung.







Siehe auch meinen Beitrag zu „blitz“.

Allerdings: Wenn wir uns Wörter ausleihen, dann eher aus dem Französischen – denn wir finden die Sprache edel (es wurde früher am königlichen Hof Englands gesprochen).

Besonders hübsch finde ich unsere Version von Adel verpflichtet – noblesse oblige.

Wir haben früher in guten Restaurants bon appetit gewünscht – was etwas vom profanen enjoy your meal oder dem amerikanisch-knappen enjoy verdrängt worden ist.

Aber wir wünschen uns meist gar nichts beim Essen – we just tuck in (wir hauen einfach rein). Dazu meinen böse teutonische (und erst recht gallische) Zungen: Klar, denn es lohnt nicht.

Montag, 29. Dezember 2008

Es wird auf dem Dach Golf gespielt


In der Regel kann ich den Was-ich-eigentlich-sagen-wollte-Sinn von „Englisch“ aus germanischer Feder identifizieren, aber bei obiger Anzeige (im Handelsblatt) bin ich mit meinem Denglisch am Ende.

Daily on the green sind rüstige Rentner mit Platzreife und finanzkrisensicherem Einkommen aus Bundesobligationen – was das mit einem Büroturm in München zu tun hat, kann ich nicht sagen (oder haben die 18 Löcher im/auf dem Dach?).

Green ist klar - Umwelt. Aber wieso THE Green, wieso ON the Green? Und auch für Golfer ist der Satz recht rough.

Weiter unten steht zum allem Überfluß „The green sign in town“. Hier kann ich wenigstens die linguistische Intention der Werber erahnen – wahrscheinlich wollte der Verfasser dieses genialen Anzeigentexts ein „Zeichen für die Umwelfreundlichkeit setzen“. Stattdessen hat er ein grün gestrichenes Schild aufgestellt.

Warum hat er (erfolgslos) versucht, seine Botschaft ins Pseudo-Englische zu transportieren? Weil Englisch cool ist, selbst unter den Architekten und Immobilienentwicklern (ein Neologismus, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf den sehr lange etablierten Begriff „property developer“ zurückgeht – dabei gibt es doch „Bauträger“).
Dann sollten aber die Schöpfer des „skyline tower“ (auch eine Wortschöpfung, die bei uns ein Fragezeichen und Stirnrunzeln auslöst) wenigstens richtiges Englisch einsetzen. Oder bei Deutsch bleiben. Why not? Would make a nice change.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Eine rhetorische Frage

Wir machen viel im Bereich HR (auch wieder Denglisch) in letzter Zeit.

Zum Beispiel: Rhetorik-Weiterbildungsseminare. Wie sagt man das auf Englisch?

Erstens: „weiter“ bitte einfach weglassen. Klar gibt es „further“, und klar gibt es „further training“, aber das sagt man meistens nicht.

Und Rhetorik? Ja, die alten Griechen hatten „rhetoric“, und das Wort wird heute noch gebraucht – hat aber oft einen bitteren Beigeschmack.

Hier ein Beispiel:

http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/politics/8233578/Boris-warns-Cameron-on-bank-tax-and-rhetoric.html

Sagt einer: „That’s just rhetoric“ (Betonung vorne auf RHET“) - dann meint er, dass ist nur heiße Luft, und es steckt nix dahinter.

Wenn einem beigebracht wird, wie man einen Vortrag hält, so redet man von:

public speaking
speaking skills
oder sehr oft im Kontext von Unternehmen
presentation skills

Die Weiterbildung/Seminar nennt man
training
skills development (programme)
oder schlicht
course

Eine rhetorische Frage? A rhetorical question.

Freitag, 12. Dezember 2008

Ein Böblinger Fitness-Studio für Schwule?

Ich spiele ab und zu Squash in BB - in einem Zentrum Namens Pink Power

http://www.pink-power-online.de/

Womit wir gleich drei denglische Fehltritte hätten.

Pink, Power und Fitness-Studio.

Pink (Englisch) ist rosa.
Power (Englisch) ist Kraft oder Macht (auch Strom). "Er hat Power" oder "Das ist eine richtige Power-Frau" kann man auf Englisch nicht mit "power" wiedergeben. "He's got power" würde bedeuten: er hat (politische oder sonstige) Macht.

Pink Power (Englisch) wird meist als die politische Macht/Einfluss/Kraft der Schwulen verstanden (wobei es nicht ganz eindeutig ist).

Im ersten Satz des folgenden Blogs werden die zwei Wörter (pink/power) eben in diesem Sinne verwendet:

http://goinguphill.blogspot.com/2005/06/pink-power.html

And we go to the gym, wenn wir was für die Muckis machen wollen. Angeblich gibt es auch auf Englisch "fitness studios" - aber ich habe noch nie eins gesehen (ausser im Internet) und habe das Wort (in England) noch nie gehört.

Schleichwerbung für ein Bordell

Chinesische Zeichen sind schön, nicht? Aber wenn man sie nicht versteht...

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/tv/news/chinese-classical-poem-was-brothel-ad-1058031.html

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Und wie erkenne ich einen guten Übersetzer?

Bei den folgenden Umständen bekommen wir ein positives Gefühl:

  • Wenn einer ein ordentliches Sprachstudium hat (ja, es gibt Ausnahmen - aber unsere Erfahrung zeigt: es gibt "Sprachler", und sie haben meist ein entsprechendes Studium hinter sich. Und ein Studium ist in der Regel mehr als nur Bier saufen und Party machen - manche lernen was dabei)
  • Wenn einer unter Aufsicht sein Handwerk gelernt hat – in einer Sprachabteilung oder bei einem renommierten Übersetzungsbüro, am besten drei, vier Jahre.
  • Wenn einer mit anderen kooperiert – in einer Bürogemeinschaft, aber auch virtuell über's Internet oder in Online-Foren
  • Wenn einer sich spezialisiert – und auf entsprechende Fachkenntnisse hinweisen kann
    Wenn einer Fragen stellt – auch zur Zielgruppe, Tonalität, Fachtermini – und auf Unstimmigkeiten im Ausgangstext hinweist
  • Wenn einer nicht nur eine Leidenschaft für das liebe Geld, sondern auch eine Leidenschaft für Sprache an den Tag legt
  • Wenn einer offensichtlich den Text nicht nur „runterrattert“ – sondern mit den eigenen Worten ausgedrückt hat. Die Aussagen des Ausgangstextes sind alle da, die Strukturen sind aber „neu“ und „natürlich“
  • Wenn einer darauf hinweist, wie er mit gewissen Textteilen oder Begriffen umgegangen ist – oder ausdrücklich auf Stellen hinweist, die er überprüft haben möchte

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Woran erkennt man einen schlechten Übersetzer?

Es gibt gewisse Hinweise – aber für jede hier zitierte „Regel“ bestehen natürlich auch Ausnahmen.

Bei den folgenden Umständen bekommen wir zumindest ein ungutes Gefühl:
  • Wenn einer behauptet in die Fremdsprache übersetzen zu können, vier verschiedene Sprachen als „Native“ zu sprechen, und 12 verschiedene Fachgebiete zu beherrschen
  • Wenn einer nie Fragen stellt – selbst dann, wenn der Kunde und das Thema völlig neu sind, und der Text an manchen Stellen recht vage ist
  • Wenn einer sofort nach der Uni angefangen hat, als Freiberufler zu arbeiten, nun alleine werkelt, und der Meinung ist, er hätte alles im Rahmen seines Diploms gelernt, was man wissen muss
  • Wenn einer meint, es wäre alles „ganz einfach“ und er hätte alles „problemlos“ übersetzen können
  • Wenn einer einen Begriff einfach aus einem Wörterbuch nimmt (und nicht zum Beispiel im Internet überprüft)
  • Wenn einer sich Kritik oder Gegenvorschläge nicht anhören will oder seine Behauptungen nicht belegen kann
  • Wenn einer kein richtiger Sprachler ist (Sprachstudium?) und sich auch nicht besonders für das Sprachliche interessiert
  • Wenn einer das Übersetzen nur nebenbei macht und vor allem als „zusätzliche Geldquelle“ ansieht
  • Wenn einer die Grundbegriffe der Wirtschaft und des von ihm gewählten Fachgebiets nicht beherrscht
  • Wenn die Texte (Satzstrukturen und Vokabeln) sehr eng am Ausgangstext kleben

Dienstag, 9. Dezember 2008

Flugzeuge im belly

Ein Flugzeug. Zwei Flugzeuge.

An aircraft. Und jetzt….??? No, nicht two aircrafts, sondern two aircraft.

Ich weiss auch nicht warum. Allerdings: Plural bei euch Teutonen ist echt kompliziert.

Gut, gut, bei uns gibt es sheep, mice, people. Aber sonst ist das einfach. Sssssssssssssss. Und aus die mouse.

Aber bei euch? Oh Gott. Der Hund. Die Hunde. Der Schlüssel. Die Schlüssel. Aber mit den Schlüsseln. Volk, Völker. Mädchen, Mädchen. Landsmann, Landsleute. Landsmännin (hallo???? was ist das für ein Wort???), Landsmänninnen!!!!

I rest my case. (nein, nicht „ich setze meinen Koffer ab“, sondern „damit ruht die Beweisführung für die Anklage" - sprich: "mehr muss ich wohl nicht sagen, oder"?)

Montag, 8. Dezember 2008

Grundsätzlich immer, aber manchmal wieder nicht

Ihr Germans macht uns das Leben nicht leicht. Aber manche Übersetzer denken auch nicht groß nach.

Nehmen wir das Wort „grundsätzlich“. Was das Wort bedeutet, und wie man das übersetzt, hängt grundsätzlich vom Zusammenhang ab.

Zum Beispiel:

Diebstahl wird grundsätzlich zur Anzeige gebracht

ist ganz anders als

Grundsätzlich sind wir über die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung einig, offen sind aber noch viele Details.

Leider wird das Wort fast immer mit „In principle“ übersetzt. Was im ersten Fall recht irreführend wäre. Besser wäre "always" oder "without fail".

Leo ist natürlich in dieser Hinsicht nicht besonders hilfreich.

Doppelpunkte setzen wir Anglos anders

Die beliebte Einleitung

Kurzum:

gibt es bei uns extrem selten.

Ja, klar, es gibt „In short“, wird jedoch viel seltener gesichtet als im germanischen Sprachdschungel.

Und: wir setzen nicht gleich einen Doppelpunkt dahinter. Denn: Wir arbeiten viel lieber mit Kommas. Übrigens: es ist auch bei Übersetzungen ins Deutsche zu beobachten, dass zu viele Kommas (ein)gesetzt werden.

In short, we tend to introduce new ideas using different words, and different punctuation.

Dasselbe gilt für:

Das heißt:
Mit anderen Worten:
Fazit:
Und:
Denn:
Übrigens:
Dasselbe gilt für:

Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen

Auch Pünktchen wollen „translated“ werden.

Drei Punkte am Ende einer Liste? Zum Beispiel:

Aachen
Berlin
Chemnitz


Habe ich im Englischen nie gesehen. Vielleicht gibt es das - aber sicherlich seltener als im Deutschen. Entweder

etc. (hier zum Beispiel)

oder

other

je nachdem, was passt.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Dem faulen Übersetzer wieder mal zu aufwendig

Wir sollten diese Woche einen vorhandenen englischen Text nicht anfassen, sondern nur hier und da die neuen deutschen Teile übersetzen. Jaaaa, aber da steht zum Beispiel:

expense-related compensation.

So ein Quatsch. Ich weiß, was gemeint ist: aufwandsbezogene Entschädigung. Compensation ist aber eher das Gehalt für einen Top-Manager. Und expense sind Kosten – sprich: Ausgaben. Aber ich will vielleicht was verdienen an dem Auftrag?

Hier ist die Abrechnung (auch so ein kniffliges Wort) nach Aufwand durch einen IT-Provider gemeint.

Ja, und was sagt man da?

Meist irgendeine Formulierung mit time and materials (oder material, aber üblicher ist mit dem S).

Zum Beispiel: services will be charged on a time-and-materials basis.

Wenn es nur um die Arbeitszeit geht, so sind unter Umständen Begriffe wie man-hours oder daily rates nützlich.

Administrativer Aufwand? In der IT ist das administrative effort (nicht efforts mit s). Administrative overhead ist auch eine ziemlich gängige aber meist etwas „negative“ Möglichkeit. Zum Beispiel: we wish to reduce our administrative overhead.

Im normalen Leben ist der Aufwand natürlich oft expense, oder cost (wenn Moneten im Spiel sind)

Wenn der faule Übersetzer nicht richtig recherchiert, weil sich aus seiner Perspektive der Aufwand nicht lonht, dann ist das: it isn’t worth the effort (oder sehr salopp: it aint worth the effort).

Aber ich finde: it’s worth the effort - if you want to get it right.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Skills not qualifications

Wir schlagen uns diese Woche mit vielen PPTs rum - die oft schwierig zum Übersetzen sind: halbe Sätze, Abkürzungen, kontextfreie, vage Formulierungen.

Diese Woche sind auch einige false friends dabei: Zum Beispiel Qualifizierungsprogramme für Mitarbeiter. HALT! Nicht qualification. Qualification ist für uns ein Stück Papier. Hier geht es um training programs, oder skills development programs. Ähnlich stehts um qualifizierte Arbeitskräfte - das sind skilled workers.

Montag, 1. Dezember 2008

Organigramm auf Englisch

organisational chart, oder kurz: orgchart (Olli - ist meist ein Wort!!!). Nix mit Grammis. Das klingt nach Auszeichnungen für Pop-Musik.