Mittwoch, 10. Dezember 2008

Woran erkennt man einen schlechten Übersetzer?

Es gibt gewisse Hinweise – aber für jede hier zitierte „Regel“ bestehen natürlich auch Ausnahmen.

Bei den folgenden Umständen bekommen wir zumindest ein ungutes Gefühl:
  • Wenn einer behauptet in die Fremdsprache übersetzen zu können, vier verschiedene Sprachen als „Native“ zu sprechen, und 12 verschiedene Fachgebiete zu beherrschen
  • Wenn einer nie Fragen stellt – selbst dann, wenn der Kunde und das Thema völlig neu sind, und der Text an manchen Stellen recht vage ist
  • Wenn einer sofort nach der Uni angefangen hat, als Freiberufler zu arbeiten, nun alleine werkelt, und der Meinung ist, er hätte alles im Rahmen seines Diploms gelernt, was man wissen muss
  • Wenn einer meint, es wäre alles „ganz einfach“ und er hätte alles „problemlos“ übersetzen können
  • Wenn einer einen Begriff einfach aus einem Wörterbuch nimmt (und nicht zum Beispiel im Internet überprüft)
  • Wenn einer sich Kritik oder Gegenvorschläge nicht anhören will oder seine Behauptungen nicht belegen kann
  • Wenn einer kein richtiger Sprachler ist (Sprachstudium?) und sich auch nicht besonders für das Sprachliche interessiert
  • Wenn einer das Übersetzen nur nebenbei macht und vor allem als „zusätzliche Geldquelle“ ansieht
  • Wenn einer die Grundbegriffe der Wirtschaft und des von ihm gewählten Fachgebiets nicht beherrscht
  • Wenn die Texte (Satzstrukturen und Vokabeln) sehr eng am Ausgangstext kleben

Kommentare:

Judy and Dagmar Jenner hat gesagt…

Sehr gute Punkte, die du da hast; wir mussten oefters schmunzeln. Wie du so richtig bemerkst, gibt es natuerlich immer Ausnahmen. Leider ist es bei vielen uebernervoesen (aber vielleicht nicht schlechten) Uebersetzern so, dass sie sich nicht trauen, den Kunden zu fragen, aus Angst, dass das vielleicht falsch ausgelegt werden koennte. Da braucht frau natuerlich ein bisschen Selbstsicherheit und Berufserfahrung, um zu wissen, was frau wissen "muss", und was einfach so fachspezifisch ist, dass der Kunde wahrscheinlich die beste Antwort hat (zum Beispiel ein obskures internes Kuerzel).

Wir fragen oft und gerne nach, aber verstehen schon, warum das einige Leute nicht tun wollen; auch als Angst als "Nichtwisser" dazustehen. Natuerlich kann frau ja nicht alles wissen.

Lustigerweise rief gerade heute unser Lieblingskunde an und hat sich lang und breit entschuldigt, dass sie uns das Glossar nicht zur Verfuegung gestellt hat. Wir dachten, es gibt keines und haben drei Tage lang intensiv recherchiert. Das naechste Mal fragen wir einfach, ob es schon ein Glossar gibt.

MCSquared hat gesagt…

Ja, auch dieses Problem kennen wir sehr gut - vor allem, wenn man noch "neu im Geschäft" ist. Manches kann man (frau) auch per Recherche herausfinden - thank God for the Internet. Aber ist der Ausgangstext unklar formuliert, oder die Recherche nicht eindeutig, hilft nur fragen. UND: Oft weiss der Autor den richtigen Fachbegriff aus dem Eff-Eff.