Samstag, 26. Dezember 2009

Eine wahre Geschichte

Wenn es darum geht, das eigene Unternehmen, die eigene Leistung, das eigene Können, vorzustellen, dann neigen ALLE – auch ich – viel zu viel sagen und schreiben zu wollen.

Keep it short and simple!!!
Eine wesentliche Rolle eines Texters und (Übersetzers, aber das ist weitaus schwieriger) ist daher dem Kunden zu sagen: less is more. Die Nachricht wird nicht immer gern in Empfang genommen. Daher ein weiterer englischer Spruch: don’t shoot the messenger!

Hotel und Häppchen in Hamburg?
Ich wurde vor drei Jahren von einem großen deutschen Technologieunternehmen gebeten, deren allererste englischsprachige Image-Broschüre zu texten. Nur zu, dachte ich, ist ja genau mein Ding (just my cup of tea). Ich sollte aber für drei volle Tage (Hotel wird bezahlt, gutes Essen auch...) nach Hamburg. Wie bitte? Ich bin zwar mehr als froh, wenn der Kunde tatsächlich zu einem persönlichen Briefing bereit ist, aber drei Tage????? Und das mitten in der Hochsaison (bei uns Frühling und Herbst)? Ich habe mich mit dem Kunden auf einen halben Tag geeinigt.

Hail the party pooper!
Als ich (endlich) ankam, traf ich auf etwa 20 fröhlich-positiv gestimmten Menschen um eine Tafel versammelt – worauf ungefähr 40 bis 50 Zettel mit Begriffen wie „Wertschöpfung“ „High-Tech-Expertise“ „Branchenwissen“, „alles aus einer Hand“ standen.

Es war das Ergebnis der „dreitägigen Workshop“, der ich ja nicht beigewohnt hatte (übrigens: ich schätze die internen Kosten der hochkarätigen, hochdotierten Teilnehmer auf locker 70 Mille – schluck).

Ganz ehrlich: mir lief der Schweiß den Nacken runter. Warum? Weil mir klar war, ich muss jetzt die gute Stimmung torpedieren (I was going to have to play party-pooper).

„Wenn ich das alles in die Broschüre aufnehme, werden es ungefähr 30 dicht bedruckte Seiten.“
„Ja? Kein Problem,“ sagte die von Südafrika extra angereiste und extra attraktive Moderatorin.
„Wann hat jemand hier in der Runde das letzte Mal eine 30-seitige Broschüre von vorn bis hinten durchgelesen?“

I’m a copywriter – get me out of here!
Wir haben uns gott sei dank in der Folge auf sechs Seiten mit den wichtigsten Kernaussagen und viel „white space“ geeinigt. Und ich bin lebend rausgekommen.

Aber das Problem ist halt ein Dauerbrenner (it’s a perennial problem). Die meisten Kunden wollen viel zu viel schreiben, und wiederholen und verheddern sich bis zum Umfallen. Dabei ist es besser und billiger, wenn man sich kurz hält und klar ausdrückt. Der Leser ist auch dankbar.

Mit Glück ist der Kunde kooperativ und kritikfähig – aber sehr oft wird der Überbringer der schlechten Nachricht ignoriert oder abgeschossen. Ich sag’s doch: Don’t shoot the messenger.

Samstag, 19. Dezember 2009

Crap-Claim-Collection

Sooooo, wir wären wieder in der Autoindustrie. Denn in keiner anderen Branche gedeihen so viele denglische Sumpfblüten.




Hier zum Beispiel. Da fragt sich der Engländer einfach: Where to?. Es heißt so viel wie: "Wir befördern/transportieren die Automobilwelt." Toll, nö?



Über die Tücken von competence habe ich genug geschwafelt. Aber car competence ist besonders krass. Ist ziemlich frei von jeglicher Bedeutung. Selbst auf Deutsch würde man nicht von "Autokompetenz" reden. Aber Englisch darf jeder germanische Werber so hin- und herbiegen wie er will, bis die arme geschundene Sprache bricht. Und eine Verbindung kann man nur zwischen zwei oder mehr Sachen herstellen - daher connecting people von Nokia, was wohl Pate für diesen Blödsinn stand. Das Ergebnis ist also völlig meschugge. Connecting what to what????

Wie entstehen solche unsinnige Claims? Entweder texten deutsche Werber gleich auf Englisch für deutsche Kunden, die alles dann abnicken, weil sie genauso germanisch denken und empfinden (Ja, ja, car competence ist gut!! Und dann die tolle Alliteration mit connecting! Ja, ja, kennen wir von Nokia!). Oder man erfindet ein werbewirksames Wortspiel auf Deutsch (wir bewegen...) und läßt es irgendwo für 20 EUR wortwörtlich übersetzen - ohne einen Gedanken darüber zu verlieren, dass das play on words ganz schnell lost in translation ist.

Gelegentlich wird zu später Stunde irgendein Muttersprachler im Vorbeigehen zaghaft gefragt, ob man "das so sagen kann?". Der Befragte ist selten über die Trageweite seiner Antwort bewusst. Und selten ein Texter, der kompetent beraten könnte. Welche Werbeagentur würde ihre deutschen Claims für Großkunden der Autoindustrie vom erstbesten Passanten auf dem Kudamm absegnen lassen? Aber auf Englisch ist es gang und gäbe.

Samstag, 12. Dezember 2009

Die zahlreichen Möglichkeiten für „langjährig“

Langjährige Erfahrung
Wie wirds übersetzt? Meist mit many years of experience. Gääääähn. Es geht natürlicher, knackiger und werbewirksamer. Many years’ experience – ohne of – wäre schon mal ein gangbarer Anfang. Aber das sagen wir eh nicht so oft. Extensive experience. In-depth experience. Considerable experience. Zur Abwechslung a long and successful track record.

Zahlreich
Wird gern mit numerous wiedergegeben. Numerous hat aber irgendwie a Geschmäckle, wie die Schwaben sagen. After numerous attempts, he finally persuaded her to go out with him. Besser ist many, a large number of. Oder man stellt den Satz um - und sagt sowas wie often, frequently.

Es gibt zahlreiche Alternativen zu wortwörtlichen Übersetzungen. Und nach langjähriger Übung fallen sie einem schneller ein.

Synergieeffekte = weniger nicht mehr?

Zugegeben: Ich habe tatsächlich ein Mal in einem waschechten englischen Artikel synergy effects gelesen. Aber wir sprechen viel öfter von synergy (Einzahl), ganz ohne Spezialeffekte.

Oft wird Synergieeffekte jedoch nicht im Sinne von 2 + 2 = 5 sondern eher 2 + 2 = 3 verwendet.

Let me illustrate - Beispiele aus der Praxis:

"Können durch den Einsatz von standardisierten Komponenten Synergieeffekte erzielt werden?"

"Analysten erhoffen sich von der Fusion signifikante Synergieeffekte."

Naaaaa? Ist das ein Plus an Innovationskraft, Strahlkraft (tolles Wort!) oder Finanzkraft, das erwartet wird. No way. Es geht eher um Minus – um Konsolidierung und Einsparungen.

Mein Vorschlag als ählicher englischer Euphemismus: efficiencies

Hier vom Federal Trade Commission (man beachte auch “utilization” ganz ohne „capacity“ als Übersetzung für Auslastung)

"Nevertheless, mergers have the potential to generate significant efficiencies by permitting a better utilization of existing assets, enabling the combined firm to achieve lower costs in producing a given quantity and quality."


Who chewed up my language?

Viele Kunden dichten selber auf Englisch, und wollen es von uns „kurz überflogen“ haben. Oder sie verbessern unser Englisch. Und sind überrascht oder gar empört, wenn wir davon abraten.

Diese Woche war besonders krass.

Das hier ist nur ein Beispiel aus einem 12-seitigem White Paper:

Innovation is expected added value of CIO, but own stuff is eaten by commodity

Schön, nicht? Also, ich glaube, ich kann was daraus zaubern, aber Spaß macht es nicht. It is not what I signed up for. Es ist wie einen mit Diesel betankten Benziner wieder flott kriegen. Oder ein Haus mit Asbest in den Wänden wieder bewohnbar machen.

Stuff ist wohl staff. Commodity ist wahrscheinliche routine tasks. And eaten? Naja, die sind mit den Routineaufgaben voll ausgelastet und können sich nicht auf Innovation und Wertschöpfung konzentrieren. Aber muss das sein??? Es ist soooooo mühsam zum Entziffern.

Und gleich zwei führende Autoteilelieferanten haben sich diese Woche in das Wort „comfort“ verliebt. Sorry, aber Parkassistenten und Internetanbindung sind nicht comfortable – das ist der Sessel vorm Kamin.

Ach ja, und ein Management Communications (was natürlich gleich 2x falsch ist) korrigierte folgenden Satz:

He explained the situation via a variety of employee communications

in

He explained the situation via a variety of employee informations

Ich sage nur: Garbage is expected added value of management communication, when own language is eaten by Denglisch

Samstag, 5. Dezember 2009

Prokura, Prokurist, ppa

Ungefähr vier Mal im Jahr bekommen wir folgende Frage gestellt: "Wie sagt man Prokurist auf Englisch, denn wir müssen englische Visitenkarten drucken lassen..."

The answer is: Gar nicht.

Es geht um Status!!!
Prokura ist eine besondere Art der Vollmacht - speziell in Unternehmen. Ein Prokurist ist einer, der Prokura hat. Aber der Titel ist gleichzeitig eine Aussage über Status, Entscheidungskompetenz, Position.

Schlägt man in den bilingual dictionaries (die monolingual dictionaries sind oft viel aufschlussreicher) und Leo (igit) nach, so findet man sowas wie "holder of commercial power of attorney" oder "authorized signatory". Oh Gott, alles wieder das Ergebnis eines Denkfehlers.

Jaaaaaaaaa. Es sind putzige Umschreibungen, aber sie verfehlen das eigentliche Ziel - einen Titel, mit dem ein Nichtdeutscher was anfangen kann. Wenn einer sagen würde: I am the holder of commercial power of attorney dann wird sich sein English-speaking Gegenüber entweder über die aufgeblasene Formulierung totlachen oder einfach ein lautes "huh?" von sich geben.

Ja, wie nennen wir den Herrn denn?
Man muss was Neues, Passendes erfinden. Im Prinzip müsste jedes Unternehemn ein englisches Organigramm (orgchart) von unten bis oben durchdefinieren. Üblich dagegen ist ein organisch gewachsenes britisch-amerikanisch-denglisches Durcheinander.

Der Prokurist könnte z.B. ein Executive Vice President, ein Director, oder vielleicht der CFO oder der CIO sein - das muss man im Einzelfall entscheiden.

Ppaaaaaah!!
ppa ist ein extrem interessanter False Friend. Auf Deutsch ist es eine Abkürzung für Prokura. Im Englischen wird es nur dann verwendet, wenn Cheffe einen Brief diktiert hat und die Sekretärin in seinem Namen unterschreiben darf - weil er in der Zwischenzeit auf dem Golfplatz ist.

ppa ist quasi "nach Diktat verreist", mehr nicht.

In Vollmacht, im Auftrag?
Sowas schreiben wir nicht am Ende eines Briefes. Diese Dinge sind rein Deutsch und unübersetzbar. Weg damit!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Es ist eine Schande!!!!

Wochenendarbeit
Am Weekend habe ich aus rein sprachwissenschaftlichen Beweggründen die wöchentliche Sky-Sendung über die Premiere League geschaut. Der Fussball hat mich dabei natürlich mitnichten interessiert. Im Gegenteil. Es war eine Qual der linguistischen Wahl.

Blackburn Rovers
Der Sprecher hat berichtet: “It was a shame that Blackburn Rovers were relegated just four years after they were crowned champions.”

Das wurde mit „Es war eine Schande...“ übersetzt. Wie sooft. Und wie sooft falsch.

Das ist jetzt zugegebenerweise nicht logisch, aber „it’s a shame“ heißt zwar wörtlich „es ist eine Schande“ aber die Bedeutung ist ganz anders, nämlich: „es ist schade“.

West Bromwich Albion
Übrigens: Ich würde gern mal mit den Kommentatoren eine Art Schulung (zu Deutsch: Training oder Workshop) machen. Thema? Wie spreche ich die Namen von englischen Fussballklubs aus. Heutiger Schwerpunkt ist der Buchstabe „W“.

Norwich wird nicht Nor-witch ausgesprochen sondern Noh-ritsch. Das W ist lautlos. Bei West Bromwich Albion heißt es nicht Brom-witch sondern Brom-mitsch. Das W ist lautlos.

Fit wie ein Turnschuh
Übrigens (take two): Ein Trainer ist ein Manager und ein Manager ist in etwa ein Director of Sport. Ein Trainer ist ein Turnschuh. Und Relegation ist a play-off. Und Kicker ist in Amiland foosball. Capish?

Sonntag, 29. November 2009

Don't go with the flow

Soooooo - heute sind wir wieder bei der Autoindustrie, wo man schnell fündig wird. In motion bedeutet durchaus "in Bewegung" im Sinne von "jetzt bin ich hier, nun bin ich dort" (Muhammad Ali hat zum Beispiel zurecht von sich behauptet, er wäre poetry in motion).

Aber im Sinne von dynamischer Veränderung? Nein. No way. Darum: the slogan falls a bit flat. Es zündet nicht. Auch der Gedanke: "wir wollen was bewegen" (wir wollen was erreichen / was verändern) kann man nicht mit move übersetzen.


Die Problematik bei folgendem Claim ist etwas schwerer zu erkären. Get ist ziemlich salopp, und von der Tonalität her nicht für alles passend (wenn Adidas oder Red Bull irgendwas mit get sagen würden, dann ok - aber Conti? Und elastic technology?). Und ich frage mich sofort: get more what? "Mehr bekommen" ist viel elastischer (if you will forgive the pun). Es ist kein natürliches Englisch, und ich vermisse die Botschaft.





Folgendes Beispiel ist sehr ähnlich. Bei einem verstopften Klo kann mein Klempner vielleicht sagen: we need to get it flowing (again). Aber natürlich klingt es nicht. Und als Claim taugt es nicht viel. Auch hier: Was ist denn überhaupt die Botschaft? Get WHAT flowing? And why?



Wenn flow dann wenigstens sowas wie go with the flow - was ein ganz bekannter und positiv belegter Spruch ist. Die wörtliche (zwangsläufig unappetitliche) Rückübersetzung (mit dem Strom gehen/schwimmen, sich treiben lassen) läßt Germanen viellecht erahnen, wie es uns Angelsachsen bei solchen möchte-gern-aber-knapp-daneben-ist-auch-vorbei Claims ergeht. Wörtlich mag es "richtig" sein, aber die Bedeutung, die Wirkung, die Assoziationen sind völlig daneben.

In allen drei Fällen hat man das Gefühl, hier wurde nicht auf Englisch gedacht und gedichtet - sondern auf Deutsch gedacht und ins Denglische übersetzt.


















Donnerstag, 26. November 2009

Lassen Sie andere für Sie sprechen....

Habe ein witziges Web-Werkzeug entdeckt. Hier kann man einzelne Wörter oder ganze Sätze in verschiedenen Sprachen vorlesen lassen. Auf Englisch gibt es mehrere Sprecher - damit man regionale Unterschiede ausprobieren kann. Allerdings war ich bei "route" etwas überrascht - alle Online-Amis haben es sehr britisch ausgesprochen (wie "ruth" statt wie "raut").

http://www.acapela-group.com/text-to-speech-interactive-demo.html

Mittwoch, 25. November 2009

The question is not academic

Ein Akademiker ist nicht automatisch an academic. Meist ist ein Uni-Absolvent gemeint - also a university graduate oder someone with a university degree.

Hier zum Beispiel (von http://www.heise.de/)

"Das Wirtschaftsblatt hat 7800 Akademiker ab 24 Jahren mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung gefragt, bei welchem Unternehmen sie am liebsten arbeiten würden. Trauriges Ergebnis für HP: In Punkto Attraktivität für die akademischen Berufsanfänger rangiert das Unternehmen auf den hinteren Plätzen."

Academic als Adjektiv auf Englisch ist eher "bildungsbezogen" - the academic year = das Hochschuljahr. An academic (die Person) ist jemand, der sich in dieser Welt bewegt oder eher mit theoretischen als mit praktischen Aufgaben zurechtkommt.

An academic question ist eine, die nicht wirklich relevant ist, da sie "theoretischer" Natur ist.

Sonntag, 22. November 2009

Wo sind Sie, Frau Scheele?

Unser Geschäft läuft fast nur noch über Email (siehe letzten Beitrag). Und Neukunden kennen wir fast nie persönlich. Daher ist vieles eine Frage des Vertrauens. Wir sind selten enttäuscht worden. Aber dieses Jahr hatten wir einen ganz merkwürdigen Fall.

Wir bekamen im Juni eine Anfrage über eine gmx-Adresse bezüglich der werbewirksamen Übersetzung einer Website im Bereich Mode (http://www.salt-and-silk.com/) von einer charmanten Frau Kirstin Scheele.

Xing-Profil ja, echte Adresse nicht
Sie war früher – laut Xing – bei Estée Lauder sowie Pepper AG (das zumindest stimmt – der Geschäftsführer hat es mir freundlicherweise bestätigt).

https://www.xing.com/profile/Kirstin_Scheele


Auftrag wurde gemacht, Rechnung gestellt und zugestellt (kam auf jeden Fall nicht zurück - Noestr. 26, 81479 München). Aber bezahlt wurde nicht. Die Mahnungen kamen zurück. Return to sender; no forwarding address.

Was macht man dann? Man schickt Emails, man ruft an (niemanden und nix erreicht). Und man recherchiert im Internet. Es ist nicht viel zu finden (auch yasni und co. helfen nicht wirklich weiter).

Ich habe Leidensgenossen im hohen Norden - und in Monaco??
Offensichtlich hatte Frau Scheele früher einen Laden in Timmendorfer Strand. Hierzu gibt es noch einen Pressetext – und die Texterin wird namentlich genannt. Ich habe sie angerufen. Auch sie hat kein Geld gesehen, weiß nicht, wo sich Frau Scheele aufhält, und klang recht frustriert. Sie vermutet, sie sei in Monaco.

Das Xing-Profil gibt auch nicht viel her – die Adressen sind nicht vollständig. Die eigene Firma (mila frey gmbh) habe ich noch nicht dingfest machen können. Unter der Telefonnummer in Timmendorfer Strand erhält man nur noch „kein Anschluss...“

Ein vollstreckbarer Titel - aber keine Adresse
Und siehe da, es geht noch schlimmer: auf einem Portal für Timmendorfer Strand sucht einer ganz dringend eine „ladungsfähige Adresse" für Frau Scheele – denn er hat einen Titel über 4000 EUR. Na viel Glück. Siehe Gästebuch (versteckt unten links), 4. Eintrag (at the time of writing):

http://www.tini24.de/

Die Dame ist noch aktiv
Diese Woche bekam ich eine weitere interessante Anfrage über Xing. Ein Art Director im Raum München wollte wissen, was ich ihm zu Frau Scheele sagen könnte (wie er auf mich kam, verrate ich hier lieber nicht) – denn sie ist offensichtlich noch recht aktiv. Er soll nun die Website für sie überarbeiten. Ich habe ihm abgeraten.

Überhaupt ist die Website recht merkwürdig – im Moment ist nicht viel zu sehen, nicht mal ein Impressum. Früher gab es eins.

Wir haben auch im Zusammenhang mit der Website den Namen Verena Koeper gefunden. Aber wir können diese Dame nirgends finden. Wenn es sie überhaupt gibt.

Und auf Xing gibt es schon ein zweites Profil mit dem Namen Kirstin Scheele. Noch nicht vollständig, aber dem Existierenden recht ähnlich (sie kann in beiden Fällen deutlich mehr Sprachen als ich).

https://www.xing.com/profile/Kirstin_Scheele2

Gibt es eine Erklärung? Oder ist es Nepp?
Vielleicht gibt es eine gute Erklärung für das Ganze. Oder vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall scheint es Kirstin Scheele nicht besonders zu stören, dass sie ihre Rechnungen noch nicht bezahlt hat. Wenn alle so drauf wären, würde unsere Wirtschaft zum Stillstand kommen.

Ich wäre sehr froh, wenn sich Frau Scheele melden würde. Noch glücklicher wäre ich, wenn sie die Rechnung zahlen würde. I won't hold my breath.

Fax? Fehlanzeige!

Post war vorgestern - dann kam Kermit
Vor etwa 15 Jahren liefen Anfragen zu 80% über das Telefon, Aufträge zu 80% über die gute alte Post und das Fax. Eilige Übersetzungen wurden zum Teil per Auto bis nach München gefahren – bis ich zumindest bei einem Kunden herausfand, daß die IT-Abteilung (was damals EDV hieß) zum Glück bei Compuserve angemeldet war. So konnten wir Dateien austauschen. Direktübertragungen zu anderen Firmen gingen oft erst nach vielen Fehlversuchen mit verschiedenen Protokollen (erinnert sich jemand an Kermit?). Der Transfer einer einzigen Datei dauerte teilweise eine Dreiviertelstunde. Und oft wurde der Vorgang kurz vor Schluss abgebrochen. Oh neeeeeein.

Fax war gestern - dann kamen Topfpflanzen
Vor zehn Jahren war Fax mission-critical. Wir hatten zwei Faxgeräte – eins zum Senden, eins zum Empfangen. Sonst gab es Stau. Inzwischen sind sie verstummt. Wir bekommen fast nur fehlgeleitete Faxaufträge für Schweitzer Chemie (die eine ähnliche Nummer hat) und Angebote über Topfpflanzen. Ach ja, und gelegentlich auch offizielle Bestellungen für uns – aber paradoxerweise fast nur von zwei sehr großen IT-Firmen. In den frühen Jahren der Emailkommunikation wurde noch per Telefon nachgefragt, ob die Nachricht angekommen wäre. Jetzt nicht mehr. Und es ist unser Ziel, alle Emails innerhalb von 15 Minuten zu beantworten (na gut, die Viagra-Empfehlungen nicht unbedingt).

Wenig Anschluss unter dieser Nummer
Telefon? Ja, klar, wir bekommen Anrufe, aber nicht mehr so viele. Vor fünf Jahren waren unsere vier Telefonleitungen manchmal komplett belegt. An hektischen Tagen war das ständige Klingeln unser ständiger Begleiter. Und nach einer Woche Urlaub hatte ich eine Handy-Rechnung über 800 EUR. Es ist deutlich ruhiger geworden.

Wie sehen Kunden aus? Wir wissen es nicht
Persönliche Treffen? Once in a blue moon (= ganz selten). Früher war ich drei mal die Woche bei Kunden. Besser fürs Weltklima. Aber nicht unbedingt fürs Geschäftsklima.

Es ist alles sehr digital geworden. Vieles ist einfacher und bequemer. Aber es treibt manch seltsame Blüte. Watch this space.

Sonntag, 15. November 2009

Martin, bring den Müll weg

Die exportorientierte deutsche Automobilbranche sollte und könnte sich richtig gutes Englisch leisten. Tut sie aber oft nicht.

Folgendes Beispiel kommt von der Porsche-Tochter MHP und ist stellvertretend für ein sehr häufiges Problem im Denglischen - linguistische Amputationen.

Excellence in Process- and IT-Consulting for Automotive

http://www.mhp.de/en/company.html

Kürzer ist knackiger – und teilweise kackiger
Hier wird ein durchaus richtiger Begriff - the automotive industry - auf automotive abgekürzt. Ist schön knackig, nicht? Und schön falsch. Denn für uns bleibt das Ding ein Adjektiv. Und wir fragen uns: automotive WHAT?

Die Bindestriche sind auch 100% germanisch. Aber excellence ist eine exzellente Alternative zu competence – was immer wieder auftaucht, wie unvernichtbares Unkraut.

Das Publikum als Beruf
Besonders modern ist die Abkürzung von public sector auf public. Das geht GAR nicht. Sagt eine Kundenberaterin: I am an account manager public so hat sie sich als Kundenberater-Publikum deklariert. Nicht schlecht für eine Einzelperson.

Spielen Sie auch Korb?
Auch diese Woche auf meinem Schreibtisch: Ein Rechner für Handelsreisende. Hier wurde business traveller auf traveller reduziert – was für uns in erster Linie ein Rucksacktourist ist. Es erinnert mich alles an meine Zeit als Englischlehrer in Griechenland – da haben die Kids immer gemeint: we play basket.

Noch ein Beispiel:




Hier musste ich selber lange grübeln – irgendwie klang es falsch, aber ich wusste nicht so recht wieso. Dann kam ich darauf: you have to take the risk out OF SOMETHING. Ohne ein SOMETHING ist das ein anderes Verb. Was normalerweise so verwendet wird:

Martin, will you take the dog out?
Yes, if you’ll take the rubbish out.


Auch den Sprachmüll sollte man entsorgen.

Freitag, 13. November 2009

Struktur ist nicht immer structure

Eine IT-Struktur ist fast immer an IT infrastructure.

Die Oberflächenstruktur einer Textilie ist eher the texture.

Und neue Strukturen bei Unternehmen sind fast immer organisational structures.

A structure dagegen ist im Englischen ein Synonym für Bauwerk.

Ich würde mir bei vielen Texten, die wir übersetzen müssen, jedenfalls eine bessere Struktur wünschen (und dafür weniger Volumen)

90% aller denglischen Job-Titel sind verdreht

Job-Titel werden gern ins Denglische übersetzt. Und diese Woche hatten wir einige.

Häufigster Fehler? Die germanische Reihenfolge der Wörter (bzw die Gewohnheit Präpositionen wegzulassen).

Director Marketing - das ist die Vermarktung von Geschäftsführern
Unit Production - das ist die Herstellung von Einheiten.

Im Deutschen setzt man auch gern die Tätigkeit oder "Hierarchieebene" für die Person ein:
Assistenz, Leitung, Vorstand - in diesen Fällen ist Vorsicht geboten.

Bei uns muss man die Person benennen - sprich:

Personal assistant (to the CEO oder was auch immer)
Head of XYZ (oder Director of oder was auch immer - das ist Geschmacks- und Statussache)
Member of the Management Board (wobei er oder sie unter Umständen der Chef ist - also CEO)

Assistance ist für uns nur die Tätigkeit, nicht die Person. Management wäre mehr als nur ein einsamer Mensch.

"Positionen" zu übersetzen ist auf jeden Fall ein minefield - und am Besten tastet man sich sehr vorsichtig und händchenhaltend vor.

Dienstag, 10. November 2009

of thereby also already company once again

Es gibt Wörter, die sich beim Übersetzen klammheimlich im englischen Text einnisten.

  • Still
  • Even
  • So
  • Such (bitte nicht "such a solution" sondern "a solution of this type")
  • Of (Genitiv ist dem Of sein Tod!! 20 years’ experience nicht 20 years of experience. Oder eine ganze andere Präposition nehmen)
  • Even
  • Also
  • Therefore (ok, nicht schlimm, aber oft überflüssig)
  • Thereby (klingt wie ein Vertragstext)
  • Hereby (erst recht!)
  • Of course (in vielen Fällen etwas belehrend)
  • Naturally (naturally is often unnatural)
  • Once again (again reicht!)
  • Further (zB further developed. Developed allein meistens besser. Oder mal evolve probieren)
  • Already (bitte "schon 1965 wurde..." nicht mit "already in 1965" übersetzen!)
  • Company (wie wäre es mit enterprise, business, organisation oder den Satz umstellen und das Subjekt komplett weglassen)
  • Necessary (often totally unnecessary - e.g. they installed the necessary software)
  • Special ("speziell" ist oft eher dedicated oder einfach überflüssig)
  • Appropriate (often an inapproriate word)

Diese illegalen Einwanderer müssen rigoros bekämpft werden!!!

Montag, 9. November 2009

I am a proud dictator

Diktieren ist richtig aus der Mode gekommen, beschleunigt durch den Wegfall von Sprachendiensten in Unternehmen und die Verbreitung von Memory Tools. Aber ich diktiere sehr gern.

  • Es ist um einiges schneller als selber Schreiben (angeblich 7x schneller)
  • Es ist weniger ermüdend (oder zumindest anders ermüdend)
  • Unterbrechungen stören mich weniger – ich kann die Arbeit viel einfacher wieder aufnehmen
  • Ich kann überall diktieren – auf dem Balkon, auf der Wiese, in der Badewanne
  • Weil man spricht und nicht tippt, sind die Ergebnisse viel flüssiger und natürlicher
  • Bei komplizierten PPTs und anderen blöden Formaten kann ich die Pfriemelarbeit delegieren (hooray!)

Das Allerbeste: wenn ich den Text zurückgeschickt bekomme, ist es so, als würde ich einen völlig unbekannten Text von einem anderen Übersetzer bekommen – ich betrachte das Ganze mit einem Abstand, den ich nie habe, wenn ich selber den Text eingebe.

Und durch die Digitalisierung ist einiges komfortabler geworden: Ich muss keine Tonbänder irgendwo hinfahren – sondern ich schicke eine Datei nach England, und schwuppdiwupp 2 Stunden später habe ich den Text. Und oft mit Kommentaren, die mir weiterhelfen! Neuseeland ist auch eine Option – denn wird gearbeitet, während wir in Europa schlafen.

Nur keine Hemmungen

Liebe Übersetzer, ich weiß, ihr habt etwas Hemmungen – die eigene Stimme zu hören ist erstmal komisch. Und der Umgang mit dem Gerät muss geübt werden. Aber es lohnt sich!

Nicht die Billiggeräte

Ein wichtiger Tipp: nicht gerade die Billigprodukte von Mediamarkt und Co. kaufen. Es muss schon eine Lösung sein, mit der man sehr leicht vor und zurückspulen kann. Und mit Fusspedalen für das Abtippen (wir haben Philips-Produkte – kann ich sehr empfehlen).

Freitag, 6. November 2009

Mit deutschem Akzent schon im Mutterleib

Wie kinderleicht Kinder Sprachen absorbieren ist schon erstaunlich - und vor allem wie sie die Grammatik gänzlich ohne Büffeln aufnehmen. Nun haben Forscher festgestellt, dass der linguistische Lernprozess schon vor der Geburt einsetzt!

http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/8346058.stm

Sonntag, 1. November 2009

I have a new toy...

Ich habe ein neues, tolles Spielzeug: ein Internet-Radio (auf Empfehlung meines langjährigen Freundes und des langjährigen UNO-Übersetzers Bruce Granger).

Ich kann meine Lieblingsquellen des seriösen Journalismus hören: BBC Wor(l)d Service, BBC Radio 4, Deutschlandfunk , NPR (in den USA).

Meine maultaschenbegeisterte Schwester hat gleich bei Ankunft BBC Radio Sheffield eingestellt. Meine Freundin hat vier Italo-Sender und einen Spanier als Favoriten reserviert. Ihre Tochter hat den local radio station vom ehemaligen Wohnort in Florida gefunden. Und alles sehr einfach.

Das soll jetzt keine Schleichwerbung sein (a plug), aber ich kann folgendes Produkt sehr empfehlen (ich verdien nix dran!):

http://www.terratec.net/de/produkte/NOXON_iRadio_2211.html

Auch das Handbuch ist gut gemacht – witzig und meist klar formuliert (wenn auch einiges an Technikwissen vorausgesetzt wird).

Gerade für uns Übersetzer/Texter ist es extrem wichtig, immer wieder sprachlich aufzutanken. Sprache ist was Lebendiges, was Dynamisches – and we need to keep our fingers on the pulse. Da ist ein Internet-Radio genau das Richtige.

Außerdem: Radio 1 ist musikmäßig um Längen besser und vor allem vielfältiger als Antenne 1 (igit) und Co.

Einzige Voraussetzung (was man bitte nicht immer mit prerequisite übersetzen soll): WLAN müsst ihr haben!

Freitag, 30. Oktober 2009

Kontext ist entscheidend. Auch bei Porsche

Ich war diese Woche mit Schwester, Schwager, Neffen und S-Bahn-Gruppenkarte im Porsche Museum. Und im Großen und Ganzen sind die Übersetzungen von der VW-Marke (ja, das tut weh) richtig gut.

Aber Kontext ist selbst bei Kleinigkeiten kritisch. Und kann selbst bei den Zuffenhausenern zur Stolperfalle werden.





Enter zum Beispiel ist zwar „Betreten“ – wenn es um ein Zimmer geht. Aber nicht wenn es um eine Art Sockel geht. Da müsste man erst mal ein ziemlich großes Loch bohren, damit you can enter it. Wie so oft, ist in diesem speziellen Fall eine Rochade die beste Lösung: Please keep off (the plinth). Denn für „Betreten“ fällt mir in diesem Zusammenhang nix "Direktes" ein.





Dann hätten wir die Tageskarte. Da hat man wohl auf den teueren Übersetzer (der sich offensichtlich viel Mühe gibt) verzichtet. Vielleicht im Wörterbüchle oder auf Leo daily gefunden. Und schon haben wir eine Karte, die tagtäglich und nicht für einen einzigen Tag (day ticket) gültig ist.


Und manchmal funkt der Grafiker dazwischen. Denn Anführungszeichen unten - gibt es nicht im Englischen. Sieht für uns richtig alien aus




Aber ab und an ist eine Übersetzung sogar schöner (und knapper) als der Ausgangstext:





Signature feature ist richtig schön!!

Samstag, 10. Oktober 2009

Mad Dogs and Englishmen...

Das hier ist eine der besten Sammlungen von (unfreiwillig) lustigen Übersetzungen, (aber nicht nur) die ich je gesehen habe:

http://www.telegraph.co.uk/travel/picturegalleries/signlanguage/
Das hier hat mir besonders gefallen. Ist zwar keine Übersetzung, und vielleicht sogar absichtlich - aber auf jeden Fall die ideale Adresse für einen Engländer, der tagtäglich gegen denglische Windmühlen kämpft:

http://www.telegraph.co.uk/travel/picturegalleries/6271827/Sign-Language-week-69.html?image=5

(To be at one's wits' end = mit seinem Latein am Ende sein / völlig verzweifelt sein / nicht mehr weiter wissen)

Wenn wir schon dabei sind - hier ein Beispiel aus unserem letzten Urlaub. Ist wohl ein Hinweis auf die vielen hellhäutigen Engländer, die die hellenische Sonne nicht vertragen haben.



Sonntag, 4. Oktober 2009

PLEASE STOP USING THE WORD IMPRINT FOR “IMPRESSUM”

Ich habe es schon ein paar mal angesprochen/angeprangert. Impressum ist nicht „imprint“. Es ist echt unglaublich, welches unberechtigte Eigenleben dieses Unwort/Nichtbegriff durch Leo und andere bekommen hat.

Man nehme einen (normalen) Engländer/Amerikaner, und setze ihn vor dieses Wort (auf einer Website/in einer Zeitschrift). Was passiert?

Er schaut einen verwirrt an, und fragt: „Er, what do you mean?“.

Aber die Übersetzerwelt schert sich größtenteils nicht um die Wirklichkeit. Hauptsache, man hat „ein Wort“, das man an der Stelle „Impressum“ einsetzen kann. Es ist sogar zu einer Art Standardübersetzung geworden - dabei ist es VÖLLIG FALSCH.

Es ist auf keiner echt englischen, amerikanischen oder australischen Website (im selben Kontext) zu finden.

But I am not alone. Auch andere regen sich (zurecht) über diese Vergewaltigung unserer Sprache auf:

http://simmer-lossner.blogspot.com/2008/12/impressum.html

http://www.blog.wahlster.net/?s=impressum

http://transblawg.eu/index.php?/archives/591-Impressum-in-English-revisited.html

Oder ihr gebt „imprint“ in Google ein – mit dem Zusatz „Website“ – na? Da kommen nur (übersetzte) deutsche Websites.

Man könnte denken, dass ich mich etwas aufrege, oder???????

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Ingrammatikalisch? Schreibfühler? Ist nicht schlamm

Jeden Tag leisten wir erbitterten muttersprachlichen Widerstand an der syntaktischen, orthographischen und stylistischen Front.

Dabei entgegnen uns viele Non-Natives:

„Das ist doch nicht so wichtig. Versteht man doch, oder?“
„Das sagt man/schreibt man so bei uns.“
„Ist halt nur für die Auslandsmärkte. Hauptzielgruppe ist in Deutschland.“
„Wir haben keine Zeit (kein Geld, kein Bock auf) für die Satzkorrektur.“

Hauptproblem dabei ist, finde ich, dass deutschsprachige Auftraggeber einfach wenig Ahnung haben (können), wie das Endergebnis bei dem englischsprachigen Leser (und potenziellem Kunden) ankommt.

Hier eine Anzeige in The Independent, die vielleicht hilfreich sein könnte.



Und? Welchen Eindruck macht das Unternehmen? Was halten Sie von deren Produkten? Und deren Qualitätsanspruch? Tja, Antiwerbung ist nur fulschgeschrobene Werbing. Versteht man doch, oder? Würde ein renommiertes deutsches Unternehmen sowas hierzulande durchgehen lassen? Natürlich nicht. Da würden Köpfe rollen. Aber auf Englisch? Jeden Tag.

Nachtrag (2. Oktober)
Ich war heute auf der deutschen Website von Barracuda. Ist nicht schlecht, aber ab und zu taucht was ganz Häßliches auf. Zum Beispiel "Privatsphäre Politik" (privacy policy). Hmmm. In der Schule nach einer besonders misslungenen Klassenarbeit habe ich den angsteinflößendenen Eintrag im Heft bekommen: See me. Den Hinweis würde ich am Liebsten auf der Barracuda-Internetpräsenz hinterlassen. Entweder ist da eine Übersetzungssoftware am Mach-Werk oder ein Nicht-Muttersprachler mit Wörterbuch und Leo.

Ich habe Barrcuda nun angeschreiben. Bin gespannt. Watch this space.

In der Kürze liegt die Würze

Kurze Sätze sind fast immer besser als lange. Ausgangstexte enthalten oft etwas umständliche Konstruktionen. Und viele Übersetzer dehnen sie noch weiter aus. Oder trauen sich nicht, dem vorhandenen Elend ein euthanasisch-erlösendes Ende zu setzen – beispielsweise durch die beherzte Trennung eines germanischen Satzes in zwei englische oder das Weglassen von Restmüll.

I’d prefer less company
Außerdem ist mir aufgefallen, dass englische Übersetzungen von German business documents irgendwann unter dem Gewicht des Begriffes „company“ fast zusammenbrechen. Bin nicht ganz sicher, woher das kommt.

Ein paar Beispiele aus der hauseigenen Tierpraxis:

Case study No. 1
High cost pressures and changes in market conditions will continue to drive enterprises towards centralization and consolidation.

Erm, das geht kürzer.

High cost pressure and changing market conditions will continue to drive centralization and consolidation.

Case study No. 2
There are many reasons why companies strive for centralization.

Erm, das geht kürzer:

There are many reasons for centralization.

Case study No. 3
Experience has shown that installing XYZ can yield a return on investment of over 100%, and companies can reach the break-even point after around three months.

Erm, das geht kürzer:

Experience has shown that installing XYZ can yield a return on investment of over 100% and break-even after around three months.

Case study No. 4 (jetzt reicht es aber langsam)
This enables companies to make informed financial decisions regarding investment in their ICT infrastructure.

Erm, das geht kürzer:

This enables informed decisions on ICT infrastructure investments.

In der Länge liegt der Lohn
Es ist ja jedes mal crystal clear, dass es um Unternehmen geht. Und wahrscheinlich gehts NOCH kürzer. Problematisch ist natürlich, dass die meisten Übersetzer pro Wort oder Zeichen bezahlt werden. Wenn die Übersetzung und nicht der Ausgangstext die Basis für die Abrechnung ist – dann habe ich mich gerade selber um meinen Lohn gebracht.

Get organised!
Übrigens: Synonyme für companies sind nicht nur businesses, enterprises und firms (naja, nicht schön) sondern auch organisations/organizations.

Zum Beispiel (von IndustryWeek):

Increased market volatility and economic uncertainty are affecting every manufacturing organization across the globe.

Mittwoch, 30. September 2009

Guido makes linguistic and diplomatic waves

Viele Medien machen sich gerade lustig über Guido Westerwelle (hier auch Videos dazu):

http://meedia.de/nc/details-topstory/article/web-lacht-ber-westerwelles-englisch_100023599.html

Ich habe die Pressekonferenz in Echtzeit verfolgt – seine schwachen Englischkenntnisse stören mich wenig. Er soll einfach einen Dolmetscher einschalten. And it is not so much what he says, but the way that he says it oder wie man auf Deutsch so schön sagt: Der Ton macht die Musik. Und bei ihm ist die Musik zickig-arrogant (übrigens: Wir können Adjektive nicht so elegant-bequem verbinden).

Auch das Handelsblatt nimmt ihn aufs Korn

http://blog.handelsblatt.de/madagaskar/eintrag.php?id=236

Da kann ich nur sagen: people who live in glass houses shouldn’t throw stones. Deren Denglisch ist grausam. Zum Beispiel gab es neulich als Überschrift für eine hauseigene Konferenz/Seminar:

Dialogmarketing at it’s Best.

Also gleich drei Fehler auf einen Schlag. Und warum auf Englisch? Die Veranstaltung war in Deutschland für Deutsche.

Sonntag, 27. September 2009

ATA - eine Anleitung für Kunden

Bin ganz angetan von dem American Translators Association (https://www.atanet.org/).

Auch wenn der BDÜ endlich aus dem Tiefschlaf erwacht ist (siehe das Großereignis in Berlin http://www.uebersetzen-in-die-zukunft.de/), ist der ATA einfach um Längen moderner, rühriger und ideenreicher. Dieses Jahr findet die 50th Annual Conference der ATA statt. Das Berliner Ereignis war der allererste Kongress des BDÜ. Also führen die USA 50:1. Ein zweiter BDÜ-Treff ist angedacht - in etwa drei Jahren. Die ATA-Veranstaltung ist nächstes Jahr in Denver. Mehr hier: https://www.atanet.org/conferencesandseminars/future_sites.php

Na, eine tax-deductible Reise nach Amerika wäre nicht schlecht oder?

Ich kann auf jeden Fall das BDÜ-Tagungsband sehr empfehlen (http://www.bdue.de/ und dann Publikationen anklicken; kostet nur 20 EUR). Insgesamt finde ich die Übersetzerbranche recht intransparent - dieses dicke Buch schafft Abhilfe.

Aber noch mal zur ATA: Besonders gut hat mir deren "Anleitung für Kunden" gefallen. Ist flott und griffig getextet. Und es sind zahlreiche Ratschläge dabei, bei denen ich heftig genickt habe.

Unter anderem:

Eine Übersetzung ist nicht immer sinnvoll – manchmal ist eine mündliche Zusammenfassung völlig ausreichend (Was steht drin? Ist es überhaupt wichtig?). Oder eine Grafik wäre besser.

Die meisten Kunden schreiben viel zu viel – und lassen viel zu viel übersetzen. Wenn Kunden über die Kosten von Übersetzungen stöhnen, dann rate ich immer: VIEL WENIGER schreiben, dafür BESSER. Ich hab schon Zig Broschüren gesehen (und übersetzt), bei denen ich gedacht habe: WER SOLL DAS ALLES LESEN??? Und dem Kunden des Kunden geht es bestimmt nicht anders. Und wie oft haben wir mit schlechten deutschen Ausgangstexten gekämpft? Daher übersetze ich wahnsinnig gern Zeitungsartikel - denn sie sind in der Regel sehr gut strukturiert und formuliert. Naja, bis auf Focus vielleicht. Das ist Bild-Zeitung für Möchte-Gern-Intellektuelle. But I digress.

Man muss wissen, wozu die Übersetzung überhaupt gemacht wird – die Kunden sagen es meist nicht und die Übersetzer fragen meist nicht. Dabei ist es das A und O.

Wir übersetzen manchmal deutsche TV-Spots für die amerikanischen Entscheider eines Bulettenherstellers. Konsequenz? Wir müssen die ganzen Wortspiele und kulturellen Hintergründe erklären. Und schreiben daher fleißig Fußnoten.

Wir „übersetzen“ aber manchmal auch Anzeigen und Slogans, die in englischsprachigen Zeitschriften erscheinen. Konsequenz? Wir müssen oft den Text neu erfinden – es geht um die Botschaft, nicht um die einzelnen Wörter.

Die englische Anleitung vom ATA ist hier unten.

https://www.atanet.org/docs/Getting_it_right.pdf

Eine deutsche Verson hats auch (ist nicht schlecht übersetzt – vor allem die Titelseite ist witzig gemacht. Aber etwas Dynamik ist tatsächlich lost in translation. Ich hätte mir etwas mehr Mut zu einem eigenen Stil gewünscht).

http://www.iti.org.uk/pdfs/trans/German.pdf

Apropos eigenen Stil / den Text aktiv mitgestalten: Ich kann folgenden Blog sehr empfehlen (auf Englisch):

http://tomellett.blogspot.com/

Samstag, 26. September 2009

IAA Part 1

Das es der Autoindustrie (teilweise) nicht besonders prächtig geht, weiß ich. Aber müssen internationale Pressevertreter wirklich von der IAA mit grottenschlechtem Englisch begrüsst werden? War wohl kein Muttersprachler. Oder wenn doch, einer, der sich bei seiner Mutter ganz schnell entschuldigen soll.

Welcome,
You are interested journalistically in the 63rd IAA from 17 to 27 September 2009 in Frankfurt/Main. Until September 2009. The information- and schedule section will be updated regularly, so that you can not only explore the 63rd IAA on the internet but research the IAA live in Frankfurt/Main thoroughly as well.

Sincerely,
Matthias Wissmann
President of the German Association of the Automotive Industry (VDA)


Besonders nett finde ich „interested journalistically“ – Übersetzer stolpern häufig über deutsche Adverbe. Sie sind meist knapper und eleganter ihre englischen Verwandten (das „ly“ ist halt eine unangenehme Überraschung am Ende, gerade nach zwei oder gar drei Silben).

Ein Beispiel: „ein international agierendes/operierendes/aktives Unternehmen“.

Da trifft man sehr oft auf die Translation: an internationally operating company (oder gar internationally acting oder active). Oder ähnliches. Die Grammatik ist gerade noch am Rande des Erlaubten. Aber es ist eine unnatürliche und unappetitliche Kombination/Konstruktion/Kollokation. Der Satz gehört umgebaut.

Mein Vorschlag: A company with international operations. Oder einfach an international company. Denn: das agierend ist wohl letztendlich überflüssig. Aber mit dem Weglassen zun sich translators schwer.

Vielleicht sollte man eine Abwrackprämie (cash for clunkers) für alte, stinkende, ineffiziente Übersetzungen (oder Übersetzer?) einführen.

Freitag, 25. September 2009

Kein Klempner muss das aushalten!!!!

Stellen Sie sich folgendes vor: Ein Klempner wird Freitag Nachmittag (spät!) angerufen – es ist ein Notfall.

Naja, ich wollte das Liverpool-Spiel eh nicht gucken

Er soll bitte, bitte, bitte unbedingt am Wochenende ein Klo reparieren und eine Dusche installieren. Und alles muss bis Montag 12 Uhr fertig sein. Der Klempner macht es. Er macht es sogar richtig gut, obwohl das vom Kunden gelieferte Material nicht gerade ideal war. Und er merkt einige Ungereimtheiten bei der vorhandenen Installation – und erspart dem Kunden damit Ärger und Geld. Sonntag abend geht er müde aber zufrieden nach Hause – und versucht seine inzwischen etwas angefressene Freundin milde zu stimmen.

I hate Mondays
Montag früh kommt er frohen Mutes wieder, um dem Ganzen den letzten Schliff zu geben. Und was findet er vor: Der Kunde hat in der Nacht selber Hand angelegt. Denn er hat auch schon mal in der Volkshochschule einen Du-It-Jursälv-Kurs gemacht.

Erm, warum ist es so nass?
Jetzt stimmen die Anschlüsse nicht. Es steht alles schief. Am Boden sammelt sich Wasser. Und der Klempner ist nicht mal sicher, ob das Ganze nicht zusammenkracht und, wo er überhaupt das Leck suchen soll. Und in einer Ecke sitzt irgendwas ganz Komisches, was tickt. Es war ja vorher nicht da. Er kann es nicht entschärfen, bis der Kunde ihm sagt, was das ist. Aber bis 12 soll trotzdem das Ganze fertig werden. Und gut aussehen.

Erm, warum passiert uns das immer wieder?

Wie oft muss das ein Klempner erleben? Und was würde er in so einem Fall dem Kunden blasen (bzw in Rechnung stellen?). Leute, als Übersetzer erleben wir das linguistische Pendant immer wieder. Aber diese Woche war es besonders krass.

Im obigen Fall war der Kunde wenigstens einsichtig. Obwohl er in einigen Fällen auf Formulierungen bestand, die FALSCH sind (wie oft haben wir die Vergewaltigung unserer Sprache hinehmen müssen, weil es „bei uns so heißt“.)

Der zweite Fall war viel frustrierender. Es war die klassische Dreiecksbeziehung – Kunde, Werbeagentur und wir. Da sind Probleme echt vorprogrammiert (nein, ich sage nicht „programmiert“, das finde ich doof.). It was an accident waiting to happen.

Wir dürfen bei Fragen den Kunden nicht direkt kontaktieren. Na toll. Auch das muss kein Klempner aushalten. (Dialog nach dem Motto: Will der Kunde moderne oder klassische Armaturen? Agentur: Kunde sagt, er will es in blau).
Erm, where should I begin?
Aber der Kunde überprüft unsere Texte auf Richtigkeit. Ist auch gut so. Nur: Er glaubt offensichtlich unser Englisch verbessern zu können. Und nimmt Änderungen vor. Ohne uns das zu sagen. Also müssen wir jeden Text, der von der Agentur zurückgeschickt wird, überprüfen. Und was finden wir?

Es tut in där Säle wä
Aus we advise wird plötzlich we advice. Autsch.

Aus to answer this question wird to answer to this question. Autsch.

Und so weiter. Autsch, autsch, autsch.

Der Aufwand, der durch diese Verschlimmbesserungen (tolles, unübersetzbares Wort!) verursacht wird, ist ENORM.

Kein Klempner muss das aushalten. Aber wir.

Und wenn es passiert, würde der Klempner zu recht deutliche Worte finden – und eine ebenso deutliche Rechnung schreiben. Aber bei Englisch/Übersetzung – da denkt jeder, er kann es, er darf es. Und wir sollen gefälligst nicht meckern.

Wir baten die Agentur, dem Kunden zu sagen, er möge das bitte nicht tun – und deuten an, wir werden den Mehraufwand in Rechnung stellen.

Die Reaktion? Empörung. Wir haben als „Lieferant“ das hinzunehmen. Wir sollen die Fehler feststellen, beschreiben und die Korrektur erstmal kalkulieren. So, so – also sollen wir die ganzen Fehler erst mal stehen lassen, sie aber beschreiben und das Rückgängigmachen (bzw. die Entschärfung der neu hinzugekommenen Bomben) kalkulieren? Und das alles umsonst? In mehrfacher Hinsicht. Offensichlich findet uns die Agentur „schwierig“ und schreibt uns inzwischen recht zickige (auch ein tolles, unübersetzbares Wort!) Emails.

Ich will Klempner werden!!!!!!!!!!!!!!!

Donnerstag, 30. Juli 2009

so-called translation

die sogenannten "Poweruser" - please translate.

So ein kurzer Halbsatz und gleich vier Übersetzungsfallen.

1. Sogenannt - Vorsicht: so-called hat ganz andere Assoziationen. Es wird in 99% der Fälle ironisch/sarkastisch (it's a so-called luxury hotel - sprich: Es ist alles andere als das) verwendet. Außerdem: Hier wird das Wort nur deswegen eingesetzt, weil es sich um einen englischen Begriff handelt - also WEG DAMIT!

2. Die Anführungszeichen erfüllen hier eine ähnliche Funktion - sie umklammern einen englischen Begriff. Also noch mal: WEG DAMIT!

3. Auf Englisch wird power user natürlich klein geschrieben

4. Und auseinander!!!!


Naja, und plural ist es natürlich auch - also das S nicht vergessen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Nobody's perfect

Der erwartete Deal zwischen Microsoft und Yahoo ist perfekt.

Der Transfer von Ronaldo zu Real Madrid ist perfekt.

Naaaaaaa? Ihr ahnt das schon. Ja, perfekt ist hier nicht vollkommen sondern vollendet, in trockenen Tüchern, unter Dach und Fach.

Und the translation?

The deal has been completed. Signed and sealed. Yahoo and Microsoft have reached a deal. Have agreed terms for a deal. Have finalized the deal to XYZ. Vielleicht sogar Microsoft and Yahoo have formally agreed to join forces.

Ronaldo's transfer has gone through. Has been finalized. The transfer is a done deal. Is done and dusted (obwohl das für mich vielleicht erst nach sämtlichen Formalitäten kommt). Ronaldo has completed his transfer to Real Madrid. Ronaldo has agreed terms for his transfer to Real Madrid (vorausgesetzt es ging um seine Zustimmung).

Auch ein Wort, bei dem überraschend viele den False Friend schreiben. But nobody's perfect. Not even Ronaldo. He's an arrogant XYZ.

Freitag, 24. Juli 2009

Warum, warum, warum ist die denglische Werbung so krumm?

Warum glauben deutsche Werber, dass sie englische Slogans erfinden können? Und warum, wenn wir kassandra-artig auf die Probleme hinweisen, werden wir kassandra-artig ignoriert?

Wer ist hier der native Sprecher? (that was a deliberate mistake, folks).

A solid concept.

Erstens ist solid nicht solide im Sinne von robust, wirksam, bewährt, effektiv, gut. The right translation ist massiv (solid wood) oder fest (a solid dosage form – eine feste Darreichungsform). Und concept is für uns was ganz abstraktes (eine Idee, ein Gedanke), keine konkrete Lösung oder Plan.

Übrigens: man kann durchaus sowas sagen wie: he put in a solid performance – aber das ist sowas wie „er hat ordentlich gespielt“ – mehr aber auch nicht. Es ist fast „damning with faint praise“ (sprich: ein Lob, das so schwach ist, dass es doch vernichtende Kritik ist).

Aber das hat ein Engländer abgenickt. Welcher? Wusste er überhaupt, dass es um einen Slogan ging? Ist er Texter oder Techniker? Versteht er die deutschen Gedankengänge dahinter? Und als weiterer Einwand gegen unseren Einwand: „fest ist auch gut“.

Oh Gott, versteht ihr denn nicht??? Es ist (falsch) übersetztes Deutsch nicht gutes, echtes, reines, verständliches, werbewirksames Englisch.

Wie Amy kurz vorm Kickerspiel sagte: it's pearls before swine (ja, manche Sprüche sind dann doch 1:1)

Thank God it’s Friday und dass wir einen Tischkicker haben, der übrigens foosball auf Amerikanisch heißt. Was ein gutes Beispiel für eine ähnliche Verdrehung ist - nur in umgekehrte Richtung. Das würdet ihr Germanen auch nicht in die eigene Werbung einbauen, oder? Oder doch????

Donnerstag, 23. Juli 2009

Ein Six Pack auf die Schnelle

Ein komisches Jahr. Unser Geschäft ist immer schwankend, aber 2009 ist ganz extrem - it's a feast or famine business - sprich: entweder zu viel oder zu wenig. Diese Woche gibt es massenweise Eilaufträge und Nachschichten. Daher nur ganz schnell sechs kleine Übersetzungsfallen aus den letzen Tagen:

Adäquat - nie adequate, eher appropriate, corresponding, workable, effective, acceptable

Neben - bitte nicht mit besides (fast immer die falsche Tonalität) und erst recht apart from - das ist "bis auf" = in addition to

Außergewöhnlich - selten extraordinary, das ist meist nicht gemeint - sondern out-of-the-ordinary, exceptional, manchmal striking, inventive, exciting

Zeitgemäss is nicht so sehr contemporary sondern eher up-to-date, state-of-the-art oder vielleicht modern (wobei das nicht so positiv wie das deutsche "modern" ist)

Kurzfristig - oft ist "schnell" gemeint nicht short-term

Impulse - bitte, bitte keine impulses - höchstens beim Strom. Eher impetus oder (good) ideas oder vielleicht inspiration

Aber wie immer: AN DEN KONTEXT DENKEN!!!!

Sonntag, 19. Juli 2009

Liebe Werber, lasst es doch!!


Wie mache ich am besten Werbung für italienisches Mineralwasser in Deutschland? Klar doch, auf Englisch. Aber bitte: Nicht irgendein Englisch. Nein, nein.

Das oben gezeigte Vebrechen könnte natürlich auf das Konto der Italo-Mafia gehen - glaube ich aber nicht. Es stinkt verdächtig nach der kostenlosen Leo- oder Langenscheidt-Übersetzung eines germanischen Gedankenblitzes.

Live in Italy wäre wenigstens Englisch, aber merkwürdig (warum die Befehlsform?). Live life the Italian way oder Life Italian-style wäre auch verständlich. Aber Live in Italian? Schrott. Ich nehme an, gemeint ist "Leben auf Italienisch"? Ganz sicher bin aber nicht.

Liebe Werbefuzzis: "Das Leben" ist life nicht live. In Italian heißt "in der italienischen Sprache" - nicht "nach italienischer Art". Life und live sind zwei paar phonetische, semantische und grammtikalische Stiefel.

Es wäre mir sehr recht, wenn auch Sportkommentatoren den Unterschied zwischen v (stimmhaft) und f (eben nicht stimmhaft) erkennen würden - es ist keine Lebensübertragung sondern eine Übertragung in Echtzeit.

Eine Anzeigenschaltung kostet locker einige Zehntausend Euro. Aber 50 Euro für richtiges Englisch? Viel zu teuer!!! Komplett unnötig!!! Der Udo hat auch zwei Semester in England studiert!! Udo, mach das mal!!!


Nachtrag:
Ich hab gerade überlegt: Fügt man einen Bindestrich zwischen live und in - und Simsalabim, man beschreibt genau meine private Situation mit Italo-Freundin: a live-in Italian.


Samstag, 18. Juli 2009

Diplom-Übersetzer aufgepasst

Ein diploma ist in erster Linie das Fetzen Papier, was man nach irgendeinem Abschluss in der Hand hält. Als Bezeichnung des Abschlusses (an educational qualification) an sich taugt es nicht viel - es kommt nicht annährend an das deutsche Diplom.

Let me explain:
Meine Schwester hat drei Jahre lang in Leeds gebüffelt (und gebechert), um a degree in business studies zu erlangen. Dann hing sie zwei Wochen dran – und hat a diploma in marketing bekommen. Es war ganz nett, aber mehr nicht.

Also: Ein Diplom ist kein diploma - it's a (university) degree. Es sei denn, ihr wollt den Abschluss brutalst abwerten.

Übrigens: Bitte fragt nicht, wie man Diplom-Ingenieur, Diplom-Betriebswirt, Diplom-Kaufmann und so weiter übersetzt. Man kann es höchstens umschreiben. Interessant ist vor allem dabei, dass wir das Studium benennen (a degree in applied languages), während ihr Germanen der Person eine Bezeichnung verpassen (Diplom-Übersetzer).

Freitag, 10. Juli 2009

practice-oriented translation

Wenn Translators über ein ausgesprochen germanisches Verb, Substantiv oder Adjektiv stolpern, so erfinden sie oft ein englisches Pendant, das es so gar nicht gibt - so nach dem Motto: „Für mich klingt das gut; ich setze es ein“.
Das Problem: Der Leser schüttelt den Kopf und denkt: Äh? Vor allem wenn ein Text viele solche Erfindungen enthält.

Ein Beispiel gefällig?

Praxisorientiert. Deutsche lieben Orientierung. Wir sind weniger begeistert. Nein, bitte nicht practice-oriented schreiben. Ja, man kann es einigermaßen verstehen. Aber normales Englisch ist das nicht.

Eine Möglichkleit wäre practical – ist zwar nicht besonders werblich, aber eine practical solution wäre mir 1000x lieber als a practice-oriented solution.

Besser noch: Den Satz komplett umbauen, und sich vom Adjektiv lösen (da haben Übersetzer sowieso Hemmungen – Leute, konzentriert euch auf die Gesamtaussage, nicht auf die einzelnen Wörter – sonst kommt am Ende Babelfish-Brei raus).

Also konnte man zum Beispiel sagen a solution geared to real-world (market / customer) needs (wenn es darum geht). Wie immer: Den Kontext berücksichtigen. Und echtes Englisch schreiben. Nicht Kauderwelsch.

Aber es gibt doch viele Google-Hits für practice-oriented??? Jaaaaaaaa. Aber viele sind germanischen Ursprungs oder sie kommen aus dem Bereich Bildung - und gemeint ist practice im Sinne von Übung nicht Praxis!!!

Mittwoch, 8. Juli 2009

Impressum ist nicht imprint

Ich habs schon ausführlich behandelt - aber die heutige Lektüre von The Independent bestätigt meine ohnehin extrem tiefe Abneigung gegenüber der Verwendung von imprint als vermeintliche Übersetzung von Impressum.

Imprint ist eine Marke, oft eine Untermarke, im Verlagswesen (bitte die Einleitung lesen):

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/features/the-art-of-book-cover-design-1736014.html

Auch interessant ist die Verwendung im dritten Absatz von savvy (sowas wie "kundig", aber relativ salopp vom Duktus her). Es erscheint immer in Kombinationen:
street-savvy, design-savvy, IT-savvy, business-savvy - ihr könnt das gern selber fortsetzen/ausbauen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Lieber freigestellt als beschnitten

Als Translator stolpert man immer wieder über gewisse Begriffe, wofür man nur schwer eine richtig zuverlässige Übersetzung findet.

Ein Beispiel: Objekte/Bilder freistellen (denn wir haben durch die enge Zusammenarbeit mit Werbefuzzis öfter mit Grafik zu tun).

Von vielen dictionaries und Foren wird crop vorgeschlagen.

Verwandt aber FALSCH!

To crop heißt „beschneiden“ im Sinne von „einen Teilbereich eines Bildes wegschneiden“ (oder auch einen Teilbereich wählen!) – nicht die Konturen einer Person/Produktes von dem Hintergrund trennen.

Siehe die Fotos hier:
http://photodoto.com/how-to-crop-a-photo-for-better-composition/

Ich habe mich fast zu Tode recherchiert – und könnte stundenlang weiter suchen. Aber soviel scheint klar zu sein:

Die Germanen-Grafiker haben sich offensichtlich auf einen Begriff geeinigt - wir Anglos nicht.

Die Anglos sehen das Ganze meist „anders rum“ – nämlich als „Hintergrund weglassen“ und weniger als „Objekt freistellen“.

Folgende Begriffe scheinen alle kosher zu sein (wobei meine Präferenz – aufgrund der kontextspezifischen Google-Hits – klar bei 1 und 2 liegt).

1. To mask the background
2. To knock out the background
3. To cut out an object
4. To isolate an object
5. To extract an object


Bezüglich der Vielfalt der Begriffe siehe auch die Einleitung vom folgenden Artikel:
http://www.sitepoint.com/article/masking-techniques-photoshop/

Samstag, 4. Juli 2009

Fluktuation ist nicht fluctuation

In betriebswirtschaftlichen Texten ist mit "Fluktation" in erster Linie der Abgang von Mitarbeitern gemeint. Ich schätze, 80% der Übersetzer schreiben dazu automatisch "fluctuation", und sind damit einem False Friend auf den Leim gegangen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass translators ab und zu a bisl mehr und a bisl kritischer nachdenken würden.

Leute, der Fachbegriff heißt staff turnover (auch wenn man natürlich sowas sagen kann wie: staff numbers fluctuate according to the season - aber das was anderes als die Abwanderung der employees).

Der Google-Test ist auch eindeutig: es sind vor allem deutsche und andere illegal aliens, die von staff fluctation reden.

Hier ein Beispiel von der richtigen Wortwahl:

http://www.businesslink.gov.uk/bdotg/action/layer?topicId=1074410820

Mittwoch, 1. Juli 2009

Preis-/Leistungsverhältnis bei Hummer und Huren

Es gibt Wörter, bei denen Übersetzer einfach den gesunden Menschenverstand ausschalten. Dazu gehört Preis-/Leistungsverhältnis.

Klar, es gibt den Begriff price/performance ratio. Aber er wird nur selten verwendet (ich hab ihn ein paar mal gelesen, aber nie gehört) – und in einem ganz bestimmten, sehr technischen Kontext. Zum Beispiel:

With a price of just $2470 and performance of 26.25 Gflops, Microwulf's price/performance ratio (PPR) is $94.10/Gflop, or less than $0.10/Mflop!

Hamburger und Huren
PLV dagegen wird für alles Mögliche eingesetzt: Hamburger, Handwerkerdienste, Hummer, Hämmer, Häuser und Huren.

Sorry, aber da kann man schlecht von price/performance ratio reden (bis auf die Huren vielleicht).

There is an alternative
Da redet man (oder frau) viel eher von value. Oder value for money. Oder vielleicht cost effectiveness.

Also meine lieben Translators – Hirn anstrengen und überlegen, was man üblicherweise in einem bestimmten Zusammenhang sagen würde (und nicht einfach wahlos einen Begriff einsetzen, den ihr wahrscheinlich nie im Leben gehört habt)

Ein paar Beispiele (motors, McDonald's and medicare):

American Cars Offer Great Value for Money Compared to Their European Counterparts. With a Weak Dollar, Now is the Time to Buy American.

We are dedicated to providing customers unparalleled levels of Quality, Service, Cleanliness and Value. It is what our founder, Ray Croc, taught us.

Total costs increased to $57,900 per person undergoing total knee arthroplasty, resulting in a cost-effectiveness ratio of $18,300 per quality-adjusted life year.

Sonntag, 28. Juni 2009

Falsch gelötet

Wir wurden diese Woche gebeten, die Übersetzung einer Website zu überprüfen – es geht um Löttechnik für die Automobilbranche. Und? Wie heißt Löten auf Englisch? Was steht in den Wörterbüchern? Auch in den technischen? Meist steht nur: solder. Und sonst nix. But that is not the whole story.

Hätten Sie es lieber hart oder weich?
Es gibt Weichlöten (bis 450 Grad Celcius) und Hartlöten (ab 450 Grad Celcius). Auf Englisch soldering und brazing.

Gefahr im VerzugLeider wußte das der Übersetzer nicht – oder es war ihm (oder ihr) nicht wichtig genug, mal nachzufragen, welche Technolgie gemeint war. Also war der allerwichtigste Begriff im gesamten Internetaufritt durchgehend falsch. Auch nett war die Übersetzung von Verzug. Nein, das Material war nicht delayed, mein Lieber. Sondern warped oder distorted.

Billig ist nicht immer recht
Aufschlussreich war das ursprüngliche Angebot für die Übersetzung. 200 Normzeilen zum Schnäppchenpreis von 200 EUR.

Watch out for the rats!
Aber im Kleingedruckten steht: Nachträgliche Änderungen werden zum Stundensatz von 70 EUR durchgeführt. Das ist mit unseren Sätzen durchaus vergleichbar. I smell a rat (= da stimmt was nicht; es ist was faul im Staate Dänemark).

Stundensatz auf Profi-Ebene, Zeilenpreis auf Dumping-Niveau? Das heißt: Für die Übersetzung eines recht wichtigen Textes mit vielen Fachbegriffen setzt man drei Stunden an? Inklusive Recherche, Rückfragen und Überprüfung? Naja, oder eben ohne. Das Ergebnis spricht für sich.

Mehr zum Thema hier:

Löten
http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6ten
Brazing
http://en.wikipedia.org/wiki/Brazing

Freitag, 26. Juni 2009

Hotel mit amerikanischer Stange und Karpfenarche?

Viele Menschen glauben, dass man zum Übersetzen nur ein Wörterbuch braucht. Nachschlagen, Wort finden, einfügen. My thanks go to Thilo Schrumpf für folgenden Beleg für die amüsante und imageschädigende Wirkung von Übersetzungen per Leo, Langenscheidt und Babelfish (besonders neckisch finde ich Karpfenarche...think about it... wie heißt Karpfen auf Englisch? Und Arche? Dann verbinden...).








Mittwoch, 24. Juni 2009

Die beste Übersetzung ist manchmal gar keine

Heute verfolge ich mit Interesse eine kleine Debatte auf proz.com

Es geht um diesen Satz und das wunderbare Wort „verarbeitet“.

die verarbeiteten Hochleistungs-LEDs schaffen eine Leuchtkraft von 50 herkömmlichen LEDs

Es werden viele Vorschläge gemacht. Unter anderem reenginereed und processed. Sorry, aber Ersteres finde ich sehr gewagt (es könnte sein, halte ich aber ziemlich unwahrscheinlich). Und Zweiteres ist halt der Standardvorschlag, der meist nicht passend ist – auch hier nicht. Die LEDS werde doch nicht „processed“ wie Erbsen oder Chemikalien.

Bei der ganzen Debatte vermisse ich zwei ganz wesentliche Punkte.

Erstens: Der Gesamtkontext fehlt – vor allem der Satz davor. Er könnte hier entscheidend sein.

Zweitens: Wenn unklar ist, was mit dem Wort gemeint ist, so sollte man nicht einfach raten – sondern den Autor/Kunden anrufen!!! Aber da tun sich viele translators schwer. Anrufen??? Bloß nicht!!!!

Meine Vermutung?
Das hier „verarbeitet“ nur „eingesetzt“ bedeutet. Das meinen auch einige andere in dem Forum. Was Sie aber nicht vorschlagen, ist dieses: Das Wort kann mit großer Wahrscheinlichkeit ganz einfach weggelassen werden – denn der Satz davor macht (hoffentlich) klar, um welche LEDs es sich handelt.

Das "verarbeitet" ist hier (vermutlich - ich hab den vorherigen Satz nicht!) eine typisch germanische Verbindung von zwei Sätzen. Und weglassen tut dem Satz auf Englisch sicherlich gut.

Dasselbe gilt für Adjektive wie "notwendige", "entsprechende", "resultierende", "beschlossene".

James Bond läßt grüßen
Doch viele Übersetzter wollen jedes einzelne Wort auf-Teufel-komm-raus mit in die Zielsprache übernehmen - - wie eine geldgierige Figur des Bösen in einem James-Bond-Streifen, der in den Flammen verbrennt, weil er keine einzige Banknote zurücklassen will.

Meine Empfehlung?
Übersetzt lieber die Kernbotschaft – möglichst knapp, möglichst deutlich. Und ersetze die deutschen Verbindungen durch andere (wenn sie überhaupt nötig sind).

Und in diesem Fall bitte den Satz davor berücksichtigen - und bei Unklarheit ANRUFEN!!!

Hier die Debatte:

http://www.proz.com/kudoz/german_to_english/electronics_elect_eng/3131852-verarbeitet.html


Nachtrag:
Die Übersetzerin hat "modified" genommen. Tja, hoffentlich stimmt das auch. Es ist jedoch - wie meine Freundin in Bezug auf meine Kochkünste meint - russisches Roulett. Was, wenn es nicht stimmt? Dann bekommt der englische Leser womöglich eine gefährliche Fehlinformation. Ein Anruf hätte das Problem gelöst, Catherine.

Samstag, 20. Juni 2009

Brunos Kugelsack

Ja, auch wir Engländer importieren und missbrauchen (echte oder vermeintliche) deutsche Wörter - wie zum Beispiel Gesamtkunstwerk, Blitz, Schadenfreude, Angst, kaputt und einiges mehr.

Kennt ihr den neuen Kultfilm "Bruno"?

Dank dem "schwulen Österreicher" gibt es bei uns einen netten neuen Begriff im Genitalbereich, den selbst The Sun gierig und ausgiebig einsetzt:

http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/showbiz/bizarre/2492024/Bruno-causes-mayhem-in-Amsterdam-posing-in-red-thong.html

Freitag, 19. Juni 2009

Flachwitzer, Format G und andere Köstlichkeiten

Folgende Website bietet köstliche Beispiele der Jugendsprache - ist a bisl handgestrickt und nicht gerade vollständig, aber teilweise richtig lustig.

http://www.dyden.de/

Sonntag, 14. Juni 2009

Kundenorientierung

Das Handelsblatt hat diesen Monat Deutschlands kundenorientiertesten Dienstleister gekürt.

http://www.business-wissen.de/marketing/kundenorientierung/fachartikel/auszeichnung-deutschlands-kundenorientierteste-dienstleister.html

kundenorientiertesten - wow, what a mouthful! Ist kaum auszusprechen. Aber man kann es übersetzen.

Und da würden die meisten Denk-Nicht-Lange-Darüber-Nach-Denn-Das-Kostet-Nur-Zeit-Übersetzer customer orientation bzw. customer oriented schreiben.

Es duftet nach mehr
Das ist auch kein absolut fieser Falscher Freund. Aber ein Freund, der bei zu häufigem Besuch etwas müffelt. Es gibt wohl riechende Alternativen.

Focus on the central driver
Bei der Auszeichnung des Handelsblatts (von dem ich ein stolzer Abonnent bin – wegen der Hintergrundinfos, die man sonst nirgends zu sehen oder hören bekommt) würde ich wahrscheinlich customer service nehmen (besonders passend für Firmen, die Verbraucher oder Gäste bedienen – wie Hotels, Restaurants, usw). In einem allgeminen Sinne, vor allem im B2B Bereich, spricht man häufig von customer focus oder customer centricity (habe gerade vor einer Stunde bei der linguistischen Analyse meiner Lieblingskrankenhaussendung Holby City den Begriff patient centric gehört). Auch customer-driven (organisation) ist eine gute Lösung.

Der Google-Test?
Den besteht zwar customer orientation. Aber customer focus(ed) und customer centric(ity) schneiden viel besser ab – vor allem wenn man die .de-Websites ausschließt.

Und: Wir ziehen das Adjektiv dem Substantiv eindeutig vor.

Ein Zitat von Shakespeare (und Prof. Prof. Dr. Dr. Crellin)
Also liebe Übersetzer – orientiert euch nicht immer gleich an der bequemsten Lösung sondern an der Besten! Und wie Bill Shakespeare schon mal sagte: Variety is the spice of life (and language). Ja, Shakespeare-Zitate darf man ergänzen.

Übrigens: Gäbe es eine Auszeichnung für den kundenfeindlichsten Dienstleister Deutschlands hätte ich schon einen Prima-Kandidaten - 1und1. Der Fall landet demnächst vor Gericht...

Dienstag, 9. Juni 2009

Ein Link für Branchenkenner

Bin (schon wieder!) Eva Stabenow für folgenden Link sehr dankbar.

Es steckt (leider) sehr viel Wahrheit in dem bissigen (englischsprachigen) Text dieser Website:

http://www.eurozonetranslations.com/

Wahrheit Nr. 1: Die Ausgangstexte, die wir übersetzen sollen, sind oft extrem schlecht geschrieben - und wir machen was Besseres daraus.

Wahrheit Nr. 2: Viele Kunden erwarten, dass Übersetzungen grundsätzlich billig sind - egal wieviel Aufwand damit verbunden ist.

Wahrheit Nr. 3: Viele Kunden wollen selbst für sehr wichtige Dokumente oder Werbung nur minimale Summen ausgeben - auch wenn das Ergebnis großen Imageschaden anrichten könnte. Sie geben aber mit Sicherheit ohne mit der Wimper zu zucken im privaten Bereich viel mehr aus (wie oft haben wir Proteststürme bei Summen um die 100 EUR für Werbemailings erlebt).

So, genug moaning and groaning.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Nomen est omen – part 2

Firmennamen übersetzen? No!!! Mit ganz wenigen Ausnahmen. Münchener Rück beispielsweise hat einen offiziellen englischen Zwilling: Munich Re.

Allerdings sollte man einige Regeln beachten:

Der Artikel MUSS weg!!! Es heißt auf Englisch Commerzbank has acquired Dresdner Bank. Und nicht: The Commerzbank has acquired the Dresdner Bank.

Kennen Sie den Claim von der Citibank? Citi never sleeps. OHNE THE. Der eigentliche Spruch lautet: THE city never sleeps. Durch das Weglassen von THE wird klar: Es geht hier um das Unternehmen.

Bei Group habe ich beides gesehen und gehört – mit und ohne THE. Übrigens: Konzern kann man nicht automatisch mit Group übersetzen – das kapieren viele Native Speaker Translators nicht. Und BLOß NICHT nicht mit concern. Auch das habe ich leider gesehen.

Ein Name, der im Deutschen dekliniert wird, wird im Englischen wie im Nominativ behandelt. We negotiated with Deutsche Bank. Und nicht: We negotiated with Deutscher Bank.

AG und GmbH auch lieber weglassen. In einem juristischen Text nicht. Auch nicht, wenn es dadurch Missverständnisse geben könnte (XYZ GmbH ist eine 100%ige Tochter von XYZ AG). Aber im Grossen und Ganzen werden in allgemeinen und journalistischen Texten solche Anhängsel in The Economist und The New York Times gnadenlos über Bord geworfen. Es steht fast ausnahmslos geschrieben: Royal Bank of Scotland. Und nicht: Royal Bank of Scotland plc. Dasselbe Prinzip gilt for Daimler, BWM und Konsorten. Sonst fällt es negativ auf.

Abkürzungen, die im Englischen nicht geläufig sind, sollten in Länge gezogen werden. Also Deutsche Telekom und nicht nur Telekom oder DTAG.

Und noch was: Germanen schreiben Firmennamen unheimlich gern durchgehend in Versalien. In England, Wales, Scotland und North America sehr, sehr selten (gewisse Frauenzeitschriften machen das – GLAMOUR zum Beispiel, und Abkürzungen natürlich auch – wie IBM und HP).

Aber PFLEIDERER wirkt sehr LAUT und MARKTSCHREIERISCH auf Englisch. Aber nur die wenigsten deutschen Kunden lassen sich in diesem Punkt überzeugen.

Wir kennen den Einwand: „Das ist aber unsere Corporate Identity“. Ja. Aber es ist eine CI, die aus einem deutschen Sprachverständnis entstanden ist.

Sonntag, 31. Mai 2009

Nomen est omen – Teil 1

In Deutschland müssen die angedachten Vornamen Neugeborener durch die Behörden und Beamten genehmigt werden. Auch bei erwachsenen Germanen dürfen Namen nicht ohne Weiteres gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht werden.

Pumuckl
Zuerst habe ich gedacht, dass ist ein Witz – ist doch das eigene Kind bzw. der eigene Name, oder? Naja, andere Länder, andere Sitten. Ja, ja, ich kenne die Argumente (das arme Kind darf nicht Pumuckel heißen, Kriminelle könnten leichter untertauchen usw.). Aber letzendlich ist es eine Frage der „Kultur.“

You Kundt?
Es gibt allerdings deutsche Nachnamen, die ich vor einer Auswanderung Richtung England dringend einem interkulturellen Reengineering unterziehen würde - zum Beispiel Dick, Kundt, Wank, oder Sick (ja, ja, eine Welt-Firma).

Marry in haste, repent the name at leisure
Und die hiesige Namensgesetzgebung schützt nicht vor Peinlichkeiten. Ich kannte mal eine Frau Namens Henne. Ihr Wunsch-Gatte hieß Ficker. Ihr könnt den Bindestrich gern selber setzen. Übrigens: Ihre Schwester hegte auch Vermählungsabsichten. Das Objekt ihrer Begierde hieß Fick. I kid you not.

Aber das nur nebenbei.

Ich wollte EIGENTLICH auf einen schnell übersehenen False Friend und Kulturunterschied hinweisen.

What's in a name?
Sagt man auf Deutsch: „Wie ist Ihr Name“ so erwartet man im geschäftlichen Kontext als Antwort den Nachnamen.

Fragt man auf Englisch (im geschäftlichen Kontext): "What’s your name?", so erwartet man in aller Regel den Vornamen (first name, Christian name, given name).

Bob meets Hans-Dieter
Das ist für Dolmetscher problematisch. Ich habe vor gut 20 Jahren öfter mal zwischen dem schwäbischen Geschäftsführer eines sehr interessanten mittelständischen Unternehmens in Winnenden und seinen vielen US-amerikanischen Kunden gedolmetscht.

Hat Bob während des Abendessens irgendwas zu Hans-Dieter gesagt, so musste ich nicht nur schnell zu Ende kauen sondern auch schnell überlegen, ob ich „Sie“ oder „Du“ sage - und unter Umständen den Vor- durch den Nachnamen ersetze (zu mal ich sonst – als damals ganz junger Kerl – diesen hochrangigen Manager direkt mit seinem Vornamen angesprochen hätte).

Inzwischen ist die Mischform von Sie und Vornamen (n-tv läßt grüßen) nicht mehr so ungewöhnlich. Aber damals...

Auftrag "Maultaschen"
Übrigens: die Rolle des Dolmetschers während eines Geschäftsessens ist nicht nur deswegen gespickt mit diplomatischen und kulinarischen Hürden – oft ist man vor lauter interpreting noch bei der Vorspeise, während alle anderen ungeduldig auf den Zweibelrostbraten warten. Und: Ich übersetze viel lieber „Wirbelschichtfeuerung“ (fluidised bed firing) oder „Abnahmeprotokoll“ (acceptance protocol) als eine gutbürgerliche Speisekarte in Baden-Württemberg (so sehr ich auch giant ravioli with a spinach-and-meat filling mag).

Zurück zum Thema: Auch bei Formularen usw sollte man bei „Name“ etwas aufhorchen – besser und genauer als name ist unter Umständen surname oder für die nicht Native Speakers vielleicht family name.

Freitag, 29. Mai 2009

Prof. Prof. Dr. Dr. Crellin

Im Deutschen / bei Deutschen werden die akademischen Titel gern abend- und seitenfüllend aneinandergereiht.

Wenn wir im Englischen mit dem Rasenmäher drohen, hagelt es Proteste: "Das ist doch sein (oder ihr oder mein) offizieller Titel!!!"

Die Empörung kennen wir, teilen wir aber nicht.

Sie entspricht einer rein germanischen Weltanschauung. Der Berg von Abkürzungen vor dem Namen wirkt auf Englisch schlicht und ergreifend lächerlich (nach dem Motto: "dass er Professor ist, haben wir kapiert. Wie oft will er denn sagen? Hat er eine Profilneurose? Oder ist das ein Satzfehler?).

WEG DAMIT rät Prof. Prof. Dr. Dr. Crellin.

Prof. oder Dr. - aber nicht beides. Und nur einmal. Es reicht dicke. NIEMAND in der englischsprachigen Welt würde auf den Gedanken kommen, die ganze Sammlung zur Schau zur stellen. Aber selbst Professoren, die sich sonst gern "interkulturelle Kompetenz"auf die Fahne schreiben, wehren sich oft massiv gegen unseren Hinweis auf diesen interkulturellen Fehltritt.

Übrigens: Profilneurose ist ein toller Begriff - und ziemlich unübersetzbar. Und der Begriff Weltanschauung wird manchmal im Englischen verwendet.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Zukunft ist leider inkompetent

Wenn man sich anschickt, über die Wichtigkeit von "Kompetenz" zu referieren (und zum Thema Tony Blair einzuladen), dann sollte man vielleicht die dazugehörige angeblich internationale Überschrift in Englisch und nicht Denglisch formulieren:

http://www.campus-symposium.com/

Future needs competence? Allerdings - vor allem kommunikationstechnisch.

Competence ist NICHT Kompetenz. Kompetenz ist viel stärker, viel positiver. Siehe hierzu:

http://falsefriends-mcsquared.blogspot.com/2008/08/incompetence-with-system.html

future needs competence ist Kauderwelsch. Es müsste sowieso the future heißen. Aber damit ist es nicht getan. Der ganze Satz ist durch und durch germanisch. Ich hoffe, der Tony weiß, worum es da überhaupt geht. Er soll mich mal anrufen, ich erkläre es ihm dann - und frage ihn mal, was die Suche nach den weapons of mass destruction macht.

Nachtrag:
Ein Referent ist angeblich: Chief of „Strategic Projects" for the Deutschen Bank AG

Nicht schlecht, Herr Specht - vier dicke Fehler (mindestens) in einem halben Satz. Chief of? Ist der Typ Indianer Häuptling? Nur Chief Strategic Projects Officer. Oder Head of Strategic Projects. Aber nicht Chief of. Die Anführungszeichen sind komplett überflüssig. Und falsch gesetzt (wir setzen sie nie unten), THE ist bei einem Firmennamen komplett daneben, und das "n" bei "Deutschen" müsste natürlich verschwinden. Chapeau! Future needs competence - aber ganz dringend!!!

Schlechtes Englisch = lustiges Englisch: zwei Links

Bin zwei Kolleginnen, Ulrike Heiß und Laura Russell, für die zwei folgende Links sehr dankbar - es sind Beispiele von schlechtem Englisch, die teilweise zum Kringeln komisch sind:

http://engrish.com/

http://engrishfunny.com/

Montag, 25. Mai 2009

Clap Club - ein Verein für Geschlechtskrankheiten?

Ach ja, wieder mal ein Tag mit viel Denglisch im Postfach.

Eine Mind change wollte ein Unternehmen angeblich erreichen: Ich glaube, sie hatten a change in mindset im Sinne. To change your mind ist einfach "sich das anders überlegen". Und eine mind change klingt nach einem gefährlichen chirurgischen Eingriff.

Das Beste heute war jedoch die Entdeckung folgender Website:

http://www.clap-club.de/


Es geht da um Gerüchte und Klatsch in der Medienbranche - vielleicht hat einer da einfach "Klatsch" im Wörterbuch nachgeschlagen? Die wollten wohl gossip. Bekommen haben sie eine Geschlechtskrankheit. Denn clap heißt nicht nur mit den Händen klatschen (und nicht Tratsch) sondern auch Tripper - vor allem in der Verbindung mit Club ist das für einen Native Speaker die allererste Assoziation.

Hat für viel Heiterkeit bei uns im Büro gesorgt.

Ich plädiere allerdings für eine mind change bei den vielen deutschen Werbern, die von ihrer Fähigkeit überzeugt sind, Namen und Claims auf Englisch entwickeln zu können.

Man kann sich dabei was Böses fangen.

Samstag, 23. Mai 2009

So much the worse!

Eigentlich wollte ich heute nur ganz kurz das Thema „Thus, therefore, thereby“ ansprechen.

Aber bei meiner Recherche bin ich über diesen germanisch anmutenden Absatz bei Daimler gestolpert.

To join CAReer you need sound English language skills, as well as a very good knowledge of the language spoken at the site where you would like to begin training. For entry in Germany, German is thus an important prerequisite. Should you speak other languages - so much the better!

Es ist keine Katastrophe. Aber eine Übersetzung mit starkem Akzent.

Sowie
Sowie und „as well as“ sind keine eineiigen Zwillinge. As well as – dazu gehört ein tiefes Durchatmen und eine entsprechende dramatische Gestik mit dem Arm: Hier wird etwas SEHR BETONT (als würde man auf Deutsch sagen: „und ausserdem“).

A knowledge
Übersetzer sollten mit dem Artikel vorsichtig umgehen – oft auf Englisch unnötig. Hier nicht falsch aber auch nicht zwingend (vor allem wenn man etwas umformuliert - was dringend notwendig wäre).

Site
Ja, ja, Standort. Ein verdammt schwieriges Wort. Site ist oft brauchbar, aber hier nicht – eine „Site“ ist ein Büro, eine Fabrik, ein Gebäudekomplex, eine Baufläche. Aber hier ist wohl the country gemeint.

For entry in Germany
Erm? Hier fehlt für den englischen Leser was – entry to what? Das Programm CAReer wohl – ist aber nicht klar. Und „entry“ würde ich dafür sowieso nicht verwenden.

Thus
Da hätten wir es. Im Deutschen sind Verbindungen von der Sorte darum, deswegen, deshalb weit verbreitet. Im Englishen sollte man nicht gleich zu thereby, thus und therefore greifen. Gerade „thus“ und „thereby“ sind meist überflüssig und auch von der Tonalität her in der Regel viel zu förmlich-juristisch.

Prerequisite
Das ist wie mit „Maßnahmen“ und „measures“ – ja, prerequisite geht schon. Fühlt sich aber sehr übersetzt an. Es gibt andere Möglichkeiten, bei denen man sich jedoch mehr Mühe geben muss – der Satz muss beispielsweise umgebaut werden. Dazu haben viel Übersetzer keine Lust.

So much the better!
Da hätten wir es wieder: Das deutsche Ausrufezeichen! Bitte damit im Englischen spärlich umgehen! Bei uns meist ein Hinweis für Überraschendes! Deswegen besonders nach Thank you! Und We are look forward to seeing you at the exhibition! durch einen Punkt ersetzen! Wirkt sonst übertrieben-marktschreierisch!

Fazit:
Der Absatz ist zu verstehen – aber er ist eindeutig übersetzt und sehr holprig. Eine Limousine mit drei Rädern so zu sagen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Relegation ist keine relegation

FC Liverpool (Liverpool FC) muss dieses Jahr (vermutlich) nicht in die Champions-League-Relegation. Der Mannschaft fehlt nur noch ein Pünktchen zur Direktqualifikation.

However, Newcastle may get relegated.

Relegation ist Absteigen. Ein Relegationsspiel ist ein play-off.

Und wenn mein overpaid, underworked Assistent mich aus dem Kader (squad) seiner Freizeitmannschaft schmeißt, nur weil er eine jüngere und bessere Alternative gefunden hat, ist das eine Schweinerei.

I was as sick as a parrot (übersetz' das mal, Hendrik!)

Maßnahmen – measures in the right measure

„Maßnahmen“ kann man oder frau mit measures übersetzen. Klaro.

Es ist kein 100%iger falscher Freund. Es ist jedoch ein Freund, den man lieber nur gelegentlich besuchen soll.

Warum? Weil „Maßnahmen“ im Deutschen eine Zutat ist, die man in fast jedem linguistischen Eintopf findet – und dabei nicht unangenehm auffällt. Measures dagegen wird nur in bescheidenem Maße eingesetzt – denn es ist für uns ein unsympathisches, kratzbürstiges, bürokratisches Wort. Es gibt fast immer was Besseres.

Vier Beispiele im Germanischen für Maßnahmen:

1. Der Bundesrat ergreift Maßnahmen gegen einen Aktivisten des Mazedonien-Konflikts

2. Die Wirkungen von Maßnahmen der Verkaufsförderung bei Öko-Lebensmitteln im Handel

3. Neue Sicherheitsmaßnahmen im Online-Banking

4. Quantitative Analyse der Auswirkungen wirtschaftspolitischer Massnahmen auf die Einkommensverteilung in der Schweiz


Welche sprachliche Maßnahmen sind nun im Angelsächsischen möglich?

1. Hier wäre measures wirklich nicht schön. Viel besser: will take action against (action SINGULAR wohl gemerkt). Auch steps wäre denkbar (danke Sally Maßmann!).

2. Maßnahmen ist hier – wie sehr oft – KOMPLETT überflüssig. Weg damit. Es reicht sales promotion(s). Oder vielleicht sales-promotion activities. Übrigens: Handel in diesem Kontext -nix mit trade (das kapieren leider sehr viele Übersetzer nicht). Retail oder POS/POP.

3. Hier ist einiges möglich – security mechanisms, security features, security functions.

4. Auch hier – das Wort ist überflüssig. Economic policies reicht völlig.

Manchmal ist to respond oder response eine nützliche und wohlschmeckende Alternative. Ist auch oft die bessere Übersetzung von „Reaktion“ oder auch „Antwort“.

Also: Bei measures bitte maßhalten. Bin auf die Response gespannt.