Samstag, 31. Januar 2009

Schweizer Phrasendrescher und die "And"-Frage

Man kann einen englischen Satz durchaus mit AND anfangen. Und das ist gut so. Nur glauben es viele nicht. Auch wenn The Times, The BBC, The New York Times und selbst die Bibel es gern und oft tun.

Hierzu ein sehr interessanter Link:

http://www.getitwriteonline.com/archive/032601StartSentAndBut.htm

Es gibt inzwischen viele Online-Phrasendrescher. Aber folgender Mission-Statement-Generator aus der Schweiz ist wirklich besonders gut gelungen – man kann das Ergebnis sogar recht pseudo-pathetisch-seriös vorlesen lassen (ein Dank an meine Kollegin Sally Massmann für den Tipp).

http://www.rhetorik-seminar.ch/mission-statement-klopfomat-start.html

Freitag, 30. Januar 2009

Glitschiger Klitschko

Ich bin ein heimlicher Tchibo-Fan. Aber von deren denglischen Produktbezeichnungen bin ich weniger begeistert. Folgende Unterwäsche wird als Slipboxer bezeichnet.




Hmmmm. Slip ist ausrutschen. Oder ein Unterrock. Aber keine Unterhose. Boxer ist ein Sportler oder ein Hund. Die Unterhose heißt bei uns a pair of boxer shorts, oder kurz boxers.

Ein "slipboxer" ist daher wohl ein Klitschko mit rutschigen Schuhen oder ein Hund ohne Bodenhaftung.

Samstag, 24. Januar 2009

Leo und andere Online-Wörterbücher (a pet hate)

Oft texten wir auf Englisch für (vorwiegend) deutsche Unternehmen und Werbeagenturen. Manchmal zaubern wir werbewirksame Broschüren und Anzeigen aus teutonischen Originalen.


Und gelegentlich müssen (wir machen es nicht freiwillig) wir angeblich englische Texte aus germanischer Feder "kurz korrigieren". Es macht wenig Spaß. Wir müssen erst rückübersetzen. Und dabei wissen, welche Fehler bei der Erstübersetzung gemacht wurden.


Zum Beispiel:
In the area of innovation we must elaborate the customer benefit.

Das kapiert kein (angelsächsisches) Schwein.


Vorab: "Im Bereich" wird viel häufiger verwendet als in the area of. Oft braucht man es gar nicht. Aber das eigentliche Problem liegt bei "elaborate". Und dabei landen wir bei einem pet hate von mir: Online-Wörterbücher und Online-Forum-Nichtwisser.

Denn: Oft wird elaborate als Übersetzung für Ausarbeitung vorgeschlagen – und leider allzu oft übernommen, auch von native speakers, die es besser wissen müssten. Denn: Ich habe noch nie einen Text gesehen, in dem elaborate für Ausarbeitung passen würde.

Warum? Weil elaborate wie folgt verwendet wird:

A. "We have a proposal for promoting the new iPod."
B. "Really? Could you elaborate?"


Nein, er soll es nicht ausarbeiten. Er (oder sie) soll es ausführlicher erklären. Was wäre dann richtig? Wie immer, der Kontext ist entscheidend. Folgender Satz wäre typisch:

"Wir müssen ein Konzept ausarbeiten."

Hier wären develop oder salopp come up with oder einfach produce gute Lösungen. Und plan wäre in den meisten Fällen besser als concept (siehe hierzu einen anderen Beitrag).

In meinem Satz oben passen diese Verben aber nicht so richtig. Ich vermute, es ist Folgendes gemeint (ich kann es Montag klären – denn: wir fragen beim Kunden nach. Die meisten translators – vor allem die Zeilensklaven der großen Büros – wollen oder können es nicht)

When it comes to innovation, we need to identify and concentrate on customer benefit.

Ist mir a bisl lang. Eine kürzere Möglichkeit wäre

Innovation (at our company) needs to focus on customer benefit.

Nachtrag 28. Januar 2009:
Work out passt auch nur ganz selten. Work out ist Lösen, Feststellen, Herausfinden - zum Beispiel:

A. "Do you know how to convert this file to PDF?"
B. "No, but give me five minutes and I'll work it out."

Übrigens: Do you work out? = Gehst du ins Fitness-Studio?

Free Englisch lessons
Pet hate – irgendwas, über das man sich regelmäßig aufregt; nicht ganz ohne einen gewissen Spaßfaktor.

Dienstag, 20. Januar 2009

Caution ist geboten bei Kaution

Ich wurde soeben von meiner Freundin angerufen. Liebesbekenntnisse? Denkste. Sie wollte das walking dictionary in Anspruch nehmen. Der Geräuschkulisse nach war sie gerade in einer Bar und es ging um eine Vermietung durch ihre Freundin Anita an irgendwelche Obamas - ich dagegen wollte the inauguration speech von Barack anhören. Aber bitte: jede(r) hat seine (ihre) Prioritäten:

Wie heisst Sparbuch auf Englisch?
Savings book (wobei es eher ein savings account sein dürfte)

Und Stromversorger?
Naja, sag doch einfach electricity company, offiziell ist es aber ein utility (allerdings gibt es auch gas und water als utilities)

Kaution? Ist doch caution, oder?
Nein, caution ist eine Warnung im Sinne von "die gelbe Karte zeigen". Kaution = deposit.

Mmm, vielleicht hätte ich lieber doch ja sagen sollen. Stellen Sie sich das mal vor:

"I need a caution from you."

Die Obamas hätten sich wirklich gewundert: Wir sollen die Frau warnen? Wovor denn?

Wie ich schon öfter gesagt habe: Vorsicht bei der K-Frage.

Kaution, Kompetenz, Kontrolle, Konsequez, Komfort, Kooperation, Kommode, Kostüm - AUFPASSEN!!!! Es sind alles ganz fiese false friends.

Montag, 19. Januar 2009

Fertigungstiefe auf Englisch

Es gibt Begriffe, die lassen sich nicht direkt übersetzen. Dazu gehört Fertigungstiefe.

„BMW will die Fertigungstiefe reduzieren“

Das versteht der Autoindustrie-Fachmann oder die Fachfrau.

„BMW wants to reduce its manufacturing depth.“

Das erntet ein “Äääää?” Oder besser gesagt, ein „Huuuuh?“.

Klar nach stundenlanger Recherche werden sich vielleicht drei zweifelhafte Beispiele finden, in denen der Begriff manufacturing depth doch verwendet wird. Aber mir geht es um Verständlichkeit, um die übliche branchenspezifische Sprache, um Klarheit.

Meine Vorschläge (bin offen für andere):

BMW wishes to reduce the amount of manufacturing performed in-house.
Wobei ich mit reduce the amount nicht 100% glücklich bin. Daher empfehle ich, das Ganze umzudrehen:

BMW wishes to outsource more of its manufacturing operations.
Auch damit bin ich noch nicht richtig zufrieden – ist aber wenigstens verständlicher als manufacturing depth.

Solche Rochaden sind oft eine gute Lösung – aber viele Übersetzer haben Probleme damit. Sie wollen „die Wörter“ übersetzen – und vergessen dabei die Botschaft.

Also – Vorsicht vor Leo und Co.

Auch vertical integration (was überall in den Foren empfohlen wird) ist irreführend. Vertical integration entsteht, wenn ein Hersteller einen Händler oder Lieferaten übernimmt – damit er mehr Anteil an der Wertschöpfung hat. Ja, eine Verwandtschaft ist gegeben, aber nur ganz entfernt.


Nachtrag (20. Januar):
Ein interessanter Beitrag:
http://www.wer-weiss-was.de/theme46/article5236.html

Hier sieht man den Unterschied in der übersetzerischen Vorgehensweise: manufacturing penetration - klingt irgendwie "fachmännisch", entpricht "irgendwie" dem deutschen Begriff. Ist aber eine reine Erfindung (googeln Sie mal).

Percentage of components manufactured in-house ist zwar kein "Begriff", ist aber verständlich. Und richtig. Dem Koch ein Lob.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Sprachmüll im wahrsten Sinne des Wortes

Die Schwaben haben ein internationales Flughäfle. Also muss einiges ins Englische übersetzt werden. Dabei hat die sprichwörtliche Sparsamkeit der Ureinwohner tiefe Rillen in der linguistischen Landebahn hinterlassen.

Nehmen wir den Kuttereimer. Es gibt im Stuttgarter Raum schon lange die Mülltrennung. Auch am Airport. Doch wundern sich die Müllmänner und –frauen sicherlich über den gedankenslosen Umgang der ausländischen Gäste bei der Wertstoffverwertung.



Es könnte vielleicht was mit der knapp-daneben-ist-auch-vorbei-englischen Beschriftung der Mülleimer zu tun haben. Paper versteht wohl jeder. Recycable (allerdings müsste es recyclable mit einem L heißen) hätte wenigstens eine sporting chance auf das Verstandenwerden. Den Schreibfehler gibt es übrigens seit etwa 15 Jahren, glaube ich. Macht nix.


Aber residuary waste? Das ist Sprachmüll. Erstens: Das Wort residuary ist verdammt komisch, ich habe es zumindest nie gehört – gemeint is wohl residual (wenn man die beiden Varianten googelt, wird’s klar: „residuary waste“ weniger als 50 mal, und fast alles Außengeländer, residual waste dagegen 175.000 mal).

Residual waste“ ist aber ein Fachbegriff, der in diesem Kontext nicht passt (wird eher für chemische Prozesse verwendet usw). Viel besser und einfacher wäre „other waste“ oder einfach „other“.

Noch viel besser wäre irgendeine Erklärung oder Symbol – denn ein Amerikaner oder Japaner kennt das hiesige, sinnvolle aber komplexe System für Weggeworfenes natürlich nicht.

Ich wundere mich in solchen Situationen über die Bequemlichkeit der Übersetzer: Die wissen doch ganz genau, dass „residuary waste“ nicht verstanden wird. Aber ist denen leider oft egal.

Das es besser geht, beweist die gute alte Deutsche Bahn:



Waste ist wenigstens englisch - und ja, es gibt BILDER!!!