Dienstag, 24. Februar 2009

Did you score last night?

Heute rief uns der zurecht skeptische Geschäftsführer eines erfolgreichen Mittelständlers aus der Autobranche an: die Übersetzung seiner Website kam ihm recht holprig vor.

Er hat Recht. Auch viele Fachbegriffe waren falsch. Konstruktion ist nicht construction, hochglanz ist nicht high-gloss, Serienfertigung ist nicht (üblicherweise) series production, und Lackierung ist definitiv – bei Autos und deren Teilen – nicht lacquer (das ist eher Klarlack auf Holz und so weiter) sondern paint.

Mit den Verben hat sich der translator genauso wenig Mühe gemacht. Aus „wir punkten auch in anderen Branchen“ wurde leider: „We also score in other branches.“ Branchen sind natürlich industries oder sectors oder markets (branches dagegen sind Filialen).

Aber „to score“ ist besonders gefährlich. Außerhalb vom sportlichen Kontext wird es vor allem für das Abschleppen (von sexuellen Partnern) gebraucht. Sagt einer: „Did you score last night“ so meint er nicht unbedingt die Leistung beim Fussball. Er fragt womöglich nach der Erfolgsquote in der Disko.

Freitag, 20. Februar 2009

Der Pole Prawo fährt nicht besonders bravo

Vielen Dank an Hartmut Knisel, einen Übersetzer mit viel Fachwissen im Bereich IT, für diesen herrlichen Beitrag:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/northern_ireland/7899171.stm?lss

Ist halt schwierig in einer erweiterten EU...

Montag, 16. Februar 2009

Kongress und so - Teil 2

Bei Kongressen wird oft von Teilnehmern gesprochen. Auf Englisch sind das meist keine participants. Für uns hat ein participant eine aktive Rolle. Wenn einer nur hingeht und glotzt, dann ist das meist ein attendee oder gelegentlich ein delegate. Bei einem Podiumsdiskussion zum Beispiel sitzt ein participant oben und labert definitiv mit. Zugegeben, die Grenze ist fließend.

Und Podiumsdiskussion? Bitte nicht podium discussion. Richtig wäre panel discussion.

Samstag, 14. Februar 2009

Ein Vortrag über das Wort Vortrag

Auf der CeBIT werden Unternehmensvorträge leider „corporate lectures“ genannt.

„lecture“ schmeckt extrem nach Uni beziehungsweise vorwurfsvollen Tiraden infolge einer durchzechten Nacht (nach dem Motto: Dad, please don’t lecture me, I've already got a headache).

Und googelt man den CeBIT-Begriff tauchen vor allem „edu“, germanische und sonstige ausländische Websites auf. Auch „corporate“ ist leicht irreführend. Nicht alles, was von einem Unternehmen kommt, ist gleich „corporate“.

Und bitte, bitte, liebe Übersetzer, schreibt doch nicht immer „at the CeBIT“. Es heißt einfach „Martin will be at CeBIT next week“ - OHNE den Artikel, genauso wie es Citibank und nicht The Citibank heißt.

Where were we? Ach ja, wie übersetzt man denn Vortrag?

Wenn jemand seine PowerPoint-Charts und Beamer auspackt (schon wieder zwei hiesige Kreationen: Richtig wären slides und projector), so sagt man:

He is giving a presentation on the company’s new chocolate-driven business model.

Wenn sie auf einem wissenschaftlichen Kongress spricht: she’s giving a paper on the chemistry of death. Auch lecture kommt in diesem Kontext vor. Apropos Kongress – das wird viel zu oft als congress übersetzt; viel besser ist conference oder convention.

Gängig aber etwas salopp: he’s giving a talk on (oder about) the dangers associated with excess banana consumption oder auch: he will be talking about Liverpool’s recent fantastic last-gasp comeback against Portsmouth.

Speech? Ja, möglich – hat allerdings einen politischen oder philosophischen Beigeschmack. Sehr häufig spricht man bei großen Konferenzen von einem keynote speech, denn es geht da meist um Allgemeines, um the big picture. Danach erst kommen die presentations zu konkreten Projekten und Produkten. Keynote address ist auch sehr beliebt.

Address ist überhaupt ein verdammt nützliches Wort, besonders für einleitende Worte oder kurze Ansprachen – auch als Verb sehr vielseitig einsetzbar: he addressed the audience on the benefits of using a specialist copywriting agency based in Ludwigsburg (Schleichwerbung heißt übrigens plug auf Englisch – sowohl Substantiv und Verb sind zulässig, erst recht in dem eigenen Blog).

Es gibt also recht viele Möglichkeiten – die schlechteste davon ist corporate lectures. Das hat wohl jemand erfunden, der frisch von Uni kam.

Freitag, 13. Februar 2009

Copy = cover, promotion = advertorial

The lion's share (ja, das sagen wir auch) unserer Arbeit besteht aus Copywriting - sprich: das Erstellen von Werbetexten für meist große deutsche Unternehmen und Werbeagenturen. Wir übersetzen aber auch - vorwiegend für Kunden, die Werbewirksames oder extrem Anspruchsvolles wollen. Dazu gehören viele Zeitschriften, vor allem die Anzeigenleitungen. Es sind recht angenehme Aufgaben und angenehme Gesprächspartner.

Aber auch in der Welt der Anzeigen und Auflagen gibt es false oder zumindest unreliable friends:
Copy-Preis zum Beispiel heißt cover price. Promotionsstrecken sind meist (man muss schon nachfragen!) advertorials. Und unser guter alter Freund wellness ist auch oft anzutreffen und mit Vorsicht zu genießen.

Und wenn ich schon dabei bin: die richtige Übersetzung für verkaufte Auflage ist paid circulation nicht sold circulation. Und Klebebindung ist nicht irgendwas mit glue (auch wenn es eine Rolle spielt) sondern perfect binding.

Dienstag, 10. Februar 2009

Cybermobbing ist kein (gängiges) Englisch

Heute lief eine Sendung im n-tv über Cybermobbing. Das ist denglisch nicht englisch. Bei uns heisst es fast immer cyber-bullying (auch oft als ein Wort geschreiben).

More here:

http://en.wikipedia.org/wiki/Cyber-bullying

Durch Umkehrosmose wird "mobbing" gelegentlich auch von Native Speakers im teutonischen Sinne verwendet, aber gaaaaanz selten.

Denn: "To mob" wird meist als das "Schwärmen" einer Menge (um jemanden) verstanden.

Ein Beispiel aus Vanity Fair: ...when Sarah Palin finally enters, escorted by a phalanx of sheriff’s deputies and local police, she is mobbed.


Nachtrag:
Cyber-Bullying scheint zurzeit ein großes, EU-getriebens Thema zu sein - auch hier von "mobbing" keine Rede:
http://www.techradar.com/news/internet/cyber-bullying-is-rife-across-europe-527334

Bin mir sicher: der average Brit or Yank kann mit dem Begriff "mobbing" in diesem Zusammenhang wenig anfangen. Aber mit bullying und harassment schon.


Montag, 9. Februar 2009

Werbung, die sitzt

Und einen Dank an meinen Assistenten Hendrik Henne für die folgenden zwei Links.

Das hier ist ins Englische einfach unübersetzbar:

http://www.geld-kompakt.de/wp-content/uploads/2008/10/stadtsparkasse_duesseldorf.jpg

Ich habe neulich gelesen, das Wort "Bank" kommt aus dem Italienischen, und stammt tatsächlich von der Sitzbank (auf der früher Geldgeschäfte angeblich gemacht wurden).

Hier sind auch jede Menge schöne Ideen:

http://www.hemmy.net/2006/10/15/creative-advertisements-around-the-world/

Und das hier habe ich von Carina Eickmann:

http://www.youtube.com/watch?v=VQ3d3KigPQM

Hat zwar alles nichts mit Übersetzung zu tun, aber....

Sonntag, 8. Februar 2009

Endangered words

My thanks to Nadja Weber for the following wonderful link (it takes a while to load, but for lovers of the English language, and collectors of unusual words, it is worth the wait - and amusing with it).

http://savethewords.org/

Freitag, 6. Februar 2009

Katastrophale Abkürzungen

Hiesige Werber können oft sehr gut Englisch, manchmal sogar verblüffend gut. Aber wir Native Speaker reagieren zum Teil empfindlich auf den kleinsten Fehler.

Eine besondere Gefahr liegt in Abkürzungen. Heute zum Beispiel ging es um Produktnamen.

Magnet wurde gekürzt auf mag. MagLev (magnetic levitation) gibt es schon. Aber mag wird allgemein als die Abkürzung für magazine verstanden, vor allem wenn es hinten steht.

Control wurde auf con gekürzt – was leider Nepp oder Verarschung bedeutet.

Loadstone wurde auf load gestützt – was Last oder Belastung heißt.

Solenoid war nur noch sol – was höchstens an solar erinnert, oder an den tollen Verteidiger von FC Portsmouth: Sol Campbell.

Und exact war auf exa gesschrumpt. Das schmeckt nach Scheidungsrecht oder „Aussen.“

Tja, da waren wir wieder die bösen Neinsager.

Dienstag, 3. Februar 2009

Bundle!!!!

Bundle ist nicht bündeln. Aber wie oft habe ich genau diese mistranslation lesen müssen? Seufz.

Auf unserem Schulhof in Formby bei Liverpool (ich durfte in der Grundschule neben der Tochter des damaligen Kapitäns von FC Liverpool, Rony Yeats, sitzen) gab es ein heftiges Spiel:

Es wurde ein Opfer ausgesucht, jemand schrie lauthals „bundle“, und alle sprangen auf den armen Auserwählten. Dadurch entstand ein bundle (oder ein Haufen) junger Liverpooler – mit einem atemlosen Schüler unten.



Nachtrag Mai 2009: vielleicht ist das ein Liverpool-eigenes Spiel:





Ähnlich ist auch der Satz: the suspect was bundled into the police car. Es gibt natürlich auch ein product bundle. Aber Kräfte bündeln? Licht bündeln? Wissen bündeln? Wie sagt man das auf English?

Wie immer: der Zusammenhang ist entscheidend. Am besten fragt man sich, was würde ich auf Deutsch STATT Bündeln sagen?

Wenn zwei Firmen ihre Mitarbeiter, Kompetenzen oder Fertigungskapazitäten bündeln, so ist oft kombinieren gemeint. Also:

We will combine our strengths in the automotive industry
We will join forces to create a bigger and better company


Wenn mehrere Standorte auf einen verschmolzen werden, so ist das eigentlich konsolidieren. Zum Beispiel:

We have consolidated our servers at our data center in Heilbronn.
Auch konzentrieren würde hier ganz gut funktionieren. Zum Bleistift:

We will concentrate our automotive-industry skills within a single dedicated business unit.
Eine schöne Alliteration ware auch denkbar: we have combined and consolidated our copywriting resources in Ludwigsburg. Oder we have combined and concentrated our copywriting resources in Hamburg.

Auch focus ist eine hübsche Lösung – aber man sollte meist AUF irgendwas den Fokus legen:

We are focusing our efforts on clients in the advertising industry.
Oder noch schlichter:

We are focusing on clients in the advertising industry.
Ohne Fokus-Ziel geht aber auch:

Our efforts to win more copywriting clients need to be more focused. (wobei das eher in Richtung “gezielt” als “gebündelt” geht).

Also wenn ich noch mal „bundle our strengths“ irgendwo lese, werde ich einfach „bundle“ schreien und auf den schlechten Übersetzer losstürmen.