Dienstag, 31. März 2009

Thank you for your misunderstanding

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ja, man kann diesen Spruch durchaus mit „Thank you for your understanding“ übersetzen.

Aber oft gibt es was Besseres (und für uns Engländer was weniger Amerkanisches), wie ich gerade in London habe feststellen dürfen.

In der Underground stand zum Beispiel „We apologise for any inconvenience (caused)“ – was natürlich dann passt, wenn durch Umbauarbeiten Fahrgäste Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen.

Auf der Heathrow Express dagegen wird per Bildschirm und Stimme wie folgt um Verständnis gebeten, wenn man den Koffer aus Sicherheitsgründen aufmachen muss: „Thank you for your cooperation“ – denn ein gewisses Mitmachen ist da erforderlich.

Auch google bestätigt mir meine Abneigung: denn „Understanding“ ist eindeutig abgeschlagen an dritter Stelle (Achtung: die Suche war absichtlich eingeschränkt - nur Websites mit der Erweiterung .com und nur genau die gewünschte Formulierung).

Überhaupt habe ich in London nicht nur viel gesehen, gegessen und gekauft – ich habe auch sprachlich wieder voll tanken können.

Unter anderem ist mir aufgefallen: früher war das Essen immer to take away. Inzwischen haben wir uns voll obamasiert. Es gibt fast alles nur noch to go. Tsk.

Nachtrag:

Hier sieht man eine interessante Kombination der o.g. Möglichkeiten:

http://www.flickr.com/photos/teleject/2876624194

Aber wie gesagt: Thank you for your understanding ist uns Briten etwas arg amerikanisch vom Duktus.

Samstag, 14. März 2009

Ein Mini-Glossar für den Anzeigenverkauf

Wir übersetzen und texten oft, gern und werbewirksam (a bisl Eigenlob darf sein, oder?) für viele führende Zeitschriften Deutschlands (auch ZDF und einige Filmgesellschaften haben wir im Portfolio).

Wir sind Anfang der 90iger mit der Verlagsgruppe Milchstrasse (inzwischen Burda natürlich) und deren Stuttgarter Agentur Eisbrecher (ich kenn keinen, der so witzig-spritzig texten kann wie Michael Friedrich) irgendwie in diese aufregende Welt reingerutscht – und seitdem hat es sich irgendwie in Hamburg und München herumgesprochen. Unsere Kunden sind meist die Anzeigenleitungen oder die Vorstände – sprich: Leute, die es genau, gut und auch recht schnell auf Englisch formuliert haben wollen (ja, ja, schon wieder Eigenlob - aber wir sind auch in der Werbung!!!).

Durch diese Arbeit haben wir ein umfangreiches Wissen und eine ebenso umfangreiche Datenbank aufgebaut (denn hier sind Wörterbücher nur bedingt von Nutzen). Eine große Hilfe bei besonders hartnäckigen Begriffen war immer David Hardy von Gruner & Jahr in London ("Name-Dropping" ist auch ein interessanter denglischer Begriff, oder?).

Heute will ich etwas von diesem branchenspezifischen Vokabular verraten.

Abos? Na klar, subscriptions.

Aber Einzelverkauf? Ganz offiziell ist das single-copy sales. Eine beliebte Alternative ist newsstand sales. Kiosk sales gibt es auch, aber selten.

Verkaufte Auflage? Nicht sold circulation sondern paid circulation.

Bordexemplare? Nichts mit on-board oder so – es heißt in-flight copies.

Anzeigen? Na klar, advertisements, adverts oder auch ads – aber letzteres ist schon ziemlich salopp. Unter Umständen muss man von print ads reden – wenn man den Unterschied zu sonstigen types of advertising (TV, Radio) unterstreichen will.

Anzeigenpreise? Vorsicht! Ja, man kann von prices reden – aber üblich ist rates – und die Preisliste ist definitiv eine rate card (auch wenn es inzwischen eine PDF-Datei sein dürfte).

Auch überraschend knifflig ist das Wort Exemplare – häh, wieso? Weil man es auf Englisch oft nicht (ge)braucht. Verkaufte Auflage: 230.000 Exemplare = Paid circulation: 230,000 – da schreiben wir nicht copies dazu. Und bitte nicht vergessen: wir setzen bei Tausenderzahlen ein Komma und keinen Punkt.

Große Vorsicht ist bei Promotion oder Promotionsstrecke geboten – da fragen wir immer nach: denn meist ist ein advertorial gemeint, d.h. die redaktionelle Präsentation von Inhalten von werblichem Charakter (eine promotion ist für uns dagegen eine gezielte Aktion oder ein Sonderangebot).

Here endeth today’s lesson.

Dienstag, 10. März 2009

Bindestriche und andere deutsche Obsessionen

You Germans love hyphens - gerade zwischen Hauptwörtern. Und ihr macht das auch sehr gern im Englischen – wie hier auf der Cebit.







Der Bindestrich ist nicht nur überflüssig, er ist falsch.


Eine andere bad habit ist die Umdrehung der (für uns) natürlichen Reihenfolge von Hauptwörtern, wie folgt (auch auf der Cebit)



Für uns wäre „Northern Entrance“ viel natürlicher als Entrance North.

Auch bei Berufsbezeichnungen wird das oft gemacht – mit teilweise horrendenen Verdrehungen in der Bedeutung. Ich habe zum Beispiel neulich bei Xing einen „manager communications“ entdeckt. Allerdings ist das für uns keine Person, die für die Kommunikation zuständig ist – sondern die Kommunikationsaktivitäten für Manager. Was habt ihr überhaupt für eine Abneigung gegen Präpositionen und die NATÜRLICHE Reihenfolge???
Director Advertising? Das ist Werbung für Geschäftsführer. Unit Production? Das ist die Herstellung von Einheiten. Management Sales? Das ist der Verkauf vom oder an das Management.

Samstag, 7. März 2009

Da, da, da

Es gibt viele schlechte Übersetzungen - aber der Konsument ist selten der zahlende Kunde. In jeder anderen Branche führt extrem schlechte Leistung schnell in die Insolvenz (naja, Banken natürlich ausgenommen), aber bei Übersetzungen kann man absoluten Schrott abliefern - und relativ sicher sein, der unzufriedene Konsument meldet sich nicht (in einem Restaurant ist das Feedback dagegen sehr direkt!).

Ab und an begegnen sich jedoch Kunde und Konsument, wie Hillary Clinton zu bestätigen weiß:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7930047.stm

Mittwoch, 4. März 2009

RZ, Leo, bequeme Übersetzer

Ja, ja, es ist Cebit-Zeit – und alle reden von „Green IT“

Freundin und Kollegin Sally, die gerade neben mir sitzt, darf nun eine „englische“ Pressemitteilung zu diesem Thema überarbeiten. Es ist alles recht wörtlich und holprig – und bei manchen Fach-Begriffen hat der Übersetzer nichts begriffen bzw. daneben gegriffen (einfach jeweils den ersten Eintrag bei Leo genommen, nehme ich stark an).

Immerhin: Der Kunde hats gemerkt - und gehandelt.

Klar, man kann allgemein-umgangssprachlich von computer centers oder auch computing centers reden. Aber in der IT-Branche sagt das keiner. Ein Rechenzentrum ist ein data center.

Nachtrag:
Nun wissen wir es - der Übersetzer ist definitiv Leo-Fan(atiker). Lückenlose Dokumentation? Übersetzt mit "gapless documentation". So ein Quatsch. Und wo wird dieses Unwort allen Ernstes als "Englisch" vorgeschlagen? Na klar - Leo.

Wir haben in unserem Büro hunderte von Wörterbüchern. Die kosten aber Geld. Und wir recherchieren gründlich. Das kostet aber Zeit. Leo ist billig und bequem - und häufig Mitverursacher von Sprachmüll allererster Güte.

Im Bereich unnötige Zeilenschinderei

Bin gerade in Hannover (Cebit läßt grüßen). Wohne bei meiner Kommilitonin (naja, vor, schluck, 30 Jahren) Sally Maßmann, eine ausgezeichnete Übersetzerin mit sehr viel Erfahrung im Bereich Transportbänder.

Sie meinte gerade: I can’t stand people who translate im Bereich literally.

Ich gebe ihr recht. Warum?
Weil das völlig unnötig ist.
Weil es eine höchst deutsche Konstruktion ist.
Weil es oft nur Zeilenschinderei ist.
Weil kürzer fast immer besser ist.

Wir machen mal zwei case studies:

Sortimat ist Technologieführer im Bereich Montagesysteme für Einwegspritzen
Sortimat is the technology leader in assembly systems for disposable syringes

Oder

Er ist Experte im Bereich Giftmüll
He’s an expert in toxic waste.
He’s a toxic-waste expert.


Im Bereich ist also total überflüssig. In the area of ist ungelenk und ungut. Lasst es weg, Leute.