Mittwoch, 29. April 2009

Life’s for sharing – viral marketing auch

Claims lassen sich seltenst direkt übersetzen. Man muss die Kernaussage herausfiltern (übrigens nicht filter out – das ist entfernen) und sie neu verpacken.

T-Mobile ist das gut gelungen – mit Life’s for sharing bzw Erleben, was verbindet. Beide Claims passen gut zu den jeweiligen Situationen, die T-Mobile mit ihrer Werbung darstellt, auch wenn die "einzelnen Wörter" ganz unterschiedlich sind.

T-Mobile bietet auch ein fantastisches Beispiel für virales Marketing (ich nehme an, es war kein normaler TV-Spot, bin mir aber nicht sicher) – es lohnt sich echt. Ist richtig zum Geniessen:

http://www.youtube.com/watch?v=VQ3d3KigPQM

Nachtrag (thanks to Hendrik Henne)

Sollte jemand morgen zufälligerweise in London sein...

http://www.youtube.com/watch?v=kjcOSSaEe5w&feature=channel

Samstag, 18. April 2009

Ein überraschender Anfang, ein überraschendes Ende

Ende der zweiten Hälfte köpfte Torres zum 2:1. Anfang 2010, Anfang der 80iger Jahre, Ende Juli.

Anfang und Ende auf Englisch? Ist doch glasklar, oder? Beginning of bzw end of. Oder vielleicht nicht? Ja, ja, ja, beginning of the year ist nicht grammatikalisch falsch. Und wenn es gerade der 1. Januar war die bessere Übersetzung. Aber viel üblicher wäre

In early 2010, in the early 80s, in late July, Torres scored with a header late in the second half to make it 2:1

Aber leider sind viele Übersetzer in dieser Hinsicht überraschend denkfaul.

Freitag, 17. April 2009

Wir sind die ewigen Neinsager

Es ist nicht mal 12 Uhr, und schon haben wir zwei denglische Claims und eine denglische Headline ablehnen müssen.

Wir haben aggressive expansion strategy geschrieben. Der Kunde findet aggressive natürlich viel zu aggressiv. Dabei ist aggressive in diesem Kontext durchaus üblich. Der Kunde hätte lieber offensive. Aber offensive wird leicht als beleidigend missverstanden, zum Beispiel:

"That's very offensive" heisst "Das ist extrem beleidigend"

Dann wollte eine Agentur von pure design reden. Aber pure ist nicht pur sondern rein. Und pure design ist erst recht nicht design pur.

Aber der Australier im Hause hat es akzeptiert!!!!????

Ja, klar - weil er nicht verstanden hat, was man eigentlich sagen wollte. pure design ist auch nicht grammatikalisch falsch. Es ist bloss bedeutungslos, kraftlos, Denglisch halt.

Und dann hatten wir einen Claim mit dem Wort noble. Nein, das ist nicht nobel im Sinne von edel, fein. noble bedeutet erhaben, adlig. Ein nobles Restaurant ist kein noble restaurant sondern eher (je nach Tonalität) posh, swanky, upmarket oder exclusive. Umgekehrt wirds vielleicht deutlicher: ein noble aim ist ein hehres Ziel.

Leider werden täglich solche Claims (die bei uns eher Slogans oder Taglines heißen) von deutschen Textern erfunden und von teutonischen Kunden abgesegnet - alles aus einem germanischen Sprachgefühl heraus.

Ein zufällig frei herumlaufender native speaker ist auch keine Instanz - der weiß meist nicht, worum es sprachlich und werbemäßig geht. Er kann nicht wissen, was design pur oder nobel auf Deutsch ausdrückt. Er ist in aller Wahrscheinlichkeit kein Sprachmensch (von meinem Bruder, der ein ausgewiesener IT-Profi ist, lass ich Programme schreiben, aber keine Claims). Und er weiß wahrscheinlich gar nicht, dass es hier um einen wichtigen Claim für ein wichtiges DAX-Unternehmen geht.

Kein deutscher Werbefuzzi würde auf die Königstraße in Stuttgart laufen und den nächstbesten (schwäbischen?) Muttersprachler fragen: kann ich das sagen? Und die Antwort als grünes Licht für eine groß angelegte Werbekampagne auslegen. Aber auf Englisch schon.

Darum werden wir immer wieder in eine sehr unangenehme Rolle gedrängt - die des ewigen Neinsagers. Manchmal mehrmals täglich.

Mittwoch, 15. April 2009

Kein Ausrufezeichen! Bitte!

Wir übersetzen viele Werbebriefe - zum Beispiel an Anzeigenkunden.

Zum Schluss steht oft eine Call to Action (eine explizite oder implizite Aufforderung zum Handeln).

Melden Sich sich noch heute an!
Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
Rufen Sie unter 089 xxxx an!

Was haben sie alle gemeinsam? Ja, ein Ausrufezeichen (an exclamation mark)! Was man aber ins Englische tunlichst nicht mitübersetzen soll! Denn bei uns ist ein Ausrufezeichen weitgehend für Überraschendes reserviert! Und nicht für Aufforderungen (höchstens bei einem marktschreierischen Direktmailing)! Auch nicht zum Betonen relativ banaler Feststellungen!

We look forward to your reply! wirkt auf Englisch gaaaaaanz komisch. Lassen Sie es es also weg! Besonders bei Überschriften! Obwohl die (teutonisch erzogenen) Grafiker sie sehr gern wieder rein machen! Much to our annoyance!

Freitag, 10. April 2009

Linguistisch und technologisch auf dem Laufenden bleiben…mit ted.com

Wir Texter und Übersetzer leben von der Sprache, und lieben sie auch. Und im Ausland ist es doppelt wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben - denn die Sprache ändert und entwickelt sich permanent (übrigens: nicht "permanent" auf Englisch, das wäre "dauerhaft"). Ähnlich stehts um die Technik – we need to keep up to speed.

Ich habe mich gestern mit meinem best buddy getroffen – ebenfalls Sprachfetischist. Er bringt mich auf neue Gedanken - und auf neue Websites!

Zum Beispiel www.ted.com – hier sind richtig packende englischsprachige Vorträge zu sehen. Folgender Beitrag von David Pogue, Technologiekorrespondent von der New York Times, ist für mich ideal – über die neueste Handy-Möglichkeiten (wie man zum Beispiel per Sprachbefehl die nächste Brezel-Bäckerei findet), unterhaltsam, und mit viel Sprachwitz

http://www.ted.com:80/index.php/talks/david_pogue_on_cool_phone_tricks.html

Es gibt dort auch ganz andere Leckereien zu entdecken. Ich kann auf jeden Fall folgende wissenschaftlich seriöse Analyse der Gründe/Quellen des menschlichen Glücks sehr empfehlen.

http://www.ted.com:80/index.php/talks/martin_seligman_on_the_state_of_psychology.html

Ted.com – a great source of ideas, insights and inspiration. A bit like Philipp, come to think of it.

Mittwoch, 8. April 2009

e-waste - ein Neologismus!

In unserer Branche ist es extrem wichtig, viel zu lesen – und dabei neue Begriffe (Neologismen) in der eigenen Sprache aufzuspüren.

Zum Beispiel im Bereich Green IT. Hierzu habe ich vorletzte Woche in Foyles in London gross eingekauft – denn auch in der Amazon-Ära geht nichts über stöbern und blättern. Dabei habe ich einige nette Entdeckungen gemacht.

Elektroschrott – e-waste.

Umweltfreundlich? Oh Gott, da gibt es so viel – eco-friendly, environmentally friendly, green, environmentally sound, planet-friendly.

Verwandt sind auch to decarbonise, low-carbon business, carbon footprint, ecological footprint, climate neutral, environmental impact (auch plural, impacts).

Vorsicht mit dem Wort Ökobilanz. Das ist nicht eco balance – hier sind Google-Hits sehr irreführend. Mit eco balance ist „das Gleichgewicht des Planets“ an sich gemeint, nicht eine Bilanz im Sinne einer Analyse der Belastung der Umwelt durch eigene Aktivitäten.

Für ein bestimmtes Produkt kann damit ein lifecyle assessment oder analysis (LCA) gemeint sein. Für ein bevorstehende Investition könnte es ein environmental impact assessment (EIA) sein.

Aber oft ist der deutsche Begriff weniger spezifisch gemeint: "Wir wollen einen bessere Ökobilanz" zum Besipiel – da arbeitet man vorzugsweise mit ähnlich allgemeinen Begrifflichkeiten: we wish to reduce our ecological footprint oder einfach we wish to become a more eco-friendly business.

Sonntag, 5. April 2009

Wohung mit eingebauter Unterhose zu verkaufen

Ich such gerade eine Eigentumswohnung in Ludwigsburg. Dabei findet man nicht so sehr Pfusch am Bau sondern Pfusch an der Sprache.

Es gibt zum Beispiel eine Panthouse-Wohnung - sprich eine Unterhosen-Haus-Wohung (oder in Amerika: eine Hosen-Haus-Wohnung)

Hier ist sie:
http://www.immozentral.com/anzeigen.cfm?id=546097&objekttyp1=2

Auch sehr linguistisch-innovativ ist die Erdgeschoss-Wohnung mit "Penthouse-Feeling" - erm, wie geht das denn? Wird sie abends hochgehievt?

Freitag, 3. April 2009

Lieber nicht mit n-tv fliegen...

Bin ein n-tv junkie (also: n-tv-süchtig). Und wie schon mal erwähnt, der Sender übernimmt gern englischsprachige Inhalte, bei denen leider einiges dann lost in translation wird.

Vorgestern gab es ein Gespräch mit einem F1-Piloten, der meinte, "It's a shame." Das wurde übersetzt mit "Das ist eine Schande." Autsch. Shame in diesem Zusammenhang heißt einfach "Schade" nicht "Schande."

Noch gefährlicher war die Übersetzung von tailwind bei einem sonst sehr interessanten Beitrag über Flugzeugabstürze. Nein, lieber n-tv-Journalist, das ist nicht Seitenwind, sondern der Wind von hinten. Kein Wunder, wenn es dann zum Absturz kommt...