Sonntag, 31. Mai 2009

Nomen est omen – Teil 1

In Deutschland müssen die angedachten Vornamen Neugeborener durch die Behörden und Beamten genehmigt werden. Auch bei erwachsenen Germanen dürfen Namen nicht ohne Weiteres gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht werden.

Pumuckl
Zuerst habe ich gedacht, dass ist ein Witz – ist doch das eigene Kind bzw. der eigene Name, oder? Naja, andere Länder, andere Sitten. Ja, ja, ich kenne die Argumente (das arme Kind darf nicht Pumuckel heißen, Kriminelle könnten leichter untertauchen usw.). Aber letzendlich ist es eine Frage der „Kultur.“

You Kundt?
Es gibt allerdings deutsche Nachnamen, die ich vor einer Auswanderung Richtung England dringend einem interkulturellen Reengineering unterziehen würde - zum Beispiel Dick, Kundt, Wank, oder Sick (ja, ja, eine Welt-Firma).

Marry in haste, repent the name at leisure
Und die hiesige Namensgesetzgebung schützt nicht vor Peinlichkeiten. Ich kannte mal eine Frau Namens Henne. Ihr Wunsch-Gatte hieß Ficker. Ihr könnt den Bindestrich gern selber setzen. Übrigens: Ihre Schwester hegte auch Vermählungsabsichten. Das Objekt ihrer Begierde hieß Fick. I kid you not.

Aber das nur nebenbei.

Ich wollte EIGENTLICH auf einen schnell übersehenen False Friend und Kulturunterschied hinweisen.

What's in a name?
Sagt man auf Deutsch: „Wie ist Ihr Name“ so erwartet man im geschäftlichen Kontext als Antwort den Nachnamen.

Fragt man auf Englisch (im geschäftlichen Kontext): "What’s your name?", so erwartet man in aller Regel den Vornamen (first name, Christian name, given name).

Bob meets Hans-Dieter
Das ist für Dolmetscher problematisch. Ich habe vor gut 20 Jahren öfter mal zwischen dem schwäbischen Geschäftsführer eines sehr interessanten mittelständischen Unternehmens in Winnenden und seinen vielen US-amerikanischen Kunden gedolmetscht.

Hat Bob während des Abendessens irgendwas zu Hans-Dieter gesagt, so musste ich nicht nur schnell zu Ende kauen sondern auch schnell überlegen, ob ich „Sie“ oder „Du“ sage - und unter Umständen den Vor- durch den Nachnamen ersetze (zu mal ich sonst – als damals ganz junger Kerl – diesen hochrangigen Manager direkt mit seinem Vornamen angesprochen hätte).

Inzwischen ist die Mischform von Sie und Vornamen (n-tv läßt grüßen) nicht mehr so ungewöhnlich. Aber damals...

Auftrag "Maultaschen"
Übrigens: die Rolle des Dolmetschers während eines Geschäftsessens ist nicht nur deswegen gespickt mit diplomatischen und kulinarischen Hürden – oft ist man vor lauter interpreting noch bei der Vorspeise, während alle anderen ungeduldig auf den Zweibelrostbraten warten. Und: Ich übersetze viel lieber „Wirbelschichtfeuerung“ (fluidised bed firing) oder „Abnahmeprotokoll“ (acceptance protocol) als eine gutbürgerliche Speisekarte in Baden-Württemberg (so sehr ich auch giant ravioli with a spinach-and-meat filling mag).

Zurück zum Thema: Auch bei Formularen usw sollte man bei „Name“ etwas aufhorchen – besser und genauer als name ist unter Umständen surname oder für die nicht Native Speakers vielleicht family name.

Freitag, 29. Mai 2009

Prof. Prof. Dr. Dr. Crellin

Im Deutschen / bei Deutschen werden die akademischen Titel gern abend- und seitenfüllend aneinandergereiht.

Wenn wir im Englischen mit dem Rasenmäher drohen, hagelt es Proteste: "Das ist doch sein (oder ihr oder mein) offizieller Titel!!!"

Die Empörung kennen wir, teilen wir aber nicht.

Sie entspricht einer rein germanischen Weltanschauung. Der Berg von Abkürzungen vor dem Namen wirkt auf Englisch schlicht und ergreifend lächerlich (nach dem Motto: "dass er Professor ist, haben wir kapiert. Wie oft will er denn sagen? Hat er eine Profilneurose? Oder ist das ein Satzfehler?).

WEG DAMIT rät Prof. Prof. Dr. Dr. Crellin.

Prof. oder Dr. - aber nicht beides. Und nur einmal. Es reicht dicke. NIEMAND in der englischsprachigen Welt würde auf den Gedanken kommen, die ganze Sammlung zur Schau zur stellen. Aber selbst Professoren, die sich sonst gern "interkulturelle Kompetenz"auf die Fahne schreiben, wehren sich oft massiv gegen unseren Hinweis auf diesen interkulturellen Fehltritt.

Übrigens: Profilneurose ist ein toller Begriff - und ziemlich unübersetzbar. Und der Begriff Weltanschauung wird manchmal im Englischen verwendet.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Zukunft ist leider inkompetent

Wenn man sich anschickt, über die Wichtigkeit von "Kompetenz" zu referieren (und zum Thema Tony Blair einzuladen), dann sollte man vielleicht die dazugehörige angeblich internationale Überschrift in Englisch und nicht Denglisch formulieren:

http://www.campus-symposium.com/

Future needs competence? Allerdings - vor allem kommunikationstechnisch.

Competence ist NICHT Kompetenz. Kompetenz ist viel stärker, viel positiver. Siehe hierzu:

http://falsefriends-mcsquared.blogspot.com/2008/08/incompetence-with-system.html

future needs competence ist Kauderwelsch. Es müsste sowieso the future heißen. Aber damit ist es nicht getan. Der ganze Satz ist durch und durch germanisch. Ich hoffe, der Tony weiß, worum es da überhaupt geht. Er soll mich mal anrufen, ich erkläre es ihm dann - und frage ihn mal, was die Suche nach den weapons of mass destruction macht.

Nachtrag:
Ein Referent ist angeblich: Chief of „Strategic Projects" for the Deutschen Bank AG

Nicht schlecht, Herr Specht - vier dicke Fehler (mindestens) in einem halben Satz. Chief of? Ist der Typ Indianer Häuptling? Nur Chief Strategic Projects Officer. Oder Head of Strategic Projects. Aber nicht Chief of. Die Anführungszeichen sind komplett überflüssig. Und falsch gesetzt (wir setzen sie nie unten), THE ist bei einem Firmennamen komplett daneben, und das "n" bei "Deutschen" müsste natürlich verschwinden. Chapeau! Future needs competence - aber ganz dringend!!!

Schlechtes Englisch = lustiges Englisch: zwei Links

Bin zwei Kolleginnen, Ulrike Heiß und Laura Russell, für die zwei folgende Links sehr dankbar - es sind Beispiele von schlechtem Englisch, die teilweise zum Kringeln komisch sind:

http://engrish.com/

http://engrishfunny.com/

Montag, 25. Mai 2009

Clap Club - ein Verein für Geschlechtskrankheiten?

Ach ja, wieder mal ein Tag mit viel Denglisch im Postfach.

Eine Mind change wollte ein Unternehmen angeblich erreichen: Ich glaube, sie hatten a change in mindset im Sinne. To change your mind ist einfach "sich das anders überlegen". Und eine mind change klingt nach einem gefährlichen chirurgischen Eingriff.

Das Beste heute war jedoch die Entdeckung folgender Website:

http://www.clap-club.de/


Es geht da um Gerüchte und Klatsch in der Medienbranche - vielleicht hat einer da einfach "Klatsch" im Wörterbuch nachgeschlagen? Die wollten wohl gossip. Bekommen haben sie eine Geschlechtskrankheit. Denn clap heißt nicht nur mit den Händen klatschen (und nicht Tratsch) sondern auch Tripper - vor allem in der Verbindung mit Club ist das für einen Native Speaker die allererste Assoziation.

Hat für viel Heiterkeit bei uns im Büro gesorgt.

Ich plädiere allerdings für eine mind change bei den vielen deutschen Werbern, die von ihrer Fähigkeit überzeugt sind, Namen und Claims auf Englisch entwickeln zu können.

Man kann sich dabei was Böses fangen.

Samstag, 23. Mai 2009

So much the worse!

Eigentlich wollte ich heute nur ganz kurz das Thema „Thus, therefore, thereby“ ansprechen.

Aber bei meiner Recherche bin ich über diesen germanisch anmutenden Absatz bei Daimler gestolpert.

To join CAReer you need sound English language skills, as well as a very good knowledge of the language spoken at the site where you would like to begin training. For entry in Germany, German is thus an important prerequisite. Should you speak other languages - so much the better!

Es ist keine Katastrophe. Aber eine Übersetzung mit starkem Akzent.

Sowie
Sowie und „as well as“ sind keine eineiigen Zwillinge. As well as – dazu gehört ein tiefes Durchatmen und eine entsprechende dramatische Gestik mit dem Arm: Hier wird etwas SEHR BETONT (als würde man auf Deutsch sagen: „und ausserdem“).

A knowledge
Übersetzer sollten mit dem Artikel vorsichtig umgehen – oft auf Englisch unnötig. Hier nicht falsch aber auch nicht zwingend (vor allem wenn man etwas umformuliert - was dringend notwendig wäre).

Site
Ja, ja, Standort. Ein verdammt schwieriges Wort. Site ist oft brauchbar, aber hier nicht – eine „Site“ ist ein Büro, eine Fabrik, ein Gebäudekomplex, eine Baufläche. Aber hier ist wohl the country gemeint.

For entry in Germany
Erm? Hier fehlt für den englischen Leser was – entry to what? Das Programm CAReer wohl – ist aber nicht klar. Und „entry“ würde ich dafür sowieso nicht verwenden.

Thus
Da hätten wir es. Im Deutschen sind Verbindungen von der Sorte darum, deswegen, deshalb weit verbreitet. Im Englishen sollte man nicht gleich zu thereby, thus und therefore greifen. Gerade „thus“ und „thereby“ sind meist überflüssig und auch von der Tonalität her in der Regel viel zu förmlich-juristisch.

Prerequisite
Das ist wie mit „Maßnahmen“ und „measures“ – ja, prerequisite geht schon. Fühlt sich aber sehr übersetzt an. Es gibt andere Möglichkeiten, bei denen man sich jedoch mehr Mühe geben muss – der Satz muss beispielsweise umgebaut werden. Dazu haben viel Übersetzer keine Lust.

So much the better!
Da hätten wir es wieder: Das deutsche Ausrufezeichen! Bitte damit im Englischen spärlich umgehen! Bei uns meist ein Hinweis für Überraschendes! Deswegen besonders nach Thank you! Und We are look forward to seeing you at the exhibition! durch einen Punkt ersetzen! Wirkt sonst übertrieben-marktschreierisch!

Fazit:
Der Absatz ist zu verstehen – aber er ist eindeutig übersetzt und sehr holprig. Eine Limousine mit drei Rädern so zu sagen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Relegation ist keine relegation

FC Liverpool (Liverpool FC) muss dieses Jahr (vermutlich) nicht in die Champions-League-Relegation. Der Mannschaft fehlt nur noch ein Pünktchen zur Direktqualifikation.

However, Newcastle may get relegated.

Relegation ist Absteigen. Ein Relegationsspiel ist ein play-off.

Und wenn mein overpaid, underworked Assistent mich aus dem Kader (squad) seiner Freizeitmannschaft schmeißt, nur weil er eine jüngere und bessere Alternative gefunden hat, ist das eine Schweinerei.

I was as sick as a parrot (übersetz' das mal, Hendrik!)

Maßnahmen – measures in the right measure

„Maßnahmen“ kann man oder frau mit measures übersetzen. Klaro.

Es ist kein 100%iger falscher Freund. Es ist jedoch ein Freund, den man lieber nur gelegentlich besuchen soll.

Warum? Weil „Maßnahmen“ im Deutschen eine Zutat ist, die man in fast jedem linguistischen Eintopf findet – und dabei nicht unangenehm auffällt. Measures dagegen wird nur in bescheidenem Maße eingesetzt – denn es ist für uns ein unsympathisches, kratzbürstiges, bürokratisches Wort. Es gibt fast immer was Besseres.

Vier Beispiele im Germanischen für Maßnahmen:

1. Der Bundesrat ergreift Maßnahmen gegen einen Aktivisten des Mazedonien-Konflikts

2. Die Wirkungen von Maßnahmen der Verkaufsförderung bei Öko-Lebensmitteln im Handel

3. Neue Sicherheitsmaßnahmen im Online-Banking

4. Quantitative Analyse der Auswirkungen wirtschaftspolitischer Massnahmen auf die Einkommensverteilung in der Schweiz


Welche sprachliche Maßnahmen sind nun im Angelsächsischen möglich?

1. Hier wäre measures wirklich nicht schön. Viel besser: will take action against (action SINGULAR wohl gemerkt). Auch steps wäre denkbar (danke Sally Maßmann!).

2. Maßnahmen ist hier – wie sehr oft – KOMPLETT überflüssig. Weg damit. Es reicht sales promotion(s). Oder vielleicht sales-promotion activities. Übrigens: Handel in diesem Kontext -nix mit trade (das kapieren leider sehr viele Übersetzer nicht). Retail oder POS/POP.

3. Hier ist einiges möglich – security mechanisms, security features, security functions.

4. Auch hier – das Wort ist überflüssig. Economic policies reicht völlig.

Manchmal ist to respond oder response eine nützliche und wohlschmeckende Alternative. Ist auch oft die bessere Übersetzung von „Reaktion“ oder auch „Antwort“.

Also: Bei measures bitte maßhalten. Bin auf die Response gespannt.

Montag, 18. Mai 2009

White power ist kein guter Name für ein Auto...

Ich bin Eva Stabenow sehr dankbar für den Hinweis auf folgenden False Friend der besonders peinlichen Art.

Die Verwendung von "power" auf Deutsch ist weit verbreitet und meist in der Bedeutung weit entfernt vom englischen Begriff. Power auf Englisch bedeutet Energie (power ist auch ein häufiger Synonym für Strom) und Macht, sehr oft politische Macht. White power ist vor allem ein Schlachtruf der (englischsprachigen) Neonazis (einfach mal googeln) und daher sehr, sehr brisant.

http://jalopnik.com/5234135/german-tuning-shop-names-custom-audi-rs6-white-power

Es sind auch zwei weitere falsche Freunde im Erklärungstext dazu:

With its 580bhp and an impressive 650Nm ( 479.35 lb/ft) of torque the actual Audi RS6 is the perfect symbiosis of an estate and a super car.

Actual = eigentlich, und nicht aktuell (klar, müsste wohl jeder kennen, würde man meinen). Symbiosis auf Englisch hat negative Konnotationen - und sollte daher nicht für eine "gelungene Kombination" genommen werden.

Samstag, 16. Mai 2009

Kuss, Kuss, Bumsen

Kiss, Kiss, Bang heißt der diesjährige deutsche Beitrag zur Eurovision (eine wahre Fundgrube nicht nur für schlechte Euro-Pop sondern auch für schlechtes Euro-Englisch).

So, so.

Ist es den deutschen Medien und Öffentlichkeit überhaupt bewusst, dass "Bang" ziemlich vulgäre Umgangsprache für den Austausch von Körperflüssigkeiten ist (z.B Gang Bang)? Probably not.

Sonntag, 10. Mai 2009

Medienbrüche auf Englisch – glitches, gaps, breaks? Vorsicht: Denkfehler!

Medienbrüche (Medienbruch), Systembrüche (Systembruch) – mit diesen Begriffen tun sich verdammt viele Übersetzer verdammt schwer. Und daher muss ich heute a bisl ausholen. Bear with me, please - und holt euch schon mal n Kaffee, das wird jetzt dauern.

Was habe ich alles gelesen: media glitches, format mismatches, integration gaps. dict.cc empfiehlt media disruption (erm, ist das ein Streik in der Medienbranche oder vielleicht der Ausfall eines TV-Programms?), bei leo und http://www.woxikon.de/ gibt es media crush (das ist wohl entweder ein Pulk von Reportern oder der Druck von 10 Tonnen Zeitungen und Zeitschriften).

Alles SCHROTT allererster Sahne (Leo-Übersetzung: [s]crap of all-first cream). Alles ohne Warnhinweis oder Erklärung. Und alles, alles, alles das Ergebnis eines typischen Denkfehlers (übrigens: ebenfalls ein wunderschöner deutscher Ausdruck, den man kaum mit einem einzelnen Begriff übersetzen kann).

Sorry, aber rege mich tierisch (Leo-Übersetzung: animaly) auf - wer schreibt diesen Blödsinn? Wer glaubt allen Ernstes, damit einen Beitrag zum Völkerverständnis zu leisten?

Today's lesson: Es gibt Begriffe, die nur in einer Sprache existieren und nicht 1:1 übertragen werden können – der Gedanke dahinter dagegen schon.

Also Leo-Leute, hört doch endlich auf, einen „englischen Begriff“ für „Medienbrüche“ zu suchen. HAAAAAALLOOOO, DEN GIBT ES NICHT!!! Capito? Die Suche führt in die Irre. Die Suche führt ins Leere.

Aber Lösungen? Ja, die gibt es sehr wohl (aber natürlich in keinem Collins, Pons, Langenscheidt und nicht auf Leo, proz.com oder dict.cc).

Schauen wir uns ein paar Beispielsätze an:

Beispiel 1:
Egal ob Sprach- und/oder Datenübermittlung verwendet das Netz durchgängig die IP-Technologie und arbeitet daher bei allen innerbetrieblichen Abläufen und Prozessen ohne Medienbrüche.

Beispiel 2:
Monatlich verarbeiten die Mitarbeiter des Finanzministeriums die Bezüge von rund 340.000 Beschäftigten und 100.000 Pensionären sowie etwa 30.000 Personalfälle – dies jetzt durchgängig ohne Medienbrüche.

Beispiel 3:
XYZ bietet Fabrikplanung ohne Medienbrüche.

Beispiel 4:
Die Kunden von XYZ können dann aus ihrer Materialwirtschaftssoftware heraus ihren Bedarf direkt und ohne Medienbrüche in das SAP-System übertragen.

Es folgt die crellinsche Analyse:

Erstens: Offiziell hat der Begriff „Medienbruch“ was mit dem „Medium“ zu tun, auf dem oder mit dem Daten erfasst oder gespeichert werden. Wird jedoch in der Realwirtschaft kaum so verwendet – sondern eher im Sinne von (Software-)Systembruch.

Zweitens: Der Begriff wird recht gummiartig eingesetzt – also ist Kontext entscheidend.

Drittens: In Beispielen 2 und 4 ist das Wort eigentlich überflüssig. Auch hier tun sich viele Übersetzer schwer: Sie merken nicht, dass einiges tatsächlich klarer wird, wenn man es NICHT mit übersetzt (ich höre schon den Aufschrei: Was nicht übersetzen???? Das geht doch nicht!!! OH DOCH – wenn es dem Leser hilft).

Viertens: GANZ WICHTIG – fast immer erscheint das kleine aber sehr wichtige Wort „OHNE.“ Wir sollten uns folgerichtig nicht so sehr mit „Medienbrüche“ sondern mit „ohne Medienbrüche“ beschäftigen.

Wir müssen daher als Erstes im Deutschen die Kernbotschaft kontextabhängig ausfindig machen und dann erlegen:

Wenn eine (Software-)Umgebung „ohne Medienbrüche“ arbeitet, dann ist sie „nahtlos integriert.“ Und siehe da: Halleluja, wir haben für viele Zusammenhänge eine Anwort: XYZ arbeitet ohne Medienbrüche = XYZ is seamlessly integrated.

Wie ging das? Wir haben den Begriff ganz einfach auf den Kopp gestellt. Und wie schon mal erwähnt: Eine solche Rochade ist eine elegante Lösung für eine sonst fast aussichtslos erscheinende linguistische Notlage.

Auch für Beispiel 4 könnte man gut und gern ...transfer their requirements directly and seamlessly to the SAP system“ schreiben.

Gelegentlich wird mit „ohne Medienbrüche“ den Tatbestand beschrieben, dass Daten nicht doppelt erfasst werden müssen (naja, ist natürlich das Ergebnis von nahtloser Integration, aber egal). Hier könnte man sagen:

You do not have to re-enter data (into the system).
Oder:
You do not have to re-key the data (manually)

In manchen Zusammenhängen (siehe Beispiel 3) ist die durchgängige Unterstützung für einen bestimmten Prozess gemeint.

Hier ist ganz nützlich:

XYZ provides end-to-end (electronic/software) support for the XYZ processoder einfach
XYZ creates an end-to-end electronic XYZ process

Also meine lieben Leo Lovers: keine gaps, glitches oder disruptions mehr. Das kapiert keiner.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Abwrackprämie - haben wir demnächst auch

Mr Brown in No. 10 Downing Street überlegt auch, ob er eine Abwrackprämie einführt. Würde dann aber scrappage incentive scheme heißen.

http://www.telegraph.co.uk/earth/greenertransport/4528086/Drivers-could-be-paid-to-trade-in-gas-guzzlers.html

Engländer aufgepasst: die Amis mögen das Wort "scheme" nicht besonders. Erweckt Assoziationen mit "scheming" (also ein hinterlistiger Plan, Verschwörung).

Gas guzzlers ist auch ein netter Ausdruck nicht? Sprich: Autos, die endlos viel Benzin schlucken.