Donnerstag, 30. Juli 2009

so-called translation

die sogenannten "Poweruser" - please translate.

So ein kurzer Halbsatz und gleich vier Übersetzungsfallen.

1. Sogenannt - Vorsicht: so-called hat ganz andere Assoziationen. Es wird in 99% der Fälle ironisch/sarkastisch (it's a so-called luxury hotel - sprich: Es ist alles andere als das) verwendet. Außerdem: Hier wird das Wort nur deswegen eingesetzt, weil es sich um einen englischen Begriff handelt - also WEG DAMIT!

2. Die Anführungszeichen erfüllen hier eine ähnliche Funktion - sie umklammern einen englischen Begriff. Also noch mal: WEG DAMIT!

3. Auf Englisch wird power user natürlich klein geschrieben

4. Und auseinander!!!!


Naja, und plural ist es natürlich auch - also das S nicht vergessen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Nobody's perfect

Der erwartete Deal zwischen Microsoft und Yahoo ist perfekt.

Der Transfer von Ronaldo zu Real Madrid ist perfekt.

Naaaaaaa? Ihr ahnt das schon. Ja, perfekt ist hier nicht vollkommen sondern vollendet, in trockenen Tüchern, unter Dach und Fach.

Und the translation?

The deal has been completed. Signed and sealed. Yahoo and Microsoft have reached a deal. Have agreed terms for a deal. Have finalized the deal to XYZ. Vielleicht sogar Microsoft and Yahoo have formally agreed to join forces.

Ronaldo's transfer has gone through. Has been finalized. The transfer is a done deal. Is done and dusted (obwohl das für mich vielleicht erst nach sämtlichen Formalitäten kommt). Ronaldo has completed his transfer to Real Madrid. Ronaldo has agreed terms for his transfer to Real Madrid (vorausgesetzt es ging um seine Zustimmung).

Auch ein Wort, bei dem überraschend viele den False Friend schreiben. But nobody's perfect. Not even Ronaldo. He's an arrogant XYZ.

Freitag, 24. Juli 2009

Warum, warum, warum ist die denglische Werbung so krumm?

Warum glauben deutsche Werber, dass sie englische Slogans erfinden können? Und warum, wenn wir kassandra-artig auf die Probleme hinweisen, werden wir kassandra-artig ignoriert?

Wer ist hier der native Sprecher? (that was a deliberate mistake, folks).

A solid concept.

Erstens ist solid nicht solide im Sinne von robust, wirksam, bewährt, effektiv, gut. The right translation ist massiv (solid wood) oder fest (a solid dosage form – eine feste Darreichungsform). Und concept is für uns was ganz abstraktes (eine Idee, ein Gedanke), keine konkrete Lösung oder Plan.

Übrigens: man kann durchaus sowas sagen wie: he put in a solid performance – aber das ist sowas wie „er hat ordentlich gespielt“ – mehr aber auch nicht. Es ist fast „damning with faint praise“ (sprich: ein Lob, das so schwach ist, dass es doch vernichtende Kritik ist).

Aber das hat ein Engländer abgenickt. Welcher? Wusste er überhaupt, dass es um einen Slogan ging? Ist er Texter oder Techniker? Versteht er die deutschen Gedankengänge dahinter? Und als weiterer Einwand gegen unseren Einwand: „fest ist auch gut“.

Oh Gott, versteht ihr denn nicht??? Es ist (falsch) übersetztes Deutsch nicht gutes, echtes, reines, verständliches, werbewirksames Englisch.

Wie Amy kurz vorm Kickerspiel sagte: it's pearls before swine (ja, manche Sprüche sind dann doch 1:1)

Thank God it’s Friday und dass wir einen Tischkicker haben, der übrigens foosball auf Amerikanisch heißt. Was ein gutes Beispiel für eine ähnliche Verdrehung ist - nur in umgekehrte Richtung. Das würdet ihr Germanen auch nicht in die eigene Werbung einbauen, oder? Oder doch????

Donnerstag, 23. Juli 2009

Ein Six Pack auf die Schnelle

Ein komisches Jahr. Unser Geschäft ist immer schwankend, aber 2009 ist ganz extrem - it's a feast or famine business - sprich: entweder zu viel oder zu wenig. Diese Woche gibt es massenweise Eilaufträge und Nachschichten. Daher nur ganz schnell sechs kleine Übersetzungsfallen aus den letzen Tagen:

Adäquat - nie adequate, eher appropriate, corresponding, workable, effective, acceptable

Neben - bitte nicht mit besides (fast immer die falsche Tonalität) und erst recht apart from - das ist "bis auf" = in addition to

Außergewöhnlich - selten extraordinary, das ist meist nicht gemeint - sondern out-of-the-ordinary, exceptional, manchmal striking, inventive, exciting

Zeitgemäss is nicht so sehr contemporary sondern eher up-to-date, state-of-the-art oder vielleicht modern (wobei das nicht so positiv wie das deutsche "modern" ist)

Kurzfristig - oft ist "schnell" gemeint nicht short-term

Impulse - bitte, bitte keine impulses - höchstens beim Strom. Eher impetus oder (good) ideas oder vielleicht inspiration

Aber wie immer: AN DEN KONTEXT DENKEN!!!!

Sonntag, 19. Juli 2009

Liebe Werber, lasst es doch!!


Wie mache ich am besten Werbung für italienisches Mineralwasser in Deutschland? Klar doch, auf Englisch. Aber bitte: Nicht irgendein Englisch. Nein, nein.

Das oben gezeigte Vebrechen könnte natürlich auf das Konto der Italo-Mafia gehen - glaube ich aber nicht. Es stinkt verdächtig nach der kostenlosen Leo- oder Langenscheidt-Übersetzung eines germanischen Gedankenblitzes.

Live in Italy wäre wenigstens Englisch, aber merkwürdig (warum die Befehlsform?). Live life the Italian way oder Life Italian-style wäre auch verständlich. Aber Live in Italian? Schrott. Ich nehme an, gemeint ist "Leben auf Italienisch"? Ganz sicher bin aber nicht.

Liebe Werbefuzzis: "Das Leben" ist life nicht live. In Italian heißt "in der italienischen Sprache" - nicht "nach italienischer Art". Life und live sind zwei paar phonetische, semantische und grammtikalische Stiefel.

Es wäre mir sehr recht, wenn auch Sportkommentatoren den Unterschied zwischen v (stimmhaft) und f (eben nicht stimmhaft) erkennen würden - es ist keine Lebensübertragung sondern eine Übertragung in Echtzeit.

Eine Anzeigenschaltung kostet locker einige Zehntausend Euro. Aber 50 Euro für richtiges Englisch? Viel zu teuer!!! Komplett unnötig!!! Der Udo hat auch zwei Semester in England studiert!! Udo, mach das mal!!!


Nachtrag:
Ich hab gerade überlegt: Fügt man einen Bindestrich zwischen live und in - und Simsalabim, man beschreibt genau meine private Situation mit Italo-Freundin: a live-in Italian.


Samstag, 18. Juli 2009

Diplom-Übersetzer aufgepasst

Ein diploma ist in erster Linie das Fetzen Papier, was man nach irgendeinem Abschluss in der Hand hält. Als Bezeichnung des Abschlusses (an educational qualification) an sich taugt es nicht viel - es kommt nicht annährend an das deutsche Diplom.

Let me explain:
Meine Schwester hat drei Jahre lang in Leeds gebüffelt (und gebechert), um a degree in business studies zu erlangen. Dann hing sie zwei Wochen dran – und hat a diploma in marketing bekommen. Es war ganz nett, aber mehr nicht.

Also: Ein Diplom ist kein diploma - it's a (university) degree. Es sei denn, ihr wollt den Abschluss brutalst abwerten.

Übrigens: Bitte fragt nicht, wie man Diplom-Ingenieur, Diplom-Betriebswirt, Diplom-Kaufmann und so weiter übersetzt. Man kann es höchstens umschreiben. Interessant ist vor allem dabei, dass wir das Studium benennen (a degree in applied languages), während ihr Germanen der Person eine Bezeichnung verpassen (Diplom-Übersetzer).

Freitag, 10. Juli 2009

practice-oriented translation

Wenn Translators über ein ausgesprochen germanisches Verb, Substantiv oder Adjektiv stolpern, so erfinden sie oft ein englisches Pendant, das es so gar nicht gibt - so nach dem Motto: „Für mich klingt das gut; ich setze es ein“.
Das Problem: Der Leser schüttelt den Kopf und denkt: Äh? Vor allem wenn ein Text viele solche Erfindungen enthält.

Ein Beispiel gefällig?

Praxisorientiert. Deutsche lieben Orientierung. Wir sind weniger begeistert. Nein, bitte nicht practice-oriented schreiben. Ja, man kann es einigermaßen verstehen. Aber normales Englisch ist das nicht.

Eine Möglichkleit wäre practical – ist zwar nicht besonders werblich, aber eine practical solution wäre mir 1000x lieber als a practice-oriented solution.

Besser noch: Den Satz komplett umbauen, und sich vom Adjektiv lösen (da haben Übersetzer sowieso Hemmungen – Leute, konzentriert euch auf die Gesamtaussage, nicht auf die einzelnen Wörter – sonst kommt am Ende Babelfish-Brei raus).

Also konnte man zum Beispiel sagen a solution geared to real-world (market / customer) needs (wenn es darum geht). Wie immer: Den Kontext berücksichtigen. Und echtes Englisch schreiben. Nicht Kauderwelsch.

Aber es gibt doch viele Google-Hits für practice-oriented??? Jaaaaaaaa. Aber viele sind germanischen Ursprungs oder sie kommen aus dem Bereich Bildung - und gemeint ist practice im Sinne von Übung nicht Praxis!!!

Mittwoch, 8. Juli 2009

Impressum ist nicht imprint

Ich habs schon ausführlich behandelt - aber die heutige Lektüre von The Independent bestätigt meine ohnehin extrem tiefe Abneigung gegenüber der Verwendung von imprint als vermeintliche Übersetzung von Impressum.

Imprint ist eine Marke, oft eine Untermarke, im Verlagswesen (bitte die Einleitung lesen):

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/features/the-art-of-book-cover-design-1736014.html

Auch interessant ist die Verwendung im dritten Absatz von savvy (sowas wie "kundig", aber relativ salopp vom Duktus her). Es erscheint immer in Kombinationen:
street-savvy, design-savvy, IT-savvy, business-savvy - ihr könnt das gern selber fortsetzen/ausbauen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Lieber freigestellt als beschnitten

Als Translator stolpert man immer wieder über gewisse Begriffe, wofür man nur schwer eine richtig zuverlässige Übersetzung findet.

Ein Beispiel: Objekte/Bilder freistellen (denn wir haben durch die enge Zusammenarbeit mit Werbefuzzis öfter mit Grafik zu tun).

Von vielen dictionaries und Foren wird crop vorgeschlagen.

Verwandt aber FALSCH!

To crop heißt „beschneiden“ im Sinne von „einen Teilbereich eines Bildes wegschneiden“ (oder auch einen Teilbereich wählen!) – nicht die Konturen einer Person/Produktes von dem Hintergrund trennen.

Siehe die Fotos hier:
http://photodoto.com/how-to-crop-a-photo-for-better-composition/

Ich habe mich fast zu Tode recherchiert – und könnte stundenlang weiter suchen. Aber soviel scheint klar zu sein:

Die Germanen-Grafiker haben sich offensichtlich auf einen Begriff geeinigt - wir Anglos nicht.

Die Anglos sehen das Ganze meist „anders rum“ – nämlich als „Hintergrund weglassen“ und weniger als „Objekt freistellen“.

Folgende Begriffe scheinen alle kosher zu sein (wobei meine Präferenz – aufgrund der kontextspezifischen Google-Hits – klar bei 1 und 2 liegt).

1. To mask the background
2. To knock out the background
3. To cut out an object
4. To isolate an object
5. To extract an object


Bezüglich der Vielfalt der Begriffe siehe auch die Einleitung vom folgenden Artikel:
http://www.sitepoint.com/article/masking-techniques-photoshop/

Samstag, 4. Juli 2009

Fluktuation ist nicht fluctuation

In betriebswirtschaftlichen Texten ist mit "Fluktation" in erster Linie der Abgang von Mitarbeitern gemeint. Ich schätze, 80% der Übersetzer schreiben dazu automatisch "fluctuation", und sind damit einem False Friend auf den Leim gegangen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass translators ab und zu a bisl mehr und a bisl kritischer nachdenken würden.

Leute, der Fachbegriff heißt staff turnover (auch wenn man natürlich sowas sagen kann wie: staff numbers fluctuate according to the season - aber das was anderes als die Abwanderung der employees).

Der Google-Test ist auch eindeutig: es sind vor allem deutsche und andere illegal aliens, die von staff fluctation reden.

Hier ein Beispiel von der richtigen Wortwahl:

http://www.businesslink.gov.uk/bdotg/action/layer?topicId=1074410820

Mittwoch, 1. Juli 2009

Preis-/Leistungsverhältnis bei Hummer und Huren

Es gibt Wörter, bei denen Übersetzer einfach den gesunden Menschenverstand ausschalten. Dazu gehört Preis-/Leistungsverhältnis.

Klar, es gibt den Begriff price/performance ratio. Aber er wird nur selten verwendet (ich hab ihn ein paar mal gelesen, aber nie gehört) – und in einem ganz bestimmten, sehr technischen Kontext. Zum Beispiel:

With a price of just $2470 and performance of 26.25 Gflops, Microwulf's price/performance ratio (PPR) is $94.10/Gflop, or less than $0.10/Mflop!

Hamburger und Huren
PLV dagegen wird für alles Mögliche eingesetzt: Hamburger, Handwerkerdienste, Hummer, Hämmer, Häuser und Huren.

Sorry, aber da kann man schlecht von price/performance ratio reden (bis auf die Huren vielleicht).

There is an alternative
Da redet man (oder frau) viel eher von value. Oder value for money. Oder vielleicht cost effectiveness.

Also meine lieben Translators – Hirn anstrengen und überlegen, was man üblicherweise in einem bestimmten Zusammenhang sagen würde (und nicht einfach wahlos einen Begriff einsetzen, den ihr wahrscheinlich nie im Leben gehört habt)

Ein paar Beispiele (motors, McDonald's and medicare):

American Cars Offer Great Value for Money Compared to Their European Counterparts. With a Weak Dollar, Now is the Time to Buy American.

We are dedicated to providing customers unparalleled levels of Quality, Service, Cleanliness and Value. It is what our founder, Ray Croc, taught us.

Total costs increased to $57,900 per person undergoing total knee arthroplasty, resulting in a cost-effectiveness ratio of $18,300 per quality-adjusted life year.