Freitag, 30. Oktober 2009

Kontext ist entscheidend. Auch bei Porsche

Ich war diese Woche mit Schwester, Schwager, Neffen und S-Bahn-Gruppenkarte im Porsche Museum. Und im Großen und Ganzen sind die Übersetzungen von der VW-Marke (ja, das tut weh) richtig gut.

Aber Kontext ist selbst bei Kleinigkeiten kritisch. Und kann selbst bei den Zuffenhausenern zur Stolperfalle werden.





Enter zum Beispiel ist zwar „Betreten“ – wenn es um ein Zimmer geht. Aber nicht wenn es um eine Art Sockel geht. Da müsste man erst mal ein ziemlich großes Loch bohren, damit you can enter it. Wie so oft, ist in diesem speziellen Fall eine Rochade die beste Lösung: Please keep off (the plinth). Denn für „Betreten“ fällt mir in diesem Zusammenhang nix "Direktes" ein.





Dann hätten wir die Tageskarte. Da hat man wohl auf den teueren Übersetzer (der sich offensichtlich viel Mühe gibt) verzichtet. Vielleicht im Wörterbüchle oder auf Leo daily gefunden. Und schon haben wir eine Karte, die tagtäglich und nicht für einen einzigen Tag (day ticket) gültig ist.


Und manchmal funkt der Grafiker dazwischen. Denn Anführungszeichen unten - gibt es nicht im Englischen. Sieht für uns richtig alien aus




Aber ab und an ist eine Übersetzung sogar schöner (und knapper) als der Ausgangstext:





Signature feature ist richtig schön!!

Samstag, 10. Oktober 2009

Mad Dogs and Englishmen...

Das hier ist eine der besten Sammlungen von (unfreiwillig) lustigen Übersetzungen, (aber nicht nur) die ich je gesehen habe:

http://www.telegraph.co.uk/travel/picturegalleries/signlanguage/
Das hier hat mir besonders gefallen. Ist zwar keine Übersetzung, und vielleicht sogar absichtlich - aber auf jeden Fall die ideale Adresse für einen Engländer, der tagtäglich gegen denglische Windmühlen kämpft:

http://www.telegraph.co.uk/travel/picturegalleries/6271827/Sign-Language-week-69.html?image=5

(To be at one's wits' end = mit seinem Latein am Ende sein / völlig verzweifelt sein / nicht mehr weiter wissen)

Wenn wir schon dabei sind - hier ein Beispiel aus unserem letzten Urlaub. Ist wohl ein Hinweis auf die vielen hellhäutigen Engländer, die die hellenische Sonne nicht vertragen haben.



Sonntag, 4. Oktober 2009

PLEASE STOP USING THE WORD IMPRINT FOR “IMPRESSUM”

Ich habe es schon ein paar mal angesprochen/angeprangert. Impressum ist nicht „imprint“. Es ist echt unglaublich, welches unberechtigte Eigenleben dieses Unwort/Nichtbegriff durch Leo und andere bekommen hat.

Man nehme einen (normalen) Engländer/Amerikaner, und setze ihn vor dieses Wort (auf einer Website/in einer Zeitschrift). Was passiert?

Er schaut einen verwirrt an, und fragt: „Er, what do you mean?“.

Aber die Übersetzerwelt schert sich größtenteils nicht um die Wirklichkeit. Hauptsache, man hat „ein Wort“, das man an der Stelle „Impressum“ einsetzen kann. Es ist sogar zu einer Art Standardübersetzung geworden - dabei ist es VÖLLIG FALSCH.

Es ist auf keiner echt englischen, amerikanischen oder australischen Website (im selben Kontext) zu finden.

But I am not alone. Auch andere regen sich (zurecht) über diese Vergewaltigung unserer Sprache auf:

http://simmer-lossner.blogspot.com/2008/12/impressum.html

http://www.blog.wahlster.net/?s=impressum

http://transblawg.eu/index.php?/archives/591-Impressum-in-English-revisited.html

Oder ihr gebt „imprint“ in Google ein – mit dem Zusatz „Website“ – na? Da kommen nur (übersetzte) deutsche Websites.

Man könnte denken, dass ich mich etwas aufrege, oder???????

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Ingrammatikalisch? Schreibfühler? Ist nicht schlamm

Jeden Tag leisten wir erbitterten muttersprachlichen Widerstand an der syntaktischen, orthographischen und stylistischen Front.

Dabei entgegnen uns viele Non-Natives:

„Das ist doch nicht so wichtig. Versteht man doch, oder?“
„Das sagt man/schreibt man so bei uns.“
„Ist halt nur für die Auslandsmärkte. Hauptzielgruppe ist in Deutschland.“
„Wir haben keine Zeit (kein Geld, kein Bock auf) für die Satzkorrektur.“

Hauptproblem dabei ist, finde ich, dass deutschsprachige Auftraggeber einfach wenig Ahnung haben (können), wie das Endergebnis bei dem englischsprachigen Leser (und potenziellem Kunden) ankommt.

Hier eine Anzeige in The Independent, die vielleicht hilfreich sein könnte.



Und? Welchen Eindruck macht das Unternehmen? Was halten Sie von deren Produkten? Und deren Qualitätsanspruch? Tja, Antiwerbung ist nur fulschgeschrobene Werbing. Versteht man doch, oder? Würde ein renommiertes deutsches Unternehmen sowas hierzulande durchgehen lassen? Natürlich nicht. Da würden Köpfe rollen. Aber auf Englisch? Jeden Tag.

Nachtrag (2. Oktober)
Ich war heute auf der deutschen Website von Barracuda. Ist nicht schlecht, aber ab und zu taucht was ganz Häßliches auf. Zum Beispiel "Privatsphäre Politik" (privacy policy). Hmmm. In der Schule nach einer besonders misslungenen Klassenarbeit habe ich den angsteinflößendenen Eintrag im Heft bekommen: See me. Den Hinweis würde ich am Liebsten auf der Barracuda-Internetpräsenz hinterlassen. Entweder ist da eine Übersetzungssoftware am Mach-Werk oder ein Nicht-Muttersprachler mit Wörterbuch und Leo.

Ich habe Barrcuda nun angeschreiben. Bin gespannt. Watch this space.

In der Kürze liegt die Würze

Kurze Sätze sind fast immer besser als lange. Ausgangstexte enthalten oft etwas umständliche Konstruktionen. Und viele Übersetzer dehnen sie noch weiter aus. Oder trauen sich nicht, dem vorhandenen Elend ein euthanasisch-erlösendes Ende zu setzen – beispielsweise durch die beherzte Trennung eines germanischen Satzes in zwei englische oder das Weglassen von Restmüll.

I’d prefer less company
Außerdem ist mir aufgefallen, dass englische Übersetzungen von German business documents irgendwann unter dem Gewicht des Begriffes „company“ fast zusammenbrechen. Bin nicht ganz sicher, woher das kommt.

Ein paar Beispiele aus der hauseigenen Tierpraxis:

Case study No. 1
High cost pressures and changes in market conditions will continue to drive enterprises towards centralization and consolidation.

Erm, das geht kürzer.

High cost pressure and changing market conditions will continue to drive centralization and consolidation.

Case study No. 2
There are many reasons why companies strive for centralization.

Erm, das geht kürzer:

There are many reasons for centralization.

Case study No. 3
Experience has shown that installing XYZ can yield a return on investment of over 100%, and companies can reach the break-even point after around three months.

Erm, das geht kürzer:

Experience has shown that installing XYZ can yield a return on investment of over 100% and break-even after around three months.

Case study No. 4 (jetzt reicht es aber langsam)
This enables companies to make informed financial decisions regarding investment in their ICT infrastructure.

Erm, das geht kürzer:

This enables informed decisions on ICT infrastructure investments.

In der Länge liegt der Lohn
Es ist ja jedes mal crystal clear, dass es um Unternehmen geht. Und wahrscheinlich gehts NOCH kürzer. Problematisch ist natürlich, dass die meisten Übersetzer pro Wort oder Zeichen bezahlt werden. Wenn die Übersetzung und nicht der Ausgangstext die Basis für die Abrechnung ist – dann habe ich mich gerade selber um meinen Lohn gebracht.

Get organised!
Übrigens: Synonyme für companies sind nicht nur businesses, enterprises und firms (naja, nicht schön) sondern auch organisations/organizations.

Zum Beispiel (von IndustryWeek):

Increased market volatility and economic uncertainty are affecting every manufacturing organization across the globe.