Freitag, 31. Dezember 2010

Nachhaltig ist nicht immer sustainable

Auf nachhaltig gibt es oft eine knee-jerk reaction (sprich: eine sofortige und unkontrollierte Reaktion): sustainable lautet die Anwort aus aller Übersetzer-Munde. Wenn es um das Wirtschaften, die Entwicklung oder den Tourismus geht, keine Einwände.

Aber „nachhaltig“ wird gerade wie Streusalz eingesetzt – überall in großen Mengen und relativ ungezielt:

„Wir beschäftigen uns systematisch damit, nachhaltige Antworten auf zentrale Fragen erfolgreicher Unternehmensführung zu finden.“

Hier geht es nicht so sehr um die Dauer sondern um den Grad (und um Unternehmensberater-Brabbel). Daher würde ich sowas wie effective oder significant vorschlagen (auch wenn die Überlebensfähigkeit durchaus im Deutschen mitschwingt).

Selbst wenn es nur um die Zeitschiene geht, ist oft nicht sustainable sondern sustained besser:

Phillip L. Swagel said the recovery in 2011 will be strong enough for us to see sustained job creation.

Oder lasting.
Former First Lady leaves lasting impression

Oder long-term.
Such is the nature of Chelsea’s downfall that what we are witnessing today could just be a beginning of long-term crisis.

Also doch nicht so einfach...

Donnerstag, 30. Dezember 2010

„Synergien heben“ auf Englisch

Sprache ist dynamisch. Sie verändert sich, ob wir das wollen oder nicht. Auch die Regeln und Konventionen bleiben nicht stehen. Hat man sich zu Shakespeares Zeiten in der Familie noch geduzt (thee und thou), so sind wir alle jetzt per you (naja, einmal bin ich in Sheffield tatsächlich von einem Busfahrer mit „thee“ angesprochen worden. Konnte aber vor Schockstarre kaum mein Reiseziel über die Lippen bringen).

Und was ist mir dieses Jahr aufgefallen?

Auf Englisch ist outcomes groß rausgekommen (und hat damit results verdrängt), wie hier zum Beispiel:

Does clinical supervision lead to better patient outcomes in mental health nursing?

Und das Wort actors hat eine neue, fast deutsche Bedeutung hinzubekommen.

Noch vor einem Jahr hätte ich jeden Praktikanten, der „Akteure“ im Sinne von „Teilnehmer im Markt“ mit actors übersetzt hätte, schnurstracks in den Keller zum Aufräumen geschickt. Aber inzwischen scheint sich diese neue Geschmacksrichtung etabliert zu haben.

Hier ein Beispiel von The Wall Street Journal:

Deceptive recruiting should be stopped and for-profit schools should do a better job of policing the bad actors in their industry.

Und auf Deutsch? Es wird gehoben. Synergien werden gehoben. Potenziale werden gehoben.

Und wie übersetzt man diese Dinge dann ins Englische?

Synergien heben - wir scheinen uns nicht wirklich festgelegt zu haben. You can leverage synergies (or synergy), generate synergies, maximize synergies. Und sehr oft gibt es sie einfach (sie werden nicht gehoben) wie hier:

The synergies from this merger, especially on the cost side, should be abundant and leave enough margin of safety for Nara to achieve a double-digit return on this investment.

Potenziale heben – das ist etwas schwieriger. Manchmal ist opportunities besser als potential. Aber wenn potential, dann Einzahl bitte. Und wir können aus potential nur was machen, nicht potential an sich generieren:

Unlock the Full Potential of Your Graphics Card with Firmware Exploit

Weitere Möglichkeiten: exploit, maximize, make the most of, unleash (the full potential).

Die Trends im Englischen fallen mir vor allem beim Hören von BBC Radio 4 auf. Ach, wie ich Radio 4 liebe!!!

Und neulich hörte ich auch endlich die englische Version von „Noch viermal Schlafen“ (bis Weihnachten). Just four more sleeps.

Hier ein Beispiel von "sleeps" (Absatz 3):

http://www.independent.co.uk/opinion/columnists/julie-burchill/julie-burchill-living-by-the-seaside-is-like-having-all-your-christmases-come-at-once-2183043.html

Mittwoch, 29. Dezember 2010

konsequent auf Englisch

Konsequent gehört zu den Wörtern, bei denen sich Übersetzer am liebsten hinterm Sofa verstecken würden, bis sie vorbei sind. Daher wollen wir uns vorsichtig heranpirschen.

Schauen wir uns mal sechs Beispiele an:

1. Es sei aber wichtig, dass diese Pflicht genauso wie das Überholverbot für Lastwagen bei Schnee, Glätte und schlechter Sicht "konsequent umgesetzt" würde, sagte Hering.

2. Fairfax ebnet konsequent den Weg für erfolgreiches Change Management.

3. Wir sind unseren Weg konsequent weiter gegangen und konnten unser Ergebnis gegenüber 2009 trotz einiger "Querschläger" um rund eine Million Euro verbessern.

4. Du kippst viel zu schnell um! Du bist einfach nicht konsequent!

5. Nach einem Eckball rettete der Keeper der Gastgeber, Robert Green, nicht konsequent genug. Davies kam nochmals an den Ball und flankte in die Mitte, wo Aaron Hughes einnickte.

6. Solche schnellen Stürmer durch gekonntes Stellungsspiel und konsequentes Tackling in ihrem Wirkungsbereich einzuschränken, darin will er sich noch verbessern.


Lasche Leo-Lösungen
In allen sechs Fällen wäre die übliche Übersetzung von Leo und Konsorten consistent viel zu lasch. Konsequent hat was Kraftvolles. Consistent hat was Beamtenmäßiges. Und verfehlt oft das linguistische Ziel.

Die zweite Leo-Lösung forceful vermittelt das Kernige etwas besser. Kann aber nur sehr sparsam eingesetzt werden (beim Tackling-Beispiel wäre es nicht schlecht, wobei ich robust bevorzugen würde – habe ich öfter bei Beschreibungen von Liverpool-Blutgrätscher Jamie Carragher gehört).

In Beispielen 1 bis 3 fungiert das Wort durchgehend als Geschmacksverstärker. Läßt man das Wort weg, ist der Satz immer noch prima zu verstehen. Also sollte man auf Englisch entsprechendes Gewürz nehmen. Hier sind commitment, determined, aggressive, thorough oder focus ganz appetitlich.

The marketing campaign needs to be executed aggressively…
We will implement the new strategy with unwavering determination…
We must maintain our focus…

Auch bei Fallstudie 4 funktionierts gut:

Robert Green’s attempted save lacked commitment...

Bei den Beispielen 4 bis 6 müssen wir uns in der Regel aber outen (übrigens: ein etwas unreliable aber nicht komplett false friend).

In der Bedeutung: Wer A sagt, muss auch B sagen

Wie wäre es mit:
Once you have a solid understanding of your goals and of how to achieve them, you face another challenge: following through.

You can talk the talk, but can you walk the walk?

Lacierda said: "We are looking forward to seeing that actions speak louder than words. We will see.

"If 2010 was all about successes, 2011 will be about implementation of those successes," said Tommy Hester. "We've had a lot of big announcements in the last year. Now we have to make sure we deliver on the promises that brought us those projects."

In der Bedeutung: Nicht nachgeben

Wie wäre es mit:

"They're tough," Odom said of San Antonio. " They're disciplined offensively and defensively. They stick to their guns. They do the same thing over and over again. They make it work."

So Obama's presence in Afghanistan had another purpose: to show resolve. He gave deeper, clearer signals about his war strategy. He's staying the course.

Weitere Vorschläge sind willkommen!

Samstag, 18. September 2010

JonnyM verlangt Geld ohne Gegenleistung


JonnyM is not in my good books anyway. It’s a long story, aber als wir den Vertrag unseren Teenager-Monsters wegen chronischer Krankheit (mit Attest und schon im Vorfeld angesprochen) kündigen wollten, zeigte sich das fitness studio (was natürlich auf Englisch nicht so heißt) alles andere als kulant.

Aber jetzt um Thema Denglisch. Man betrachte obiges Werbeplakat in Größe XXXL. Irgendjemand hat wohl „Es geht aufs Haus“ im Leo nachgeschaut.

Das Tückische dabei? Der englische Ausdruck: it’s on me, on us, on you ist personenspezifisch (it’s on the house geht übrigens auch, aber you’re invited nicht - damit spricht man eine Einladung aus, ohne das Finanzielle geklärt zu haben). Und dieser "irgendjemand" bei JohnnyM hat wohl "der Eingeladene" mit "dem Einladenden" verwechselt, if you see what I mean.
Nun verlangt JonnyM von seinen Kunden Geld ohne Gegenleistung. Tja, zu unserer Erfahrung passt es.
Nachtrag:
War gerade mit drei Germans Squash spielen. Wir fuhren an dem denglischen Plakat vorbei. Alle drei vernahmen die Aussage: Es liegt an dir. Hmmm. Was auch immer der Autor damit sagen wollte, die Botschaft ist nicht angekommen.

Donnerstag, 26. August 2010

Great plays on words...

Das ist zwar leicht "off topic", aber diese Witze / Wortspiele sind einfach Spitze (für Nicht-Muttersprachler wohl etwas schwer...):


http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-11053202

Montag, 23. August 2010

Google-Tipps

Google ist ein extrem wichtiges Werkzeug - doch die vielen Möglichkeiten dieser Suchmaschine werden von Übersetzern oft nicht richtig genutzt (oder gar gekannt). Unser Joe Bryan hat seine Top Ten für uns aufgeschrieben:

Top tips to use Google effectively

1. Find an exact phrase (“…”)

Put your query in quotation marks and Google will only return hits that match the phrase exactly. Useful for researching how often the term is used.

2. Include a specific word (+)

Google automatically ignores some words (the, a, I, etc) – put a plus sign in front of them to include them in the search. And if you only want British English? Put the + sign in front of a British spelling, such as “favourite”, to exclude results with the American version.

3. Exclude a specific word (-)

The minus sign excludes a certain word from your search.

4. Find a synonym (~)

By preceding your search term with the tilde symbol (~), you can search not only for that word but also any synonyms of it.

5. Throw in a wildcard (*)

Add an asterisk to the beginning/middle/end of an incomplete phrase and Google will display results that start/contain/finish with that phrase, such as "Google * my life". Try using this clever function to find common collocations.

6. Search within results

Whatever you Google, you are likely to be faced with thousands or millions of hits. You can narrow this down using the ‘Search within results’ function, found at the bottom of the results page.

7. Search a specific site

You might want to search for a particular term only on one website, for example to see how a certain company uses that word. Simply type the term and then “site:” followed by the relevant URL. Substituting the URL for a top-level domain (.org, .de, .com, .edu, etc) extends the search to websites containing this TLD.

8. Google Images

Google Images is a valuable but underused tool. If you are searching for the English equivalent of a German term, it can be helpful to compare results of image searches in the two languages.

9. Google definition

You can use Google to explain a term by adding ‘define’, ‘what is’ or ‘ what are’ before your search term. This could be a useful starting point for further research.

10. Advanced search

Advanced search offers additional possibilities to refine your query. You can, for example, limit results to German websites. You can also restrict the search to particular document types, e.g. PDFs. Maybe you’re looking for the latest take on a subject – then simply select how recent the hits should be (past 24 hours, month, year).

Source: http://www.googleguide.com/

Freitag, 6. August 2010

Fuzzy research / Druckkennlinie

Today, a guest appearance by Joe Bryan, our intern for three months, on what we call "fuzzy research" (i.e. approaching the translation of a specific term from a variety of angles rather than going for a straight one-for-one rendering):

Since working for a top inks manufacturer, we’ve been getting to grips with the language of printing. And many of the specialised terms aren’t in traditional resources, so fuzzy research is sometimes the only way forward...

Take Druckkennlinie.

We looked this up on Wikipedia:

“Eine Druckkennlinie ist die grafische Darstellung der Tonwertzunahme für verschiedene Druckverfahren und unterschiedliche Druckmaschinen, Bedruckstoffe und Druckfarben.”

And Google confirmed that it’s a common term (it gets 5,200 hits).

So where to next? Druckkennlinie wasn’t in our specialist German-English printing dictionary – dead-end number one. Wikipedia (German version) suggested we look at an article on the Murray-Davies-Formel. But neither Murray nor Davies could point us in the right direction.

The web-based dictionaries (Leo et al) couldn’t muster a single English version between them – another cul-de-sac.

Linguee’s literal offering of ‘print characteristic curve’ scraped barely a few hundred Google hits, and, sure enough, the top results were (dodgy) translations of originally German sites.

We tried a different route: using Google Images to find a graph like the one on Wikipedia. This led us to ‘tone value’.

Returning to our specialist dictionary (PONS, with original English definitions), ‘tone value’ was defined as the “degree of tone of a colour” and translated as Tonwert…a word that appears in the Wikipedia definition of Druckkennlinie, you’ll remember. Now we were getting somewhere – we just had to pin down the best definition.

In most online printing glossaries there was an entry on ‘tone value’ but – and here’s the catch – Googling ‘tone value graph’ returned no results. Then something caught our eye: several of the online references mentioned ‘dot gain’ in the same context. We compared the English definitions of ‘dot gain’ (on Wikipedia and in PONS) with Tonwertzunahme – and they corresponded exactly. Back on Google Images, honing our search, we discovered a ‘dot gain curve’, which when re-Googled reached 31,100 hits.

Finally, this was the translation we were looking for: the English and German definitions matched in all our sources and the term is evidently the most frequently used.

No dictionary could have told us that.

Donnerstag, 5. August 2010

Bäcker = Journalist = Übersetzer

Eine sehr geschätzte Kollegin, Ulrike Heiss, hat mich auf folgenden Blog-Eintrag aufmerksam gemacht - es geht zwar um Journalismus, passt aber auch zu uns Übersetzern/Textern.

http://www.klopfers-web.de/aktuell.php?action=detail&nr=632

Montag, 2. August 2010

Little twists with a big semantic impact

Ich bin meinem Kollegen und fellow footballer David Crellin (wir sind die einzigen - so viel ich weiß - mit diesem komischen Nachnamen in ganz Deutschland. Nein, wir sind weder verheiratet noch verwandt) für folgende Liste dankbar:


In a Bangkok temple:
IT IS FORBIDDEN TO ENTER A WOMAN,
EVEN A FOREIGNER, IF DRESSED AS A MAN.

Cocktail lounge, Norway :
LADIES ARE REQUESTED NOT TO HAVE CHILDREN IN THE BAR.

Doctor's office, Rome :
SPECIALIST IN WOMEN AND OTHER DISEASES.

Dry cleaners, Bangkok :
DROP YOUR TROUSERS HERE FOR THE BEST RESULTS.

In a Nairobi restaurant:
CUSTOMERS WHO FIND OUR WAITRESSES RUDE OUGHT TO SEE THE MANAGER.

On the main road to Mombassa, leaving Nairobi :
TAKE NOTICE: WHEN THIS SIGN IS UNDER WATER, THIS ROAD IS IMPASSABLE.

On a poster at Kencom :
ARE YOU AN ADULT THAT CANNOT READ? IF SO WE CAN HELP.

In a City restaurant:
OPEN SEVEN DAYS A WEEK AND WEEKENDS.

In a cemetery:
PERSONS ARE PROHIBITED FROM PICKING FLOWERS FROM ANY BUT THEIR OWN GRAVES .

Tokyo hotel ' s rules and regulations:
GUESTS ARE REQUESTED NOT TO SMOKE OR DO OTHER DISGUSTING BEHAVIOURS IN BED.

On the menu of a Swiss restaurant:
OUR WINES LEAVE YOU NOTHING TO HOPE FOR.

In a Tokyo bar:
SPECIAL COCKTAILS FOR THE LADIES WITH NUTS.

Hotel, Yugoslavia :
THE FLATTENING OF UNDERWEAR WITH PLEASURE IS THE JOB OF THE CHAMBERMAID.

Hotel, Japan :
YOU ARE INVITED TO TAKE ADVANTAGE OF THE CHAMBERMAID.

In the lobby of a Moscow hotel across from a Russian Orthodox monastery:
YOU ARE WELCOME TO VISIT THE CEMETERY WHERE FAMOUS RUSSIAN AND SOVIET COMPOSERS, ARTISTS AND WRITERS ARE BURIED DAILY EXCEPT THURSDAY.

A sign posted in Germany 's Black Forest :
IT IS STRICTLY FORBIDDEN ON OUR BLACK FOREST CAMPING SITE THAT PEOPLE OF DIFFERENT SEX, FOR INSTANCE, MEN AND WOMEN, LIVE TOGETHER IN ONE TENT UNLESS THEY ARE MARRIED WITH EACH OTHER FOR THIS PURPOSE.

Hotel, Zurich :
BECAUSE OF THE IMPROPRIETY OF ENTERTAINING GUESTS OF THE OPPOSITE SEX IN THE BEDROOM, IT IS SUGGESTED THAT THE LOBBY BE USED FOR THIS PURPOSE.

Advertisement for donkey rides, Thailand :
WOULD YOU LIKE TO RIDE ON YOUR OWN ASS?

Airline ticket office, Copenhagen :
WE TAKE YOUR BAGS AND SEND THEM IN ALL DIRECTIONS

Sonntag, 1. August 2010

Pro7 begrapscht Omis und vergewaltigt unsere Sprache

Ich bin von einem Kollegen auf folgendes Beispiel der hohen Kunst des Schuss-nach-Hinten-Denglischen hingewiesen:

Pro7 hat eine neue Sendung gestartet - mit dem Namen League Of Balls.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,707118,00.html

http://www.prosieben.de/tv/league-of-balls/

Es geht um angebliche Mutproben (ich hoffe, die Macher dieses Machwerks werden für Ideen wie Omis-Begrapschen verhaftet).

Und klar, auf Englisch heißt he’s got balls durchaus „er ist mutig“ („Eier haben“ ist vielleicht aus dem Englischen ins Deutsche gewandert?).

Aber nur in Verbindung mit have oder got.

Balls als alleinstehender Ausdruck heißt so viel wie „Quatsch“ – aber um einiges derber. Wie folgt:

“England are the best soccer team in the world.”
“Balls!” (bollocks oder bullshit wären auch möglich)

Es kann aber auch auf schlechte Qualität hinweisen.

“How was the new Pro7 show?”
“Complete balls!”

Nach league of erwartet man vor allem Personen oder sonstige Teilnehmer (league of gentlemen, league of nations).

League of balls ist also nicht gerade gutes Englisch – aber für uns Muttersprachler geht die Aussage in Richtung „Scheiß-Liga“.

Was ungefähr zur Sendung passt.

Mittwoch, 28. Juli 2010

mandant/mandantenfähig auf Englisch

Heute ein Gastbeitrag von unserer IT-Expertin, Anja Hübel:

Mandantenfähig
This concept is very common in IT. In a nutshell, it means that a single application or software system is employed for multiple customers/organizations/subsidiaries at the same time – however, data relating to each of these entities is kept completely separate.

In the SAP space, the standard English term/translation is usually “support for multiple clients” (Google: 24,000 hits with SAP). The term “client-capable/multi-client capable” is also used (Google: 4,600 with SAP).

Here is an example from an SAP Basis tutorial

What is an SAP Client?
A client is an organizational and legal entity in the SAP system. All the business management data is protected here because other clients cannot access them. The main purpose of a client is to keep the data isolated. In a physical SAP system there can be multiple clients. Each of these clients can have a different purpose, or represent a separate working environment (development, production, prototype). A client has its own set of tables and user data.

However, unless you are tied to the SAP term, it’s better to avoid “client” on its own, because it also has a different, unrelated meaning in IT (in the sense of hardware and software clients).

A much clearer expression is “support for multiple client organizations” (16,400 hits with “SaaS”, 20,000 with “cloud computing”). Also possible: “support for multiple customers/organizations”.

Here is an example from IBM:
This model enables a single, shared application instance with the capability to support multiple client organizations (or tenants) simultaneously, so as to achieve the goal of cost effectiveness through sharing infrastructure and operation resource among tenants.
In the context of SaaS and cloud computing, a very common term is multi-tenancy/multitenancy.

Here an example (from http://webhosting.devshed.com/c/a/Web-Hosting-FAQs/What-Does-Cloud-Computing-Offer/)

SaaS is a type of cloud computing that delivers a single app through the browser to thousands of customers using multitenancy, which is a type of software architecture where a single instance of the software runs on a server that serves multiple client organizations, otherwise known as tenants.

Also found:

multi-tenant architecture (712,000 hits)
multi-tenant capability (12,400 hits)
multi-tenancy enablement (9,470 hits)
multi-tenant design (19,700 hits)
multi-tenant platform (125,000 hits)

Nachtrag von MC:
Und wenn wir schon bei "Mandant" sind - wieso heißt The Client (also der "Kunde" eines Anwalts) von dem gräßlichen Autor John Grisham "Der Klient" - es müsste doch Der Mandant heißen!!!!!!!!!!!!!!!!

Samstag, 24. Juli 2010

Ein Sommer-Sammelsurium

Ja, ich war wieder mal ruhig (der Sommer läßt grüßen). Dafür habe ich heute ein buntes Sammelsurium (an odd collection of bits and bobs) im Gepäck:

For example: Der Umsatz ist in den ersten Monaten des Jahres überproportional gewachsen.

Da frage ich mich immer: Im Vergleich wozu? Hier ist disproportionate ganz sicher nicht richtig (und als Adverb disproportionately nicht mal auszusprechen – doch viele scheuen die Mühe, den Satz mundgerecht umzubauen) – denn der Begriff ist semantisch anders und sehr negativ belegt:

Take a look at this:

"We understand HMRC is taking a tougher line with football clubs, but feel their actions are disproportionate and will raise unnecessary speculation as to the financial situation of the club.”

Manchmal passt above-average – und manchmal eben nicht (what was the average?). Oft ist exceptional oder einfach very high die angenehmere Variante.

Regelung, geregelt, regeln
Hier greifen fast alle Übersetzer zu regulation / regulate. Und damit fast immer daneben. A regulation ist ja was „gesetzartiges“. Eine Regelung ist in der Regel (forgive me!) „wie irgendwas allgemein gehandhabt wird“. Die Lösung? Sehr kontextabhängig. Neulich hatten wir zum Beispiel „einer Gastkindregelung zustimmen“ (es ging um Kommunen – no communes please, das ist ganz was anderes - und Schulen).

Wir haben Bücher gewälzt und Websites gegoogelt, bis wir auf folgende Formulierung kamen: agree to a child attending a school outside the normal catchment area. Sowas steht ja nicht bei Leo...

Dann hatten wir natürlich jede Menge dubioses Denglisch.

Es heißt zum Beispiel first come, first served mit DDDDDD – nicht first come, first serve ohne DDDD – sonst muss ich Butler statt Kunde spielen.

Und es heißt letter of intent nicht letter of intend. Und richtig ist at its best nicht at it’s best.

Cross applications sind Anwendungen, die leicht verärgert sind. Cross-industry oder auch horizontal applications dagegen wäre branchenübergreifende Software.

Und, liebe Texter, Checker war ich mal selber in England. Ich durfte in dieser Rolle Liefermengen auf ihre Richtigkeit überprüfen (und einen Gabelstapler fahren – geil!!!). Mit besonderer Intelligenz hatte das allerdings nicht viel zu tun.

Ach ja, und on top – vor allem am Ende eines Satzes geht manchmal aber nicht immer. Solche Sätze stellen wir meist um (In addition, moreover, what’s more...).

Und stringent ist nicht stringent. Und das Adverb stringently ist ein weiterer Zungenbrecher. Also erst recht vermeiden (die Lösung ist auch sehr kontextabhängig – strict, disciplined, thorough, tight, severe, precise...).

Fazit: Wenn irgendwas stringent geregelt wird, dann könnten dahinter stringent regulations stecken – aber ich würde’s nicht so übersetzen. Höchstens das dazu schreiben – on top sozusagen.

Montag, 5. Juli 2010

Lunge for that lounge!

In der Schweiz kann man ein fünfteiliges Wohnzimmer für den Balkon kaufen (oder gleich ein ganzes Loft).

http://www.rattanshop.ch/produktegruppe/?catid=2

Hier wird wieder mal abgekürzt und umgedreht auf germanische Art und Weise – und es kommt was ganz Komisches hinten raus.

Also: lounge ist für uns eindeutig ein Wohnzimmer und nicht die dadrin aufgestellten Möbelstücke. Selbst lounge furniture findet man nicht auf dem Balkon sondern innen drin mit eingebautem Teenager vorm Fernseher. Draußen gibt es höchstens all-weather lounge furniture oder garden lounge furniture.

Und besonders grausam ist die beliebte Aussprache "lunj" (statt "lau-nj"). A lunge ist das plötzliche "nach vorne Greifen." Drum habe ich neulich, als meine Freundin auf den Kauf einer "lunj" für den Balkon gedrängt hat, die Transaktion aus sprachlichen Gründen abgelehnt.

http://www.thefreedictionary.com/lunge

Samstag, 3. Juli 2010

Du Sprach-Schlampe!

Nicht nur die Deutschen biegen Englisch solange hin, bis es bricht. Nein, auch die Frogs machen das sehr gern.

Du kannst hier sitzen - umsonst!
Wir durften neulich 20 Seiten IT-Franglais korrigieren. Ging einigermaßen. Bis auf free seating. Da waren wir mit unserem Frenglish am Ende. We were stumped. Wieso Sitzplätze umsonst? Dann haben wir auf französischen Websites etwas gestöbert – und kamen darauf, dass wohl hot-desking gemeint war.

Du kannst mit mir zusammenwohnen - aber es kostet!!
Ansonsten gab es letzte Woche unter den Dengländern einige dangerous near-misses – wie zum Beispiel letter off intend (richtig wäre letter of intent), pool position (richtig wäre pole position – ein sehr beliebter Fehler), rooming charge (richtig wäre roaming charge rooming wäre eine Art WG-Gebühr) und schon wieder PMBook statt PMBoK.


Du kannst diese Mode gern tragen - aber die gilt als nuttig!
Die wichtigste Auszeichnung für kreatives Chaos ging jedoch an eine neue Produktlinie für Frauen mit dem Namen Tramp.

Oh dear. Das ist bestenfalls ein Penner, ein Landstreicher. Und schlimmstenfalls, vor allem in Bezug auf Frauen, eine Schlampe. Was war gemeint? Wie bei free seating war es recht schwer, das ursprüngliche Kommunikationsziel zu identifizieren. Wir haben es dann doch dingfest machen können: Gemeint war hitchhiker (von "Trampen").

Die Zeit ist reif

Habt ihr "Die Zeit" diese Woche gesehen? Es geht um die Rettung der deutschen Sprache vor Anglizismen. Aber auch die Zeit macht einen Denkfehler (tolles Wort!): Denn die vermeintlichen Anglizismen sind ja oft gar nicht Englisch.

Dienstag, 29. Juni 2010

Kirstin Scheele – Part 2

Ich habe vor einigen Monaten kurz zur Person Kirstin Scheele berichtet:

http://falsefriends-mcsquared.blogspot.com/2009/11/wo-sind-sie-frau-scheele.html

Erstaunlich viele Leute suchen im Internet nach ihr (unter anderem haben wir Hits aus USA und Vietnam!). Und sie scheint erstaunlich vielen Leuten Geld zu schulden. Aufgrund des Blogeintrags werden wir regelmäßig kontaktiert - von anderen, die auch für sie gearbeitet haben, aber nie Geld gesehen haben.

Ein Mitopfer hat uns berichtet, dass er von dem für sie zuständigen Gerichtsvollzieher erfahren hat, dass er Titel über etwa 10.000 EUR an Schulden hat, die er aber mangels Masse nicht eintreiben kann. Diese Schulden scheinen Frau Scheele nicht davon abzuhalten, weiterhin Aufträge zu vergeben.

Wir haben nun Anzeige wegen Betrugs erstattet. Wer sich anschließen möchte (wir sind schon zwei!), soll sich bei mir melden!

Kurz ein paar Daten:

Letzte uns bekannte Adresse von Frau Scheele:
Rosenheimerstr 16
81669 München

Laut Auskunft der Stadt München ist die Betriebsanschrift (Stand Dezember 2009):
Adelgundenstr. 16
80538 München

Zuständiger Gerichtsvollzieher:
A. Fischer, 089 356 541 161

Sie betrieb wohl früher ein Geschäft in Timmendorfer Strand (mi.la Frey GmbH) und ein Internet-Shop (salt-and-silk.com)

Allerdings möchte ich nicht, dass es zu Verwechslungen mit anderen Personen mit dem gleichen Namen kommt! Und da gibt es einige! Also bitte erst prüfen.

A warning about Kirstin Scheele, last known address, Rosenheimerstr 16
81669 Munich:

She does not pay her bills but continues to commission work. We have reported her to the police for fraud. However, there are a number of people with the same name (such as a Dutch softball player), and I would not them to be tarred with the same brush!

Mittwoch, 16. Juni 2010

Carsharing, Mitfahren

Heute ein Gastbeitrag von Anna Gentle:

Red is green
Take a walk through Stuttgart (or other major German city) and your eye may be drawn to bright red advertisements for bright red cars in a variety of shapes and sizes. “Carsharing”, as it's called, is a cheaper, greener alternative to owning your own car – simply sign up online and gain access to a fleet of vehicles close to your home on a pay-as-you-drive basis. Smart idea. But shame about the name. Carsharing is pretty difficult to read as one word. In fact, I reckon some native English speakers would have a job deciphering it. Car sharing, as two words, is an improvement – but it's still not a common English term (though, of course, there are exceptions: http://www.carsharing.net/). A nicer, more descriptive and idiomatic way to express the concept is “car-pool scheme/program.” Or if you must stick to the sharing idea, then go for car-share scheme/program (not sharing).

Need a lift?
Another popular model in Germany is the Mitfahrgelegenheit. But how do you translate that? I recently came across a well-written piece in the UK's Independent which referred to a similar system as a “shared-ride scheme.” A succinct way of expressing another interesting answer to today's traffic and transport problems.

Samstag, 12. Juni 2010

Robbie tells Sky to F off

Ole, ole, oh je....es ist WM wieder. Was man lieber nicht mit WC übersetzt – aus hygienischen Gründen.

Und siehe da, es wimmelt wieder von Denglisch
Ein Dribbling ist a dribble. Ein Tackling ist ein tackle. Und ein Trainer ist a manager oder coach. Und die englische Auswahl ist nicht the English selection, liebe Sky-Reporter, sondern the English team.

Übrigens: als ich letzte Woche in Sheffield in der Elternmannschaft gegen die 12-jährige Kiddies Fussball gespielt habe (zwei Tore!), habe ich einen ganz neuen Ausdruck gelernt: to skill someone = gekonnt an dem Gegener vorbeispielen. Wie sooft wurde hier aus einem Substantiv schwupp di wupp ein neues Verb gezaubert – und ein transitives noch dazu.


Zeigt uns eure Leichen!!!
Aber der Weltmeister der denglischen Begriffe ist public viewing. Vor allem für die Amis ist ein public viewing die öffentliche Aufbewahrung einer Leiche.

Siehe:

http://www.dailymail.co.uk/news/article-1196626/Michael-Jacksons-body-fairytale-public-viewing-Neverland-Ranch-funeral-Sunday.html

Oder ein Videospiel mit einem streaker – ein Zuschauer, der nackt über das Fussballfeld läuft. Schade, dass diese wichtige hautnahe Tradition in echtem Leben ausgestorben ist.
Es gibt auch andere public viewings natürlich (zB von Kunst), aber richtig problematisch ist die Verwendung "Wir gehen zum Public Viewing / es gibt ein Public Viewing in XYZ." (wir Engländer würden nie sagen: I am going to (a) public viewing")

Zugegeben, wenn man intensiv genug googelt, findet man gelegentlich public viewing areas for the beautiful game, aber ich hab’s nie im normalen Leben gelesen oder gehört.

Wir in Great Britain reden von big screens, zum Beispiel:

http://www.independent.co.uk/sport/football/news-and-comment/big-screen-plans-for-world-cup-dropped-1914690.html
Auch möglich: the match is to be screened (oder shown) at XYZ.
Hier aus The Independent eine weitere Version:
Patriotic fervour gripped England and Germany today as millions of football fans prepared to watch their teams take on their age-old rivals in the second round of the World Cup.
Huge TV audiences were expected in both nations for the game and with forecasters predicting the hottest day of the year so far, open air screenings were predicted to prove popular.

Apropos Fussball: Ich werde nie vergessen, wie die Kameraleute von Sky bei einem Spiel von Aston Villa plötzlich Robbie Williams entdekte – der der Kamera die Hand wie folgt entgegenstreckte:



„Komisch,“ meinte der deutsche Kommentator, „es steht doch vier zu drei.“

For those of you watching in black and white: die Geste bedeutet: fuck off. Und war für die Kameraleute gedacht.

Für das V for Victory muss man die Hand anders rum hinhalten.
Wir haben es den Franzosen gezeigt!
Angeblich (es ist umstritten) fand die Geste ihren Ursprung in der Schlacht von Agincourt – die Franzmänner wollten den englischen Bogenschützen bei einem Sieg die zwei Finger abschnippeln, die man zum Bogenschießen braucht. Aber die Engländer haben die Schlacht gewonnen – und den gallischen Gefangenen zwei Finger entgegengestreckt.

Ätsch, bätsch.

Sonntag, 6. Juni 2010

Correct me if I’m wrong…

Wir werden gelegentlich von Kunden „korrigiert“ – oft ohne Rück- oder Absprache. Letzte Woche weigerte ein Kunde sogar jegliche Diskussion seiner „Verbesserungen“ für eine Anzeige (die Werbeagentur dagegen teilte unsere Bauchschmerzen).

Die Argumentation des Wortverbesserers:

1. Den Text müssen auch Nicht-Engländer verstehen
2. Ein Muttersprachler (Hat er eine Ahnung von Sprache? Hat er gewusst, welche Tragweite sein Abnicken hatte?) hat den Text angeblich freigegeben

Das Ergebnis war unschön, ungrammatikalisch, ungut.

Natürlich kann man einen Text für ein internationales Publikum etwas vereinfachen – aber bitte nicht völlig verhunzen.

Das ist Anti-Werbung.

Und selbst Nicht-Muttersprachler merken häufig den kleinen aber feinen Unterschied zwischen echtem und nicht-echtem Englisch – und ziehen ihre Rückschlüsse auf die Professionalität und Seriosität (no, not seriousness) des Absenders.

Apropos Freigabe/Abnicken
Nicht immer release. Besser ist approval, acceptance (vor allem bei offiziellen Abnahmen von Maschinen usw) oder umgangsprachlich sign off (gern auch als Verb).

Aber manchmal weiß es der Kunde doch besser!!
Wir hatten letzte Woche den Satz „Das Herz der Familie schlägt für das Verlegen von Frauenzeitschriften“ mit „The family really cares about women’s magazine publishing“ übersetzt. Ist auch nicht falsch. Aber der Gegenvorschlag der Anzeigenleiterin – „The family is passionate about women’s magazine publishing“ war eindeutig pfiffiger und irgendwie treffender.

Comfort and convenience (auch letzte Woche)
Bei vielen denglischen Begriffen haben Germans andere Assoziationen als wir. Convenience ist für uns zum Beispiel völlig unbelastet.

Für viele hiesige Marketing-Menschen erinnert das Wort jedoch unweigerlich an convenience store oder convenience food. Und ist damit leicht negativ. Und nein, comfort ist keine gute Alternative.

Ich finde übrigens die gängige Übersetzung von comfort zone (sprich: Komfort-Zone) auch nicht gelungen. Es geht doch um Wohlfühlen und nicht um "Komfort". Und eine Zone ist es auch nicht.

Dienstag, 18. Mai 2010

Linguistic allsorts - irritieren auf Englisch

Sehr praktisch
Wir haben etwa 10 Praktikanten (interns) im Jahr. Und welche Schwäche haben sie (fast) alle? Sie spielen nicht nur extrem schlecht Kicker. Nein, nein, viel schlimmer: Sie erkennen die false friends oft nicht. Heute zum Beispiel mein absoluter Favorit: irritieren. Dabei wollte der David das nicht ganz wahrhaben. Das ist doch so nah an irritate (was „nerven“ heißt), es muss doch das Gleiche sein, oder???????? Zu mal manche Wörterbücher den gleichen Fehler machen.

Dann haben wir eben gegoogelt, und den perfekten Beweis gefunden:

Handys irritieren Herzschrittmacher

Ist zwar eine brutal-gut-schlechte Überschrift von Focus (Bild für Möchte-Gern-Intellektuelle), aber da war auch David davon überzeugt, dass man auf Englisch mobiles bzw. cell phones nicht irritaten kann.

By the way: perfekt würde ich (fast) nie mit perfect übersetzen. Ich fuhr neulich einem truck hinterher, auf dessen Arsch „perfect products, perfect service“ stand. Hmmm. Sehr germanisch. Great products, great service wäre da much more natural.

Das ist missvorständlich
Heute hatten wir auch „Vorstand“. Da muss man höllisch aufpassen. Das kann ein management board, ein executive board, oder auch eine Einzelperson sein. Das könnte der CEO oder eben ein anderes Mitgleid des Vorstands sein – und wie er oder sie sich nennt, dass muss er oder sie wissen.

Heute zum Beispiel war es ein Executive Vice President. Das kann man nirgendwo nachschlagen - nur nachfragen (oder mit viel Glück nachforschen – wir haben es bei seinem Xing-Profil gefunden).


Uhhh, ahhh, ohhhh!
Ach ja, und dann wurden wir wieder mal von einem Kunden korrigiert. Macht nix, sind wir gewohnt. Aus an SAP solution wurde a SAP solution.

Bei a/an geht es nicht um den Buchstaben (also S) sondern um die Aussprache (an es eh pee solution).

Umgekehrt gilt es auch – es heißt a European solution nicht an European solution – denn man spricht es aus: Yoooropeee-an.

Yasoo, pethi moo! Griechenland läßt grüßen
Die abstürzende Währung heißt euro mit klein E auf Englisch. Da werden wir auch sehr oft „korrigiert“.


Wellness
Ja, das gibt es auf Englisch:

http://www.ecademy.com/account.php?id=104709

Aber nicht so oft und breitgetreten wie im Denglischen. Neulich war ich zwischen Aschewolke Nr. 1 und Aschewolke Nr. 2 in London: Da habe ich das Unwort kein einziges Mal gesehen (ich war mit meiner heißgeliebten Oyster-Karte viel unterwegs in Sache Linguistik). Dafür: spa, well-being, sanctuary, feel-good…

Also: Nicht übertreiben (was nicht don’t exaggerate wäre sondern don’t overdo it)

Freitag, 14. Mai 2010

Alles Müller, oder was?

Wie heißt denn „oder“ auf Englisch? Intriguingly, nicht immer “or”.

Nehmen wir zum Beispiel folgenden Satz unter die linguistische Lupe:

Die Zutaten stammen überwiegend von Markenlieferanten wie z. B. Hochland, Nestlé oder Müller.

Richtig, das „oder“ müsste man mit and übersetzen.

Unter dem Motto....auf Englisch

„Unter dem Motto“ ist eine recht beliebte Methode, einen Pressetext über eine Messe, Ausstellung oder Regierungsprogramm einzuleiten.

Under the motto ist ein sehr beliebter aber recht gräßlicher Versuch, dieses ins Englische zu übertragen.

Under in Verbindung mit motto geht gar nicht. Und ein motto erinnert mich an verstaubte Internate in Schottland, das elitäre britische Militär oder die Pfadfinder (denen ich als Kind nicht beigetreten bin, weil man damals einen Schwur auf die Königin leisten musste – und ich war schon mit fünf Jahren etwas rebellisch veranlagt).

Also, wie übersetzt man denn "Unter dem Motto"???


Ich würde den Satz möglichst so umbauen, dass man auf eine solche Konstruktion ganz verzichten kann - zum Beispiel:

Work from Greenham Common will be shown in a new 'Human Endeavour' exhibition at Crane Kalman at the start of May.


Oder vielleicht eine der folgenden Varianten wählen:

Princeton University will host a conference entitled "War and Peace in Africa" on March 13 and 14, bringing together about 50 senior policymakers.

She unveiled with much fanfare a $100 million campaign with the tagline "It's You," which focused on personalizing the online experience.


The show brings together four emerging photographers under the banner of Human Endeavour.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Na und?

Was haben The Times, The BBC, die Zeitschrift Fortune und die Bibel gemeinsam? Alle fangen Sätze mit And an. Und zwar recht häufig.

Klar, ich würde in förmlichen Dokumenten spärlicher als in der Werbung damit um mich schmeißen. Aber die Konstruktion ist mitnichten „falsch“. Und ich hab das Gefühl, dass sie im Englischen noch gebräuchlicher ist als im Germanischen.

Dennoch müssen wir unsere Ands ungefähr vier Mal im Jahr gegen übereifrige Sprachweltverbesserer verteidigen.

Sonntag, 9. Mai 2010

Besser für den eigenen Saft

Ich hatte in den letzten Tagen spannende Gespräche mit einer Vertreterin des Sprachendienstes der Deutschen Telekom aus Bonn und einem Übersetzer beim ITU (International Telecommunications Union) in Genf (Geneva to you).

Und siehe da: Wir haben alle mit den selben Problemen zu tun.

Erstens – die Ausgangstexte sind zum Teil so schlecht geschrieben, dass man sie nicht übersetzen KANN.

Da kann ich nur müde lachen über die angeblich so große Zukunft maschineller Übersetzungen und die realitätsfernen Diskussionen über die Theorie des Übersetzens, die an Unis geführt werden – denn in beiden Fällen geht man von einem Ausgangstext aus, der logisch strukturiert und grammatikalisch in Ordnung ist. Na, schön wäre es.

Da fallen mir zum Beispiel ein paar Überschriften ein:

"Eine Lösung, die an einem Strang zieht."

Oder wie wäre es mit:

"Besser den Deckel lüften. Es ist besser für den eigenen Saft."

I kid you not. Sowas dürfen wir übersetzen.

Wir haben in beiden Fällen frecherweise gefragt, was eigentlich damit gemeint war. Antwort in beiden Fällen: Übersetzen Sie es einfach. Ooooookkkkkkkkkkk. Over to you, babel fish.

Zweitens – immer mehr Kunden sind der Meinung, selber so gut Englisch schreiben zu können, dass der Übersetzer nur noch „drüber schauen muss“.

Was dazu führt, dass man einen Text bekommt, der weder Deutsch noch Englisch ist (neither fish nor fowl). Der ist daher oft kaum zu verstehen. Und nur mit großer Mühe und viel Rücksprache zu retten (welche Software kann das?).

Montag, 3. Mai 2010

Auch Dieter Bohlen kann Denglisch

Besonders Werbeagenturen neigen dazu, selber auf Englisch zu dichten. Und unsere Einwände mit dem Hinweis auf „kreative Freiheit“ (poetic licence) abzutun - nach dem Motto: Versteht man auch so, oder?

Jaaaaaaa. Aber ist ein Unterschied, ob ich in schlechtem Englisch an meine Omi in Oklahoma schreibe oder damit in die breite Öffentlichkeit gehe (und damit WERBEN will).

Zum perversen Vergleich: Deutschland sucht den Superstar. Irgendjemand hat diesen blöden Wettbewerb neulich gewonnen, und trällert nun ein Lied mit dem Refrain:

Don’t believe what they tell about me.

Ich glaube, der Text (the lyrics) stammt von Dieter Bohlen. Schade ist nur, dass er allen Englischschülern und –lehrern damit einen Bärendienst erweist.

Denn es ist falsch.

Es müsste heißen: Don’t believe what they say about me.

Aber es macht nichts. Ist ja nicht so schlimm. Ist halt kreative Freiheit.

Aber wie würde ein deutsches Publikum auf ein Lied reagieren, in dem einer (ohne Ironie, wohl gemerkt) singt: Glaube nicht, was man über mir erzählt.

Klar, ist falsch. Versteht man aber auch so, oder?

Come back Abba, all is forgiven.

Samstag, 1. Mai 2010

Kein Bok auf Book

Naaaa, merkt ihr was? Ich komme wieder mal nicht zum Bloggen.

Also ganz schnell die Highlights der Woche (übrigens: highlights sagen wir schon, bloß nicht so oft wie ihr – wir reden zB auch von high points oder key features):

Liebe Projektleiter: Das Standardwerk eurer Zunft heißt PMBok (project management body of knowledge) nicht PMBook.

Liebe Werber: Es heißt pole position nicht pool position (das wäre auf dem berühmten germanischen Handtuch am Randes des Schwimmbeckens) und bitte ein making of drehen und kein making off (he made off with the money = er machte sich mit dem Geld davon).

Liebe Leuchtenhersteller: Es heißt energy-saving nicht energy-safing (das wäre höchstens das Verstecken von Batterien im Schließfach)

Liebe Handelsblattmacher: Richtiges, kulturkonformes Verhalten in der Geschäftswelt heißt business etiquette nicht business behavior. Leider hat dieses Denglisch schon ein Eigenleben bekommen (ich hab es bei verschiedenen Kunden gesehen, die wohl fleißig HB lesen). Es mag ja „nicht so schlimm“ sein. Aber diese Dinge setzen sich fort und setzen sich fest.

Liebe Journalisten von der Zeit: In the leading position ist nicht total falsch aber wir native speakers reden von in the lead.

Liebe Marketing-Leute, wenn Ihr Unternehmen ein forerunner ist, dann viel Glück. Denn das ist kein Vorreiter sondern ein Vorgänger/Vorläufer (und damit ein Auslaufmodell?). Versuchen Sie es mal mit pioneer.

Liebe Mode-Menschen: Ein sweater ist ein Pulli und kein sweatshirt. Und wir sagen get in the mood. Nicht get the mood.

Und liebe T-Systems, auch wenn wir sehr gern für euch arbeiten, TC ist keine gängige abbreviation für telecommunications (telecoms aber sehr wohl); es heißt pay FOR what you use, nicht pay what you use; und was ein alumni workplace sein soll, weiß ich echt nicht - alumni sind die ehemaligen Studenten einer Uni und ein workplace ist kein PC-Arbeitsplatz sondern der Ort, an dem ich eben arbeite - das Büro, die Fabrik, was auch immer.

Siehe:
(http://en.wikipedia.org/wiki/Alumni_association).

Wir übersetzen eben immer weniger aus dem Deutschen ins Englische. Nein, nein. Das wäre ja viel zu einfach. Zunehmend übersetzen wir aus dem Denglischen ins Deutsche und dann erst ins Englische. Seufz.

Mittwoch, 21. April 2010

I'm lovin' it

Soooo, jetzt mache ich mich wahrscheinlich unbeliebt, aber wat mutt, dat mutt:

Ich oute mich hiermit als McDonald’s-Anhänger (I out myself ist da NICHT die beste Übersetzung). Und damit meine ich nicht nur das Essen.

Seit mehr als 20 Jahren übersetzen und texten wir für die Bullettenkönige und deren Werbeagenturen. Die Zusammenarbeit ist außergewöhnlich angenehm (und interessant).

Unsere Ansprechpartner, from backroom to boardoom, sind stets fair und freundlich. Sie schätzen unsere Arbeit, bedanken sich, entschuldigen sich (zB wenn es mal wieder übers Wochende sein muss), reagieren positiv auf Fragen und Bitten. Es sind nicht alle Kunden so.

Diese Woche wurden wir gebeten, zwei außergewöhnliche Spots aus the UK zu erklären (denn übersetzen kann man sie gar nicht). Ich finde sie sprachlich und werblich richtig gelungen:

http://www.youtube.com/watch?v=ibYZ-Ey0EqA&feature=player_embedded!

http://www.youtube.com/watch?v=B45oq8ns37E

Das sind echte Gedichte (selbst wenn die Texte nicht immer 100% zu den Bildern passen).

Teilweise sind die Formulierungen frei erfunden („scoffy type“ gibt es ja gar nicht). Aber sie funktionieren. Lecker.

Die Stimme kam mir auch bekannt vor – inzwischen weiß ich, wer das ist: David Morrisey

http://en.wikipedia.org/wiki/David_Morrissey

Tja, und siehe da, er kommt auch aus Liverpool, wie auch der geniale Mittelfeldstürmer Stevie Gerrard....

Hier die Texte zu den Spots:

Spot 1:
Now the labourers and cablers and council-motion tablers were just passing by, And the gothy types and scoffy types and like-their-coffee-frothy types were just passing by,

Those on their own whilst on the phone dunking McNuggets and having a moan were just passing by,

The driving-through with hungry crew who just pulled off the A32 were just passing by,

And the IT bods with taps and prods eating a Big Mac whilst writing their blogs were just passing by,

And the first-in types, and lurking types, and like-to-lose-their-gherkin types, and suddenly-just-burst-in types were just passing by,

And the extroverts, and introverts, and guys in newly-ironed shirts who like to text outrageous flirts were just passing by

And the little folk who share a joke and nudge and poke about that bloke who slurps his coke and gives his goatee beard a stroke were just passing by.

There’s a McDonalds for everyone.


Spot 2:

Now the Trekky-types and techy-types and don’t-disturb-at-brekky types were just passing by,

And the cheeky guys with shifty eyes who pilfer someone else’s fries were just passing by,

And the hard-to-please with jangly keys ordering quarter-pounders with cheese were just passing by,

And the kids in Crocs and rolled-down socks who think their Happy Meal box rocks were just passing by

And the white van men called Jack and Ben who grab a bite about half past ten were just passing by,

And the bunch who like to lunch upon a hunch and chatter-munch and take no notice of the credit crunch were just passing by.

There’s a McDonalds for everyone.


Nachtrag:

Dieser Artikel ist auch interessant...


http://www.independent.co.uk/life-style/food-and-drink/features/happy-meals-why-mcdonalds-has-been-a-positive-force-for-change-1972152.html

Donnerstag, 15. April 2010

Eine bittere Pille

Heute ein Gastbeitrag von Diana Kahle (seit Februar 2009 bei uns im Team):

Mehr zur hübschen und intelligenten Person hier:

http://www.crellin.de/deutsch/team/team.htm

Pharma hat ein Geschmäckle
Today, we had a customer ask us if they can use the term “pharma experts” to describe their customer, a major player in the pharmaceutical industry. Our answer: sure, you can. But it’s probably not a very good idea.

Kürzen ist nicht immer würzen
Yes, “pharma” is a valid abbreviation of “pharmaceuticals” or even “pharmacology”, but this abbreviation is usually only used when talking about the industry as a whole. The term is almost never used to describe people (as in “pharma experts”). And, perhaps more importantly, the word conjures up somewhat negative associations (think Big Pharma). This isn’t immediately evident if you run a simple google search on “pharma industry”, as it brings up over 400,000 hits, most of which don’t seem to be critical of the industry at all. However, out of the first 10 hits, three are from German companies, one is from an outfit called Pharma Focus Asia, and another links to a page titled Indian Pharma Industry – so the odds are, none of these were written by native speakers.

Na, was sagen denn die Amis?
If you search the online version of the New York Times, however, you get a completely different picture. Some search-result gems:

“the scandalous involvement of the pharma industry's statin cheerleaders sitting on government regulatory boards”

“backroom deals with the pharma industry”

“It seems like yet another reckless pill the pharma industry pushes our way”

Fazit - Pharma ist nicht gleich pharma
The verdict: Yes, “pharma” is a valid abbreviation. But don’t use it for people, or for companies you like (or work for).

Freitag, 2. April 2010

Betriebsbedingter Betriebsrat

Unser Beispiel für heute:

„Firma XYZ verhandelt mit Gewerkschaften und Betriebsrat [...] mit dem Ziel, betriebsbedingte Entlassungen zu vermeiden.“

Naaaaa, zwei urbundesrepublikanische Begriffe, die ich mittels Durchtrennung des Gordischen Knoten lösen würde.

Betriebsrat - auf Englisch
Als Standardübersetzung von Betriebsrat hat sich works council durchgesetzt. Ja, den Begriff gibt es, aber viel seltener als in Germany, und works deutet klar auf eine Produktionsstätte, kein Büro oder E-Business. Sally, Stan and Sue (vor allem außerhalb von the UK) werden nicht viel damit anfangen können.

Ich wäre deshalb sehr geneigt, „Gewerkschaften und Betriebsrat“ schlicht durch employee representatives zu ersetzen.

Betriebsbedingte Entlassungen (oder Kündigungen) – auf EnglischDa gibt es bei Leo, Proz.com and Friends eine bunte Mischung von Fehl- und Beinahversuchen – so nach dem Motto „dismissals for operational reasons.“

Guys and gals, you’re missing the point.

„Betriebsbedingte Entlassungen“ ist eine halbjuristische Formulierung. Man muss ja Entlassungen (wie ich selber aus schmerzhafter Erfahrung weiß!) vor dem verstaubten, vergilbten Arbeitsgericht begründen – und wenn der Grund nicht in der Person des Arbeitnehmers liegt, so muss die Kündigung „betriebsbedingt“ sein, sonst ist sie nicht zulässig (liebe Juristen, please don't start splitting hairs, ok?).

Also sind es letztendlich compulsory redundancies. Bei Leo, Proz.com and Friends wird zwar teilweise zaghaft enforced redundancies vorgeschlagen – aber das habe ich persönlich selten gelesen oder gehört, und es googlet auch um einiges schlechter als compulsory.

Even now, I can still manage to mention football
Es wundert mich sehr, dass man so nah am Ziel sein kann und dann doch verpatzt – so a bisl wie Torres neulich gegen Man U.

Dienstag, 30. März 2010

Sodbrennen gut geheilt

Auch Filme und Filmtitel werden natürlich übersetzt. Manchmal gut, manchmal weniger gut. Sodbrennen für Heartburn fande ich besonders misslungen (oder habe ich was verpasst?). Ist aber eine Weile her.

Am Wochenende haben wir Grasgeflüster angeschaut. Das ist eine tolle Übersetzung vom Originaltitel Saving Grace (weil es eben keine Übersetzung ist). Denn: Wenn eine Headline, Claim oder Titel ein Wortspiel ist, kann man es (fast) nie übersetzen. Vergiss es einfach – und erfinde was völlig neues.

Die Untertitel waren dagegen patchy (durchwachsen). Besonders über den Ausspruch „Sie ist gut geheilt“ habe ich herzlich gelacht. Auf Englisch hieß es nämlich nicht well healed sondern well heeled = gut betucht (weil die Reichen bessere Schuhe/Absätze haben).

Mittwoch, 24. März 2010

Warum bekommt man gerade von den großen Büros oft mangelhafte Ware?

Sagen wir mal so: big is not always beautiful.

Armer Andrew
Es gibt Büros, gewiß nicht alle, die arbeiten folgendermaßen: Die Aufträge werden verteilt – an Bob in Atlanta, an Anne in Schottland, an Ranjid in Indien. Es gibt noch Andrew in Stuttgart, einen sehr guten und erfahrenen Übersetzer; aber er ist etwas teuerer - und stellt viele Fragen. Das ist manchmal lästig. Er wird deswegen lieber nicht genommen.

No questions, please
Die beauftragten Übersetzer bekommen vielleicht 50% vom Preis, vielleicht weniger. Will man Geld verdienen, muß man schnell übersetzen. Eine halbe Stunde Recherche für einen Begriff, für den ich 50 Cent bekomme? Mmm, vielleicht nicht. Eine Frage stellen, weil der deutsche Text irgendwie nicht ganz so stimmen kann? Naja, das kostet Zeit, Telefongebühren - und wird nicht belohnt. Im Gegenteil, das Büro reagiert genervt, und möchte den direkten Kontakt mit dem Kunden auf jeden Fall vermeiden.

Wie, überarbeiten???
Den Text mehrmals ausdrucken und überarbeiten, damit er nicht "übersetzt" klingt - oder gar von einem zweiten Muttersprachler gegenlesen lassen? Das reduziert meinen Stundenlohn um 20, 30 vielleicht 50%. Und keiner dankt mir dafür. Nun landet die Übersetzung wieder beim Büro. Wird der Text geprüft? Vielleicht. Oft nicht. Oder man prüft einfach, ob alles und nicht unbedingt wie alles übersetzt wurde. Genau prüfen und gegebenenfalls überarbeiten? Das kostet wieder Zeit. Damit wäre die Marge dahin.

Angestellte sind teuer
Und jeder Angestellter, der die Texte im Hause überarbeitet, ist teuer – da muß ein PC her, ein Büro, ein deutsches Gehalt, deutsche Lohnnebenkosten... Ach was, der Kunde merkt's sowieso nicht... und wenn er meckert, dann gehen wir halt 20% runter. Und drücken den Übersetzer um die Hälfte – schau mal her, der Gewinn ist sogar gestiegen. Eine übertriebene Darstellung? Vielleicht.

Montag, 22. März 2010

Big things

Überall in den deutschen Medien wird President Obama in Bezug auf die Gesundheitsreform mit den Worten zitiert: [es beweist], "dass die Amerikaner in der Lage sind, große Dinge zu tun."


Ja, ja, big things. Wie wäre es mit "Großes zu leisten?"

Denn things ist ganz anders von der Tonalität her als "Dinge". Wir können halt nicht so schnell und flexibel aus Adjektiven Substantive basteln wie ihr Deutschen. Also brauchen wir (oft aber nicht immer) ein Hilfsmittel - things, ones, people.

Originalzitat - auch als Video - hier:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/8579322.stm

Sonntag, 21. März 2010

Ballast abwerfen!!!

In den letzten Jahren, Wochen oder Tagen - wie sagt man das auf Englisch?

Bitte nicht in the last years, in the last weeks, in the last days – das grenzt an Oettingerismus.

Liegt schwer im Magen
In the last few years ist zwar für den Native Speaker leichter zu verdauen, aber für den Durchschnittssatz unnötiger Ballast. In the last few days ist etwas öfter anzutreffen.

Less is more
In recent years ist viel besser. Vielfach reicht nur recently oder schlicht und einfach now. Und oft ist eine Übersetzung gar nicht nötig – einfach weglassen.

For example:

„Professionelle Pflege garantiert schöne Haut und liegt auch für Ihn voll im Trend. Denn die Erwartungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert.“

Leave it out!
Läßt man „in den letzten Jahren“ hier links liegen, so hat man nichts an Informationsgehalt eingebüßt – es ist nur Verpackung. Expectations have changed significantly reicht doch.

Zeilenschinderei
Allerdings werden sich viel Translators mit Händen und Füßen gegen diese Streichung wehren – vor allem, wenn sie nach Zeilen oder Wörtern (des Zieltexts) abrechnen.

Montag, 15. März 2010

Six pack

Beinhalten, darstellen, aktuell – alles Wörter, bei denen man nicht unbedingt größere Stolpersteine erwartet. Aber Vorsicht!

Beispiel 1: Das R-Line-Paket beinhaltet unter anderem ein Dreispeichen-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten

Ja, include ist richtig (wegen „unter anderem“ – aber bitte nicht mit amongst others oder inter alia – dazu habe ich mich schon blogmäßig ausgelassenen).

Beispiel 2: Das Arrangement beinhaltet: 3 Nächte mit Frühstück und Abendessen

Hier eher comprises. Includes ginge auch, aber impliziert immer, die Liste ist unvollständig (it is not an exhaustive list). Arrangement ist übrigens kein arrangement sondern package oder vielleicht (special) deal.

Beispiel 3: Kindersicherung in Flugzeugen stellt große Herausforderung dar

Nicht so sehr represents (das ist um einiges schwächer als darstellen) sondern ganz einfach is.

Beispiel 4: So hat das Landgericht Zwickau geurteilt, dass der Leseaufwand keine Fehlberatung darstellt.

Auch hier wäre represents gerade noch zulässig. Aber constitutes ist um Längen besser.

Beispiel 5: Die Darstellung auf dem Bildschirm...

Tja, hier müsste display her.

Beispiel 6: Eine aktuelle Studie

Nein, nicht current oder up-to-date sondern recent. Und mit Studie ist oft eine survey gemeint.

Sonntag, 14. März 2010

Übersetzungen im freien Flug

Ich bin meiner langjährigen und sehr geschätzten Kollegin und Freundin Petra Waldraff für den Hinweis auf folgende Glosse sehr dankbar.

http://www.wdr3.de/resonanzen/details/artikel/wdr-3-resonanzen-69fc817868.html

Bitte runterscrollen (gibt es eigentlich ein deutsches Wort dafür?) und bei „Übersetz das doch mal kurz“ auf „Beitrag hören“ klicken (unterhalb der Zusammenfassung).

Es lohnt sich.

Samstag, 13. März 2010

Loss leader

Weil das Thema so schön ist, mache ich gleich weiter.

Reibungsverluste. Another old chestnut.

Menschen und Motoren
Klar, wenn es um Motoren geht, dann ist frictional losses durchaus ok. Aber nicht, wenn es um Menschen geht.

Leider verschließen sich lots of Leo Lovers die Augen vor der Tatsache, dass Reibungsverluste (vor allem in der Verbindung "ohne Reibungsverluste") fast durch die Bank im übertragenen Sinne verwendet wird.

Der Leser ist dann der Leidtragende.

Consider the following:

1. Durch die Integration der bisher getrennten Dienstzweige ist jetzt eine durchgängige Betreuung ohne Reibungsverluste möglich

2. Mit O.P.E.N. werden unterschiedlichste Technologien und Datenwelten gebündelt und Informationen ohne Reibungsverluste nutzbar.

3. Einkauf, Qualitätssicherung und Produktion sollen auch im Wareneingang flexibel und ohne Reibungsverluste zusammenarbeiten.

The pigs say no
Kein englisches, amerikanisches oder kanadisches Schwein würde hier von frictional losses reden. Es geht um reibungslose (aha!) Zusammenarbeit, Effizienz, gute Koordination – und so sollte man es übersetzen.

Sand im Getriebe
Das Wort friction ist gerade in Bezug auf people and relationships mit großer Vorsicht zu genießen. Gibt es friction, so knirscht es kräftig im Getriebe – es deutet auf (unterschwelligen) Konflikt, Aggression, Reibereien (aha!).

Zum Beispiel:

http://www.celebitchy.com/14747/lindsays_overspending_is_causing_friction_with_samantha/

Ach, und denkt bitte daran – bitte nicht gleich bundle für bündeln.

Streuverluste auf Englisch


„Streuverluste“ gehört den Begriffen, die die denizens (Bewohner) von proz.com, leo und co. mit blinder Beharrlichkeit 1:1 übersetzen wollen.

Was gibt es da alles fürn Quatsch: dispersion losses, wasted coverage und so weiter. Kann sein, dass in ganz, ganz speziellen Zusammenhängen (Physik zB) das eine oder andere Wort greift. Aber in 99% der Fälle wird „Streuverluste“ wie folgt verwendet:

Kommunikation ohne Streuverluste
Direktmailings mit wenig Streuverlusten

Es geht hier nicht um einen klar definierten und anerkannten Fachbegriff. Es ist eine allgemeine Aussage. Und die Verluste werden durch „ohne“ und „wenig“ ins Positive gedreht.

Communication without dispersion losses? Oh BITTE!!!! Proz-Prozzies und Leo-Lovers, konzentriert euch bitte nicht auf die einzelnen Wörter sondern auf die Big Botschaft, on the main message.


Precisely targeted communication(s) oder highly targeted communication(s), vielleicht sogar sowas wie communications that effectively reach the defined target audience.

Lasst die losses lieber links liegen.


Montag, 8. März 2010

zu 70% falsch übersetzt

"zu" ist so ein kleines, fieses Wort.

Man nehme zum Beispiel:

Das Unternehmen deckt seit 2006 den Strombedarf zu 70% aus erneuerbaren Quellen.

Etwa 70% übersetzen "zu" in solchen Fällen mit "up to." Was natürlich 100% daneben ist. Leider kommt man hier auf Englisch mit einer Präposition gar nicht weiter. Der Satz muss umgestellt werden.

Eine von vielen Möglichkeiten:
70% of the company's electricity requirements are met from (oder auch with oder sogar by) renewable energy (sources).

Sonntag, 7. März 2010

Oft bleibt nur umschreiben

Feuer und Flamme für griffiges Deutsch
Es gibt Ausdrücke und Wörter, die besonders griffig sind – und daher schwer zum Übersetzen. Heute habe ich zum Beispiel im Handelsblatt gelesen, dass Vertreter deutscher Grossunternehmen einen „Brandbrief“ an den Wirtschaftsminister geschrieben hätten. Tolles Wort! Aber ich könnte es auf Englisch höchstens umschreiben.

Word of the day
Und dann gibt es Kollokationen (Wortkombinationen/Wortpaare – zB ein bestimmtes Adjektiv mit einem bestimmten Substantiv), die in einer Sprache natürlich und nice sind, aber in other tongues unappetitlich oder gar missverständlich sind.

Gelebte Partnerschaft
Ein Beispiel für eine Mischung aus beiden linguistischen Problemen in dieser Woche: gelebte Partnerschaft. Das ist elegant und ausdrucksstark. Aber auf Englisch kann ich das „so nicht sagen“.

Living ist irgendwie knapp daneben (sprich: eine Partnerschaft, die sich kontinuierlich weiterentwickelt vielleicht, oder eine Partnerschaft, die eine schlimme Krise mit Ach und Krach überlebt hat). Lived geht gar nicht. Ich weiss gar nicht, was das heißen soll.

Was macht man denn nu? Umschreiben. Da kommen wir auf genuine partnership oder real partnership. Nein, so schön wie "gelebt" ist es nicht, aber es ist wenigstens verständlich. "fauler Kompromiss" ist übrigens auch so eine Kollokation, die es auf Englisch so nicht gibt.

Samstag, 27. Februar 2010

Die optimale Verwaltung von solchen im Aufbau befindlichen Niederlassungen

Ja, ja, es war viel los in letzter Zeit, und mein armer Blog wurde vernachlässigt – CeBIT läßt grüßen.

Deshalb mache ich heute a rapid run-through von verscheidenen Begriffen, die in den letzten Wochen aufgefallen sind.

Aufbau auf Englisch:
Nein, build-up mehr oder weniger nie, construction auch nicht, set-up nur in Ausnahmefällen und structure nur ab und zu (bei „der modulare Aufbau der Software“ würde es passen zum Beispiel – wobei design noch besser wäre).

Also schauen wir konkrete Beispiele an:

Aufbau einer Joint Venture
Establishment oder foundation würden gut funktionieren.

Erfolgreicher Aufbau und Betrieb eines unternehmensweiten Content-Management-Systems
Hier empfiehlt der Koch implementation oder at a pinch (= gerade noch) vielleicht introduction. Und als Beilage enterprise-wide für unternehmensweit.

Niederlassung auf Englisch:
Eine branch findet man bei Banken oder einer Apothekenkette. Oft besser: office oder gar site. Auslandsniederlassungen sind meist subsidiaries. In jedem Fall muss man bei "Niederlassung" nachhaken und nachdenken. Nicht immer gleich zu branch greifen. Und nicht vergessen: Branche ist nicht branch sondern eher industry oder sector – unglaublich, wie oft Übersetzer bei diesem doch recht einfachen Wort ins Klo greifen.

(Öffentliche) Verwaltung auf Englisch:
Verwaltung ist nicht immer administration. Oft sind government agencies gemeint. Auf kommunaler Ebene einfach local government oder local government agencies. Je nach Kontext passt vielleicht public sector (organizations). The Obama administration dagegen ist die Regierung (sprich: die von Obama ernannten Minister usw.)

Eine solche Lösung auf Englisch:
Bitte nicht such a solution. Liest man schon – aber vorwiegend in Vertragstexten oder Patenten. A solution of this type. A solution of this kind. This kind of solution. This solution.

Optimal auf Englisch:
Die optimale Lösung für die Übersetzung von optimaler Lösung ist in meinen Augen und Ohren nicht so sehr optimal oder optimum solution (auch wenn das nicht falsch ist) sondern the ideal, the best, the most effective solution.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Wal(l)dorf salad

In deutschen Texten wird der Standort (ein Wort, zu dem ich irgendwann mal ausführlich Stellung nehmen möchte) gern zum Synonym umfunktioniert.

Zum Beispiel:

Die Walldorfer (für SAP)
Die Stuttgarter (für Daimler)
Die Münchner (für BMW)
Die Hamburger (für Buletten im Brot)

Wenn man das wörtlich ins Englische rüberschaufelt, kommt ein Salat dabei raus. Besonders wenn es um internationale Unternehmen und internationale Zielgruppen geht, wirkt the Walldorfers und selbst the Stuttgarters recht eigenartig bis provinziell. Haben die denn keine anderen Standorte? Nur Mitarbeiter aus dem Umland?

Gelegentlich kann man vielleicht von einer Stuttgart-based company reden – aber die haben bekanntlich auch andere bases (wobei man im Englischen in erster Linie schon die Zentrale dahinter vermutet). Oder vielleicht

the enterprise, headquartered in Stuttgart, ...

Aber ich würde es nur dann empfehlen, wenn sonst eine wichtige Info verloren ginge.

Denn: der Begriff „die Walldorfer“ liefert keine besonders schutzbedürftigen Inhalte. Er ist nur Verpackung. Auf Englisch irritiert (false friend!) die Verpackung nur.

Ähnlich ist es mit:

Der 45-jährige Betriebswirt....

Nicht nur ist ein Satz, der mit The 45-year-old holder of a degree in business studies extrem holprig (it’s one hell of a mouthful). Er enthält gleich zwei kleinere cultural faux pas.

Wie Diana (unsere Mitarbeiterin aus Obama Land) sagte: „To name their age makes it sound like a celebrity magazine.“ Und insbesondere Amis sind recht empfindlich, wenn es um Altersangaben geht – Bewerbungen aus der neuen Welt enthalten fast nie a date of birth.

Presseerklärungen und selbst Profile in the Anglosphere verzichten in der Regel auf die Nennung von Qualifikationen. Das ist höchstens einer beiläufigen Erwähnung wert – vor allem, wenn es als kurios oder aussergwöhnlich gilt. Bei Maggie Thatcher zum Beispiel wird oft ihr degree in chemistry erwähnt. Aber nicht immer – uns interessiert mehr die Karriere als das Stück Papier. Siehe zum Beispiel:

http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/thatcher_margaret.shtml

Solche Sachen wegzulassen kann jedoch bei teutonischen Auftraggebern Unverständnis oder gar Empörung auslösen. Also entweder den Kunden telefonisch oder im Text einstimmen (ich sage dazu immer: „Take the client with you“). Oder die Info an anderer Stelle einbauen, wo es nicht so weh tut.

Dienstag, 26. Januar 2010

utterly utter

Mein Dank gilt meinem langjährigen (30 Jahre sind schon lang!) Freund Bruce Granger für folgenden Artikel - ich denke, es ist vor allem für Muttersprachler interessant.

http://beebo.org/smackerels/how-i-met-my-wife.html

Ottinger-Englisch....

Folgenden YouTube-Beitrag bekam ich heute gleich von drei Freunden zugeschickt!

http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78

Montag, 25. Januar 2010

The mechanics of marketing

Wir begleiten immer wieder die Entwicklung von Aktionen (im Sinne von promotions). Dabei stoßen wir oft auf die Überschrift „Mechanik“.

Wie mit fast allen „IK“-Begriffen (Elektronik, Logistik, Biometrik, Politik) muss auf Englisch ein „s“ beigemischt werden – mechanics nicht mechanic (denn das wäre ein Mechaniker).

Aber trotzdem. Auch wenn man sowas sagen kann wie: „I do not really understand the mechanics of politics.“ Als Überschrift für den Ablauf einer Geld-Zurück-Garantie ist es irgendwie fehl am Platz.

Und da hätten wir den Pudelskern: Ein seriöser (auch ein ganz fieser falscher Freund) Übersetzer nimmt nicht einfach die nächstbeste wortwörtliche Lösung. He racks his brains bis er was passendes findet.

Mein Vorschlag: How it works

Samstag, 23. Januar 2010

Sieben = nine

Während ich gerade einen TV-Spot übersetze (ja, wir haben schon leckere Aufgaben, ich weiß es zu schätzen), fällt mir manuskriptbedingt auf:

Wolke Sieben
ist bei uns
Cloud Nine

Ich weiß auch nicht, was mit den beiden Stockwerken dazwischen passiert ist.

Jeder dritte (mindestens) Übersetzer gehört erschossen


Bitte beim Kickern nicht stören!
Ich komme kaum zum Bloggen. Es regnet gerade Arbeit, und gestern Nachmittag (hallo, es ist Freitag! Und Januar!) haben uns gleich drei eilige Aufträge (sprich: bis Montag früh) beim Sektempfang (hallo, Anna hatte Geburtstag!) und Kickerspiel (hallo, Teamgeist ist wichtig!) gestört.

Immerhin waren es Lieblingskunden und Lieblingsaufgaben (TV-Spots, Claims und Pressemitteilungen für einen Zeitschriftenmacher, einen Bulettenbrater und einen Hersteller von Haarpflegeprodukten – but not necessarily in that order).

Stoff habe ich genug
Dabei gehen mir die Themen nicht aus, glaubt mir. Ich habe schon eine ziemlich lange Liste (aber um „Konsequenz“ beispielsweise mit aller Konsequenz sprachtechnisch auseinander zu nehmen, brauche ich Muse).

But less us turn our attention to the heading to this posting:

Was sagt der Durchschnittskollege?

Every third translator should be shot.

Es ist zwar nicht im tiefroten Bereich. Aber im grünen auch nicht. Besser ist:

One in three translators deserves to be hung, drawn and quartered for crimes against communication.

Bei „jeder zweite“ hat man die Wahl:

One in two translators requires a kick up the backside
Oder
Every other translator is crap (was aber natürlich auch missverstanden werden kann – sprich: alle anderen, nur nicht ich).

George Bush ist genial (you don't read that very often)

Which reminds me: George W. Bush wurde mal für die schöne Verballhornung „people misunderestimate me“ durch den Kakau gezogen (oder wie meine Freundin sagt: ÜBER den Kakau).

Dabei finde ich das irgendwie genial – ein netter Neologismus. Even if George W. deserves to be hung, drawn and quartered for crimes against humanity.

Und denkt daran: Genial ist auch nicht genial (= freundlich, herzlich, sympathisch) auf Englisch, auch wenn ein Genie durchaus ein genius ist. George ist weder das eine noch das andere.

Dienstag, 19. Januar 2010

Sperrfrist, Ausschreibungsfrust

Bei uns ist gerade die Hölle los. Für Januar recht ungewöhnlich. Daher komme ich kaum zum Bloggen. Also heute wieder mal ganz schnell.

Say it with a verb
Heute hat eine PR-Agentur nachgefragt: Wie heißt denn Sperrfrist (für eine Pressemitteilung) auf Englisch? Tja, wie so oft, sagen wir es lieber mit einem Verb als mit einem Substantiv.

Embargoed until January 30. Und ohne Doppelpunkt bitte.

Please ignore me
Außerdem haben wir gerade eine Stellenausschreibung laufen. Dadrin stellen wir klar: Nur englische Muttersprachler, keine freiberufliche Tätigkeit und es geht um Übersetzungen bzw. Werbetexte für deutsche Kunden.

Avec plaisir
Was kommt? Haufenweise Angebote von Freiberuflern, 80% Nichtmuttersprachler oder Möchtegern-Muttersprachler (Beispiel: I have a dual citizen. Ach wirklich? Wie heißt er denn?) und sogar eine Bewerbung auf Französisch. Selbst die Muttersprachler ignorieren die Grundanforderungen. Und einen Rechtschreibfehler würden wir vielleicht noch verzeihen - aber FÜNF auf einer Seite? Nicht schlecht, Herr Specht.

Sonntag, 17. Januar 2010

The jury is out

Frogs and films
At the Cannes Film Festival spricht man auch im Englischen von the jury. Aber das ist ja durch die Frogs falsch gefärbt. Ansonsten werden die Sieger von einem Wettbewerb fast immer durch a panel of judges ermittelt (jaaaa, es gibt Ausnahmen). Denn eine jury entscheidet meist über das Schicksal eines Angeklagten. The members of the jury sind also die Geschworenen und nicht Juroren. Und Juroren sind judges. Und Teilnehmer sind eher entrants als participants.

Please don't do that!!
Und es wäre mir ganz recht, wenn German-speaking clients would let us be the judges of English spelling, syntax and semantics. But it goes with the territory (es gehört einfach zum Job dazu). Diese Woche hatten wir wieder mal viele old favourites.

Ich ändere Zentrale auch nicht in Zentral!
Ein Kunde hat headquarters in headquarter geändert (mit dem Hinweis, dass wir den Text auf keinen Fall noch mal ändern sollten). Einer hat an SAP solution in a SAP solution (Leute, es geht um die gesprochenen Vokale [an ES-EH-PEE solution], nicht um die Buchstaben an sich [daher he made a U-turn nicht he made an U-turn]). Und einer hat mühsam auf 20 Seiten White Paper bei allen Substantiven teutonische Bindestriche reingehauen, die wir wieder genauso mühsam extrahieren durften. Ach ja, und wir hatten wieder haufenweise „englische“ Texte, die wir „kurz [und vermeintlich kostensparend] überfliegen“ sollten.

We live in hope [die Hoffnung stirbt zuletzt]
Werden unsere Kunden irgendwann mal aufhören, selber auf Englisch zu dichten? The jury is still out on that one = eine relativ moderne Redewendung, die soviel heisst wie: Das ist noch nicht klar, man kann sich noch kein Urteil bilden. Wörtlich heißt es: Die Geschworenen beraten noch.

Übrigens: ich war in letzter Zeit blogmäßig recht ruhig – weil der Januar saisonuntypisch alles andere als ruhig ist.

In eigener Sache
Daher suchen wir neue Mitarbeiter – mehr Info unter:

http://stellenanzeige.monster.de/English-speaking-translators-copywriters-Job-Ludwigsburg-Baden-Württemberg-Deutschland-85646638.aspx