Mittwoch, 27. Januar 2010

Wal(l)dorf salad

In deutschen Texten wird der Standort (ein Wort, zu dem ich irgendwann mal ausführlich Stellung nehmen möchte) gern zum Synonym umfunktioniert.

Zum Beispiel:

Die Walldorfer (für SAP)
Die Stuttgarter (für Daimler)
Die Münchner (für BMW)
Die Hamburger (für Buletten im Brot)

Wenn man das wörtlich ins Englische rüberschaufelt, kommt ein Salat dabei raus. Besonders wenn es um internationale Unternehmen und internationale Zielgruppen geht, wirkt the Walldorfers und selbst the Stuttgarters recht eigenartig bis provinziell. Haben die denn keine anderen Standorte? Nur Mitarbeiter aus dem Umland?

Gelegentlich kann man vielleicht von einer Stuttgart-based company reden – aber die haben bekanntlich auch andere bases (wobei man im Englischen in erster Linie schon die Zentrale dahinter vermutet). Oder vielleicht

the enterprise, headquartered in Stuttgart, ...

Aber ich würde es nur dann empfehlen, wenn sonst eine wichtige Info verloren ginge.

Denn: der Begriff „die Walldorfer“ liefert keine besonders schutzbedürftigen Inhalte. Er ist nur Verpackung. Auf Englisch irritiert (false friend!) die Verpackung nur.

Ähnlich ist es mit:

Der 45-jährige Betriebswirt....

Nicht nur ist ein Satz, der mit The 45-year-old holder of a degree in business studies extrem holprig (it’s one hell of a mouthful). Er enthält gleich zwei kleinere cultural faux pas.

Wie Diana (unsere Mitarbeiterin aus Obama Land) sagte: „To name their age makes it sound like a celebrity magazine.“ Und insbesondere Amis sind recht empfindlich, wenn es um Altersangaben geht – Bewerbungen aus der neuen Welt enthalten fast nie a date of birth.

Presseerklärungen und selbst Profile in the Anglosphere verzichten in der Regel auf die Nennung von Qualifikationen. Das ist höchstens einer beiläufigen Erwähnung wert – vor allem, wenn es als kurios oder aussergwöhnlich gilt. Bei Maggie Thatcher zum Beispiel wird oft ihr degree in chemistry erwähnt. Aber nicht immer – uns interessiert mehr die Karriere als das Stück Papier. Siehe zum Beispiel:

http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/thatcher_margaret.shtml

Solche Sachen wegzulassen kann jedoch bei teutonischen Auftraggebern Unverständnis oder gar Empörung auslösen. Also entweder den Kunden telefonisch oder im Text einstimmen (ich sage dazu immer: „Take the client with you“). Oder die Info an anderer Stelle einbauen, wo es nicht so weh tut.

Dienstag, 26. Januar 2010

utterly utter

Mein Dank gilt meinem langjährigen (30 Jahre sind schon lang!) Freund Bruce Granger für folgenden Artikel - ich denke, es ist vor allem für Muttersprachler interessant.

http://beebo.org/smackerels/how-i-met-my-wife.html

Ottinger-Englisch....

Folgenden YouTube-Beitrag bekam ich heute gleich von drei Freunden zugeschickt!

http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78

Montag, 25. Januar 2010

The mechanics of marketing

Wir begleiten immer wieder die Entwicklung von Aktionen (im Sinne von promotions). Dabei stoßen wir oft auf die Überschrift „Mechanik“.

Wie mit fast allen „IK“-Begriffen (Elektronik, Logistik, Biometrik, Politik) muss auf Englisch ein „s“ beigemischt werden – mechanics nicht mechanic (denn das wäre ein Mechaniker).

Aber trotzdem. Auch wenn man sowas sagen kann wie: „I do not really understand the mechanics of politics.“ Als Überschrift für den Ablauf einer Geld-Zurück-Garantie ist es irgendwie fehl am Platz.

Und da hätten wir den Pudelskern: Ein seriöser (auch ein ganz fieser falscher Freund) Übersetzer nimmt nicht einfach die nächstbeste wortwörtliche Lösung. He racks his brains bis er was passendes findet.

Mein Vorschlag: How it works

Samstag, 23. Januar 2010

Sieben = nine

Während ich gerade einen TV-Spot übersetze (ja, wir haben schon leckere Aufgaben, ich weiß es zu schätzen), fällt mir manuskriptbedingt auf:

Wolke Sieben
ist bei uns
Cloud Nine

Ich weiß auch nicht, was mit den beiden Stockwerken dazwischen passiert ist.

Jeder dritte (mindestens) Übersetzer gehört erschossen


Bitte beim Kickern nicht stören!
Ich komme kaum zum Bloggen. Es regnet gerade Arbeit, und gestern Nachmittag (hallo, es ist Freitag! Und Januar!) haben uns gleich drei eilige Aufträge (sprich: bis Montag früh) beim Sektempfang (hallo, Anna hatte Geburtstag!) und Kickerspiel (hallo, Teamgeist ist wichtig!) gestört.

Immerhin waren es Lieblingskunden und Lieblingsaufgaben (TV-Spots, Claims und Pressemitteilungen für einen Zeitschriftenmacher, einen Bulettenbrater und einen Hersteller von Haarpflegeprodukten – but not necessarily in that order).

Stoff habe ich genug
Dabei gehen mir die Themen nicht aus, glaubt mir. Ich habe schon eine ziemlich lange Liste (aber um „Konsequenz“ beispielsweise mit aller Konsequenz sprachtechnisch auseinander zu nehmen, brauche ich Muse).

But less us turn our attention to the heading to this posting:

Was sagt der Durchschnittskollege?

Every third translator should be shot.

Es ist zwar nicht im tiefroten Bereich. Aber im grünen auch nicht. Besser ist:

One in three translators deserves to be hung, drawn and quartered for crimes against communication.

Bei „jeder zweite“ hat man die Wahl:

One in two translators requires a kick up the backside
Oder
Every other translator is crap (was aber natürlich auch missverstanden werden kann – sprich: alle anderen, nur nicht ich).

George Bush ist genial (you don't read that very often)

Which reminds me: George W. Bush wurde mal für die schöne Verballhornung „people misunderestimate me“ durch den Kakau gezogen (oder wie meine Freundin sagt: ÜBER den Kakau).

Dabei finde ich das irgendwie genial – ein netter Neologismus. Even if George W. deserves to be hung, drawn and quartered for crimes against humanity.

Und denkt daran: Genial ist auch nicht genial (= freundlich, herzlich, sympathisch) auf Englisch, auch wenn ein Genie durchaus ein genius ist. George ist weder das eine noch das andere.

Dienstag, 19. Januar 2010

Sperrfrist, Ausschreibungsfrust

Bei uns ist gerade die Hölle los. Für Januar recht ungewöhnlich. Daher komme ich kaum zum Bloggen. Also heute wieder mal ganz schnell.

Say it with a verb
Heute hat eine PR-Agentur nachgefragt: Wie heißt denn Sperrfrist (für eine Pressemitteilung) auf Englisch? Tja, wie so oft, sagen wir es lieber mit einem Verb als mit einem Substantiv.

Embargoed until January 30. Und ohne Doppelpunkt bitte.

Please ignore me
Außerdem haben wir gerade eine Stellenausschreibung laufen. Dadrin stellen wir klar: Nur englische Muttersprachler, keine freiberufliche Tätigkeit und es geht um Übersetzungen bzw. Werbetexte für deutsche Kunden.

Avec plaisir
Was kommt? Haufenweise Angebote von Freiberuflern, 80% Nichtmuttersprachler oder Möchtegern-Muttersprachler (Beispiel: I have a dual citizen. Ach wirklich? Wie heißt er denn?) und sogar eine Bewerbung auf Französisch. Selbst die Muttersprachler ignorieren die Grundanforderungen. Und einen Rechtschreibfehler würden wir vielleicht noch verzeihen - aber FÜNF auf einer Seite? Nicht schlecht, Herr Specht.

Sonntag, 17. Januar 2010

The jury is out

Frogs and films
At the Cannes Film Festival spricht man auch im Englischen von the jury. Aber das ist ja durch die Frogs falsch gefärbt. Ansonsten werden die Sieger von einem Wettbewerb fast immer durch a panel of judges ermittelt (jaaaa, es gibt Ausnahmen). Denn eine jury entscheidet meist über das Schicksal eines Angeklagten. The members of the jury sind also die Geschworenen und nicht Juroren. Und Juroren sind judges. Und Teilnehmer sind eher entrants als participants.

Please don't do that!!
Und es wäre mir ganz recht, wenn German-speaking clients would let us be the judges of English spelling, syntax and semantics. But it goes with the territory (es gehört einfach zum Job dazu). Diese Woche hatten wir wieder mal viele old favourites.

Ich ändere Zentrale auch nicht in Zentral!
Ein Kunde hat headquarters in headquarter geändert (mit dem Hinweis, dass wir den Text auf keinen Fall noch mal ändern sollten). Einer hat an SAP solution in a SAP solution (Leute, es geht um die gesprochenen Vokale [an ES-EH-PEE solution], nicht um die Buchstaben an sich [daher he made a U-turn nicht he made an U-turn]). Und einer hat mühsam auf 20 Seiten White Paper bei allen Substantiven teutonische Bindestriche reingehauen, die wir wieder genauso mühsam extrahieren durften. Ach ja, und wir hatten wieder haufenweise „englische“ Texte, die wir „kurz [und vermeintlich kostensparend] überfliegen“ sollten.

We live in hope [die Hoffnung stirbt zuletzt]
Werden unsere Kunden irgendwann mal aufhören, selber auf Englisch zu dichten? The jury is still out on that one = eine relativ moderne Redewendung, die soviel heisst wie: Das ist noch nicht klar, man kann sich noch kein Urteil bilden. Wörtlich heißt es: Die Geschworenen beraten noch.

Übrigens: ich war in letzter Zeit blogmäßig recht ruhig – weil der Januar saisonuntypisch alles andere als ruhig ist.

In eigener Sache
Daher suchen wir neue Mitarbeiter – mehr Info unter:

http://stellenanzeige.monster.de/English-speaking-translators-copywriters-Job-Ludwigsburg-Baden-Württemberg-Deutschland-85646638.aspx