Dienstag, 30. März 2010

Sodbrennen gut geheilt

Auch Filme und Filmtitel werden natürlich übersetzt. Manchmal gut, manchmal weniger gut. Sodbrennen für Heartburn fande ich besonders misslungen (oder habe ich was verpasst?). Ist aber eine Weile her.

Am Wochenende haben wir Grasgeflüster angeschaut. Das ist eine tolle Übersetzung vom Originaltitel Saving Grace (weil es eben keine Übersetzung ist). Denn: Wenn eine Headline, Claim oder Titel ein Wortspiel ist, kann man es (fast) nie übersetzen. Vergiss es einfach – und erfinde was völlig neues.

Die Untertitel waren dagegen patchy (durchwachsen). Besonders über den Ausspruch „Sie ist gut geheilt“ habe ich herzlich gelacht. Auf Englisch hieß es nämlich nicht well healed sondern well heeled = gut betucht (weil die Reichen bessere Schuhe/Absätze haben).

Mittwoch, 24. März 2010

Warum bekommt man gerade von den großen Büros oft mangelhafte Ware?

Sagen wir mal so: big is not always beautiful.

Armer Andrew
Es gibt Büros, gewiß nicht alle, die arbeiten folgendermaßen: Die Aufträge werden verteilt – an Bob in Atlanta, an Anne in Schottland, an Ranjid in Indien. Es gibt noch Andrew in Stuttgart, einen sehr guten und erfahrenen Übersetzer; aber er ist etwas teuerer - und stellt viele Fragen. Das ist manchmal lästig. Er wird deswegen lieber nicht genommen.

No questions, please
Die beauftragten Übersetzer bekommen vielleicht 50% vom Preis, vielleicht weniger. Will man Geld verdienen, muß man schnell übersetzen. Eine halbe Stunde Recherche für einen Begriff, für den ich 50 Cent bekomme? Mmm, vielleicht nicht. Eine Frage stellen, weil der deutsche Text irgendwie nicht ganz so stimmen kann? Naja, das kostet Zeit, Telefongebühren - und wird nicht belohnt. Im Gegenteil, das Büro reagiert genervt, und möchte den direkten Kontakt mit dem Kunden auf jeden Fall vermeiden.

Wie, überarbeiten???
Den Text mehrmals ausdrucken und überarbeiten, damit er nicht "übersetzt" klingt - oder gar von einem zweiten Muttersprachler gegenlesen lassen? Das reduziert meinen Stundenlohn um 20, 30 vielleicht 50%. Und keiner dankt mir dafür. Nun landet die Übersetzung wieder beim Büro. Wird der Text geprüft? Vielleicht. Oft nicht. Oder man prüft einfach, ob alles und nicht unbedingt wie alles übersetzt wurde. Genau prüfen und gegebenenfalls überarbeiten? Das kostet wieder Zeit. Damit wäre die Marge dahin.

Angestellte sind teuer
Und jeder Angestellter, der die Texte im Hause überarbeitet, ist teuer – da muß ein PC her, ein Büro, ein deutsches Gehalt, deutsche Lohnnebenkosten... Ach was, der Kunde merkt's sowieso nicht... und wenn er meckert, dann gehen wir halt 20% runter. Und drücken den Übersetzer um die Hälfte – schau mal her, der Gewinn ist sogar gestiegen. Eine übertriebene Darstellung? Vielleicht.

Montag, 22. März 2010

Big things

Überall in den deutschen Medien wird President Obama in Bezug auf die Gesundheitsreform mit den Worten zitiert: [es beweist], "dass die Amerikaner in der Lage sind, große Dinge zu tun."


Ja, ja, big things. Wie wäre es mit "Großes zu leisten?"

Denn things ist ganz anders von der Tonalität her als "Dinge". Wir können halt nicht so schnell und flexibel aus Adjektiven Substantive basteln wie ihr Deutschen. Also brauchen wir (oft aber nicht immer) ein Hilfsmittel - things, ones, people.

Originalzitat - auch als Video - hier:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/8579322.stm

Sonntag, 21. März 2010

Ballast abwerfen!!!

In den letzten Jahren, Wochen oder Tagen - wie sagt man das auf Englisch?

Bitte nicht in the last years, in the last weeks, in the last days – das grenzt an Oettingerismus.

Liegt schwer im Magen
In the last few years ist zwar für den Native Speaker leichter zu verdauen, aber für den Durchschnittssatz unnötiger Ballast. In the last few days ist etwas öfter anzutreffen.

Less is more
In recent years ist viel besser. Vielfach reicht nur recently oder schlicht und einfach now. Und oft ist eine Übersetzung gar nicht nötig – einfach weglassen.

For example:

„Professionelle Pflege garantiert schöne Haut und liegt auch für Ihn voll im Trend. Denn die Erwartungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert.“

Leave it out!
Läßt man „in den letzten Jahren“ hier links liegen, so hat man nichts an Informationsgehalt eingebüßt – es ist nur Verpackung. Expectations have changed significantly reicht doch.

Zeilenschinderei
Allerdings werden sich viel Translators mit Händen und Füßen gegen diese Streichung wehren – vor allem, wenn sie nach Zeilen oder Wörtern (des Zieltexts) abrechnen.

Montag, 15. März 2010

Six pack

Beinhalten, darstellen, aktuell – alles Wörter, bei denen man nicht unbedingt größere Stolpersteine erwartet. Aber Vorsicht!

Beispiel 1: Das R-Line-Paket beinhaltet unter anderem ein Dreispeichen-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten

Ja, include ist richtig (wegen „unter anderem“ – aber bitte nicht mit amongst others oder inter alia – dazu habe ich mich schon blogmäßig ausgelassenen).

Beispiel 2: Das Arrangement beinhaltet: 3 Nächte mit Frühstück und Abendessen

Hier eher comprises. Includes ginge auch, aber impliziert immer, die Liste ist unvollständig (it is not an exhaustive list). Arrangement ist übrigens kein arrangement sondern package oder vielleicht (special) deal.

Beispiel 3: Kindersicherung in Flugzeugen stellt große Herausforderung dar

Nicht so sehr represents (das ist um einiges schwächer als darstellen) sondern ganz einfach is.

Beispiel 4: So hat das Landgericht Zwickau geurteilt, dass der Leseaufwand keine Fehlberatung darstellt.

Auch hier wäre represents gerade noch zulässig. Aber constitutes ist um Längen besser.

Beispiel 5: Die Darstellung auf dem Bildschirm...

Tja, hier müsste display her.

Beispiel 6: Eine aktuelle Studie

Nein, nicht current oder up-to-date sondern recent. Und mit Studie ist oft eine survey gemeint.

Sonntag, 14. März 2010

Übersetzungen im freien Flug

Ich bin meiner langjährigen und sehr geschätzten Kollegin und Freundin Petra Waldraff für den Hinweis auf folgende Glosse sehr dankbar.

http://www.wdr3.de/resonanzen/details/artikel/wdr-3-resonanzen-69fc817868.html

Bitte runterscrollen (gibt es eigentlich ein deutsches Wort dafür?) und bei „Übersetz das doch mal kurz“ auf „Beitrag hören“ klicken (unterhalb der Zusammenfassung).

Es lohnt sich.

Samstag, 13. März 2010

Loss leader

Weil das Thema so schön ist, mache ich gleich weiter.

Reibungsverluste. Another old chestnut.

Menschen und Motoren
Klar, wenn es um Motoren geht, dann ist frictional losses durchaus ok. Aber nicht, wenn es um Menschen geht.

Leider verschließen sich lots of Leo Lovers die Augen vor der Tatsache, dass Reibungsverluste (vor allem in der Verbindung "ohne Reibungsverluste") fast durch die Bank im übertragenen Sinne verwendet wird.

Der Leser ist dann der Leidtragende.

Consider the following:

1. Durch die Integration der bisher getrennten Dienstzweige ist jetzt eine durchgängige Betreuung ohne Reibungsverluste möglich

2. Mit O.P.E.N. werden unterschiedlichste Technologien und Datenwelten gebündelt und Informationen ohne Reibungsverluste nutzbar.

3. Einkauf, Qualitätssicherung und Produktion sollen auch im Wareneingang flexibel und ohne Reibungsverluste zusammenarbeiten.

The pigs say no
Kein englisches, amerikanisches oder kanadisches Schwein würde hier von frictional losses reden. Es geht um reibungslose (aha!) Zusammenarbeit, Effizienz, gute Koordination – und so sollte man es übersetzen.

Sand im Getriebe
Das Wort friction ist gerade in Bezug auf people and relationships mit großer Vorsicht zu genießen. Gibt es friction, so knirscht es kräftig im Getriebe – es deutet auf (unterschwelligen) Konflikt, Aggression, Reibereien (aha!).

Zum Beispiel:

http://www.celebitchy.com/14747/lindsays_overspending_is_causing_friction_with_samantha/

Ach, und denkt bitte daran – bitte nicht gleich bundle für bündeln.

Streuverluste auf Englisch


„Streuverluste“ gehört den Begriffen, die die denizens (Bewohner) von proz.com, leo und co. mit blinder Beharrlichkeit 1:1 übersetzen wollen.

Was gibt es da alles fürn Quatsch: dispersion losses, wasted coverage und so weiter. Kann sein, dass in ganz, ganz speziellen Zusammenhängen (Physik zB) das eine oder andere Wort greift. Aber in 99% der Fälle wird „Streuverluste“ wie folgt verwendet:

Kommunikation ohne Streuverluste
Direktmailings mit wenig Streuverlusten

Es geht hier nicht um einen klar definierten und anerkannten Fachbegriff. Es ist eine allgemeine Aussage. Und die Verluste werden durch „ohne“ und „wenig“ ins Positive gedreht.

Communication without dispersion losses? Oh BITTE!!!! Proz-Prozzies und Leo-Lovers, konzentriert euch bitte nicht auf die einzelnen Wörter sondern auf die Big Botschaft, on the main message.


Precisely targeted communication(s) oder highly targeted communication(s), vielleicht sogar sowas wie communications that effectively reach the defined target audience.

Lasst die losses lieber links liegen.


Montag, 8. März 2010

zu 70% falsch übersetzt

"zu" ist so ein kleines, fieses Wort.

Man nehme zum Beispiel:

Das Unternehmen deckt seit 2006 den Strombedarf zu 70% aus erneuerbaren Quellen.

Etwa 70% übersetzen "zu" in solchen Fällen mit "up to." Was natürlich 100% daneben ist. Leider kommt man hier auf Englisch mit einer Präposition gar nicht weiter. Der Satz muss umgestellt werden.

Eine von vielen Möglichkeiten:
70% of the company's electricity requirements are met from (oder auch with oder sogar by) renewable energy (sources).

Sonntag, 7. März 2010

Oft bleibt nur umschreiben

Feuer und Flamme für griffiges Deutsch
Es gibt Ausdrücke und Wörter, die besonders griffig sind – und daher schwer zum Übersetzen. Heute habe ich zum Beispiel im Handelsblatt gelesen, dass Vertreter deutscher Grossunternehmen einen „Brandbrief“ an den Wirtschaftsminister geschrieben hätten. Tolles Wort! Aber ich könnte es auf Englisch höchstens umschreiben.

Word of the day
Und dann gibt es Kollokationen (Wortkombinationen/Wortpaare – zB ein bestimmtes Adjektiv mit einem bestimmten Substantiv), die in einer Sprache natürlich und nice sind, aber in other tongues unappetitlich oder gar missverständlich sind.

Gelebte Partnerschaft
Ein Beispiel für eine Mischung aus beiden linguistischen Problemen in dieser Woche: gelebte Partnerschaft. Das ist elegant und ausdrucksstark. Aber auf Englisch kann ich das „so nicht sagen“.

Living ist irgendwie knapp daneben (sprich: eine Partnerschaft, die sich kontinuierlich weiterentwickelt vielleicht, oder eine Partnerschaft, die eine schlimme Krise mit Ach und Krach überlebt hat). Lived geht gar nicht. Ich weiss gar nicht, was das heißen soll.

Was macht man denn nu? Umschreiben. Da kommen wir auf genuine partnership oder real partnership. Nein, so schön wie "gelebt" ist es nicht, aber es ist wenigstens verständlich. "fauler Kompromiss" ist übrigens auch so eine Kollokation, die es auf Englisch so nicht gibt.