Dienstag, 18. Mai 2010

Linguistic allsorts - irritieren auf Englisch

Sehr praktisch
Wir haben etwa 10 Praktikanten (interns) im Jahr. Und welche Schwäche haben sie (fast) alle? Sie spielen nicht nur extrem schlecht Kicker. Nein, nein, viel schlimmer: Sie erkennen die false friends oft nicht. Heute zum Beispiel mein absoluter Favorit: irritieren. Dabei wollte der David das nicht ganz wahrhaben. Das ist doch so nah an irritate (was „nerven“ heißt), es muss doch das Gleiche sein, oder???????? Zu mal manche Wörterbücher den gleichen Fehler machen.

Dann haben wir eben gegoogelt, und den perfekten Beweis gefunden:

Handys irritieren Herzschrittmacher

Ist zwar eine brutal-gut-schlechte Überschrift von Focus (Bild für Möchte-Gern-Intellektuelle), aber da war auch David davon überzeugt, dass man auf Englisch mobiles bzw. cell phones nicht irritaten kann.

By the way: perfekt würde ich (fast) nie mit perfect übersetzen. Ich fuhr neulich einem truck hinterher, auf dessen Arsch „perfect products, perfect service“ stand. Hmmm. Sehr germanisch. Great products, great service wäre da much more natural.

Das ist missvorständlich
Heute hatten wir auch „Vorstand“. Da muss man höllisch aufpassen. Das kann ein management board, ein executive board, oder auch eine Einzelperson sein. Das könnte der CEO oder eben ein anderes Mitgleid des Vorstands sein – und wie er oder sie sich nennt, dass muss er oder sie wissen.

Heute zum Beispiel war es ein Executive Vice President. Das kann man nirgendwo nachschlagen - nur nachfragen (oder mit viel Glück nachforschen – wir haben es bei seinem Xing-Profil gefunden).


Uhhh, ahhh, ohhhh!
Ach ja, und dann wurden wir wieder mal von einem Kunden korrigiert. Macht nix, sind wir gewohnt. Aus an SAP solution wurde a SAP solution.

Bei a/an geht es nicht um den Buchstaben (also S) sondern um die Aussprache (an es eh pee solution).

Umgekehrt gilt es auch – es heißt a European solution nicht an European solution – denn man spricht es aus: Yoooropeee-an.

Yasoo, pethi moo! Griechenland läßt grüßen
Die abstürzende Währung heißt euro mit klein E auf Englisch. Da werden wir auch sehr oft „korrigiert“.


Wellness
Ja, das gibt es auf Englisch:

http://www.ecademy.com/account.php?id=104709

Aber nicht so oft und breitgetreten wie im Denglischen. Neulich war ich zwischen Aschewolke Nr. 1 und Aschewolke Nr. 2 in London: Da habe ich das Unwort kein einziges Mal gesehen (ich war mit meiner heißgeliebten Oyster-Karte viel unterwegs in Sache Linguistik). Dafür: spa, well-being, sanctuary, feel-good…

Also: Nicht übertreiben (was nicht don’t exaggerate wäre sondern don’t overdo it)

Freitag, 14. Mai 2010

Alles Müller, oder was?

Wie heißt denn „oder“ auf Englisch? Intriguingly, nicht immer “or”.

Nehmen wir zum Beispiel folgenden Satz unter die linguistische Lupe:

Die Zutaten stammen überwiegend von Markenlieferanten wie z. B. Hochland, Nestlé oder Müller.

Richtig, das „oder“ müsste man mit and übersetzen.

Unter dem Motto....auf Englisch

„Unter dem Motto“ ist eine recht beliebte Methode, einen Pressetext über eine Messe, Ausstellung oder Regierungsprogramm einzuleiten.

Under the motto ist ein sehr beliebter aber recht gräßlicher Versuch, dieses ins Englische zu übertragen.

Under in Verbindung mit motto geht gar nicht. Und ein motto erinnert mich an verstaubte Internate in Schottland, das elitäre britische Militär oder die Pfadfinder (denen ich als Kind nicht beigetreten bin, weil man damals einen Schwur auf die Königin leisten musste – und ich war schon mit fünf Jahren etwas rebellisch veranlagt).

Also, wie übersetzt man denn "Unter dem Motto"???


Ich würde den Satz möglichst so umbauen, dass man auf eine solche Konstruktion ganz verzichten kann - zum Beispiel:

Work from Greenham Common will be shown in a new 'Human Endeavour' exhibition at Crane Kalman at the start of May.


Oder vielleicht eine der folgenden Varianten wählen:

Princeton University will host a conference entitled "War and Peace in Africa" on March 13 and 14, bringing together about 50 senior policymakers.

She unveiled with much fanfare a $100 million campaign with the tagline "It's You," which focused on personalizing the online experience.


The show brings together four emerging photographers under the banner of Human Endeavour.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Na und?

Was haben The Times, The BBC, die Zeitschrift Fortune und die Bibel gemeinsam? Alle fangen Sätze mit And an. Und zwar recht häufig.

Klar, ich würde in förmlichen Dokumenten spärlicher als in der Werbung damit um mich schmeißen. Aber die Konstruktion ist mitnichten „falsch“. Und ich hab das Gefühl, dass sie im Englischen noch gebräuchlicher ist als im Germanischen.

Dennoch müssen wir unsere Ands ungefähr vier Mal im Jahr gegen übereifrige Sprachweltverbesserer verteidigen.

Sonntag, 9. Mai 2010

Besser für den eigenen Saft

Ich hatte in den letzten Tagen spannende Gespräche mit einer Vertreterin des Sprachendienstes der Deutschen Telekom aus Bonn und einem Übersetzer beim ITU (International Telecommunications Union) in Genf (Geneva to you).

Und siehe da: Wir haben alle mit den selben Problemen zu tun.

Erstens – die Ausgangstexte sind zum Teil so schlecht geschrieben, dass man sie nicht übersetzen KANN.

Da kann ich nur müde lachen über die angeblich so große Zukunft maschineller Übersetzungen und die realitätsfernen Diskussionen über die Theorie des Übersetzens, die an Unis geführt werden – denn in beiden Fällen geht man von einem Ausgangstext aus, der logisch strukturiert und grammatikalisch in Ordnung ist. Na, schön wäre es.

Da fallen mir zum Beispiel ein paar Überschriften ein:

"Eine Lösung, die an einem Strang zieht."

Oder wie wäre es mit:

"Besser den Deckel lüften. Es ist besser für den eigenen Saft."

I kid you not. Sowas dürfen wir übersetzen.

Wir haben in beiden Fällen frecherweise gefragt, was eigentlich damit gemeint war. Antwort in beiden Fällen: Übersetzen Sie es einfach. Ooooookkkkkkkkkkk. Over to you, babel fish.

Zweitens – immer mehr Kunden sind der Meinung, selber so gut Englisch schreiben zu können, dass der Übersetzer nur noch „drüber schauen muss“.

Was dazu führt, dass man einen Text bekommt, der weder Deutsch noch Englisch ist (neither fish nor fowl). Der ist daher oft kaum zu verstehen. Und nur mit großer Mühe und viel Rücksprache zu retten (welche Software kann das?).

Montag, 3. Mai 2010

Auch Dieter Bohlen kann Denglisch

Besonders Werbeagenturen neigen dazu, selber auf Englisch zu dichten. Und unsere Einwände mit dem Hinweis auf „kreative Freiheit“ (poetic licence) abzutun - nach dem Motto: Versteht man auch so, oder?

Jaaaaaaa. Aber ist ein Unterschied, ob ich in schlechtem Englisch an meine Omi in Oklahoma schreibe oder damit in die breite Öffentlichkeit gehe (und damit WERBEN will).

Zum perversen Vergleich: Deutschland sucht den Superstar. Irgendjemand hat diesen blöden Wettbewerb neulich gewonnen, und trällert nun ein Lied mit dem Refrain:

Don’t believe what they tell about me.

Ich glaube, der Text (the lyrics) stammt von Dieter Bohlen. Schade ist nur, dass er allen Englischschülern und –lehrern damit einen Bärendienst erweist.

Denn es ist falsch.

Es müsste heißen: Don’t believe what they say about me.

Aber es macht nichts. Ist ja nicht so schlimm. Ist halt kreative Freiheit.

Aber wie würde ein deutsches Publikum auf ein Lied reagieren, in dem einer (ohne Ironie, wohl gemerkt) singt: Glaube nicht, was man über mir erzählt.

Klar, ist falsch. Versteht man aber auch so, oder?

Come back Abba, all is forgiven.

Samstag, 1. Mai 2010

Kein Bok auf Book

Naaaa, merkt ihr was? Ich komme wieder mal nicht zum Bloggen.

Also ganz schnell die Highlights der Woche (übrigens: highlights sagen wir schon, bloß nicht so oft wie ihr – wir reden zB auch von high points oder key features):

Liebe Projektleiter: Das Standardwerk eurer Zunft heißt PMBok (project management body of knowledge) nicht PMBook.

Liebe Werber: Es heißt pole position nicht pool position (das wäre auf dem berühmten germanischen Handtuch am Randes des Schwimmbeckens) und bitte ein making of drehen und kein making off (he made off with the money = er machte sich mit dem Geld davon).

Liebe Leuchtenhersteller: Es heißt energy-saving nicht energy-safing (das wäre höchstens das Verstecken von Batterien im Schließfach)

Liebe Handelsblattmacher: Richtiges, kulturkonformes Verhalten in der Geschäftswelt heißt business etiquette nicht business behavior. Leider hat dieses Denglisch schon ein Eigenleben bekommen (ich hab es bei verschiedenen Kunden gesehen, die wohl fleißig HB lesen). Es mag ja „nicht so schlimm“ sein. Aber diese Dinge setzen sich fort und setzen sich fest.

Liebe Journalisten von der Zeit: In the leading position ist nicht total falsch aber wir native speakers reden von in the lead.

Liebe Marketing-Leute, wenn Ihr Unternehmen ein forerunner ist, dann viel Glück. Denn das ist kein Vorreiter sondern ein Vorgänger/Vorläufer (und damit ein Auslaufmodell?). Versuchen Sie es mal mit pioneer.

Liebe Mode-Menschen: Ein sweater ist ein Pulli und kein sweatshirt. Und wir sagen get in the mood. Nicht get the mood.

Und liebe T-Systems, auch wenn wir sehr gern für euch arbeiten, TC ist keine gängige abbreviation für telecommunications (telecoms aber sehr wohl); es heißt pay FOR what you use, nicht pay what you use; und was ein alumni workplace sein soll, weiß ich echt nicht - alumni sind die ehemaligen Studenten einer Uni und ein workplace ist kein PC-Arbeitsplatz sondern der Ort, an dem ich eben arbeite - das Büro, die Fabrik, was auch immer.

Siehe:
(http://en.wikipedia.org/wiki/Alumni_association).

Wir übersetzen eben immer weniger aus dem Deutschen ins Englische. Nein, nein. Das wäre ja viel zu einfach. Zunehmend übersetzen wir aus dem Denglischen ins Deutsche und dann erst ins Englische. Seufz.