Sonntag, 9. Mai 2010

Besser für den eigenen Saft

Ich hatte in den letzten Tagen spannende Gespräche mit einer Vertreterin des Sprachendienstes der Deutschen Telekom aus Bonn und einem Übersetzer beim ITU (International Telecommunications Union) in Genf (Geneva to you).

Und siehe da: Wir haben alle mit den selben Problemen zu tun.

Erstens – die Ausgangstexte sind zum Teil so schlecht geschrieben, dass man sie nicht übersetzen KANN.

Da kann ich nur müde lachen über die angeblich so große Zukunft maschineller Übersetzungen und die realitätsfernen Diskussionen über die Theorie des Übersetzens, die an Unis geführt werden – denn in beiden Fällen geht man von einem Ausgangstext aus, der logisch strukturiert und grammatikalisch in Ordnung ist. Na, schön wäre es.

Da fallen mir zum Beispiel ein paar Überschriften ein:

"Eine Lösung, die an einem Strang zieht."

Oder wie wäre es mit:

"Besser den Deckel lüften. Es ist besser für den eigenen Saft."

I kid you not. Sowas dürfen wir übersetzen.

Wir haben in beiden Fällen frecherweise gefragt, was eigentlich damit gemeint war. Antwort in beiden Fällen: Übersetzen Sie es einfach. Ooooookkkkkkkkkkk. Over to you, babel fish.

Zweitens – immer mehr Kunden sind der Meinung, selber so gut Englisch schreiben zu können, dass der Übersetzer nur noch „drüber schauen muss“.

Was dazu führt, dass man einen Text bekommt, der weder Deutsch noch Englisch ist (neither fish nor fowl). Der ist daher oft kaum zu verstehen. Und nur mit großer Mühe und viel Rücksprache zu retten (welche Software kann das?).

1 Kommentar:

Librarian hat gesagt…

Ich schlage die Einführung der Kundenrücksprache-Software vor - mit "BackSpeak1.0" lösen Sie alle Ihre Übersetzungs- und Textverständnisprobleme auf einen Schlag :-D