Mittwoch, 28. Juli 2010

mandant/mandantenfähig auf Englisch

Heute ein Gastbeitrag von unserer IT-Expertin, Anja Hübel:

Mandantenfähig
This concept is very common in IT. In a nutshell, it means that a single application or software system is employed for multiple customers/organizations/subsidiaries at the same time – however, data relating to each of these entities is kept completely separate.

In the SAP space, the standard English term/translation is usually “support for multiple clients” (Google: 24,000 hits with SAP). The term “client-capable/multi-client capable” is also used (Google: 4,600 with SAP).

Here is an example from an SAP Basis tutorial

What is an SAP Client?
A client is an organizational and legal entity in the SAP system. All the business management data is protected here because other clients cannot access them. The main purpose of a client is to keep the data isolated. In a physical SAP system there can be multiple clients. Each of these clients can have a different purpose, or represent a separate working environment (development, production, prototype). A client has its own set of tables and user data.

However, unless you are tied to the SAP term, it’s better to avoid “client” on its own, because it also has a different, unrelated meaning in IT (in the sense of hardware and software clients).

A much clearer expression is “support for multiple client organizations” (16,400 hits with “SaaS”, 20,000 with “cloud computing”). Also possible: “support for multiple customers/organizations”.

Here is an example from IBM:
This model enables a single, shared application instance with the capability to support multiple client organizations (or tenants) simultaneously, so as to achieve the goal of cost effectiveness through sharing infrastructure and operation resource among tenants.
In the context of SaaS and cloud computing, a very common term is multi-tenancy/multitenancy.

Here an example (from http://webhosting.devshed.com/c/a/Web-Hosting-FAQs/What-Does-Cloud-Computing-Offer/)

SaaS is a type of cloud computing that delivers a single app through the browser to thousands of customers using multitenancy, which is a type of software architecture where a single instance of the software runs on a server that serves multiple client organizations, otherwise known as tenants.

Also found:

multi-tenant architecture (712,000 hits)
multi-tenant capability (12,400 hits)
multi-tenancy enablement (9,470 hits)
multi-tenant design (19,700 hits)
multi-tenant platform (125,000 hits)

Nachtrag von MC:
Und wenn wir schon bei "Mandant" sind - wieso heißt The Client (also der "Kunde" eines Anwalts) von dem gräßlichen Autor John Grisham "Der Klient" - es müsste doch Der Mandant heißen!!!!!!!!!!!!!!!!

Samstag, 24. Juli 2010

Ein Sommer-Sammelsurium

Ja, ich war wieder mal ruhig (der Sommer läßt grüßen). Dafür habe ich heute ein buntes Sammelsurium (an odd collection of bits and bobs) im Gepäck:

For example: Der Umsatz ist in den ersten Monaten des Jahres überproportional gewachsen.

Da frage ich mich immer: Im Vergleich wozu? Hier ist disproportionate ganz sicher nicht richtig (und als Adverb disproportionately nicht mal auszusprechen – doch viele scheuen die Mühe, den Satz mundgerecht umzubauen) – denn der Begriff ist semantisch anders und sehr negativ belegt:

Take a look at this:

"We understand HMRC is taking a tougher line with football clubs, but feel their actions are disproportionate and will raise unnecessary speculation as to the financial situation of the club.”

Manchmal passt above-average – und manchmal eben nicht (what was the average?). Oft ist exceptional oder einfach very high die angenehmere Variante.

Regelung, geregelt, regeln
Hier greifen fast alle Übersetzer zu regulation / regulate. Und damit fast immer daneben. A regulation ist ja was „gesetzartiges“. Eine Regelung ist in der Regel (forgive me!) „wie irgendwas allgemein gehandhabt wird“. Die Lösung? Sehr kontextabhängig. Neulich hatten wir zum Beispiel „einer Gastkindregelung zustimmen“ (es ging um Kommunen – no communes please, das ist ganz was anderes - und Schulen).

Wir haben Bücher gewälzt und Websites gegoogelt, bis wir auf folgende Formulierung kamen: agree to a child attending a school outside the normal catchment area. Sowas steht ja nicht bei Leo...

Dann hatten wir natürlich jede Menge dubioses Denglisch.

Es heißt zum Beispiel first come, first served mit DDDDDD – nicht first come, first serve ohne DDDD – sonst muss ich Butler statt Kunde spielen.

Und es heißt letter of intent nicht letter of intend. Und richtig ist at its best nicht at it’s best.

Cross applications sind Anwendungen, die leicht verärgert sind. Cross-industry oder auch horizontal applications dagegen wäre branchenübergreifende Software.

Und, liebe Texter, Checker war ich mal selber in England. Ich durfte in dieser Rolle Liefermengen auf ihre Richtigkeit überprüfen (und einen Gabelstapler fahren – geil!!!). Mit besonderer Intelligenz hatte das allerdings nicht viel zu tun.

Ach ja, und on top – vor allem am Ende eines Satzes geht manchmal aber nicht immer. Solche Sätze stellen wir meist um (In addition, moreover, what’s more...).

Und stringent ist nicht stringent. Und das Adverb stringently ist ein weiterer Zungenbrecher. Also erst recht vermeiden (die Lösung ist auch sehr kontextabhängig – strict, disciplined, thorough, tight, severe, precise...).

Fazit: Wenn irgendwas stringent geregelt wird, dann könnten dahinter stringent regulations stecken – aber ich würde’s nicht so übersetzen. Höchstens das dazu schreiben – on top sozusagen.

Montag, 5. Juli 2010

Lunge for that lounge!

In der Schweiz kann man ein fünfteiliges Wohnzimmer für den Balkon kaufen (oder gleich ein ganzes Loft).

http://www.rattanshop.ch/produktegruppe/?catid=2

Hier wird wieder mal abgekürzt und umgedreht auf germanische Art und Weise – und es kommt was ganz Komisches hinten raus.

Also: lounge ist für uns eindeutig ein Wohnzimmer und nicht die dadrin aufgestellten Möbelstücke. Selbst lounge furniture findet man nicht auf dem Balkon sondern innen drin mit eingebautem Teenager vorm Fernseher. Draußen gibt es höchstens all-weather lounge furniture oder garden lounge furniture.

Und besonders grausam ist die beliebte Aussprache "lunj" (statt "lau-nj"). A lunge ist das plötzliche "nach vorne Greifen." Drum habe ich neulich, als meine Freundin auf den Kauf einer "lunj" für den Balkon gedrängt hat, die Transaktion aus sprachlichen Gründen abgelehnt.

http://www.thefreedictionary.com/lunge

Samstag, 3. Juli 2010

Du Sprach-Schlampe!

Nicht nur die Deutschen biegen Englisch solange hin, bis es bricht. Nein, auch die Frogs machen das sehr gern.

Du kannst hier sitzen - umsonst!
Wir durften neulich 20 Seiten IT-Franglais korrigieren. Ging einigermaßen. Bis auf free seating. Da waren wir mit unserem Frenglish am Ende. We were stumped. Wieso Sitzplätze umsonst? Dann haben wir auf französischen Websites etwas gestöbert – und kamen darauf, dass wohl hot-desking gemeint war.

Du kannst mit mir zusammenwohnen - aber es kostet!!
Ansonsten gab es letzte Woche unter den Dengländern einige dangerous near-misses – wie zum Beispiel letter off intend (richtig wäre letter of intent), pool position (richtig wäre pole position – ein sehr beliebter Fehler), rooming charge (richtig wäre roaming charge rooming wäre eine Art WG-Gebühr) und schon wieder PMBook statt PMBoK.


Du kannst diese Mode gern tragen - aber die gilt als nuttig!
Die wichtigste Auszeichnung für kreatives Chaos ging jedoch an eine neue Produktlinie für Frauen mit dem Namen Tramp.

Oh dear. Das ist bestenfalls ein Penner, ein Landstreicher. Und schlimmstenfalls, vor allem in Bezug auf Frauen, eine Schlampe. Was war gemeint? Wie bei free seating war es recht schwer, das ursprüngliche Kommunikationsziel zu identifizieren. Wir haben es dann doch dingfest machen können: Gemeint war hitchhiker (von "Trampen").

Die Zeit ist reif

Habt ihr "Die Zeit" diese Woche gesehen? Es geht um die Rettung der deutschen Sprache vor Anglizismen. Aber auch die Zeit macht einen Denkfehler (tolles Wort!): Denn die vermeintlichen Anglizismen sind ja oft gar nicht Englisch.