Samstag, 24. Juli 2010

Ein Sommer-Sammelsurium

Ja, ich war wieder mal ruhig (der Sommer läßt grüßen). Dafür habe ich heute ein buntes Sammelsurium (an odd collection of bits and bobs) im Gepäck:

For example: Der Umsatz ist in den ersten Monaten des Jahres überproportional gewachsen.

Da frage ich mich immer: Im Vergleich wozu? Hier ist disproportionate ganz sicher nicht richtig (und als Adverb disproportionately nicht mal auszusprechen – doch viele scheuen die Mühe, den Satz mundgerecht umzubauen) – denn der Begriff ist semantisch anders und sehr negativ belegt:

Take a look at this:

"We understand HMRC is taking a tougher line with football clubs, but feel their actions are disproportionate and will raise unnecessary speculation as to the financial situation of the club.”

Manchmal passt above-average – und manchmal eben nicht (what was the average?). Oft ist exceptional oder einfach very high die angenehmere Variante.

Regelung, geregelt, regeln
Hier greifen fast alle Übersetzer zu regulation / regulate. Und damit fast immer daneben. A regulation ist ja was „gesetzartiges“. Eine Regelung ist in der Regel (forgive me!) „wie irgendwas allgemein gehandhabt wird“. Die Lösung? Sehr kontextabhängig. Neulich hatten wir zum Beispiel „einer Gastkindregelung zustimmen“ (es ging um Kommunen – no communes please, das ist ganz was anderes - und Schulen).

Wir haben Bücher gewälzt und Websites gegoogelt, bis wir auf folgende Formulierung kamen: agree to a child attending a school outside the normal catchment area. Sowas steht ja nicht bei Leo...

Dann hatten wir natürlich jede Menge dubioses Denglisch.

Es heißt zum Beispiel first come, first served mit DDDDDD – nicht first come, first serve ohne DDDD – sonst muss ich Butler statt Kunde spielen.

Und es heißt letter of intent nicht letter of intend. Und richtig ist at its best nicht at it’s best.

Cross applications sind Anwendungen, die leicht verärgert sind. Cross-industry oder auch horizontal applications dagegen wäre branchenübergreifende Software.

Und, liebe Texter, Checker war ich mal selber in England. Ich durfte in dieser Rolle Liefermengen auf ihre Richtigkeit überprüfen (und einen Gabelstapler fahren – geil!!!). Mit besonderer Intelligenz hatte das allerdings nicht viel zu tun.

Ach ja, und on top – vor allem am Ende eines Satzes geht manchmal aber nicht immer. Solche Sätze stellen wir meist um (In addition, moreover, what’s more...).

Und stringent ist nicht stringent. Und das Adverb stringently ist ein weiterer Zungenbrecher. Also erst recht vermeiden (die Lösung ist auch sehr kontextabhängig – strict, disciplined, thorough, tight, severe, precise...).

Fazit: Wenn irgendwas stringent geregelt wird, dann könnten dahinter stringent regulations stecken – aber ich würde’s nicht so übersetzen. Höchstens das dazu schreiben – on top sozusagen.

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