Freitag, 9. Dezember 2011

Leerfahrten auf Englisch

Heute wieder ein Beitrag von Ben Davidson:


Leerfahrten vermeiden

In German, any journeys made by empty trucks are called Leerfahrten. They waste time, fuel and money. Leerfahrt equals ‘waste’ for freight companies and a truck load of problems for translators. Here, I want to look at the best ways to express the phrase “Leerfahrten vermeiden”.
Most dictionaries suggest ‘empty runs’ - it Googles 7,000 times, but seems to be much more popular with German websites than genuine English ones.

I wanted to find out which terms are really used, where and by whom.

Talk to Henry!
First, I gave my mate Henry a call. He works for a haulage firm and suggested ‘no backload’. Problem is – this implies the truck is only empty on the return journey, which isn’t always the case with Leerfahrt. Also, it doesn’t fit our sentence with vermeiden.

I was then dispatched on a trip down the information superhighway. In Britain, it seems that trade experts talk about avoiding ‘empty running’. This has over 20,000 hits on Google. I searched in U.K. papers. I found an article in the Telegraph, which steered me toward phrases like ‘empty trucks’ and ‘empty miles’. Both are legitimate, user-friendly and garner thousands of Google hits in context.

Talk on CB radio!
Compared to Britain, the U.S. has a much more diverse trucking lexicon, originally driven by the extensive use of CB radios during the 60’s and 70’s. Expressions such as ‘deadheading’ (travelling with an empty trailer) and ‘deadhead miles’ still feature prominently in American trucker forums. For a broader readership, the New York Times uses “empty truck miles”, which is more accessible to the average Joe.

Make the right moves!
For a more international term, try ‘empty truck movements’. It delivers over 6,000 hits from the U.S., U.K. and Australia and can be used for all types of reader.

Alternatively, switch the sentence round and use ‘maximising utilisation’ or ‘maximising payload’ for a more positive feel. This tactic is especially popular in the U.K.

Flowers?
All of these suggestions are viable, depending on who’s reading. I must say my own personal favourite is ‘deadheading’. But don’t be tempted to use it for British audiences – to us it’s a way of pruning flowers.




Martin says: Lieber Leerfahrten als Irrfahrten...

Sonntag, 4. Dezember 2011

Vorsicht: „in-house native speaker syndrome“

Warum immer wieder die Hamburger?

Eine Werbeagentur in der Hansestadt schickte uns letzte Woche as an afterthought deren Christmas Card zum Lektorat.

Es war eine mittlere Katastrophe (was vor allem in der IT-Welt disaster und nicht catastrophe heißt).

„Aber wir haben es doch intern von einer Amerikanerin übersetzen lassen.“
„Grafikerin?“
„Ja, Grafikerin – woher haben Sie das gewusst?“

Ach ja, in-house native speaker syndrome.

Nicht jeder native speaker kann übersetzen -  zum Übersetzen bedarf es Talent, Handwerk und Erfahrung. 

Und am besten rigoroser Kontrolle. Selbst nach zwei Jahren müssen sich unsere Jungen Wilden jede Zeile von mir überprüfen lassen. Die Armen.

Gerade Werbeagenturen, die es täglich mit den Nuancen der Sprache zu tun haben, müssten es besser wissen. Aber erstaunlich viele lassen die eigenen Grafiker ran (ich weiß nicht warum - aber es sind fast immer Grafiker. Aber ich mache denen keine Vorwürfe – sondern dem Auftraggeber).

Oder die Agentur-Chefs machen es gleich selber. Die boss-gebaute Überschrift war (wegen bevorstehenden Umzugs nach Bremen):

Last Christmas in Hamburg.

Ist doch völlig ok, oder? Wir kennen doch alle Last Christmas von Wham, oder?

Erm, da fehlt leider ein klitzekleines Wort. Our last Christmas in Hamburg ist richtig. Ohne our heißt es streng genommen: „Weihnachten letztes Jahr“.

Tja, was ein einziges Wort so ausmacht.

Das Ganze erinnert mich an eine ähnliche Geschichte mit einem großen Modeunternehmen, das die Weihnachtskarte vom Geschäftsführer übersetzen ließ (er lebte 5 Jahre in USA) – und in einer Auflage von 10.000 drucken ließ. Unter anderem hieß es a great jeans. Erm, das heißt a great PAIR of jeans. Nein, logisch ist das nicht. Aber Englisch. 

Die Karten wurden eingestampft. The cards were pulped

Übrigens: Demnächst sind wir auch in Hamburg vertreten!

Samstag, 26. November 2011

sich outen auf Englisch

Lange habe mich lange dagegen gewehrt - aber widerwillig muss ich es hinnehmen: Der Ausdruck "he outed himself" wird langsam salonfähig - und daher als Übersetzung auch akzeptabel. Ich tröste mich damit, dass ich dadurch wenigstens eine Gelegenheit bekomme, Fussball wieder ins Blog-Spiel zu bringen:

http://www.liverpoolfc.tv/news/latest-news/brad-pitt-i-support-lfc

Eine ähnliche lingusitische Niederlage habe ich mit "Akteur" erlebt. Auch wenn ich weiterhin auf die sehr schönen Alternativen hinweisen möchte (player zB), wird in der englischsprachigen Welt immer öfter von actors (im übertragenen Sinne) gesprochen. Angefangen hat es, glaube ich, mit der EU - denn  dort werden viele englische Wörter in der Retorte gezüchtet, die sonst nicht das Licht der Welt erblickt hätten.

Freitag, 18. November 2011

Fachbesucher auf Englisch

Der Begriff „Fach“ gehört aus Sicherheitsgründen verboten. Es sind schon Millionen von tapferen Übersetzern an diesen vier bösartigen Buchstaben krepiert. Nach stundenlangen Schreikrämpfen haben sie sich mit ihren eigenen Tastaturen erschlagen.

Die Nichttapferen dagegen nehmen jeden Leo-Scheiß, und produzieren Texte, nach deren Lektüre die Leser den Freitod wählen.

Also mit großer Vorsicht nehmen wir uns „Fachbesucher“ vor.

Schon millionenfach übersetzt. Aber mit welchen Ergebnissen? Nein, professional visitors sind das nicht – sie müssen ja in der Regel selbst für die Teilnahme blechen (Professional ist auch so ein halber false friend – aber lassen wir das Thema lieber).

Specialist visitor als Übersetzung für Fachbesucher wäre genauso bescheuert. Also landen wir beim Mir-fällt-auch-nichts-besseres-ein- Standard: trade visitor.

Hier geben sich die meisten professional translators zufrieden. Ich nicht.

Jaaaaaa. Den Begriff gibt es – both in the USA and in the UK. Aber auffällig beliebt ist er bei den Germans. Wenn man ihn googelt, sind 19 von den ersten 20 Einschlägen (sorry, Hits) entweder reinrassige deutsche Websites oder Auftritte mit teutonischem Migrationshintergrund.

Es ist halt eine sehr wörtliche Übersetzung von "Fachbesucher". Und er passt nicht immer. Was ist mit Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Gesundheit, Kunst oder Bildung? Das sind doch keine trades

Gefunden habe ich verschiedene Möglichkeiten – aber sehr oft industry professionals. Denn industry fassen wir sehr breit.

Hier nur ein Beispiel:
Qantm College Melbourne recently presented an Art Exhibition, showcasing the best works from students and graduates who had attended Qantm over the past two and a half years. The event was open to all staff, students, industry professionals and the general public.

Noch besser gefällt mir die messespezifische Variante:

Who can attend World Travel Market? World Travel Market has a strict admission policy and is open to travel industry professionals only.

Aber es gibt sicherlich andere Möglichkeiten für Fachbesucher. Ich denke, das ist wieder mal ein Fall von „1:n“ – sprich: Die deutschen Messemacher haben sich auf einen standardisierten Begriff geeinigt, die Anglos sagen je nach Veranstaltung immer wieder was anderes.

Und zu guter Letzt: Oft mogeln die Schreiber von Pressetexten zu Ausstellungen und Kongressen ein wenig. Wenn von 20.000 Fachbesuchern die Rede ist, ist die Silbe „Fach“ oft, naja, zwecks Imagepflege hineingeschleust worden.

Es sind ganz einfach visitors. Oder attendees - auf diese sehr hübsche und natürliche Alternative kommen nur ganz wenige translators.

Hier ein Beispiel:

Sabrina Parsons, Dermot Leahy, and Alan Gleeson will join 300 presenters and exhibitors taking part in the 26th annual Business Startup Exhibition. The two-day event, which starts Thursday November 17th, is expected to draw more than 27,000 attendees.

Montag, 14. November 2011

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen - auf Englisch

Heute ein Beitrag von unserem Praktikanten, Ben Davidson:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen is a phrase that crops up regularly, especially in competition terms and conditions. And it causes problems.
“Why?” I hear you ask, “Doesn’t it translate as ‘the judges’ decision is final’?” Well yes, that is a perfectly acceptable translation, as proven by its inclusion in the rules of Britain’s Got Talent, and on the Illinois Legal Aid website.
You see, the problem doesn’t stem from our inability to find an adequate translation. The issue is “the judges’ decision is final” just doesn’t sound legal enough. Customers can’t believe that it is the equivalent term - it’s almost a case of “The translator’s decision is not final”.
It is true - the German term does have an extremely robust, almost intimidating quality to it. Our little old (but absolutely correct) phrase doesn’t seem to cut the mustard, conjuring up images of the gentle rivalry of the ‘best marmalade’ award at the local village fete. So, as the customer is always right, we needed to find a way to give the term more clout, without alienating the English-speaking reader.
I wanted to keep “The judges’ decision is final”, but find examples where the term had been reinforced with additional information. How about “The judges’ decision is final and no correspondence will be entered into”? It does return 179,000 hits on Google and it sounds somewhat more authoritative than before. Still seems a bit flimsy when compared to the German though.
The search for an alternative continued long into the night (well… mid-afternoon at least), until I came across this souped-up (sorry) version on a cooker website:
 “The judges’ decision is final and legally binding and no correspondence will be entered into.” If we abbreviate this to “The judges’ decision is final and legally binding”, we end up with a concise, legalese term, which will hopefully satisfy our customers and their readers. So, it made it through to the final round of judging, the classic Google check… Almost three thousand hits - a good number for such a specific phrase.
Maybe we should just launch a competition to see who can come up with the best translation of Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Send in your ideas, and we’ll select the best one. And the judges’ decision WILL BE FINAL.

The links:


http://www.itv.com/termsandconditions/competitionsandvotes/britainsgottalentvote2011/default.html

http://www.illinoislegalaid.org/index.cfm?fuseaction=home.dsp_content&contentID=2470

http://www.essentiallycatering.co.uk/competition-terms.htm



Sonntag, 13. November 2011

Chiswick, Fulham, Greenwich, Holburn – and West Ham

Im Oktober durfte ich zwei Wochen in London verbringen. Um genau zu sein: In Chiswick.

Burkhard aus Leinfelden war auch dabei. Und kämpfte etwas mit der Aussprache von den Ortsnamen.

Kein Wunder – die sind völlig unlogisch.

Chiswick zum Beispiel spricht man Chis-ick aus. Das „w“ ist irgendwann mal mit den ganzen Hexen verbrannt worden. Der Name ist übrigens abgeleitet von Cheese Wick - wobei Wick ein altes Wort für Bauernhof  ist. Also wars mal ein Käsebetrieb.

Unterwegs mit der U-Bahn (the Tube) wollten wir in Holburn aussteigen. Aber Burki hörte nur „Hoh-burn“ und las weiter Zeitung. Sorry, auch das L haben wir irgendwo im 18. Jahrhundert vergraben. Ist halt so.

Wir sind beide große Fussballfans. Also fuhren wir zu Craven Cottage, dem Stadium von Fulham. Wie spricht man das aus? Full-amm. Ohne H. Das H ist… ja, ist doch klar, oder?

Das Greenwich Grenn-itsch ausgesprochen wird, durfte inzwischen bekannt sein.

Und was ist mit West Ham? Naja, die Londoner sagen West Amm. Aber das liegt am Dialekt. Alle anderen im United Kingdom sagen West Hamm.

Ortsnamen sind in England (von Schottland und Wales ganz zu schweigen) fast durch die Bank meschugge – die Namen sind im Laufe der Zeit abgekürzt, verdreht und verhunzt worden. Ortskundige lernen die Namen natürlich übers Ohr – und erst danach schriftlich. Aber die Ausländer? Sorry, ihr habt keine Chance.

Allerdings kann ich euch mit einem authentischen Telefongespräch trösten: Ich musste Gas und Strom für die Wohnung bei Scottish Power ummelden. Am Hotline war eine echte Schottin. Und sie war auch der Meinung, die Wohnung würde sich in Chiss-Wick befinden.

Dienstag, 8. November 2011

Paragraphendschungel - und wie man das besser nicht übersetzt

Eine Hamburger Werbeagentur wollte mal ein Konzept für einen führenden Softwarehersteller (übrigens: besser software vendor als manufacturer) entwickeln. Dabei ging es um Compliance (Denglisch lässt grüßen).

Das vorgestellte Konzept hieß „paragraph jungle“. Das ist ungefähr so sinnvoll wie „Absatzurwald.“

Bei uns bestehen Gesetze nicht aus Paragraphen. Sondern aus sections oder articles. Und die Absätze auf der nächsten Ebene? Sind meist sub-sections.

Und „Paragraphen“ als Synonym für „Gesetze“? Sorry, auf Englisch geht das nicht. Und Dschungel? Hmm, naja, es gibt den concrete jungle, aber das ist was anderes.

Das Einzige, was einigermaßen passt, ist „legal red tape“ oder vielleicht je nach Kontext legal minefield – aber dann muss man natürlich auf die ganzen schönen Bilder von Regenwäldern und Tigern verzichten. So ist das, wenn man ohne Muttersprachler Werbekonzepte entwickelt.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Permanent ist nicht permanent auf Englisch


Ich hätte eigentlich gedacht, dass es jedem Übersetzer klar sein müsste, dass permanent nicht permanent ist – aber man wird permanent überrascht.



Permanent auf Englisch ist ja „für immer“. Und nicht so sehr „immer wieder“ bzw. „die ganze Zeit“.


Dabei gibt es durchaus eine gewisse Schnittmenge. 


So mancher Konzern in Germany ist zum Beispiel stolz wie Oskar auf seine „permanente Innovation“. Und den Begriff „permanent innovation“ findet man auch auf Englisch. Aber für mich ist das a contradiction in terms bzw etwas anderes (ich will den Innovationsprozess dauerhaft machen). Und daher ist für mich ongoing innovation einiges logischer (und Google gibt mir Recht, wenn auch nur tendenziell).

Aber ongoing passt nicht immer. Manchmal funktioniert repeatedly oder gar always. Und bei permanenter Verbesserung gibt es einen feststehenden Begriff: continuous improvement. Und als Übersetzer strebe ich sie auch an.

Freitag, 14. Oktober 2011

Angebot auf Englisch


Angebot auf Englisch? Offer, oder? Nein, in 90% der Fälle eben NICHT.

Was viele Übersetzer – vor allem die, die mit der Geschäftswelt während des Studiums kaum Berührung hatten – nicht erkennen (können).

Klar, ein Sonderangebot ist ein special offer. Und wenn ich gerade mit einem gewieften Auto-Verkäufer über den Preis eines klapprigen Gebrauchtwagens verhandle, dann ist durchaus möglich, dass ich ihm (oder er mir) sage: make me an offer.

Aber ansonsten ist  offer fast immer falsch.

In der Geschäftswelt geht es beim Begriff „Angebot“ meist um eine Kalkulation (no, not calculation) – um einen Preis für eine bestimmte Dienstleistung oder Produkt.

Ein Handwerker, Übersetzer, selbst ein Anwalt, erstellt a quotation – meist auf quote abgekürzt.

Auf einem Online-Portal für Autoversicherungen gibt es sogar instant quotes.


Ebenfalls für Werkzeugmaschinen, Häuser oder Gasflaschen erstellt man quotes.

Ein (unverbindlicher) Kostenvoranschlag (KV) dagegen ist auf Englisch an estimate.

Geht es um ein größeren, komplexeren Auftrag, redet man gern von einem proposal - wobei der Begriff von Natur aus nicht unbedingt den Preis beinhaltet. Deswegen wird gelegentlich etwas präzisiert – man soll ein cost proposal oder auch costed proposal abgeben.

Steht man im Wettbewerb um ein richtig dickes Geschäft – zum Beispiel den Bau einer Ölraffinerie – dann wird fast immer a bid abgegeben. Wie so oft im Englischen ist jedoch das Verb oft dem Substantiv vorzuziehen – we were invited to bid for the oil refinery.

Die Briten reden gern in diesem Zusammenhang von tender (sowohl als Verb als auch als Substantiv – we tendered a bid / we submitted a tender).

Ein Angebot im Sinne von „unser Angebot an IT-Lösungen“? = offering, portfolio, vielleicht mal range oder einfach mal weglassen – our IT solutions.

Nicht zu vergessen wäre auch „Angebot und Nachfrage“ – supply and demand.

Und Ausschreibung auf Englisch? Kommt noch…

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Serendipity and literacy


Serendipity ist ein leckeres Wort, dem ich durch die TV-Serie Dr. Who Mitte der 70iger das erste Mal begegnet bin. 

Es bedeutet eine „glückliche und unerwartete Entdeckung.“

A moment of serendipity hatte ich heute beim Übersetzen einer Pressemitteilung ins Deutsche. Ist zwar nicht our core competency aber hat sich so ergeben. Wir haben es in Zusammenarbeit mit dem genialen deutschen Texter Burkhard Anderko gestemmt. 

Es ging um Lernspiele (auf Englisch educational games), bei denen man media literacy erlangt. Da ging mir plötzlich ein Licht auf. Denn ich habe schon öfter „Medienkompetenz“ übersetzen müssen – und nie einen adäquaten englischen Ausdruck dingfest machen können.

Wikipedia gab mir Recht und Sicherheit (wobei ich in letzter Zeit einige Fehler bei wiki gesehen habe – zB ist ein „joint venture“ nie und nimmer ein „Konzern.“).

Besonders interessant – literacy als Übersetzung für Kompetenz. Es gibt auch verwandte Ausdrucke – computer literacy, multimedia literacy, technology literacy.



Übrigens: Im Zusammenhang haben wir media literacy nicht mit Medienkompetenz sondern wie folgt übersetzt: „Der richtige Umgang mit Medien“ (denn context is king!).

Sonntag, 9. Oktober 2011

Vier-Augen-Prinzip auf Englisch


Germans reden gern vom Vier-Augen-Prinzip.

Google gibt recht viele Hits für four-eyes principle her – but I smell a Teutonic rat – vor allem wegen dem “principle”. Ich habe den Ausdruck nie „im normalen Leben“ gelesen oder gehört.

Selbst die Erwähnung bei wiki und Freunden überzeugt mich nicht. Viele Hits sind Übersetzungen aus dem Deutschen – oder haben sonstige teutonische Wurzeln.

Four eyes are better than two” existiert zwar als Redewendung, ist aber nicht das Gleiche (da geht es in der Regel um die visuelle Aufdeckung von Fehlern, z.B. beim Lektorat).

Wenn wir four eyes (was ich vor allem als Schulhof-Beleidigung für Brillenträger kenne) wegen Beweismangel und Bauchschmerzen aussortieren, was dann?

Gefunden haben wir:

Dual control (vor allem in einem IT-Kontext oder in der Finanzwelt)



Aber auch (mit einem leichten Beigeschmack von Atomwaffen):

Two-man rule

Two-person rule (gemessen an Google-Hits schlägt man ganz klar person 3:1)

Ich denke aber, dass wir prinzipiell kein Prinzip daraus machen - und in vielen Fällen einfach den Ablauf beschreiben – etwa so:

Needs to be approved (verified, checked) by a second person.

Vier-Augen-Prinzip ist halt im Deutschen ein Begriff, den jeder kennt. Im Englischen ist die Sache etwas differenzierter – und diffuser.

Freitag, 7. Oktober 2011

Molch = pig not newt

Für Linde AG übersetzen wir gerade eine Mitarbeiterzeitschrift – ein leckerer Auftrag, denn man kann die Projekte gut einplanen und im Laufe der Zeit das notwendige Fachwissen auf- und ausbauen.

Dabei habe ich einen gewissen Vorteil: Ich habe früher bei Ruhrgas AG (inzwischen von EON geschluckt) gearbeitet. Und daher wusste ich, dass ein Molch nicht a newt sondern a pig ist.

Denn ein Molch in der Gasindustrie ist ein Gerät, das zu Mess- und Prüfzwecken durch die Leitungen geschickt wird. Auch in einem James-Bond-Film (The World is not Enough) kam ein pipeline pig vor. Wie wurde es übersetzt? Na klar. Als „Schwein“.

Hier der Pig Inventor:

Hier ein Bild und eine leicht verdauliche Beschreibung eines Molchs:

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Rohstoffe - nein, nicht immer "raw materials"

Wie übersetzt man “Rohstoffe“ ins Englische?

Einfach, oder? Raw materials.

Erm, nein, nicht immer. Und, erm, nicht ganz so einfach.

Ein Gastronomiebetrieb bezieht seine Rohstoffe gern vor Ort? Das sind locally sourced ingredients.

Wird ein Rohstoff für einen industriellen Prozess eingesetzt (um irgendwas herzustellen), so wird das gern unter Fachleuten als feedstock bezeichnet.

Zum Beispiel:

The idea of using seaweed for ethanol is also being researched in Korea and the Philippines, as well as in Chile. One of the benefits to using seaweed as an ethanol feedstock is that it grows quickly and allows as much as six harvests per year.

Auch interessant – wir sprechen zwar auch von algae aber meist sind Algen für uns seaweed (vor allem, wenn wir es braten und anschließend essen – was ich sehr empfehlen kann).

Hier mehr dazu:

http://en.wikipedia.org/wiki/Seaweed

Wenn es um Rohstoffe geht, die in großen Mengen gehandelt werden (Öl, Kohle, Gold, Kaffeebohnen, Getriede) so sind das commodities. Und der Rohstoffmarkt ist logischerweise the commodities market – manchmal auch plural commodities markets.

Montag, 3. Oktober 2011

Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit - auf Englisch


Man würde denken: Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit ins Englische zu übersetzen wäre einfach. Pustekuchen. Nein, nix mit collaboration oder cooperation. Und erst recht nicht THE collaboration. Und auch nicht many thanks. Das ist die falsche Tonalität. Many thanks ist sehr salopp und extrem unverbindlich.

Thank you for your cooperation – das sagt man den Passagieren von British Rail, wenn sie die Treppe hinunterlaufen müssen, weil sie mit dem defekten Aufzug nicht mehr fahren können. Es ist quasi „vielen Dank für Ihr Verständnis (fürs Mitmachen)“.

Was sagt man dann?
Extrem flexibel einsetzbar ist thank you for your support. Auch gegenüber Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern und sogar Aktionären. 

Support ist dabei nicht mit dem deutschen Wort „Unterstützung“ gleichzusetzen. Es ist umfangreicher, vielseitiger.

Eine weitere Möglichkeit – vor allem bei Mitarbeitern und Lieferanten – wäre
thank you for your (positive, fantastic, exceptional) contribution (to our success, to another great year).

Ähnlich ist thank you for your (expert) advice and assistance.

Gegenüber Kunden kann man sich auch direkt für den Umsatz bedanken: thank you for your custom, thank you for your patronage – wobei ich beide etwas förmlich finde (vor allem letzteres). Und beide sind meist auf schwarz lackierten Tafeln vor tea shops oder in pubs zu finden.

Im direkten Dialog am Telefon könnte man so was sagen wir: thanks for all your help.

Auch hier gilt: Das ist das, was man in diesem Zusammenhang sagt - auch wenn es für deutsche Ohren sehr nach Katastrophenhilfe durch das Rote Kreuz klingt (was übrigens disaster aid wäre).

Ansonsten muss man extrem kontextspezifisch formulieren. Man sollte sich einfach überlegen: Bei wem und wofür bedanke ich mich hier eigentlich?

Bei meinen Angestellten am Ende eines langen aber erfolgreichen Jahres?
Thank you for all your hard work and dedication during (a highly / another) successful year.

Bei den anderen Teilnehmern an einem Projekt für die produktive Zusammenarbeit unter einander bzw. Teamgeist?
Thank you for a highly productive working relationship and positive team spirit.

Bei meinen treuen Kunden in einem schwierigen Geschäftsumfeld?
Thank you for your continued loyalty during these difficult times.

Weitere Vorschläge sind sehr willkommen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Samstag, 1. Oktober 2011

Frust bei frustrierten Aufwendungen?

Wir sind neulich über den juristischen Begriff „Frustrierte Aufwendungen“ gestolpert. Mit der algorithmischen Hilfe von Google haben wir bei Linguee haufenweise “frustrated expenses” als englische Übersetzung gefunden.

Hmmm, I don’t think so. The blind leading the blind, if you ask me. Oder besser gesagt: Die Bequemen schreiben einfach bei den genauso Bequemen ab. Und basta.

Bei Leo und ähnlichen Online-Plattformen fanden wir gar nichts. Selbst bei Dietl und anderen teuren Nachschlagwerken kamen wir nicht weiter.

Was tun?
Erstens feststellen, was hinter dem deutschen Begriff steckt („Na klar“ würde man meinen – machen aber nur die Allerwenigsten).

Wir haben das umfangreiche und extrem gut geschriebene Rechtslexikon „Creifelds“ – kostet aber um die 50 EUR, und das wollen sich leider viele Übersetzer sparen.

Aber auch online wird man fündig:

Frustrierte Aufwendungen sind Aufwendungen, die im Hinblick auf die korrekte Durchführung eines Vertrages getätigt, aber bei dessen Scheitern sinnlos werden. Wurde beispielsweise bei einem Partyservice Essen bestellt, der aber nicht liefert, sind die trotzdem angefallenen Kosten für Raummiete und Blumendekor.“

Aha! Also bedeutet „frustriert“ in diesem Kontext eigentlich „verschwendet“ (in Erwartung einer Leistung).

Mit diesem Wissen kam meine australische Mitarbeiterin Lotta Ziegert (mit ihrem  juristischen Hintergrund) schnell auf den passenden englischen Begriff (bzw. Begriffe):

Reliance loss
Wasted expenditure
Wasted expenditure loss

Alle sind wasserdichte Lösungen – die man durch zuverlässige Definitionen belegen kann.

Zum Beispiel:
Reliance loss is also known as wasted expenditure loss and arises when the claimant has incurred out of pocket or wasted expenditure in preparation of or partial performance of the contract.

Passt also 100%.

Vorsicht allerdings bei expectation loss. Denn dazu gehören nicht die Aufwendungen, die man getätigt hat, sondern auch der entgangene Gewinn, den man eventuell erzielt hätte:


Es gibt im Englischen interessanterweise durchaus den juristischen Begriff frustration (thank you, Lotta!). Dieser Frust entsteht, wenn die Durchführung eines Vertrags durch äußere Umstände unmöglich gemacht wird:


Mein Frust bezieht sich auf die Bequemlichkeit der meisten Übersetzer. Ja, wir haben für die Recherche Zeit gebraucht – aber wir haben eine fachlich richtige Lösung, die von der Zielgruppe verstanden wird.


Und darum sollte es gehen, oder?

Dienstag, 20. September 2011

Buggery, Sodomy and Duden

Ich hatte neulich Besuch aus Hannover (was ja auf Englisch  mit einem N – Hanover – geschrieben wird). 

Meine Freundin und fellow translator Sally Maßmann kicherte immer wieder vor sich hin. Nein, nicht ob meiner Witze – sondern über das Buch Schulwissen Englisch (von Duden).

Ich hätte es echt nicht gedacht - das Buch ist ein Supergau. In einem billig zusammengeschusterten Werk eines verarmten GUS-Staates ohne bezahlbare native speakers hätte ich solche Fehler erwartet – aber von einem renommierten Verlag eines (relativ) wohlhabenden, export-orientierten und PISA-sensibilisierten High-Tech-Landes? No way.

Problem Nr. 1
Offensichtlich sind fast alle „englischen“ Texte keine Originale – sondern übersetztes Deutsch  - oder von einem Möchte-Gern-Muttersprachler, der kein echtes Englisch (mehr) kann.

Selbst wenn die Übersetzung gelungen wäre (die Betonung liegt auf der Konjunktivform), ist das, sorry, absolut bescheuert – Schüler sollen sich mit authentischem, natürlichem Englisch auseinandersetzen. Sonst befreien sie sich nie vom deutschen Satzbau und von teutonischen Vokabeln.

Schaut euch zum Beispiel das hier an (vor allem Abschnitt 2):




Kein einziger Satz ist natürlich; die meisten sind recht komisch bis missverständlich (it might help identify with the school? Help WHO identify??? supports the idea of uniformity - häh?). Und was soll das mit den other gadgets? Seit wann ist eine Schuluniform ein gadget (was other suggeriert). And wie wäre es mit brand-name products – nicht articles? It might ALSO cause some problems or EVEN conflicts - der deutsche Akzent ist unüberhörbar.


Problem Nr. 2
Auch die bekennenden Übersetzungen sind schlecht bis sehr schlecht. Boulevard-Presse heißt nicht boulevard press. Die Sensationspresse erst recht nicht sensational paper (Gleich 3x falsch - ein paper ist nicht die gesamte Presse, sensational wäre Lob – es müsste sensationalist heißen – und von sensationalist press reden wir sowieso fast nie. Wir reden höchsten von sensationalist reports oder sensationalist journalism) Und gutter press ist zwar richtig – aber extrem abwertend.








Richtig übel: In einem simulierten Zeitungsartikel (der Authenzität vorspiegelt - oder muss das Authentizität heißen?) wird das Sicherheitssystem, das einen Einbruch hätten verhindern können, als safety system bezeichnet. Erm, did you mean security? Und das yet am Ende ist auch sehr German.


Kein Wunder, wenn Deutsche den Unterschied zwischen safety und security nicht kennen – wenn der Duden es gleicht falsch vermittelt.






Und ein broken door ist kein place. Und wieso Komma nach May? May 11, 2005 - ja. Aber nicht 11th  May, 2005. Oh GOTT ist das Ding schlecht.


Problem Nr. 3
Es sind etliche grammatikalische und sonstige Fehler. Es heißt heavy industry nicht the heavy industry. Bei Zahlen verwenden wir Komma bei Tausend und Punkt für die Dezimalstelle. Duden offensichtlich nur gelegentlich.




Sodomy ist nicht Sodomie  - aber trotzdem ein heftiges Wort für Schüler
Der Ausdruck I’ll be buggered wird ohne Warnhinweis als Umgangssprache für „ich bin baff“ verkauft. Buggery ist ein derbes Wort für sodomy (auch ein false friend – denn das deutsche Wort „Sodomie“ hat mit Tieren zu tun. Die entsprechende Freizeitaktivität heißt auf Englisch bestiality).


Zugegeben, das Wort bugger hat sich sehr abgenutzt und wird oft verwendet – aber es gibt durchaus Engländer, die noch höchst empfindlich darauf reagieren.


Ich hoffe zumindest, dass meine Stieftochter (die mit dem Duden-Machwerk arbeitet) bei ihrer Gastfamilie in Eastbourne den Ausdruck meidet. Offensichtlich wissen die Autoren (die alle verdächtig teutonisch klingende Namen tragen) nicht um die Brisanz von bugger.


Once sally had returned to Hanover nahme ich mir einen Block Post-Its zur Hand, um die Fehler zu markieren – aber die gelben Zettel sind mir noch im ersten Drittel des Buches ausgegangen. Duden really buggered this particular book up. They  made real prats of themselves - and did not deserve the dosh they were given.



Sonntag, 11. September 2011

Ist ja bekannt



Consider the next sentence:

Wir texten auf Englisch für viele bekannte bzw. renommierte Werbeagenturen.

Wie übersetzt man das?

Klar, ich kann well-known and renowned ad agencies sagen. Aber well-known ist nicht positiv. Oft sogar recht negativ. Und renowned is irgendwie arg konservativ. Es riecht nach Eiche rustikal und Staub. Auf jeden Fall nicht unbedingt Adjektive, die ich mit Selbstlob in Verbindung bringen würde.

Ich nehme lieber leading, high-profile, vielleicht sogar famous oder big-name.

SMS = text; text = copywriting
Und texten? Write (English) copy oder nur write in English. Texting dagegen ist SMSen. Nur selten sagen wir: I'll send you  an SMS. Üblich ist: I'll text ya!

Übrigens: Kundenberater bei einer ad agency ist ein account manager. Nix mit customer (eher client sowieso) oder consulting

No smoking [was für uns kein Kleidungsstück ist]
And apropos of nothing: Ich stand Freitag während unserer Einweihungsfeier (office-warming party) hinter der Villa (nein, nicht villa, eher mansion, big house - googeln Sie mal mansion tax), in der sich unser neues schickes Büro befindet – und habe heimlich eine Kippe mit Burkhard Anderko (einem genialen deutschen Texter) gepafft.

Versailles in Ludwigsburg?
Er sah das gepflegte Grünzeug, die hübschen Mauern und die mit Liebe angelegten Wege an – und lobte den „Park“. Tja, einen park würde ich das auf Englisch NIE nennen – a park ist für uns was sehr, sehr Großes und vor allem Öffentliches.

Alles andere ist für uns a garden. Oder gardens – wenn es Versailles ist.

Ja, false friends lauern überall. Auch im Garten. Er, im Park.


Hier Bilder von der Villa:


http://www.crellin.de/deutsch/aktuelles/aktuelles.php



Sonntag, 4. September 2011

Texten und Übersetzen ohne Rücksprache?

Ich war recht ruhig in letzter Zeit, denn es gab viel zu tun – das Sommerloch fiel komplett ins Wasser (kann ein Loch ins Wasser fallen?). Und wir sind umgezogen – in wunderschöne Räume (der Hund und der Kickertisch durften auch mit):


Aber zurück zum Titel-Thema (cover story):
Am Donnerstag kam ein typischer Anruf von einer Werbeagentur:
Ob wir auf Englisch nicht nur übersetzen sondern auch texten könnten?
Ja, können wir.
Ob man den Texter auch persönlich kennenlernen und briefen könnte?
Nur zu! Wir begrüßen das ausdrücklich. 
Die Erleichterung am anderen Ende war spürbar: Sie sind der erste, der das sagt!


Wiener Würstchen? 
Neulich hatten wir auch eine Anfrage für ein großes Projekt aus Wien – von einem Übersetzungsbüro, dessen Webpräsenz englische Werbetexte anpreist. Aber das Büro sucht offensichtlich verzweifelt nach entsprechenden Kapazitäten. Auch hier hieß es: Kein direkter Kontakt zum Endkunden. Well, thanks, but no thanks.

Was ich festgestellt habe:
  • Die meisten Übersetzungen laufen über Büros, die direkte Kommunikation unterbinden wollen. Sie wollen möglichst große Aufträge gewinnen, verteilen und abrechnen – mit möglichst wenig eigener Wertschöpfung und möglichst wenig „Ärger“ (wozu Briefing und Rückfragen gehört)
  • Viele Büros haben in den letzten anderthalb Jahren den Textermarkt entdeckt (zumal der Preisdruck auf dem Übersetzermarkt immer größer wird) – besitzen aber weder die entsprechenden Ressourcen noch die Kompetenzen
  •  Viel schlimmer: Sie übertragen ihr vorhandenes Geschäftsmodell auf diesen Markt: Billige, schlecht ausgebildete und oft völlig ungeeignete Freiberufler sollen aus der Ferne die Aufträge stemmen
  •  Sie glauben, mit dem üblichen Konzept (damit werben, dass man alles kann – und nachher einen Freiberufler irgendwo herbekommen, der alles anonym verrichten soll) auch auf dem Textermarkt erfolgreich sein zu können. Stimmt nicht (auch wenn ähnliche Online-Modelle auch dort inzwischen existieren). Und stimmt auch auf dem Übersetzermarkt nur zum Teil.
  •  Sie glauben, dass Übersetzer ohne weiteres auch texten können. Stimmt überhaupt nicht. Viele Übersetzer formulieren leider sehr schlecht – und kapieren nicht, wie man an die Sache herangeht (Positionierung, Pain Points, Tonalität, Alleinstellungsmerkmale…)


Fazit:
 Übersetzen und erst recht texten ohne direkte Kommunikation zum Kunden ist zum Scheitern verurteilt – it is an accident waiting to happen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Repräsentativ, seriös auf Englisch

A representative sample
Ich gab mir neulich eine englischsprachige Führung durch das Schloss Ludwigsburg – immerhin 90 Minuten Kultur pur. The translation was not fit for a king. Zum Beispiel: Uns wurden viele representative rooms gezeigt. Sie waren recht ansehnlich. Aber representative of what

In solchen Sachen bin ich nicht so bewandert – aber das sind wohl state rooms oder vielleicht reception rooms.

Auch in anderen Zusammenhängen ist repräsentativ ein recht unreliable friend. Ein repräsentatives Gebäude? Hmm, je nach Zielgruppe und Architektur – impressive, swanky, commensurate with our company’s image, corporate glass-and-steel. Langweilig aber allwettertauglich wären: suitable, attractive, smart. Andere Vorschläge sind sehr willkommen.

It’s a serious matter
Seriös ist auch so ein Kandidat, bei dem viele Übersetzer nicht nachdenken (wollen). Ein seriöser Geschäftsmann ist für mich vor allem respectable. Ein seriöses Angebot ist aber eher genuine. Auch griffig ist gravitas (vor allem in der Verbindung „lacks gravitas“ = unseriös). Das Wort ist für mich wie St. Pancras Station – sie sollte mal abgerissen werden, und jetzt ist sie nicht mehr wegzudenken (auch eine Redewendung, die inzwischen total aus der Mode gekommen ist – vielleicht zum Glück: sie ist extrem schwer zum Übersetzen!!!).

See here for “lacks gravitas”:

And here for St. Pancras:

Besonders empfehlenswert ist die Plastik:

Ich kann nur sagen: Sie hat was. Auch wenn sie eine Million Pfund gekostet hat.

Sonntag, 10. Juli 2011

Schnecken, Gurken und 1:n-Fallen

Deutsche Supermärkte sind ziemlich grau und grausam im Vergleich zu englischen, französischen oder amerikanischen Supermarkets. Es gibt jedoch eine rühmliche Ausnahme – Metro (ja, ja, ist Cash-and-Carry, weiß ich).

Aber auch in Aro-Land lauert bad translation.

Hier ein Beispiel:



Da hat wieder mal jemand schnell bei Leo nachgeschaut, was?  Kann ja nicht schiefgehen – ist doch ein einfaches Wort. Und patsch – schon ist man in der 1:n-Falle gelandet. Nein, liebe Metro-Macher, das ist kein cucumber sondern gherkin. Und zwar pickled gherkin oder einfach pickle. Denn wir unterscheiden sprachlich zwischen den beiden sehr ähnlichen Gemüsesorten.

Siehe hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Gherkin

Was heißt hier 1:n-Falle?
Es gibt deutsche Wörter, bei denen wir Anglos zwei oder mehrere Begriffe haben (und umgekehrt natürlich auch) – die keine Synonyme sind. Wie bei potenziellen Ehepartnern: Man oder frau muss schon den Richtigen (die Richtige) auswählen.  Sonst: Marry in haste, repent at leisure.

Na, meine kleine Schnecke?
Noch ein Beispiel wäre Schnecke. Ja, auch die Deutschen unterscheiden zwischen Schnecken mit und ohne Gehäuse. Aber nicht immer. Bei uns muss man sich festlegen. Slugs (die Nacktschnecken) sind was schleimiges und eckelhaftes. A snail dagegen ist beinahe putzig. Aber trotzdem nicht als Kosename zu empfehlen.

Und Sauregurkenzeit auf Englisch?
Im Journalismus ist das the silly season (weil die Journalisten aus Mangel an Alternativen gern über Außerirdische und Ähnliches berichten). Das wirtschaftliche Sommerloch wird meist mit summer lull übersetzt – es gibt jedoch auch hier ein 1:n-Verhältnis aber mit Synonymen. Mid-year lull, seasonal lull (klar, könnte auch Januar sein), mid-year dip in business, und vieles mehr.

Donnerstag, 7. Juli 2011

10 Stunden auf meinem Blog?? Respekt! Und Prost!

Mit dem "Sitemeter" (unten rechts) kann ich einiges über die Besucher dieses Blogs feststellen - wieviele, wann, wie lange, woher, bei welcher Firma... ja, etwas beunruhigend (a bit creepy), oder?

Als ich heute mittag reingeschaut habe, bin ich fast vom eleganten Drehstuhl gefallen.

Irgendjemand hat heute (erm, angefangen um 3 Uhr morgens!) mit einer kurzen Unterbrechung fast 200 Einträge angeschaut - insgesamt knapp 10 Stunden.

Wow. Nicht mal ich würde das tun! Und es ist mein Blog!!!

Solche Begeisterung (erm, es IST Begeisterung, hoffe ich?) muss ich belohnen. Also:

BITTE MELDEN!!

Bei der Angabe der richtigen Stadt, Browsers und Betriebsystems gibt es zwei Flaschen Wein!!!

PROST!

Sonntag, 3. Juli 2011

40 Seiten schlechtes Englisch umsonst überarbeitet

Nice customers:

Es gibt Kunden, die unsere Arbeit sehr schätzen, aber von „oben“ schmerzhaft enge Budgetvorgaben haben. Es gibt Projekte, die Spaß machen, aber keine finanzstarken Sponsoren haben. Und es gibt sympathische Menschen, die einfach gutes Englisch brauchen, und gerade keine Knete haben. Für alle haben wir Verständnis – und machen gern finanzielle Zugeständnisse.
Wir haben im Juni zum Beispiel aus „sozialen Gründen“ ein Projekt umsonst (pro bono, wie es im Englischen heißt) durchgezogen, das normalerweise locker 1200 EUR gekostet hätte. Denn: Für mich ist mein Geschäft mehr als nur Geschäft. If you see what I mean.  Es soll Freude machen – mir, dem Team und den Kunden. Und ohne Kickertisch und Bürohund läuft bei uns sowieso nichts.

Not-so-nice customers:
Aber es gibt auch Menschen, die einfach dreist sind – auch wenn sie sich wahrscheinlich besonders clever vorkommen.

GMX = Großes Maul, niX dahinter?
Ein Beispiel gefällig? Wir hatten diese Woche eine Anfrage von einer GMX-Adresse. Da geht schon mal eine Augenbraue bei mir hoch. Wir sollten vorhandenes „Englisch“ aus deutscher Feder korrigieren. Da schnellt schon die andere hoch. Vier Seiten. Als Probe. Umsonst. Die Augenbrauen treffen sich in der Mitte und tauschen die Plätze.

Eine Kostprobe?
Proben sind durchaus ein probates Mittel – ich empfehle sie ja auch. Aber vier Seiten? Und dann auch noch schlechtes Englisch statt gutem Deutsch? And for free? Ach, und alles innerhalb von 24 Stunden?  Auf der anderen Seite: Das beschriebene Projekt war ganz lecker. Und es sollten angeblich viele bezahlte Aufträge folgen.
Also schlugen wir 100 EUR als „Schutzgebühr“ vor. Nicht gerade viel. Aber es wurde prompt per GMX abglehnt  - mit dem Hinweis auf die anderen 10 (in Worten: ZEHN!) Mitbewerber, die ihre Probe umsonst machen würden. Also hat der Herr womöglich 40 Seiten selbst gedichtet und alles umsonst überarbeiten lassen? Very clever, Mr. GMX-Adresse. Aber ohne uns.

Nicht schon wieder Do-it-yourself-Englisch
Und warum glauben denn so viele, dass grausames Denglisch einfacher (und billiger) zum Überarbeiten wäre als gutes Deutsch zum Übersetzen? Seufz.

Was zum Schmunzeln
Zu diesem Thema kann ich folgenden Emailaustausch (angeblich authentisch) sehr empfehlen (unbedingt nach unten scrollen und alles lesen bzw. anschauen! Es fängt relativ bieder an):


Überhaupt: Die Website ist ein Traum – sehr schräg, aber sehr witzig.

Berühmt wurde sie weltweit durch diesen Dialog:


Persönlich finde ich diesen Beitrag total zum Kringeln: