Dienstag, 11. Januar 2011

Warum ich Denglisch hasse. Oder auch nicht.

Folgenden Text habe ich noch vor Erhalt der Email von Herrn Allers erhalten. Ich hoffe auch, er nimmt mir meine Anwort nicht übel - ich finde einen solchen Austausch sehr aufschlussreich und an-/aufregend.


Es gibt einige ergraute, erzkonservative bis ewiggestrige Menschen, die einen regelrechten Kreuzzug gegen Denglisch führen. Obwohl ich mit einigen Einwänden absolut d’accord bin, möchte ich nicht zu diesem Lager zählen.

Es gibt aber auch einige Menschen, häufig Mitglieder der „Kreativbranche“, die lieber ein englisches als ein deutsches Wort verwenden - vor allem, wenn es um Werbung geht. Und selbst wenn ich in und mit dieser Zunft mein Geld verdiene, habe ich dabei einige Bauchschmerzen.

Heh, that's mine!!!
Jede Sprache leiht sich Wörter von anderen Sprachen aus – und gibt sie nicht zurück. Das ist völlig in Ordnung. Ich finde es schön, dass man im Englischen von schadenfreude, zugzwang und kindergarten redet. Dass wir robots (vom Tschechischen), neologisms und austerity (aus dem Griechischem) sowie perestroika (aus dem Russischen) haben auch. Dass unser Adel auf Französisch verpflichtet ist, finde ich herrlich – noblesse oblige hat tatsächlich einen edlen Klang. Fremdwörter sind Salz in der Suppe, sie sind eine wichtige Würze.

Hmm, a bit salty if you ask me
Aber: Zu viel Salz schmeckt gräßlich. Und beim falsch gewählten Gewürz verdreht sich schnell der Magen.

Englisch wird oft eingesetzt, weil es angeblich cool ist – nicht, weil es was treffender zum Ausdruck bringt, oder was Neues kommuniziert.


Die Rektorin kann doch Englisch, oder?
Was ich persönlich echt nicht leiden kann, ist die extrem häufige Verwendung von Möchte-Gern-Englisch – Englisch, das keines ist. Englisch, das wörtlich oder einfach völlig falsch übersetztes Deutsch ist. Was bringt das? Wieviele Jugendliche hören täglich „hit music only“, und glauben damit was Englisches gelernt zu haben? Oder gehen auf die Cooperative University, um ein dual study (autsch!!) zu absolvieren - statt auf die University of Cooperative Education? Nur weil das „die Rektorin so beschlossen hat – und basta.“

Immer wieder erklären gebildete, intelligente und sonst sehr sympathische Nicht-Muttersprachler am grünen Tisch irgendeinen grausamen Spruch für tolles Englisch – und wir native speakers flehen sie vergeblich an, dieses Verbrechen gegen die englischsprechende Menscheit zu überdenken. WARUM tun sie das? I don’t know. Aber es tut in der Seele weh.

Hier ein Artikel in der englischen Presse zu Denglisch:

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/denglish-now-verboten-2171795.html

Hier ein Artikel über die Dynamik von Englisch:

http://www.independent.co.uk/news/science/the-way-we-speak-now-2174495.html

Kommentare:

Victor Dewsbery hat gesagt…

There is an interesting difference between the gym advert in your other post ("It's on you") and the principal of the university.
The gym is quite happy to speak German with English words. If Germans get the point, they are happy. They don't care whether you and me understand what they are driving at. (Native speaker? Wossat?)

But the university is trying to establish an international identity, so the question of whether it is "real" English is more meaningful here. The complicating factor, of course, is whether the hierarchy within the institution rules out any objective assessment of the standard of the lady's English. But that's a completely different kettle of fish.

MCSquared hat gesagt…

Absolutely. Denglisch means different things to different people. The Jil Sander instance is yet another and different form of Denglisch. But I still dislike the concept of an artificial langauge only for use with/for/by Germans. For one thing, it is hard for all concerned to know when it is being used (as opposed to simply wrong English). It is not flagged up as such with a health warning. It should be. And the JonnyM example is almost certainly unintentionally rather than deliberately wrong. The concept of an artifical language strikes me as a convenient cop-out.

MCSquared hat gesagt…

Another thought: "Die Rektorin" is representative of many people who insist on using incorrect English DESPITE being made aware of its perils - they simply insist "that is what we call it". When they do so, they go beyond simply making an honest mistake; they are using a form of Denglisch.

Librarian hat gesagt…

Did you hear again from Mr. Allers?
I think those of us who are following your blog regularly would be interested in reading his comment(s) on here.

The Jil Sander quote - I thought it was a pisstake (I know. Language, Timothy!!). If it is indeed what Frau Sander said... it is hair-raising, to say the least.

textkompetenz hat gesagt…

>wir native speakers flehen sie vergeblich an, dieses Verbrechen gegen die englischsprechende Menscheit zu überdenken< Ja, soeben wieder geschehen bei einem Werbekunden von mir, dem ich zähneknirschend erklärt habe, dass 'fights a cold from getting nasty' (!) nun so gar nicht geht, und mir anhören mußte: Das kommt von unserem Kunden und die wollen das erstmal so. Schwierig bei globalen Etats wird es auch inzwischen, weil oft neben dem Deutschen ein Engländer, ein Inder, ein Amerikaner und ein Australier am Tisch sitzen, und alle eine etwas andere Vorstellung davon haben, was denn 'richtiges' Englisch sei :-(

MCSquared hat gesagt…

textkompetenz - a further problem is that not all native speakers share our sensitivity or, dare I say it, skills when it comes to judging quality. And sometimes they get asked "Is that OK?" without knowing that they are about to approve an international slogan and not an unimportant missive to Great Uncle Brian.