Samstag, 26. Februar 2011

Zweisprachig aufgewachsen? Pech!!!

Ich kann mich noch glasklar an meine allererste Deutschstunde erinnern (vor 39 Jahren!).

Wir Normalsterblichen waren schwerst beeindruckt von einem sonst unscheinbaren Mitschüler, der zweisprachig aufgewachsen war. Das grenzte für uns an schwarze Magie. Und wir? Wir hatten hunderte, nein, tausende von Stunden vor uns – und trotzdem keine Chance, diese Aussprache, diese Flüssigkeit zu erlangen.

Der Neid ist vergangen.

Denn die bilinguals sind (mit ganz wenigen Ausnahmen) uns monolinguals beim Übersetzen und Texten ganz klar im Nachteil.

Warum?
Die bilinguals können nicht zwei Lingos „perfekt“ (bei einer solchen Behauptung gehen bei mir sowieso sämtliche Nackenhaare in Halbachtstellung). Eine Sprache is dominant, die andere ist, naja, verdammt gut, aber „untergeordnet“ und „lückenhaft“.

Viele Fehlanzeigen!
Die Junior-Sprache wurde oft mit nur einer Person gesprochen. Es ging nur um gewisse Themen. Aktive verbale und schriftliche Kommunikation in der Schule, Uni oder Arbeit? Fehlanzeige. Zig verschiedene Personen und Situationen? Fehlanzeige. Bücher, Radio und Fernsehen? Fehlanzeige. Überhaupt: Kritisches Feedback? Fehlanzeige. Es wird nur gelobt. Und es ensteht schnell eine Überschätzung der Fähigkeiten von innen und von außen.

Ach, Mama!
Aber es geht noch schlimmer. Die Mutter, von der man die zweite Muttersprache hat, ist auch schon 20 Jahre im Ausland. Deren Englisch ist nicht mehr aktuell, nicht mehr astrein. Es ist gefärbt. Und die Färbung wird übertragen.

Und noch schlimmer. Selbst die dominante Sprache kann unter der Zweisprachigkeit leiden. Auch sie wird gefärbt und degradiert.

Ganz besonders merkt man das bei, na klar, den false friends. Auch wir monolinguals sind anfällig. Aber die bilinguals? Sie haben von Geburt an diese Immunschwäche. It is a congenital predisposition.

A marriage of convenience?
Und noch was: Während die monolinguals sich aus Liebe zur Sprache und wegen einer besonderen Fähigkeit für diesen Bereich entscheiden und qualifizieren, haben die bilinguals den Beruf meist aus Gründen ihrer Zweisprachigkeit gewählt – ob sie dann wirklich das notwendige Sprachgefühl und die notwendige Sprachbegeisterung mitbringen?

I have my doubts. Was mir diese Woche schon x-mal unter Beweis gestellt wurde.

To your very good health, sir!
BTW – die Beherrschung einer zweiten Sprache hat durchaus gesundheitliche Vorteile:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/3794479.stm

Kommentare:

Librarian hat gesagt…

Stimmt. Ich sehe das bei meiner Cousine, die seit Ende der 80er Jahre in Südfrankreich lebt. Ihr Deutsch ist noch sehr 80er-Jahre-mäßig (vintage, nicht retro!), und ihre Söhne lernen es so von ihr, mixen aber Satzstellung und anderes aus dem Französischen in ihr Deutsch, so dass das Ergebnis zwar très charmant ist, aber eben nicht ganz richtig.

Was den gesundheitlichen Effekt angeht, kann man sich auf den leider nicht immer verlassen. Meine Großtante war ihr Leben lang geistig sehr rege, sprach fließend mehrere Sprachen, war im Stadtrat engagiert und an vielen Dingen interessiert und trotzdem am Schluss völlig dement.

Birgit hat gesagt…

À propos gesundheitliche Vorteile... One of a "friend of mine's" best Fehler learning German was when somebody sneezed and he said "gute Verbesserung."

EP
http://www.englishproco.com/

Birgit hat gesagt…

À propos gesundheitliche Vorteile... One of a "friend of mine's" best Fehler learning German was when somebody sneezed and he said "gute Verbesserung."

EP
http://www.englishproco.com/

T&O Services hat gesagt…

Ihr dürft nicht alle "bilinguals" über einen Kamm scheren. Tut mir weh. Ich habe zuerst einen normalen Beruf erlernt, habe dort das Marketing kennengelernt, dann angefangen zu übersetzen. Allerdings bin ich in den Jahren meiner Jugend 6 x hin und her gezogen zwischen den USA und Deutschland. Und ich habe in all der Zeit immer viel Kontakt in die USA gehabt und spreche 3/4 meines Arbeitstages auch wirklich Englisch, weil mein Mitarbeiter Amerikaner ist, der leider nicht ganz so gut Deutsch spricht.
Es gibt also auch gute Übersetzer mit einem bilingualem Hintergrund.
Aber in 85 % der Fälle habt ihr sicher nicht Unrecht...

Mee A. hat gesagt…

Selten so einen Blödsinn gelesen.

"Und noch was: Während die monolinguals sich aus Liebe zur Sprache und wegen einer besonderen Fähigkeit für diesen Bereich entscheiden und qualifizieren, haben die bilinguals den Beruf meist aus Gründen ihrer Zweisprachigkeit gewählt – ob sie dann wirklich das notwendige Sprachgefühl und die notwendige Sprachbegeisterung mitbringen?

I have my doubts. Was mir diese Woche schon x-mal unter Beweis gestellt wurde."


Dem muss ich widersprechen. Wer zweisprachig aufgewachsen ist und beide Sprachen im Alltag benutzt, hat ein wesentlich besseres Feingefühl für die Sprache, ist flexibler im Denken, kann besser zuhören und ist klar im Vorteil. Das Verständnis für die Zweitsprache ist und wird immer größer sein. Ein Übersetzer wird da niet mithalten können. Zudem werden bilinguale Menschen für Übersetzungen immer wieder bevorzugt, sofern sie Zertifikate vorweisen.