Sonntag, 24. Juli 2011

Repräsentativ, seriös auf Englisch

A representative sample
Ich gab mir neulich eine englischsprachige Führung durch das Schloss Ludwigsburg – immerhin 90 Minuten Kultur pur. The translation was not fit for a king. Zum Beispiel: Uns wurden viele representative rooms gezeigt. Sie waren recht ansehnlich. Aber representative of what

In solchen Sachen bin ich nicht so bewandert – aber das sind wohl state rooms oder vielleicht reception rooms.

Auch in anderen Zusammenhängen ist repräsentativ ein recht unreliable friend. Ein repräsentatives Gebäude? Hmm, je nach Zielgruppe und Architektur – impressive, swanky, commensurate with our company’s image, corporate glass-and-steel. Langweilig aber allwettertauglich wären: suitable, attractive, smart. Andere Vorschläge sind sehr willkommen.

It’s a serious matter
Seriös ist auch so ein Kandidat, bei dem viele Übersetzer nicht nachdenken (wollen). Ein seriöser Geschäftsmann ist für mich vor allem respectable. Ein seriöses Angebot ist aber eher genuine. Auch griffig ist gravitas (vor allem in der Verbindung „lacks gravitas“ = unseriös). Das Wort ist für mich wie St. Pancras Station – sie sollte mal abgerissen werden, und jetzt ist sie nicht mehr wegzudenken (auch eine Redewendung, die inzwischen total aus der Mode gekommen ist – vielleicht zum Glück: sie ist extrem schwer zum Übersetzen!!!).

See here for “lacks gravitas”:

And here for St. Pancras:

Besonders empfehlenswert ist die Plastik:

Ich kann nur sagen: Sie hat was. Auch wenn sie eine Million Pfund gekostet hat.

Sonntag, 10. Juli 2011

Schnecken, Gurken und 1:n-Fallen

Deutsche Supermärkte sind ziemlich grau und grausam im Vergleich zu englischen, französischen oder amerikanischen Supermarkets. Es gibt jedoch eine rühmliche Ausnahme – Metro (ja, ja, ist Cash-and-Carry, weiß ich).

Aber auch in Aro-Land lauert bad translation.

Hier ein Beispiel:



Da hat wieder mal jemand schnell bei Leo nachgeschaut, was?  Kann ja nicht schiefgehen – ist doch ein einfaches Wort. Und patsch – schon ist man in der 1:n-Falle gelandet. Nein, liebe Metro-Macher, das ist kein cucumber sondern gherkin. Und zwar pickled gherkin oder einfach pickle. Denn wir unterscheiden sprachlich zwischen den beiden sehr ähnlichen Gemüsesorten.

Siehe hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Gherkin

Was heißt hier 1:n-Falle?
Es gibt deutsche Wörter, bei denen wir Anglos zwei oder mehrere Begriffe haben (und umgekehrt natürlich auch) – die keine Synonyme sind. Wie bei potenziellen Ehepartnern: Man oder frau muss schon den Richtigen (die Richtige) auswählen.  Sonst: Marry in haste, repent at leisure.

Na, meine kleine Schnecke?
Noch ein Beispiel wäre Schnecke. Ja, auch die Deutschen unterscheiden zwischen Schnecken mit und ohne Gehäuse. Aber nicht immer. Bei uns muss man sich festlegen. Slugs (die Nacktschnecken) sind was schleimiges und eckelhaftes. A snail dagegen ist beinahe putzig. Aber trotzdem nicht als Kosename zu empfehlen.

Und Sauregurkenzeit auf Englisch?
Im Journalismus ist das the silly season (weil die Journalisten aus Mangel an Alternativen gern über Außerirdische und Ähnliches berichten). Das wirtschaftliche Sommerloch wird meist mit summer lull übersetzt – es gibt jedoch auch hier ein 1:n-Verhältnis aber mit Synonymen. Mid-year lull, seasonal lull (klar, könnte auch Januar sein), mid-year dip in business, und vieles mehr.

Donnerstag, 7. Juli 2011

10 Stunden auf meinem Blog?? Respekt! Und Prost!

Mit dem "Sitemeter" (unten rechts) kann ich einiges über die Besucher dieses Blogs feststellen - wieviele, wann, wie lange, woher, bei welcher Firma... ja, etwas beunruhigend (a bit creepy), oder?

Als ich heute mittag reingeschaut habe, bin ich fast vom eleganten Drehstuhl gefallen.

Irgendjemand hat heute (erm, angefangen um 3 Uhr morgens!) mit einer kurzen Unterbrechung fast 200 Einträge angeschaut - insgesamt knapp 10 Stunden.

Wow. Nicht mal ich würde das tun! Und es ist mein Blog!!!

Solche Begeisterung (erm, es IST Begeisterung, hoffe ich?) muss ich belohnen. Also:

BITTE MELDEN!!

Bei der Angabe der richtigen Stadt, Browsers und Betriebsystems gibt es zwei Flaschen Wein!!!

PROST!

Sonntag, 3. Juli 2011

40 Seiten schlechtes Englisch umsonst überarbeitet

Nice customers:

Es gibt Kunden, die unsere Arbeit sehr schätzen, aber von „oben“ schmerzhaft enge Budgetvorgaben haben. Es gibt Projekte, die Spaß machen, aber keine finanzstarken Sponsoren haben. Und es gibt sympathische Menschen, die einfach gutes Englisch brauchen, und gerade keine Knete haben. Für alle haben wir Verständnis – und machen gern finanzielle Zugeständnisse.
Wir haben im Juni zum Beispiel aus „sozialen Gründen“ ein Projekt umsonst (pro bono, wie es im Englischen heißt) durchgezogen, das normalerweise locker 1200 EUR gekostet hätte. Denn: Für mich ist mein Geschäft mehr als nur Geschäft. If you see what I mean.  Es soll Freude machen – mir, dem Team und den Kunden. Und ohne Kickertisch und Bürohund läuft bei uns sowieso nichts.

Not-so-nice customers:
Aber es gibt auch Menschen, die einfach dreist sind – auch wenn sie sich wahrscheinlich besonders clever vorkommen.

GMX = Großes Maul, niX dahinter?
Ein Beispiel gefällig? Wir hatten diese Woche eine Anfrage von einer GMX-Adresse. Da geht schon mal eine Augenbraue bei mir hoch. Wir sollten vorhandenes „Englisch“ aus deutscher Feder korrigieren. Da schnellt schon die andere hoch. Vier Seiten. Als Probe. Umsonst. Die Augenbrauen treffen sich in der Mitte und tauschen die Plätze.

Eine Kostprobe?
Proben sind durchaus ein probates Mittel – ich empfehle sie ja auch. Aber vier Seiten? Und dann auch noch schlechtes Englisch statt gutem Deutsch? And for free? Ach, und alles innerhalb von 24 Stunden?  Auf der anderen Seite: Das beschriebene Projekt war ganz lecker. Und es sollten angeblich viele bezahlte Aufträge folgen.
Also schlugen wir 100 EUR als „Schutzgebühr“ vor. Nicht gerade viel. Aber es wurde prompt per GMX abglehnt  - mit dem Hinweis auf die anderen 10 (in Worten: ZEHN!) Mitbewerber, die ihre Probe umsonst machen würden. Also hat der Herr womöglich 40 Seiten selbst gedichtet und alles umsonst überarbeiten lassen? Very clever, Mr. GMX-Adresse. Aber ohne uns.

Nicht schon wieder Do-it-yourself-Englisch
Und warum glauben denn so viele, dass grausames Denglisch einfacher (und billiger) zum Überarbeiten wäre als gutes Deutsch zum Übersetzen? Seufz.

Was zum Schmunzeln
Zu diesem Thema kann ich folgenden Emailaustausch (angeblich authentisch) sehr empfehlen (unbedingt nach unten scrollen und alles lesen bzw. anschauen! Es fängt relativ bieder an):


Überhaupt: Die Website ist ein Traum – sehr schräg, aber sehr witzig.

Berühmt wurde sie weltweit durch diesen Dialog:


Persönlich finde ich diesen Beitrag total zum Kringeln: