Samstag, 26. November 2011

sich outen auf Englisch

Lange habe mich lange dagegen gewehrt - aber widerwillig muss ich es hinnehmen: Der Ausdruck "he outed himself" wird langsam salonfähig - und daher als Übersetzung auch akzeptabel. Ich tröste mich damit, dass ich dadurch wenigstens eine Gelegenheit bekomme, Fussball wieder ins Blog-Spiel zu bringen:

http://www.liverpoolfc.tv/news/latest-news/brad-pitt-i-support-lfc

Eine ähnliche lingusitische Niederlage habe ich mit "Akteur" erlebt. Auch wenn ich weiterhin auf die sehr schönen Alternativen hinweisen möchte (player zB), wird in der englischsprachigen Welt immer öfter von actors (im übertragenen Sinne) gesprochen. Angefangen hat es, glaube ich, mit der EU - denn  dort werden viele englische Wörter in der Retorte gezüchtet, die sonst nicht das Licht der Welt erblickt hätten.

Freitag, 18. November 2011

Fachbesucher auf Englisch

Der Begriff „Fach“ gehört aus Sicherheitsgründen verboten. Es sind schon Millionen von tapferen Übersetzern an diesen vier bösartigen Buchstaben krepiert. Nach stundenlangen Schreikrämpfen haben sie sich mit ihren eigenen Tastaturen erschlagen.

Die Nichttapferen dagegen nehmen jeden Leo-Scheiß, und produzieren Texte, nach deren Lektüre die Leser den Freitod wählen.

Also mit großer Vorsicht nehmen wir uns „Fachbesucher“ vor.

Schon millionenfach übersetzt. Aber mit welchen Ergebnissen? Nein, professional visitors sind das nicht – sie müssen ja in der Regel selbst für die Teilnahme blechen (Professional ist auch so ein halber false friend – aber lassen wir das Thema lieber).

Specialist visitor als Übersetzung für Fachbesucher wäre genauso bescheuert. Also landen wir beim Mir-fällt-auch-nichts-besseres-ein- Standard: trade visitor.

Hier geben sich die meisten professional translators zufrieden. Ich nicht.

Jaaaaaa. Den Begriff gibt es – both in the USA and in the UK. Aber auffällig beliebt ist er bei den Germans. Wenn man ihn googelt, sind 19 von den ersten 20 Einschlägen (sorry, Hits) entweder reinrassige deutsche Websites oder Auftritte mit teutonischem Migrationshintergrund.

Es ist halt eine sehr wörtliche Übersetzung von "Fachbesucher". Und er passt nicht immer. Was ist mit Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Gesundheit, Kunst oder Bildung? Das sind doch keine trades

Gefunden habe ich verschiedene Möglichkeiten – aber sehr oft industry professionals. Denn industry fassen wir sehr breit.

Hier nur ein Beispiel:
Qantm College Melbourne recently presented an Art Exhibition, showcasing the best works from students and graduates who had attended Qantm over the past two and a half years. The event was open to all staff, students, industry professionals and the general public.

Noch besser gefällt mir die messespezifische Variante:

Who can attend World Travel Market? World Travel Market has a strict admission policy and is open to travel industry professionals only.

Aber es gibt sicherlich andere Möglichkeiten für Fachbesucher. Ich denke, das ist wieder mal ein Fall von „1:n“ – sprich: Die deutschen Messemacher haben sich auf einen standardisierten Begriff geeinigt, die Anglos sagen je nach Veranstaltung immer wieder was anderes.

Und zu guter Letzt: Oft mogeln die Schreiber von Pressetexten zu Ausstellungen und Kongressen ein wenig. Wenn von 20.000 Fachbesuchern die Rede ist, ist die Silbe „Fach“ oft, naja, zwecks Imagepflege hineingeschleust worden.

Es sind ganz einfach visitors. Oder attendees - auf diese sehr hübsche und natürliche Alternative kommen nur ganz wenige translators.

Hier ein Beispiel:

Sabrina Parsons, Dermot Leahy, and Alan Gleeson will join 300 presenters and exhibitors taking part in the 26th annual Business Startup Exhibition. The two-day event, which starts Thursday November 17th, is expected to draw more than 27,000 attendees.

Montag, 14. November 2011

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen - auf Englisch

Heute ein Beitrag von unserem Praktikanten, Ben Davidson:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen is a phrase that crops up regularly, especially in competition terms and conditions. And it causes problems.
“Why?” I hear you ask, “Doesn’t it translate as ‘the judges’ decision is final’?” Well yes, that is a perfectly acceptable translation, as proven by its inclusion in the rules of Britain’s Got Talent, and on the Illinois Legal Aid website.
You see, the problem doesn’t stem from our inability to find an adequate translation. The issue is “the judges’ decision is final” just doesn’t sound legal enough. Customers can’t believe that it is the equivalent term - it’s almost a case of “The translator’s decision is not final”.
It is true - the German term does have an extremely robust, almost intimidating quality to it. Our little old (but absolutely correct) phrase doesn’t seem to cut the mustard, conjuring up images of the gentle rivalry of the ‘best marmalade’ award at the local village fete. So, as the customer is always right, we needed to find a way to give the term more clout, without alienating the English-speaking reader.
I wanted to keep “The judges’ decision is final”, but find examples where the term had been reinforced with additional information. How about “The judges’ decision is final and no correspondence will be entered into”? It does return 179,000 hits on Google and it sounds somewhat more authoritative than before. Still seems a bit flimsy when compared to the German though.
The search for an alternative continued long into the night (well… mid-afternoon at least), until I came across this souped-up (sorry) version on a cooker website:
 “The judges’ decision is final and legally binding and no correspondence will be entered into.” If we abbreviate this to “The judges’ decision is final and legally binding”, we end up with a concise, legalese term, which will hopefully satisfy our customers and their readers. So, it made it through to the final round of judging, the classic Google check… Almost three thousand hits - a good number for such a specific phrase.
Maybe we should just launch a competition to see who can come up with the best translation of Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Send in your ideas, and we’ll select the best one. And the judges’ decision WILL BE FINAL.

The links:


http://www.itv.com/termsandconditions/competitionsandvotes/britainsgottalentvote2011/default.html

http://www.illinoislegalaid.org/index.cfm?fuseaction=home.dsp_content&contentID=2470

http://www.essentiallycatering.co.uk/competition-terms.htm



Sonntag, 13. November 2011

Chiswick, Fulham, Greenwich, Holburn – and West Ham

Im Oktober durfte ich zwei Wochen in London verbringen. Um genau zu sein: In Chiswick.

Burkhard aus Leinfelden war auch dabei. Und kämpfte etwas mit der Aussprache von den Ortsnamen.

Kein Wunder – die sind völlig unlogisch.

Chiswick zum Beispiel spricht man Chis-ick aus. Das „w“ ist irgendwann mal mit den ganzen Hexen verbrannt worden. Der Name ist übrigens abgeleitet von Cheese Wick - wobei Wick ein altes Wort für Bauernhof  ist. Also wars mal ein Käsebetrieb.

Unterwegs mit der U-Bahn (the Tube) wollten wir in Holburn aussteigen. Aber Burki hörte nur „Hoh-burn“ und las weiter Zeitung. Sorry, auch das L haben wir irgendwo im 18. Jahrhundert vergraben. Ist halt so.

Wir sind beide große Fussballfans. Also fuhren wir zu Craven Cottage, dem Stadium von Fulham. Wie spricht man das aus? Full-amm. Ohne H. Das H ist… ja, ist doch klar, oder?

Das Greenwich Grenn-itsch ausgesprochen wird, durfte inzwischen bekannt sein.

Und was ist mit West Ham? Naja, die Londoner sagen West Amm. Aber das liegt am Dialekt. Alle anderen im United Kingdom sagen West Hamm.

Ortsnamen sind in England (von Schottland und Wales ganz zu schweigen) fast durch die Bank meschugge – die Namen sind im Laufe der Zeit abgekürzt, verdreht und verhunzt worden. Ortskundige lernen die Namen natürlich übers Ohr – und erst danach schriftlich. Aber die Ausländer? Sorry, ihr habt keine Chance.

Allerdings kann ich euch mit einem authentischen Telefongespräch trösten: Ich musste Gas und Strom für die Wohnung bei Scottish Power ummelden. Am Hotline war eine echte Schottin. Und sie war auch der Meinung, die Wohnung würde sich in Chiss-Wick befinden.

Dienstag, 8. November 2011

Paragraphendschungel - und wie man das besser nicht übersetzt

Eine Hamburger Werbeagentur wollte mal ein Konzept für einen führenden Softwarehersteller (übrigens: besser software vendor als manufacturer) entwickeln. Dabei ging es um Compliance (Denglisch lässt grüßen).

Das vorgestellte Konzept hieß „paragraph jungle“. Das ist ungefähr so sinnvoll wie „Absatzurwald.“

Bei uns bestehen Gesetze nicht aus Paragraphen. Sondern aus sections oder articles. Und die Absätze auf der nächsten Ebene? Sind meist sub-sections.

Und „Paragraphen“ als Synonym für „Gesetze“? Sorry, auf Englisch geht das nicht. Und Dschungel? Hmm, naja, es gibt den concrete jungle, aber das ist was anderes.

Das Einzige, was einigermaßen passt, ist „legal red tape“ oder vielleicht je nach Kontext legal minefield – aber dann muss man natürlich auf die ganzen schönen Bilder von Regenwäldern und Tigern verzichten. So ist das, wenn man ohne Muttersprachler Werbekonzepte entwickelt.