Sonntag, 13. November 2011

Chiswick, Fulham, Greenwich, Holburn – and West Ham

Im Oktober durfte ich zwei Wochen in London verbringen. Um genau zu sein: In Chiswick.

Burkhard aus Leinfelden war auch dabei. Und kämpfte etwas mit der Aussprache von den Ortsnamen.

Kein Wunder – die sind völlig unlogisch.

Chiswick zum Beispiel spricht man Chis-ick aus. Das „w“ ist irgendwann mal mit den ganzen Hexen verbrannt worden. Der Name ist übrigens abgeleitet von Cheese Wick - wobei Wick ein altes Wort für Bauernhof  ist. Also wars mal ein Käsebetrieb.

Unterwegs mit der U-Bahn (the Tube) wollten wir in Holburn aussteigen. Aber Burki hörte nur „Hoh-burn“ und las weiter Zeitung. Sorry, auch das L haben wir irgendwo im 18. Jahrhundert vergraben. Ist halt so.

Wir sind beide große Fussballfans. Also fuhren wir zu Craven Cottage, dem Stadium von Fulham. Wie spricht man das aus? Full-amm. Ohne H. Das H ist… ja, ist doch klar, oder?

Das Greenwich Grenn-itsch ausgesprochen wird, durfte inzwischen bekannt sein.

Und was ist mit West Ham? Naja, die Londoner sagen West Amm. Aber das liegt am Dialekt. Alle anderen im United Kingdom sagen West Hamm.

Ortsnamen sind in England (von Schottland und Wales ganz zu schweigen) fast durch die Bank meschugge – die Namen sind im Laufe der Zeit abgekürzt, verdreht und verhunzt worden. Ortskundige lernen die Namen natürlich übers Ohr – und erst danach schriftlich. Aber die Ausländer? Sorry, ihr habt keine Chance.

Allerdings kann ich euch mit einem authentischen Telefongespräch trösten: Ich musste Gas und Strom für die Wohnung bei Scottish Power ummelden. Am Hotline war eine echte Schottin. Und sie war auch der Meinung, die Wohnung würde sich in Chiss-Wick befinden.

Kommentare:

Librarian hat gesagt…

Meine Schwester hat mal ein halbes Jahr lang in Denham gelebt - richtig, man sagt "Dennam" :-)
Meine Schwiegermutter stammt aus einem typischen Yorkshire miners' village namens Thurnscoe. Wenn ich das nicht schon so oft ausgesprochen gehört hätte, würde ich es allein von der Schreibweise her vermutlich auch falsch machen.

MCSquared hat gesagt…

Erm, wie spricht man Thurnscoe aus???

Librarian hat gesagt…

Ungefähr so, als würde man es Thurnsker schreiben :-)
Ohne das gehört zu haben, hätte ich das -coe sicher eher wie einen Reim auf "toe" oder "Joe" ausgesprochen.
Auch immer beliebt: Grosvenor Road, House, Hotel etc. (gibt's z.B. in Scarborough).

Sally Loren hat gesagt…

Ja - London bietet uns eine Menge Ortsnamen an, deren Aussprache keiner Logik folgt. Mir fällt Beauchamp Place an (Sitz von Dianas Lieblingsrestaurant Lorenzo und verschiedenen Nobelboutiquen): statt sich Mühe mit dem französischen Namen zu geben, sagt man einfach "Beecham Place".

In Northamptonshire gibt's eine Stadt namens Towcester (spricht sich Toaster aus) und in Oxfordshire ein schnuckeliges Dorf namens Pishill, das aus gutem aber nicht logischem Grund Pish-ill ausgeprochen wird. Zugereiste outen sich sofort!

Es lebe die deutsche Sprache, die in der Regel so ausgeprochen wird, wie sie geschrieben ist. Ich denke Legasteniker haben es in Großbritannien deutlich schwerer...

claireanlage hat gesagt…

In Yorkshire gibt es ein Städtchen namens 'Keighley" - man sagt Keith-lee. Für mich als Southerner auch verwirrend. Towcester finde ich immer noch Genial. Und ich komme aus Reading (man sagt natürlich Redding...)