Samstag, 23. Juni 2012

Gastronomie auf Englisch, Systemgastronomie


Das Unternehmen WOERLE hat einen stolzen Jahresumsatz von 112 Mio. Euro, 270 Mitarbeiter und einen Exportanteil von 40%. Aber deren Englisch ist Käse.






Gastronomie ist eine Branche, ein Geschäftszweig.

Gastronomy auf Englisch ist die hohe Kunst des feinen Kochens. Catering ist es auch nicht. „I have a catering business“ bedeutet in etwa „ich betriebe einen Party-Service für Hochzeiten“. 

Gastronomie auf Englisch ist the restaurant trade oder the restaurant industry.

Auch bei Woerle zu finden: Der typische Fehler beim Übersetzen von „neben“ – „apart from“ bedeutet  „bis auf“ nicht „zusätzlich“. Also ist „apart from“ nicht neben sondern komplett daneben. Und was bitteschön sind "cheese sorts"? Verwandt vielleicht mit liquorice allsorts?

Systemgastronomie ist noch kniffliger. 

Teutonen lieben „Systeme“ - vor allem in Verbindungen wie „Systemlösungen“ – „system solutions“ ist ein Quatsch. „System gastronomy“ auch.

Laut wiki: „Der Begriff Systemgastronomie bezeichnet eine Form der Gastronomie, die sich im Wesentlichen durch die Existenz von standardisierten und vereinheitlichten Organisationsstrukturen von der klassischen Gastronomie unterscheidet.

Leider ist der englische Beitrag auf wiki ein Totalschaden:

System catering is a method of standardized food preparation which can be duplicated at all the branches of a catering chain such as KFC, Little Chef and McDonald's. The catering is centrally controlled and the various branches sell the same product range and provide the same service. 

Was lernen wir daraus? Auch wiki ist fehlbar.

Ich habe bisher noch keinen englischen Begriff gefunden, der 100% Systemgastronomie entspricht. Ein  Laier würde wahrscheinlich sich mit „chain restaurants“ begnügen. Ist nicht ganz falsch. Aber die  einschlägigen US- und UK-Unternehmen (McDonald's und Co) nennen ihr eigenes Business „food service“ – und in den meisten Fällen passt das auch.

And while we are on the subject:
Deutsche behaupten gern, dass wir Engländer nicht kochen können und, dass alles Gebratene, Gedünstete und Gebackene auf der Insel nicht schmeckt. 

Leute, es hat sich viel getan in den 20 Jahren seit eurem Aufenthalt bei einer Proleten-Familie in Brighton, die sich ausschliesslich von Baked Beans und den Einahmen von deutschen Schülern ernährt hat.

New food, new words
Es gibt sogar neue Wörter für die kulinarischen Highlights (auch ein Wort, das im Deutschen anders als im Englischen verwendet wird): ein gastropub zum Beispiel ist eine Wirtschaft, in der der Hunger nicht nur durch Crisps und Sandwiches gestillt wird.

Und überall gibt es eateries –  ein Sammelbegriff für alle Etablissements, in denen es was zum Mampfen gibt.

Und die Menschen, die selbst gern kochen und essen – und genauso gern darüber reden? Foodies. Und ich gehöre dazu.

Montag, 18. Juni 2012

Der kleine, feine Unterschied zwischen England und Großbritannien

Die Kurzfassung

The United Kingdom (UK) ist der offizielle, souveräne Staat (= das Mitglied der UNO bzw. der EU - zumindest das Noch-Mitglied!).

The UK besteht aus England, Schottland, Wales und Nordirland. Das sind zwar Länder – aber nicht unabhängig, keine souveränen Staaten.



Die BBC kennt sich aus - und zieht dezent (durch weiße Linien) die Grenzen




Unter Great Britain versteht man die gesamte komische Insel da oben (England, Wales, Schottland) OHNE Nordirland – Großbritannien ist aber eigentlich kein Staat (mehr). Es ist in erster Linie eine geographische Bezeichnung.

Sprich: Wenn Deutsche von England reden, meinen sie in der Regel the UK.





Die Langfassung

Also Leute, tief durchatmen – es wird kompliziert.

England ist ein Land für sich. Schottland und Wales sind auch Länder für sich. Ob  Nordirland als Country gilt, ist sehr umstritten. Aber das lassen wir erstmal so stehen.

Schottland, Wales und Nordirland haben eigene Gesetze (in gewissen Bereichen), eigene Parlamente (mit eingeschränkten Befugnissen), eigene Schulsysteme und Fußballmannschaften (wobei Ende der 70er viele die fußballerischen Fähigkeiten gern gebündelt hätten).

Mind your language!

Wales hat sogar eine eigene Sprache, die noch sehr lebendig ist (und in manchen Städten sogar von der Mehrheit gesprochen wird).

Die nationale Identität ist jeweils sehr stark ausgeprägt.

Also: Bitte niemals einen Schotten als Engländer bezeichnen – das geht nicht gut aus.

Diese Länder sind jedoch nicht (mehr) unabhängig. Sie sind Teil eines Verbundes = The United Kingdom (das Vereinigte Königreich). Und the UK ist der eigentliche “souveräne Staat” – daher ist the UK das Mitglied der EU und der UNO. Und auch der “Markt” / die Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund ist sehr häufig the UK gemeint, wenn Deutsche von England reden.

Föderalismus nach bundesdeutscher Art ist das nicht wirklich. Es sind countries – keine Regionen, keine “Länder” (states) im deutschen (oder US-amerikanischen) Sinne. Teilweise spricht man sogar von countries within a country (wobei für mich the UK nach wie vor kein Land sondern ein Staat ist).

History lesson
Der Verbund hat sich im Laufe der Zeit stark verändert.

Im Jahre 1536 (bzw. 1543) hat England Wales per Gesetz “übernommen”. 1707 haben Schottland und England (mit Wales) fusioniert (das Gebilde hieß dann Kingdom of Britain – ohne United).

1801 kam Irland (und zwar die gesamte Insel – nicht nur der Norden) dazu  - und erst dann war offiziell die Rede von the United Kingdom.



So sah der Pass früher aus - als Irland als Ganzes noch zum UK gehörte




1922 kam die Spaltung Irlands (mit katastrophalen Folgen) – der Süden stieg aus und machte sich unabhängig (und hat sich zum Beispiel während des Zweiten Weltkriegs für neutral erklärt).

Seitdem heißt es offiziell “The United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland”- und das steht eben auf meinem Pass. Kann sich aber ändern – zum Beispiel, wenn die Schotten oder Nordiren nach dem Brexit eventuell wieder aussteigen.

Great Britain? British?
Mit diesen Begriffen gehen selbst wir Briten sehr schlampig um. Da es für “UK” kein schönes Adjektiv gibt, nehmen wir halt “British” (selbst auf dem Reisepass - siehe oben). Und auch “Great Britain” wird oft als Abkürzung für the UK genommen. Ist aber streng genommen falsch. Es fehlt eben Nordirland.

Ein Beispiel – bei den olympischen Spielen treten wir gern als Team GB auf. Stimmt aber nicht – auch die Nordiren sind dabei. Es ist eigentlich Team UK.

Und bei dem Stichwort Nordirland verdrehen sich bei fast allen die Augen. Die meisten Katholiken bzw. “Nationalists” (sie wollen ein vereintes Irland) nennen sich “Irish”. Die meisten Protestanten bzw “Unionists” (sie wollen Teil des UK bleiben) nennen sich “British”. Und manche nennen sich ”Northern Irish”.

Ich sage nur: Der Akzent ist total putzig. Die politischen Kämpfe zum Teil tödlich – und unerträglich.

Ich bin sicher, ihr wollt jetzt leichtere Kost – aber ein paar Dinge möchte ich noch loswerden.

Great Britain / The British Isles

Great Britain ist nicht nur eine politische Bezeichung – sie ist auch eine geografische  - und bezeichnet eben die Insel, die aus England, Schottland und Wales besteht. 

The British Isles ist eine rein geografische Bezeichnung – und beinhaltet Großbritanien UND Irland (als Ganzes) sowie die kleinen Inseln drum herum (z.B. die Kanalinseln, the Isle of Man).

Eben - was ist mit denen komischen Inseln? 

Sie sind fast komplett unabhängig (aber eben nur fast). Sie sind NICHT Teil des Vereinigten Königreiches. Oh no. Deren Bürger dürfen aber ohne Einschränkung in the UK wohnen und arbeiten. Diese Länder (yes, they are countries) sind auch NICHT Teil der EU! Deren Bürger erhalten ganz merkwürdige Pässe, die sie als Briten (!) ausweisen – aber ohne die üblichen Rechte eines EU-Bürgers. 

Es sei denn… sie können eine “Verbindung zum UK” nachweisen (zum Beispiel: Sie haben dort fünf Jahre gelebt).

Was bin ich froh, dass meine Großeltern die Isle of Man Richtung Liverpool verlassen haben!

I told you it was complicated.

Hier eine Grafik dazu (auf Englisch):







Dienstag, 5. Juni 2012

Der Weg ist das Ziel auf Englisch

Today, a contribution from our intern Lyle Bishop:


Initial search results confirm its wide usage across German-language websites, from blogs, to SPIEGEL.de, to advertising. It is clearly a very popular saying in Germany in all sorts of contexts. By contrast, it is used far less frequently in English.

Origins
“Der Weg ist das Ziel“ is a proverb whose origins are uncertain. It appears to have come from the teachings of Chinese philosopher Confucius (or Konfuzius) who lived between 551-479 BC.

What does it mean?
Essentially, it implies that the goal or destination is not as important as the metaphorical journey taken to get there, and that the experiences or emotions gained are the true reward.

How do you translate it?
In German, this saying always takes the same form. In English, there are numerous ways of expressing the same idea. However, fHowerom my research I have found three which appear to be in fairly common usage:

o   ‘The journey is the reward’

o   ‘The journey is the destination’

o   ‘The way is the goal’

‘The journey is the reward’ appears on all the online dictionaries I consulted. Google search returns a sizable 1 560 000 results. However, this may be influenced by a book with this title about the life of former Apple boss Steve Jobs (but this does confirm that it is a phrase in use). The search was narrowed by including the word ‘proverb’. This returned 482 000 hits.

‘The journey is the destination’ provides 1 080 000 results. However, a large number of the returned links are concerned with journals of this title by a British photographer called Dan Eldon, who was killed in Somalia in 1993. While this does not make this choice unsuitable, it seems to have a specific association with these journals.

‘The way is the goal’ and ‘proverb’ returns 7 610 000 Google hits. However, the search results often point towards a link with Gandhi – in all likelihood due to a book called The Way is the Goal: Gandhi Today by Prof. Johan Galtung. Intriguingly, there is no firm evidence to suggest Gandhi actually did say this. Again, this connection does not necessarily make it unsuitable.

Modern quotations as viable alternatives
From further research, I found that two notable literary figures of recent history had their own take on the idea underlying “der Weg ist das Ziel”.
Ralph Waldo Emerson, an American poet, once said ‘life is a journey, not a destination.’ This has 1 620 000 Google hits or 228 000 when searched specifically in connection with Emerson.

And in 1881, poet and novelist Robert Louis Stevenson said ‘to travel hopefully is a better thing than to arrive.’ For further information see:  http://www.phrases.org.uk/meanings/387450.html

So, which translation should I use?

I would use either, ‘the journey is the reward’ as it has a high number of relevant hits, or ‘the way is the goal’ which has an even higher number of reliable Google results.

 And now for something completely different
Having said all that, we had a translation this week about an electric car rally. One of the headings was “der Weg ist das Ziel” - because the rally was about demonstrating the benefits of technology, not about winning a trophy. A native English speaker would probably not have understood why the article had this title if we had chosen one of the options above. Therefore, we came up with a completely new title, in this case: “A SHOWCASE NOT JUST A RALLY”.