Donnerstag, 26. Juli 2012

Irritationen without irritations

C arbeitet bei der Werbeagentur von dem Bullettenkönig von Deutschland - der zu unseren Lieblingskunden gehört.
Eines Tages bekam ich von ihr eine SMS (übrigens: wird am besten mit text oder text message übersetzt - nicht SMS). "Was bedeutet pathetic? Bitte schnell antworten."

Es folgte alsbald ein amüsantes Flüstergespräch - sie war bei einem Pitch in London.

Die Musik von dem Spot (ja, das gibt es, aber üblicher is commercial) sollte pathetisch klingen. Aber der Kunde staunte nicht schlecht, als man ihm vorschlug: the music should be pathetic. Wer will schon erbärmlich schlechte Musik haben?

Es gab also Irritationen - was natürlich nicht irritations sind. Wer irritated ist, der ist ziemich verärgert und nicht irgendwie verwirrt. Erstaunlich viele Übersetzer wissen das nicht. Und auch viele Wörterbücher sind in dem Punkt fehlerhaft (siehe die erste PONS-Ausgabe nach dem Bruch mit Collins).

Als C das Ganze dann erklärte, waren die Irritationen vom Tisch und irritated war sowieso niemand - nur amused.

Und wie heißt denn die Musik, wenn sie pathetisch klingt? Naja, ich müsste sie mal hören - aber ich und C haben uns auf dramatic geeinigt.

Freitag, 20. Juli 2012

Die tückische K-Frage

Zuerst die Fangfrage: Wie lautet der Film Kick It Like Beckham auf Englisch?

Nun eine kleine Vokabelliste:

Konditionen, Kommission, Kompetenz, Kalkulation, Komfort, konform, Kooperation, Kollision, Konzeption, Kredit, Kasino, komplex, Kontrolle, Klinik, konstant, Kostüm, komplettieren, Konjunktur, konservieren, klassisch, Kommune, Konstruktion, Kommode, Kongress, und kicken im Sinne von Fussball spielen.

Und heute hatten wir sogar Konvikt! Was nun wirklich nix mit convict zu tun hat.

Korrekt, wenn es mit K anfängt, ist kritische Konzentration geboten. Denn in fast allen K-Fällen handelt es sich um false friends oder zumindest very unreliable friends.

Kacke, nö?

Die Lösung der K-Frage? Bend It Like Beckham. Warum die kleine Änderung? Weil die (meisten) Deutschen den Originaltitel natürlich nicht verstanden hätten. Aber wie Originalenglisch soll es sich trotzdem anhören. Und das ist sehr, sehr vielsagend über das Verhältnis Englisch-Deutsch-Denglisch.

Mittwoch, 18. Juli 2012

In Personalunion auf Englisch


Lebensläufe und Berufsprofile zu übersetzen ist nicht einfach. Es hagelt deutschlandspezifische Schulen, Abschlüsse und Funktionen, die man einem ausländischen Publikum nur schwer vermitteln kann.

Besonders interessant ist der Ausdruck „in Personalunion“ – zum Beispiel: Martin Crellin ist Geschäftsführer, Cheftexter und Kickerkönig in Personalunion.

Hier scheitert Leo kläglich. Für Personalunion wird Personal Union vorgeschlagen – mit dem Hinweis auf einen historischen Kontext. Kann ja stimmen - aber es hilft mir in meinem Kontext null.  Für mich ist eine personal union meine individuell zugeschnittene Gewerkschaft. Eine Suche nach dem genauen Wortlaut „in Personalunion“ (also mit der Präposition „in“) ist bei Leo offenbar nicht möglich – es kommen nur Treffer für „in“.



Und überhaupt: Was soll diese grässliche, kinderstubenähnliche Oberfläche. Es sieht nach Abi-Zeitschrift Anno 1980 aus. Es gibt putzige Tierchen. Vieles ist braungelb. Und eine katastrophale Schrift. Es passt allerdings zum dilettantischen Inhalt. In den Foren wird zwar heftig und teilweise intelligent über den Begriff diskutiert, aber die Gescheiten können sich selten durchsetzen.

Mit linguee fährt man meist besser. Und siehe da – dort haben die Meisten offensichtlich verstanden: In Personalunion auf Englisch heißt…. gar nix. Gemeint ist (in den meisten Fällen): Eine Person hat zwei oder mehrere Funktionen inne. Also weg mit der persönlichen Gewerkschaft  - schreibt einfach, dass he (or she) is both ABC and XYZ. Oder he/she combines the role of XYZ with the office of ABC.

Samstag, 14. Juli 2012

Auch Satzstrukturen müssen übersetzt werden


Liebe Leo-Liebhaber – beim Übersetzen geht es nicht nur um einzelne Wörter. Es geht um Aussagen. Und diese Aussagen müssen komplett neu verpackt werden – sonst schmecken sie nicht.


Jetzt der Clou: Zur neuen linguistischen Verpackung gehören auch neue Satzstrukturen. Ja, das bedeutet harte Arbeit. Und die scheuen viele I-am-paid-by-the-line translators. Aber wat mutt, dat mutt.

Ein Fallbeispiel: Ob-Sätze. Die Germans lieben Ob-Sätze – vor allem als Einleitung. Nach dem „Ob“ kommt in der Regel eine elend lange Reihe von rein dekorativen Substantiven. Und erst gaaaaaanz zum Schluss kommt die eigentliche Aussage.

Let me give you an example of this ob-session (geddit???):

Ob Apfel oder Birne, Ananas oder Banane, Orange oder Mango – frisches Obst ist gesund.
Und wie übersetzt man das dann? Bitte nicht mittels „Whether apple or pear…“. 

Shakespeare hat zwar auch so gedichtet: „Whether tis nobler in the mind to suffer the slings and arrows of outrageous fortune…

Aber – so sehr ich ihn liebe - er ist definitiv tot. Steht so im Wiki. Also muss es stimmen. Und der entsprechende Satzbau ist auch tot.

Bitte den Satz komplett umbauen. Und ein paar Obstsorten aussortieren. Vielleicht alle. Was????? Du willst etwas vom Original weglassen??? Oh Schreck! Ja, will ich. Die Aussage ist hinten. Und die ist wichtig. Die Obstsorten sind nur Verpackung.

Fresh fruit is healthy. Reicht doch. Aber ich würde natürlich unter Umständen weniger Zeilen abrechnen können. So, und jetzt habe ich Hunger.

Sonntag, 1. Juli 2012

Stand: März 2017 (auf Englisch)


Bei vielen deutschen Dokumenten prangert das Wort „Stand“ auf dem Titelblatt. Es folgen ein Doppelpunkt und ein Datum. Zum Beispiel: Stand: März 2017.

Die übliche Ich-will-nicht-lange-darüber-nachdenken-Übersetzung lautet: Status.

Achhhhhhhhhh. Das ist fast so schmerzhaft-grauenhaft wie imprint. Aber nur fast.

A status symbol?
Ein status wäre „Draft“ oder „Approved“ oder „Top priority“. Aber kein Datum!!!

Also wie übersetzt man dann „Stand“, Martin Clever-Clogs (= Besserwisser)? Am besten gar nicht. Auf englischen Unterlagen steht meist das Datum – und sonst gähnende Leere.

Aber Kunden sträuben sich dagegen. Man muss denen schon was zum Futtern geben. Sonst werden sie unruhig und stören während des zweiten Kicker-Spiels oder der sechsten Kaffeepause mit einem lästigen Anruf.

Feines Futter
Im Laufe meiner vielen Übersetzer-Jahre bin ich über einige interessante Kunden-Futter-Möglichkeiten gestolpert. 

Gerade bei Unterlagen, die oft aktualisiert werden, findet man „Last updated: March 2017“ (oder manchmal „Last revised"). Oder man schreibt schlicht und ergreifend „Published in March 2017“ oder Date of publication: March 2017.“ Ist die Sache sehr juristisch, so gibt es auch „Effective date“ – aber bitte nur bei Verträgen und Ähnlichem.

Gib nicht so an

Geht us um Angaben (und nicht ein ganzes Dokument), die sich unter Umständen schnell verändern können - Beispiel: Zur Zeit verfügbar in 11 Ländern. Stand: March 2017) dann würde ich eventuell sowas schreiben wie: Currently available in 11 countries (valid as of March 2017). Man könnte sogar sagen (ich sage es aber ganz leise): status as of March 2017. Aber bitte nur in diesem konkreten Kontext. Denn es geht um den status des Inhaltes nicht um die Aktualität des Dokumentes. Capito?

Den Doppelpunkt kann man auch getrost weglassen – oder auch nicht. Aber grundsätzlich sollte man einen deutschen Doppelpunkt beim Übersetzen ins Englische in Frage stellen.

A cynic is a disappointed idealist
Wenn Ihre Kunden immer noch unruhig sind – schicken Sie denen einen Link auf diese Seite. Das machen andere auch. Denn viele Kunden glauben es offensichtlich nur, wenn es im Internet steht. Zynisch? Moi?