Sonntag, 1. Juli 2012

Stand: März 2017 (auf Englisch)


Bei vielen deutschen Dokumenten prangert das Wort „Stand“ auf dem Titelblatt. Es folgen ein Doppelpunkt und ein Datum. Zum Beispiel: Stand: März 2017.

Die übliche Ich-will-nicht-lange-darüber-nachdenken-Übersetzung lautet: Status.

Achhhhhhhhhh. Das ist fast so schmerzhaft-grauenhaft wie imprint. Aber nur fast.

A status symbol?
Ein status wäre „Draft“ oder „Approved“ oder „Top priority“. Aber kein Datum!!!

Also wie übersetzt man dann „Stand“, Martin Clever-Clogs (= Besserwisser)? Am besten gar nicht. Auf englischen Unterlagen steht meist das Datum – und sonst gähnende Leere.

Aber Kunden sträuben sich dagegen. Man muss denen schon was zum Futtern geben. Sonst werden sie unruhig und stören während des zweiten Kicker-Spiels oder der sechsten Kaffeepause mit einem lästigen Anruf.

Feines Futter
Im Laufe meiner vielen Übersetzer-Jahre bin ich über einige interessante Kunden-Futter-Möglichkeiten gestolpert. 

Gerade bei Unterlagen, die oft aktualisiert werden, findet man „Last updated: March 2017“ (oder manchmal „Last revised"). Oder man schreibt schlicht und ergreifend „Published in March 2017“ oder Date of publication: March 2017.“ Ist die Sache sehr juristisch, so gibt es auch „Effective date“ – aber bitte nur bei Verträgen und Ähnlichem.

Gib nicht so an

Geht us um Angaben (und nicht ein ganzes Dokument), die sich unter Umständen schnell verändern können - Beispiel: Zur Zeit verfügbar in 11 Ländern. Stand: March 2017) dann würde ich eventuell sowas schreiben wie: Currently available in 11 countries (valid as of March 2017). Man könnte sogar sagen (ich sage es aber ganz leise): status as of March 2017. Aber bitte nur in diesem konkreten Kontext. Denn es geht um den status des Inhaltes nicht um die Aktualität des Dokumentes. Capito?

Den Doppelpunkt kann man auch getrost weglassen – oder auch nicht. Aber grundsätzlich sollte man einen deutschen Doppelpunkt beim Übersetzen ins Englische in Frage stellen.

A cynic is a disappointed idealist
Wenn Ihre Kunden immer noch unruhig sind – schicken Sie denen einen Link auf diese Seite. Das machen andere auch. Denn viele Kunden glauben es offensichtlich nur, wenn es im Internet steht. Zynisch? Moi?

Kommentare:

Sally Loren hat gesagt…

Der Stand der Dinge: ich habe schon vielen Kunden/anderen Übersetzern Links zu deiner Seite geschickt. Sie sind glücklich und ich muss nicht so viel erklären. Stand war genau das Thema in den letzten Tagen...

MCSquared hat gesagt…

Happy to have been of service, madam (after all, we all face the same problems and questions)

Zattar hat gesagt…

Muito bom!!!!!!!!!!!!

Bete hat gesagt…

"Aber grundsätzlich sollte man einen deutschen Doppelpunkt beim Übersetzen ins Englische in Frage stellen."
Endlich! Darf ich ergänzen? Nicht nur ins Englische.
Werde jetzt öfters hier vorbei schauen.

Librarian hat gesagt…

Weil du das "imprint" erwähnst; heute auf einer Homepage innerhalb meiner Branche gesehen: "Impress" statt Impressum, und beim Veranstaltungshinweis auf eine Partner-Konferenz steht groß drüber "We look forward to meet you in Budapest"...

Zhanna Skrynaus hat gesagt…

Ein toller Beitrag! Englisch ist zwar nicht meine Arbeitsspache, aber viele Dokumente werden heutzutage mehrsprachig erstellt. Momentan arbeite ich als angestellte Übersetzerin und erlebe häufig, dass z.B. eine Anweisung erst auf Deutsch geschrieben wird, dann von einem Nichtmuttersprachler ins Englische übersetzt wird; die deutsche Version wird gelöscht/ersetzt... Am Ende bekomme ich so eine Mischung, dass ich gezwungen bin, den Text "zurückzuspulen": Aus dem englischen Dokument eine deutsche Bedeutung herauszufinden und diese ins Russische zu übersetzen.

Für das Wort "Stand" (status) musste ich mir auch schon mehrmals was einfallen lassen.

Doro hat gesagt…

Super, danke, hat mir gerade sehr geholfen! Ich übersetze zwar fast nur DE>FR aber Dein Blog hilft trotzdem sehr ;-)

Doro hat gesagt…
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