Dienstag, 27. November 2012

Feeling warm, warm, warm?

Heute ein Beitrag von Anna Gentle:

Besonders in der kalten Jahreszeit freuen wir uns alle über ein warmes Essen, manchmal vielleicht gar eine Wärmflasche. Und in unseren Wohnungen machen wir die Innentüren zu, holen unsere Zugluftdackel aus dem Schrank und lassen die Rollläden herunterrattern, dass ja kein Wärmeverlust entsteht.

Bei uns Englischsprachigen geht es aber noch viel heißer her. Für uns ist das Warmwasser nicht nur warm sondern hot. Wir genießen a hot meal (or hot dinner) und gehen danach zufrieden mit unserer hot water bottle ins Heiabett. Und bei uns geht nicht warmth verloren sondern heat.

Wenn man in unserem Beruf plötzlich in the hot seat ist und quasi aus dem Stand diese vermeintlich einfachen Ausdrücke übersetzen muss, ist es leichter als man denkt, Warmwasser mit warm water zu verwechseln. Oder zu vergessen, dass man bei Begriffen wie Warmwasseraufbereitung eigentlich besser fährt, wenn man die Temperaturangabe ganz weglässt: water heating.

Daher ein heißer Tipp: schaut euch euren hot-off-the-printer (abgewandelt von hot off the press = druckfrisch) Text am besten nochmals an. Do we really say that? Wenn nicht, schnell ändern or you could end up in hot water!

Montag, 26. November 2012

Rahmenprogramm, Partnerprogramm auf Englisch


Die EU finanziert jede Menge framework programmes. Aber da geht‘s um Infrastruktur und Wirtschaftsförderung. Mir geht‘s um Kaffee, Köstlichkeiten und Klatsch auf Kongressen und ähnlichen Veranstaltungen.

Eine Lösung für das Partnerprogramm (sprich: 49 Ehefrauen, 20 Mätressen und ein einsamer husband besuchen die Stuttgarter Staatsgalerie) ist schnell gefunden: Es heißt fast immer companion program. Gelegentlich trifft man auf accompanying persons‘ program. Aber das klingt für mich arg abgehoben und unappetitlich.

Das gibt es einfach nicht!

Rahmenprogramm ist nicht so einfach. Denn: Ich habe tatsächlich gute drei Stunden lang einschlägige amerikanische, britische, kanadische und australische Websites abgeklappert (ja, sowas mache ich!!!). Und was stellt der selbsternannte Sherlock Holmes der Sprache fest? Von einem separaten, dedizierten “Programm” für die Leckereien am Abend oder den Ausflug in die Schnapsbrennerei wird selten geredet.

Am häufigsten liest man networking opportunities – auch als Überschrift. Oder nur networking. Oder networking and fun. Oder es gibt entertainment, manchmal an evening meal, dinner oder sogar banquet. Es gibt social events oder social activities, und auch sightseeing. Oder eben alles.




Call a spade a spade

Das heißt: Die Dinge werden beim Namen genannt. Und nicht als Programm deklariert. Und ja, mir ist auch klar, dass so manche networking opportunity nicht Teil eines Rahmenprogramms ist. Aber das der Begriff, der am meisten eingesetzt wird.

Meine Lösung, Dear Watson, lautet also: Die Aktivitäten umschreiben / beschreiben. Nix mit program(me).

Aber dann kommen wir zur Ausnahme:

Offensichtlich mögen Australier social programmes. Auch Studenten haben anscheinend eine Schwäche dafür. Aber ansonsten – vor allem in Einladungen und auf Websites – würde ich locker-flockig bei networking und entertainment bleiben. Auch die Australier und Studenten greifen nur gelegentlich zum programme.

Hier ein paar real-world examples:


You can schedule keynote speakers, breakout sessions, and other events that will entertain as well as educate your attendees.
Your ticket includes presentations and poster session, cocktails and networking.

Join us for a full day of discussions, hands on workshops, networking, and fun. Meet the coolest creatives and companies in New York City, and make valuable connections with peers and professionals.

The conference typically features 450 readings, lectures, panel discussions, and forums, as well as hundreds of book signings, receptions, dances, and informal gatherings

A range of social events will be offered throughout the two weeks of the conference and workshops.
Networking with peers during the social program is often one of the most productive elements of a conference.

Schedule a variety of social activities for conference attendees in their free time. Consider getting discounted tickets to a local attraction or theme park. Host an informal cocktail and appetizer party by the hotel pool one night. 

Montag, 19. November 2012

Best ager? Best avoided.


Ich soll heute vormittag ein Angebot (quote, not offer) über eine recht interessante Marktstudie abgeben – allerdings wird gleich im ersten Absatz über Beste Ager und Twens gesprochen. Beide Begriffe sind reinstes Denglish der allerübelsten Sorte. Es gibt sogar ein Online-Magazin, das so heißt:



                                                           
Für Engländer und Amis gibt es the grey marketthe silver market, und auch woopies (wealthy older people) aber keine Best Ager.

Ein Ager wäre höchstens ein Mittel, mit dem man Möbeln (oder Menschen?) eine antike Optik verpasst.

Leider wollen viele Kunden auf diesen gräßlichen Begriff nicht verzichten – in dem Irrglauben, er wäre "genau richtig" und "von allen verstanden". In Berlin ja. In London und New York nicht.

Twen ist noch fataler. Denn es gibt durchaus einen ähnlich klingenden Begriff in der Marktforschung: Tween. Nur ist ein Tween wesentlich jünger! Das Wort beschreibt Kinder im Alter von 10 bis 13, die sich schon frühreif wie Teenager verhalten. Siehe hierzu http://en.wikipedia.org/wiki/Preadolescence

Donnerstag, 15. November 2012

Leuchtmittel: ‘illuminants’ ‘lamps’ or ‘bulbs’?


Heute ein beitrag von unserer Praktikantin, Eve Williamson: 

The word ‘Leuchtmittel’ is an all-embracing term:

Gegenstand, mit dem [besonders elektrisches] Licht erzeugt werden kann (z.B. Glühlampe, Neonröhre, Leuchtdiode) [Duden online]

We’re talking about the assorted lighting products that we screw or wire into light fittings, in order to create light. (What we’re not talking about is floral lamp shades.)
  
Finding an English equivalent is no easy task. There’s no immediately obvious way to convey the same breadth of meaning, and the online dictionaries are of little help. Beolingus offers us nothing; the good people at WordReference are equally clueless. Leo and dict.cc fare a little better, at least throwing up ‘illuminant’ and ‘lamp’, but we shouldn’t be too hasty to scribble these translations into our own work.

On the surface, ‘illuminant’ may seem to provide the nifty blanket term we’re looking for, but it really signifies any ‘means of lighting or source of light’ [Oxford Dictionaries Online], including things like oil for oil lamps. And when the term is used, this is generally in a scientific context reserved for boffin-types. (Your average Joe doesn’t head down to the supermarket for ‘illuminants’!)

http://en.wikipedia.org/wiki/Standard_illuminant

‘Lamps’ is used by some lighting manufacturers to describe a variety of Leuchtmittel; the word is still problematic however. First and foremost, the term ‘lamps’ makes us think of light fittings: reading lamps, standing lamps, lava lamps, etc. So we would come a cropper if we tried to use ‘lamps’ as a straight-forward equivalent for ‘Leuchtmittel’ in all contexts. Lamps are primarily things we like to match with our home décor – Leuchtmittel less so…

  

Another translation we might consider is ‘bulbs’ or ‘light bulbs,’ as a considerable selection of Leuchtmittel may be described this way. We hit a wall however when our Leuchtmittel include things like fluorescent tubes and LEDs. Retailers of electrical goods do sometimes class these as ‘bulbs’ on their websites, but these aren’t what we generally think of as ‘bulbs’, as they don’t take the defining shape. 


So what is the best translation?

The inconvenient truth is that there is no one word which expresses all that ‘Leuchtmittel’ conveys. Which term we choose therefore depends on context, but what we can conclude is:

·         If it’s really necessary to pick one term, ‘(light) bulbs’ is probably the best option, as it covers a variety of Leuchtmittel quite nicely: halogen, fluorescent and spotlight bulbs etc.

 

·         If however we’re talking about a variety of Leuchtmittel, such as incandescent bulbs and fluorescent tubes, it might be a bright idea (naff pun intended) to translate Leuchtmittel as ‘bulbs and tubes’ for the sake of accuracy.




It’s perhaps also worth bearing in mind that if we’re dealing with one type of Leuchtmittel exclusively, such as ‘Leuchtstoffröhren’ or ‘LED Leuchtmittel’, it’s possible to translate these simply as ‘tubes’ or ‘LEDs’ – here we don’t actually need the blanket term.

Hopefully this explanation has provided some enlightenment (har har).

 

Sportlich ist nicht immer sporty


Sportlich hat was mit Sport zu tun, oder? Also auf Englisch sports? Nicht unbedingt.

Sportliche Kleidung ist in der Regel nicht sports oder sporty clothing (aber man beachte: eine sports jacket gibt es durchaus). Fast immer ist casual oder elegantly casual gemeint.

Den false friend kennen und meiden die meisten Übersetzer. Aber über den folgenden stolpern (von meinem reliable friend das Handelsblatt) viele:

Die Unternehmen haben große Pläne: „Es wäre sportlich, aber nicht auszuschließen, dass [der neue Trabi] 2012 wirklich fährt.“

Hmm. Das hat nun rein gar nix mit Fussball, Tennis oder Schwimmen zu tun.

Nicht einfach – aber vielleicht „quite a challenge“ oder „a tall order“. Was das Übersetzen gelegentlich auch ist.

Montag, 12. November 2012

A slip of the tongue

Eine Bekannte hat neulich dieses Blog gelesen – und plötzlich verstanden, dass ihr jealous South African boyfriend nicht nur irritiert sondern tatsächlich von ihr ziemlich genervt war. Denn irritate auf Englisch ist nicht nur verwirren/verunsichern. Es ist ganz klar ärgern/nerven. Der boyfriend ist jetzt ex.

Ich bin froh, meinen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet zu haben.

Das erinnert mich an eine interessante Begegnung mit lingerie in einem Department Store in Sheffield.
Meine attraktive deutsche Begleiterin hat irgendwie irgendwas an irgendeinem Slip zu meckern gehabt. Und das auch noch zum Ausdruck gebracht. Da waren aber die netten sales assistants etwas irritiert (aber nicht irritated). Denn in England ist ein slip ein Unterrock. Und der war ja weit und breit nicht zu sehen.

Bei uns heißt das entsprechende Kleidungsstück knickers (sehr umgangsprachlich), panties oder auch briefs.
Damit habe ich auf elegante Weise einen Vorwand gefunden, euch folgende Bilder zu zeigen:


My thanks to Marks and Spencer:





My thanks to John Lewis:





Ja, ja, ok, ok, damit mir nicht Einseitigkeit vorgeworfen werden kann, hier ein männliches Beispiel:






Free English lesson: A slip of the tongue ist ein verbaler Ausrutscher/Verdreher. Und sagt man oft als Entschuldigung für irgendeine blöde Bemerkung, die falsch raus- und rübergekommen ist (sorry, that was just a slip of the tongue).


Übrigens: ich habe jahrelang geglaubt, ein Pony (Deutsch) wäre dasselbe wie ein ponytail (Englisch). Die Frisur heißt bei uns in England fringe und bei den Amis bangs. Und das wiederum erinnert mich an einen ziemlich obszönen Witz, der nur auf Deutsch funktioniert (Kinder jetzt bitte wegschauen):

Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal. 

Donnerstag, 8. November 2012

Kein Happy End?



Auch ich bin nicht immun gegenüber false friends.

Neulich erzählte ich munter einer Landsmännin (was ist das für eine komische Wortschöpfung?) eine Story mit einem Happy End. Na und? Ist doch schön, oder? Jaaaaaa.

Nur mein Native-Speaker-Gegenüber wies mich dezent (übrigens nicht decent) auf meinen False Friend hin. Es heisst Happy Ending auf Englisch. Mit einem kleinen aber wichtigen ing.


Ihr glaubt mir nicht?

Hier...

Montag, 5. November 2012

Ungewollte Schwangerschaft bei Werbeagentur in Siegen



Die Werbebranche liebt das Wort Konzeption. Und fast immer wird es völlig mistranslated als conception.

Es gibt sogar eine Agentur in Siegen, die sich gleich so getauft hat:





Und bei Bertelsmann gibt es eine Stelle, die ich jungen Männern mit viel Ausdauer und vielen eifrigen Spermien empfehlen kann:





Ja, es warten echt interessante Herausforderungen auf Sie! Und das Video möchte ich auch unbedingt sehen!


Zugegeben, es kann in bestimmten Fällen etwas mit Gedanken zu tun haben (You have absolutely no conception = Sie haben keine Vorstellung).

Aber conception wird in erster Linie als Empfängnis (ja, schwanger werden) verstanden. 


Hier hat the NHS (unser staatlicher Gesundheitsdienst) einige nützliche Hinweise zum Thema:




Daher sind Wortschöpfungen (Xing läßt schon wieder grüssen) wie e-conception (mittels Parship?) und creative conception (besonders anstrengende Stellungen vielleicht?) amüsant aber nicht sehr aussagekräftig.


Das folgende Angebot in Aachen könnte auch sehr reizvoll sein:



Wie man mittels PC schwanger wird, ist mir nicht ganz klar - aber wenn es hilft (vielleicht kann man die fruchtbarsten Tage errechnen)? Na dann.

Konzeption bei einer Werbeagentur ist concept development. Analog ist die Kreation creative development (wenn die Aktivität gemeint ist) oder the creative department / team (wenn die Abteilung beschreiben werden soll). Die Künstlertypen, die hinter dieser Arbeit stecken, nennen sich einfach creatives. Creation dagegen ist die Schöpfung - und hat eine göttliche Dimension.

Überhaupt ist das Wort Konzept bzw. Konzeption mit größter Vorsicht zu genießen.

Für euch ist ein Konzept meist viel konkreter als für uns a concept.

Konzept kann plandesign, development sogar solution sein.

Aber bitte den Begriff immaculate conception auf jeden Fall vermeiden, es sei denn Sie sind der Papst.

Freitag, 2. November 2012

Gelassenheitsgebet für Übersetzer?


Kennt ihr the serenity prayer (Gelassenheitsgebet):

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
The courage to change the things I can,
And the wisdom to know the difference.

Die Wiki-Übersetzung lautet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Finde ich nicht schön – vor allem “Dinge”? Gibt es wirklich nichts Besseres? Aber egal. Darum geht es mir hier nicht.

Auch mich als Übersetzer regt das zum Nachdenken an.

Wir müssen die Aussage des Ausgangstextes erkennen und akzeptieren. Nicht verändern. Gar nicht so einfach, wie es klingt. Und mancher Übersetzer begräbt die Intention des Autors unter seiner Begeisterung für wendige Wortspiele und süße Sprüche (vor allem Übersetzer, die in ihren linguistischen Elfenbeintürmen wenig Berührung mit Wirtschaft, Technik oder Marketing haben).

Aber noch viel häufiger trauen sich Übersetzer nicht, eine übelriechende deutsche (oder denglische) Wortwahl zu verändern, und den stinkenden Biomüll über Bord zu werfen – oder sich von germanischen Strukturen und Redewendungen zu trennen.

Die Weisheit, den Unterschied zwischen Aussage und Biomüll zu erkennen – tja, das ist die allerschwierigste Übung.

Apropos of nothing – folgendes ist mir heute über den Bildschirm geflattert. Auch ein Beispiel dafür, wie eine wörtliche Übersetzung aus einer Anzeige (die eh nicht gut war) schwupp-di-wupp Anti-Werbung machen kann.




Und um das Thema Schreibfehler fortzusetzen: