Freitag, 2. November 2012

Gelassenheitsgebet für Übersetzer?


Kennt ihr the serenity prayer (Gelassenheitsgebet):

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
The courage to change the things I can,
And the wisdom to know the difference.

Die Wiki-Übersetzung lautet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Finde ich nicht schön – vor allem “Dinge”? Gibt es wirklich nichts Besseres? Aber egal. Darum geht es mir hier nicht.

Auch mich als Übersetzer regt das zum Nachdenken an.

Wir müssen die Aussage des Ausgangstextes erkennen und akzeptieren. Nicht verändern. Gar nicht so einfach, wie es klingt. Und mancher Übersetzer begräbt die Intention des Autors unter seiner Begeisterung für wendige Wortspiele und süße Sprüche (vor allem Übersetzer, die in ihren linguistischen Elfenbeintürmen wenig Berührung mit Wirtschaft, Technik oder Marketing haben).

Aber noch viel häufiger trauen sich Übersetzer nicht, eine übelriechende deutsche (oder denglische) Wortwahl zu verändern, und den stinkenden Biomüll über Bord zu werfen – oder sich von germanischen Strukturen und Redewendungen zu trennen.

Die Weisheit, den Unterschied zwischen Aussage und Biomüll zu erkennen – tja, das ist die allerschwierigste Übung.

Apropos of nothing – folgendes ist mir heute über den Bildschirm geflattert. Auch ein Beispiel dafür, wie eine wörtliche Übersetzung aus einer Anzeige (die eh nicht gut war) schwupp-di-wupp Anti-Werbung machen kann.




Und um das Thema Schreibfehler fortzusetzen:



Kommentare:

Diana Kahle hat gesagt…

There was an article in my alumni magazine about the Serenity Prayer a couple years ago, really interesting:

http://www.yalealumnimagazine.com/issues/2008_07/serenity.html

And you won’t believe it, I actually once received a postcard with that unsavory translation on it, Dinge and all. No idea how that got past publishers.

Diana

Diana Kahle hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Librarian hat gesagt…

Die "Dinge" stören mich hier weniger, aber das zweimalige "kann" finde ich nicht so schön. Mein Deutschlehrer hätte mir sowas früher angestrichen und mit Rotstift "Wiederholung!!" an den Rand geschrieben.
Die englische Variante, erst "cannot change" und dann "can", klingt da doch besser.