Montag, 10. Dezember 2012

Chard, lemon sole and mimd the gap


Ich war letztes Wochenende in London. Und durfte linguistisch und kulinarisch auftanken. Sprache verändert sich rasend schnell. Als Texter/Übersetzer muss ich (will ich!) unbedingt Schritt halten. Daher sind regelmäßge Aufenthalte in der Heimat nicht nur enjoyable sondern auch educational.

Ein Beispiel: Beim Übersetzen von Broschüren für T-Systems sind wir öfter mal über „elektronische Patientenakte“ gestolpert. Nachdem meine Mutter neulich über ganz was anderes gestolpert ist (und sich ihre fibula gebrochen hat) bin ich im Krankenhaus dem englischen Pendant  begegnet.


Besonders auffällig: In London sind jede Menge Amerkanismen zu hören – und zwar aus sehr englischem Munde (To touch base, ballpark figure, step up to the plate. achieving closure, kick the can down the road…).

Aber auch ohne our American cousins gibt es viel Neues. Besonders beliebt sind portmanteau words – Wörter, die man aus den Fragmenten von zwei (oder mehr) Anderen zusammenbastelt.

To chilax zum Beispiel (aus chill und relax).

A bromance (aus brother und romance) ist eine nicht-sexuelle Männerfreundschaft.

Gegen chuggers (charity und muggers – die meist jungen Leute, die in London überall anzutreffen sind und einem für einen guten Zweck richtig auf die Nerven gehen) wurde jetzt ein Gesetz erlassen – sie dürfen einem nur noch drei Schritte hinterherlaufen. Dann ist die Maus juristisch aus.

Ihr Deutschen könnt Wörter ganz einfach aneinander reihen. Wir nicht (zumindest nicht ohne Schluckauf zu bekommen). Die Not macht in dem Fall erfinderisch (necessity is the mother of invention) – und daher so viele portmanteau words. Zumindest ist das MEINE Hypothese.

Eine weitere Entdeckung: up in ganz neuen Verb-Kombination.

I’m all layered up sagte mir eine Kassiererin in Marks and Spencer. Was so viel heißt wie: Ich habe mich ganz warm angezogen (= viele Schichten über einander).

They’re all loved up ist eine von The Daily Mail bevorzugte Beschreibung für verliebte Promis.

Und wenn ein wimp (Warmduscher) endlich mal a bisl Rückgrat zeigen soll, so sagt man: man up!

Im kulinarischen Bereich habe ich Lebensmittel entdeckt, die ich sonst eher auf Deutsch kenne. In Osterley Park gibt es ein farm shop, in dem man für ein Pfund eine riesige Tüte Swiss chard (Mangold) kaufen kann. Allerdings ist Mangold im  Kaufland Ludwigsburg (ein schrecklicher Laden…) größer, weniger farbenfroh und eindeutig weniger frisch.






Hier das Rezept dazu:


Wobei ich recht viel Mangold verwendet habe (wir hatten ja so viel!!). Außerdem habe ich einige Scheiben chorizo gebraten und reingeworfen (diese ganz scharfe Wurstsorte ist in Great Britain inzwischen sehr beliebt). War eine richtig scharfe Ergänzung.

In Borough Market habe ich eine lemon sole (Rotzunge) für drei Pfund ergattert. Die dover sole (Seezunge) war mir mit neun (!) Pfund pro Stück doch etwas happig. Aber dafür ist der Fisch in London richtig frisch.




Und ihr kennt doch alle mind the gap, oder? Naja, in Osterley sprechen sie das wohl etwas anders aus…




1 Kommentar:

Librarian hat gesagt…

Mir schmeckt am besten der Mangold vom Stückle meiner Eltern :-) Über das allotment habe ich auch schon mehrmals gebloggt.
Interessant, das mit den vielen Amerikanismen in London. Ich war schon so lange nicht mehr dort (das letzte Mal vor fast 6 Jahren, und dann auch nur als Tourist), dass ich das ohne Deinen Blog nicht mitbekommen würde.
In Yorkshire oben ist mir das noch nicht so aufgefallen. Da stört es mich nur, wenn (vor allem) junge Leute in Anlehnung an amerikanische Jugendliche nach jedem zweiten Wort ein "like" einbauen, egal ob es sinnvoll ist oder nicht.