Dienstag, 10. Dezember 2013

Besinnliche Weihnachten. Translate! Or not!

Heute ein Beitrag von James Randle:


Hier sein Profil (bitte nach unten scrollen!)


A little contemplation on festive ‘Besinnlichkeit’

At this time of year, many German companies see fit to wish their customers, business partners and anyone else besides a “besinnliches Weihnachtsfest” or a “besinnliche Weihnachtszeit”.

Was sagen die Online-Wörterbücher?

Everyone has their favourite online dictionaries for such an occasion. I personally find dict.cc to be relatively useful, but it’s far from perfect. In this case, a cursory glance at their dictionary entry for besinnlich yields the following results – listed in descending order of ‘importance’:

Reflective – contemplative – tranquil – pensive – thoughtful – thought-provoking

Now hang on a minute. A “pensive” Christmas”? A “thought-provoking” Christmas?

As a Brit, a “pensive” (‘gedankenvoll’ or even ‘grüblerisch’) Christmas makes me think of family tension at the dinner table, maybe because your Grandpa just burnt the turkey for the fifth year running. And “thought-provoking” (‘zum Nachdenken anregend’) is how you might describe an unusually hard-hitting Queen’s Speech.
In short, it all sounds like hard work.

So, what about the top-rated suggestions? Unfortunately, they don’t quite hit the mark either.

Worüber denkt denn das Weihnachtsfest nach??

A “reflective Christmas” or “contemplative festive period” may sound like quite a pleasant, even sophisticated thing to wish someone. But these expressions (meaning something like ‘nachdenklich’ in German) are rarely found in English – because they do not make logical sense. In both cases, it sounds as if the Christmas period itself is doing all the thinking, rather than the people. A very strange concept!

Ein kultureller Unterschied

What to do, then? You have to remember that in a Christmas card, it’s a sentiment you’re conveying. And there’s a cultural difference, too – Christmas in German culture is seen as a time to reflect on the year just gone in the company of your family, but we tend to view the festive period as a chance to celebrate, ‘eat, drink and be merry’. So in this case, it is probably better to avoid the subject of Besinnlichkeit altogether.  


Christmas - politically incorrect? 

Oh, and not all English speakers are entirely comfortable with wishing everyone a ‘Merry Christmas’ – because not everyone is Christian! So ‘Happy Holidays’ or a ‘Happy Holiday Season’ are often used as politically-correct alternatives. This is particularly true in the US, but increasingly common in the UK too.

Some nice expressions for Christmas cards on both sides of the Atlantic include:

We wish you and your family peace, health & happiness this holiday season” 
This one is quite elegant, although “peace” (‘Friede’/ ‘Ruhe’) is not a literal translation for Besinnlichkeit either.

“We wish you a very happy Holiday Season and a New Year filled with peace and prosperity.”

“One of the real joys of the Holiday Season is the opportunity to say Thank You and to wish you the very best for the New Year.”

“In the spirit of the season, we extend a heartfelt Thank You and wish you the very best in the New Year.”

Or simply:
“Merry Christmas and Warm Wishes for a wonderful Holiday Season and a very Happy New Year.”

Will any of your English-speaking contacts be offended that you didn't wish them a reflective or thought-provoking holiday season?

Think about it!


And on that note – Merry Christmas and a Happy New Year to all… J

Sonntag, 15. September 2013

Gettings – the worst around

Ich schau fast nur englischsprachige Fernsehsendungen – Kabel BW und Sky machen es mir leicht mit TNT-Serie, Fox-Serie, BBC Entertainment und Co.  Und gestern Nacht habe ich gleich vier Hitchcock-Klassiker aufgenommen.

Aber die Spots (ja, spot ist schon echtes Englisch – aber üblicher sind commercials) sind trotzdem auf Deutsch. Oder Denglisch. Die Werbung von „Gettings“ (es geht um Rabatte in Restaurants usw. „in deiner Nähe“) ist zum Beispiel dermaßen grässlich, dass ich gleich schreiend wegschalte.




Was bitteschön soll „gettings“ bedeuten? Das ist kein Englisch. Das ist eine inhaltslose Erfindung eines teutonischen Gehirns. Und „the best around“ ist zwar eine echte Redewendung – heißt aber nicht „das Beste in (deiner) Nähe“ sondern „Das Beste, was es überhaupt gibt“. Aber ich kenne da die übliche Reaktion der Werbefritzen. „Ja, das ist auch gut“. No, it f****ing well isn’t. Es ist falsch, irreführend, Anti-Bildung und für mich zumindest Anti-Werbung. Und extrem schmerzhaft.

Hättet ihr das nicht auf Deutsch machen können? Oder wenigstens Englisch?

Und dann diese Stimme. Schlimm!!!!!! Hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der elektronischen Stimme von Stephen Hawking. Nur kann er besser singen. Und besser Englisch.

Wer sich das unbedingt antun möchte (you have been warned):



Und warum glauben die eigentlich, dass ich in Tübingen wohne????

Gettings, get stuffed!

Montag, 9. September 2013

Messies und Patchwork-Familien

Man sollte allen scheinbar englischen Begriffen (in deutschen Texten) stets mit einer ordentlichen Prise Skepsis begegnen. 

Messies zum Beispiel sind auf Englisch (compulsive) hoarders oder umgangsprachlich pack rats.


Patchwork-Familien heißen auf Englisch blended families. Bin nicht ganz sicher, ob "patchwork family" nicht doch manchmal verwendet wird, aber blended ist ganz klar positiver belegt (more politically correct). 

Die Google-Hits für "Patchwork Family" sehr aufschlussreich –  da taucht zum Beispiel die (wohl übersetzte) englische Website von parship auf sowie zahlreiche Hinweise zum teutonischen Ursprung des Begriffs:

Urban dictionary: "A new family made up from the remnants of divorced families.  This term is used (in English) in German speaking countries"

Laut wiki ist der Begriff sogar durch eine Übersetzerin geprägt worden!

"Der Begriff Patchworkfamilie wurde laut der  Gesellschaft für deutsche Sprache 1990 erstmals von der Übersetzerin Margaret Minker bei der Übersetzung des US-amerikanischen Beratungsführers von Anne Bernstein „Yours, mine and ours. How families change when remarried parents have a child together“ in ihrer Übersetzung in dem Titel „Die Patchworkfamilie. Wenn Väter oder Mütter in neuen Ehen weitere Kinder bekommen“ benutzt."

Also NICHT sagen: We are a patchwork family and my brother is a messie. Da gibt's Missverständnisse und Ärger, vor allem  mit dem Bruder.

Freitag, 6. September 2013

Translators are a waste of space

Danke an Sally Maßmann für den Hinweis auf dieses (zum Schluss) sehr witzige Video (allerdings für Nicht-Muttersprachler wohl etwas schwer zu verstehen):

http://www.youtube.com/watch?v=UGYL5sUwr2Q&feature=youtu.be

Sonntag, 11. August 2013

Arschgeweih auf Englisch

Gestern Abend (bei etwas zu viel Rotwein) kam mein bunt gemischter deutschenglischer hannoverscher Freundeskreis ausgerechnet auf das Thema „Arschgeweih“. Und siehe da: Ich habe schon wieder was Neues gelernt. Es heißt tramp stamp auf Englisch (dabei bedeutet tramp nicht etwa „Landstreicher“ oder „Penner“ wie in den verstaubten Wörterbüchern anno 1980  sondern, ahem, Schlampe).


Auf jeden Fall habe ich jetzt einen triftigen sprachenwissenschaftlichen Vorwand folgendes Bild einzufügen:



Weitere aufschlussreiche Bilder unter:

www.trampstamp.com


Dienstag, 23. Juli 2013

Love is what?

Heute ein Beitrag von Diana Mangold:

Welcher Firma könnte der URL www.loveiseasy.de gehören? Viellecht einem Rotlicht-Etablissement? Einer Kontaktbörse für Menschen, die einen Partner nur fürs Wochenende suchen?  

Leider nicht. Es gehört der Firma Niessing, Deutschlands führendem Hersteller von Eheringen.

Wie viele von Ihnen bereits aus meiner Email-Signatur wissen, habe ich im Oktober 2012 geheiratet. Beim Ringekauf habe ich von der sehr stylishen Dame im sehr stylischem Juweliergeschäft einen sehr stylischen Katalog von Niessing in die Hand gedrückt bekommen. Sehr schön und glossy, auf schwerem Papier und mit sehr aufwändig inszinierten Fotos. Kurz gesagt: Bestimmt sehr teuer produziert.

Aber dann kam die Überraschung: Der obige URL auf der Rückseite. Und gleich war meine (sehr positive) „first impression“ pfutsch.




Es gibt viele feststehende Floskeln, die dem „love is“-Muster folgen. Love is pure, love is patient, love is kind, und es gibt sogar ein comic strip namens Love Is... (kennt ihr schon, es kommt immer etwas wie „sharing the last piece of chocolate“, begleitet von einer niedlichen Illustration). Aber „easy“? Wenn man an „easy“ in Kombination mit „love“ sieht, denkt man gleich an eine „schnelle Nummer“. Oder ähnliches. Nicht an den Mann, mit dem frau unbedingt Ehrringe tauschen möchte.

Aber was ist mit diesem neuen Ohrwurm „Our love is easy“? Na ja. Wenn man den Rest des Liedes hört (oder hören muss), kommt: „It's a simple thing, we don't need a ring. Our love is easy.“ Also man könnte behaupten, Melody ist eher mäßig an Niessings Produkten interessiert.

Übrigens: Nivea hat vor Kürzem meine Lieblingsspülung, Straight & Easy, in Straight & Gloss umgetauft. For good reason. Die zweite Variante mag grammatikalisch etwas seltsam sein (warum nicht Straight & Glossy?) aber wir Muttersprachler haben keinen Grund mehr zum Kichern.


Montag, 15. Juli 2013

Shitstorm ist ein scheißgefährlicher Begriff!

Neulich hat Angela Merkel den neudeutschen Begriff Shitstorm verwendet – und damit in den englischsprachigen Medien einen (kleinen) Shitstorm ausgelöst. Hier der hämische Bericht der BBC:

http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-23142660

Es heißt wörtlich ein "Sturm aus Scheiße" - gemeint ist natürlich 
ein "Sturm der Entrüstung" auf Social-Media-Kanälen.


Wir sagen zum Beispiel "social media storm"




Das Wortgebilde ist aus zwei Gründen scheißproblematisch. Erstens: Ein Shitstorm ist auf Englisch nicht auf Reaktionen im Internet beschränkt. 
Oder online storm

Siehe hierzu das Urban Dictionary:

http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shitstorm

Zweitens und viel gravierender: Shitstorm ist auf Englisch EXTREM vulgär. Shit ist viel schlimmer als Scheiße. Aber deutsche Politiker gehen selbst mit „Scheiße“ scheißvorsichtig um. Aber in der teutonischen Welt ist shitstorm merkwürdigerweise salonfähig.





David Cameron oder Barack Obama würden den Begriff höchstens hinter sehr gut verschlossenen Türen im Flüsterton verwenden. In der Öffentlichkeit oder in Zeitungsartikeln? Nie.

Auch meine Kollegin und langjährige Freundin Sally Massmann hat darüber geschrieben:

http://sallymassmann.wordpress.com/2012/06/29/shstorm-ist-auf-englisch-ein-bisschen-schse/



Auch The Economist wundert sich über Angelas Wortwahl:

http://www.economist.com/blogs/prospero/2013/08/english-words-german


Sonntag, 2. Juni 2013

Generalunternehmer – auf Englisch

Heute ein Beitrag von Caitlyn Westbrooke:


German enterprises love calling themselves Generalunternehmer in marketing contexts. And according to dict.cc, general contractor and prime contractor are stock-standard English equivalents. Now these terms may look or feel deceptively similar to Generalunternehmer. But nine times out of ten they are simply wrong for an English-speaking audience. Here’s why:

Generalunternehmer - auf Deutsch
The word Generalunternehmer pops up time and time again. It is a favoured expression of many a German software developer and engineering company, to name just a few. They use it to emphasise the comprehensive nature of their services, and rightly so; according to Duden Online, a Generalunternehmer takes responsibility for an entire project from start to finish, coordinating all sub-contractors.

The Swiss faction of IT firm T-Systems, for example uses the term to describe their relationship with the Swiss BZ Bank: Als Generalunternehmer betreibt, pflegt und wartet T-Systems die gesamte Lösung in einem eigenen Rechenzentrum.

The translator in this case makes this out of it: “As the general contractor, T-Systems operates, maintains and services the entire solution in a dedicated computer centre.”

But unfortunately for T-Systems, general contractor makes no sense whatsoever in this context (oh, and computer centre is also wrong, but we’ll leave that for the moment).

So what's the problem with "general contractor"?
THIS is the problem:





Run a Google image search for general contractor and you’ll see hammers, yellow hard hats and men with bulldozers. There’s a good reason for this: Collins American English Dictionary defines general contractor as “a person who contracts to construct a building or buildings, […], in accordance with certain plans and specifications […]”.
When T-Systems and other companies take general contractor out of context, it conveys the wrong message.

So how about “prime contractor”?

Nope, this alternative isn’t any better. Yes, the expression prime contractor exists. But like general contractor, it is only appropriate in a very narrow context. In the US in particular, the phrase has military connotations, and seems to refer to larger firms that bid for big government contracts.



This has very little to do with the way German businesses use the term Generalunternehmer.


Our “complete solution”
Translating Generalunternehmer as general contractor is fine if – and only if – you are describing a company that coordinates construction projects. For an IT firm like T-Systems, however, phrases like one-stop shop, or end-to-end provider are a much more appropriate. When it comes to industrial engineering firms, our advice is to avoid general contractor. Yes, these companies are involved in construction in a sense. But Collins certainly doesn’t mention industrial engineering or factories, and you won’t see American or British engineering businesses calling themselves general contractors. In this case, it may be more appropriate to talk about comprehensive solutions or turnkey projects.


To avoid any confusion when translating Generalunternehmer, it is worth considering using a full phrase. “We assume end-to-end responsibility for the project.” “We are your single point of contact and responsibility, coordinating all other providers.” If you are after a lighter tone, you could even consider the very colloquial phrase “soup-to-nuts solution”.  

Et voilà. These phrases are used by British and American companies across a range of industries. And they won’t leave readers wondering how they missed T-Systems’ sudden entry into the home construction market.

Montag, 27. Mai 2013

Mit Englisch punkten? Nicht ganz


Heute ein Beitrag von Diana Kahle:

We score with easy access

Dieses Wochenende habe ich ein Schild an einer Serways-Tankstelle gesehen, das ich gleich fotografieren musste: Zwei rüstige Rentner lächeln unter der Headline „Sanifair scores with easy access“. Klingt harmlos, oder? Dann sind Sie nicht in einem englischsprachigen Land in den 90ern groß geworden.






Doppelt schlecht, doppelt lustig

Hier handelt es sich um viel mehr als eine garden-variety schlechte Übersetzung. Ja, es gibt sicherlich besseres für „Wir punkten mit Barrierefreiheit“. Aber viel lustiger ist, dass dieses Plakat zufälligerweise zwei Jugendausdrücke vereint, die in diesem Kontext gar nicht passen. Diese dürften jedem bekannt sein, der als Teenager einen MTV-fähigen Fernseher hatte.  

Nachhilfe in Englisch.                                                        

Fangen wir mit „we score“ an. Kennen Sie Beavis and Butthead? Die zwei streunende Teenager, die ständig (und immer erfolglos) versuchen, Mädchen aufzureißen? Wissen Sie, was sie dazu auf Englisch sagen? Genau, „We’re going to score“ (= wir werden sie flachlegen).

Hier ein kurzer YouTube-Clip: http://www.youtube.com/watch?v=EbxlqGXQeEM

Und „easy access“? Wenn das direkt nach „score“ steht, kann ich beim besten Willen nicht an Rollstühle, Kinderwägen und Barrierefreiheit denken. Stattdessen denke ich an Hosen. Denn es gibt einen recht bekannten Ohrwurm vom Rapper Eazy-E (auch Godfather of Gangsta Rap genannt), welcher folgende Zeile beinhaltet: „I wear my pants like this fo‘ easy access, baby“. 

Hier die Entschlüsselung des Liedtextes auf Rap Genius, eine Wikipedia-ähnliche Website für rap lyrics: http://rapgenius.com/Eazy-e-we-want-eazy-lyrics#note-1266023

You get what you pay for

Wie Sie sehen, passen diese zwei Ausdrücke nur mäßig zu den zwei lächelnden Rentnern – was jeder Muttersprachler sicherlich gewusst hätte. Aber bei Serways, da braucht man sicherlich keinen Muttersprachler. Sie haben doch den Praktikanten, der gerade ein Semester an einer Party-Uni in den USA verbracht hat. Sicherlich kann er da was dichten. Und voila. They got what they paid for. And now we can all get our laughs.


Montag, 15. April 2013

Ansporn auf Englisch


Heute ein Beitrag von unserer Praktikantin Gwen Sims-Williams

Neulich bin ich folgendem Ausdruck begegnet: „Ihre Zufriedenheit ist unser Ansporn“. Solche Redewendungen lassen sich nie wortwörtlich übersetzen.

Und mal ganz ehrlich: Ich hatte gar keine Ahnung, was das Wort „Ansporn“ bedeutet. Also Zeit zum Nachschlagen. Aus langer studentischer Erfahrung wollte ich direkt ins Internet bei LEO & Co. schauen. Bei Martin Crellin geht man aber mit problematischen Begriffen ganz anders um! Zuerst das Wort im deutschen Kontext verstehen. Also auf zum Bücherregal.

Ansporn Antrieb, Reiz; Belohnung ist ~ zu höheren Leistungen.

Herzlichen Dank, Wahrig. Jetzt habe ich schon eine Ahnung, worum es hier geht. Lassen wir aber auch im bilingualen Wörterbuch nachschlagen. Das Langenscheidt-Collins (wäre ein toller Nachname, oder?) bietet uns incentive an. Zusätzlich wird „ihm fehlt der innere Antrieb“ mit he has no motivation übersetzt. Na gut, aber passt hier nicht, glaube ich. Your satisfaction is our incentive klingt in etwa so, als würde man ohne diesen incentive gar keine Lust haben.

Und was sagt mein alter Freund LEO dazu? Unter anderen kontextfreien Begriffen schlägt die Webseite „fillip“ und „stimulus“ vor. Lassen wir bitte solche Wörter da, wo sie hingehören: Bei den Politikern auf der anderen Seite vom großen Teich.

Goad“ und „spur“ sind auch mit von der Partei. „Goad“ ist extrem negativ – das geht in Richtung Stichelei / Anstacheln. Da Ansporn zugegeben mit dem Englischen „spur“ eng verwandt ist, ist das durchaus eine naheliegende Empfehlung. Aber Your satisfaction spurs us on? Hm, vielleicht auch nicht. Klingt antiquiert. 

Weg mit den Wörterbüchern. Was würde ein(e) englische(r) Unternehmer(in) in diesem Fall eigentlich schreiben?

„Ihre Zufriedenheit ist unser Ansporn.“

We are driven to satisfy. OK, ein bisschen too much.
We are dedicated to satisfying your needs.
 Your satisfaction is our objective.

Hm. Wie wär’s mit Your satisfaction is our reward?

Und damit haben wir tatsächlich einen Ausdruck gefunden, der von echten Engländern in echten Texten verwendet wird. Problem solved – und jetzt fangen wir mit dem nächsten Satz an!

Mittwoch, 3. April 2013

Punktlast / Streckenlast auf Englisch

Ich hatte es am Wochenende (neben Kino, Kochen und Kamin) mit Gerüstbau zu tun. Nein, ich finde das nicht langweilig. Variety is the spice of life, sagte William Cowper. Und dazu gehören auch solche Themen. Ja, auch Stiele, Riegel und angeformte Rohrverbinder können lecker sein.

Dabei musste ich Punktlast (auch Einzellast genannt) und (gleichmäßig verteilte) Streckenlast übersetzen. Was tun? Aus meiner Sicht gibt es hier zwei Methoden: linear research – also den direkten Weg zum englischen Wort suchen (Online-Wörterbücher, wortwörtliche oder Wie-wäre-es-mit-Übersetzungen per Google ausprobieren) und circular research (ich nenne es auch fuzzy research) – Hintergrundinfos zum Thema durchforsten - und hoffen, dass man dabei was Passendes entdeckt.

Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. But I prefer the scenic route.

Zuerst nahm ich die deutschen Begriffe unter die Lupe (es ist echt erstaunlich, wie selten Übersetzer sich die Mühe machen, den Ausgangsbegriff richtig zu verstehen!). Aha, aha, Streckenlast scheint immer verteilt zu sein. Als Beispiel wird dabei oft ein Stahlträger genannt. Und sie kann gleichmäßig verteilt sein – oder eben nicht. Ok, ich bin kein Ingenieur, aber ich hab es einigermaßen kapiert, denke ich.

Und jetzt wollen wir mal den Beitrag über load bei Wiki verspeisen und ein paar englische Forenbeiträge als Geschmacksverstärker dazu. So, so, es wird gleich von concentrated load gesprochen. Und von (uniformly or non-uniformly) distributed load (e.g. steel beams). Aber schau da, auch point load wird erwähnt. Aber wenn man die zwei Ausdrücke google-vergleicht, kommt point load eindeutig schlechter weg – nicht mal die Hälfte der Hits (und davon sind viele false positives).

Zum Schluss mache ich einen Gegencheck über linear research. Bei Linguee haben sich bei Streckenlast fast alle für line load entschieden.  Klingt aber seeeehhhr komisch. Und wenn man das bei Google eingibt, kommen seitenweise false positives. Haben sich alle gegenseitig nur abgeschrieben? Very probably. Mir schmeckt es auf jeden Fall nicht. Ich versuche ein anderes fast food restaurant.

Und schau: Bei Leo gibt es tatsächlich (unter anderem) concentrated load und distributed load. Aber keine Infos zur Qualität der Übersetzung. Keine Definitionen. Keine Links zu Fachartikeln. Und auch andere Übersetzungen, die ich am liebsten in den Giftmüllbehälter geben würde. 

Tja, das ist eben das große Problem bei Leo. Es könnte stimmen. Oder es könnte Schrott sein. Und wie soll man den Streu vom Weizen trennen (how are you supposed to separate the wheat from the chaff)?

Long live circular research!


Nachtrag:
Im Deutschen scheint man auch noch zwischen Streckenlast und Flächenlast zu unterscheiden - während im Englischen beide zusammen unter "distributed load" fallen. In den meisten Fällen ist das nicht wichtig (in meinem Zusammenhang war weit und breit keine Flächenlast) aber....unter Umständen müsste man im Englischen nach weiteren Möglichkeiten der Unterscheidung suchen.

Mittwoch, 20. März 2013

Es zahlt sich aus – auf Englisch


Parental advice: this paragraph contains strong language
Es gibt Übersetzer, die geben sich zufrieden, wenn sie einen Satz wortwörtlich wiedergegeben haben – auch, wenn das Ergebnis unsinnig oder unappetitlich ist. Manche reden sogar von der „Treue zum Original“. Piss off. Sorry, aber es regt mich echt auf. Das ist (meist) ein Vorwand für Bequemlichkeit. Mein Anspruch: Die Aussage auf Englisch „neu texten“ oder gar „besser texten“.

Und dazu gehört, typische Satzstrukturen und Formulierungen der Fremdsprache als solche zu erkennen – und durch andere zu ersetzen oder vielleicht (Kinder, jetzt bitte wegschauen) wegzulassen.

Let me give you an example:

XYZ zahlt sich aus.

Machen wir es konkreter - mit drei real-world Beispielen (die alle leicht anders mit „Auszahlen“ umgehen):

Energiebewusstsein zahlt sich aus (es geht hier um Knete)

HIV-Therapie zahlt sich aus (es geht hier um Knete, aber nicht nur)

Regelmäßiges Joggen zahlt sich aus (hier hat der schnöde Mammon nichts verloren)

Bleiben wir bei Beispiel 1. XYZ pays for itself wäre leicht irreführend. Eine Investition in eine effizientere Heizung pays for itself. Aber Bewusstsein kostet nichts. So it cannot pay for itself, can it? Außerdem ist die Formulierung extrem unschön. Manche schreiben: XYZ pays dividends. Diese Redewendung ist so verstaubt, dass sie umweltfreundlich endgelagert werden müsste.

Wenn schon pay, dann wenigstens umdrehen:

It pays to be energy-conscious.

Aber der Satz läuft immer noch nicht so rund. Er fetzt nicht. Er ist eine Überschrift. Eine Überschrift hat eine ganz bestimmte Funktion: Interesse wecken. Diese Funktion sollte man übersetzen. Nicht die Wörter.

Also auf die Plätze, los.

Good for the planet. Good for your bank balance.

Oder vielleicht:

Save energy. Save money.

Ich lasse deshalb Überschriften oft bis zum Schluss. Man muss ja erst mal wissen, worum es geht. Und noch was: Die ganzen unübersetzbaren Wortspiele – Leute, nicht verzweifeln. WEGLASSEN. Komplett neue Headlines erfinden – am besten ohne irgendwelche verkrampften  Wortspiele. 

Und die anderen?

HIV-Therapie zahlt sich aus

HIV treatment delivers tangible benefits
The health and cost benefits of HIV therapy
HIV treatment has positive impact on health and budgets

Regelmäßiges Joggen zahlt sich aus

Regular running is a great way to get in shape
A jog a day keeps the pounds at bay

Fazit: Neuschreiben statt wortwörtlich übersetzen zahlt sich sprachlich (aber nicht immer betriebswirtschaftlich) aus.

Sonntag, 17. März 2013

Lifestyle ist nicht immer lifestyle....


Heute ein Beitrag von Anna Dunne, Senior Translator and Copywriter bei Martin Crellin

Lifestyle-Immobilien, Lifestyle-Cafés, neulich sogar Lifestyle-Mobility - http://www.elmoto.com/en

In der deutschen Werbung kommt man am Begriff Lifestyle nicht vorbei. Das Wort beschwört Vorstellungen einer besonderen Welt herauf, einer Welt voller schicken Penthouse-Wohnungen, Latte-Macchiatos und urbanen Cocktail-Bars, die wir alle (na klar!) anstreben. 

Von Öko bis Porno
Also wieso sollen wir nicht den schönen englischen Begriff lifestyle nehmen? Naja, weil erstens das eigentlich alles heißen kann.  Lifestyle bedeutet auf Englisch (warning: spoiler alert!) Lebensstil. Und genauso wie im Deutschen hat das Wort weder positive noch negative Assoziationen. Man kann sowohl ein extravagant lifestyle als auch ein simple lifestyle führen. Oder oft einen alternative lifestyle, was alles von Öko-Muttis bis 50 Shades of Grey abdecken kann. Aber man braucht im Englischen auf jeden Fall ein Adjektiv.

Ab ins Restaurant
Damit kommen wir zum zweiten Punkt: Wir benutzen das Wort nie als Adjektiv (naja fast nie – aber dazu komme ich gleich...you can hardly wait, I know!).  Ein Kunde war neulich ziemlich enttäuscht, als bei seinem „Restaurant mit exklusiver Lifestyle-Ambiente“ der Ausdruck lifestyle atmosphere in der Übersetzung nirgends zu finden war. Klar, man könnte vielleicht ahnen was gemeint war. Aber wer werben will, muss sich eindeutig ausdrücken – also lieber umschreiben, um die Botschaft richtig rüberzubringen. Und wie macht man das auf Englisch? Da stehen viele Wörter zur Verfügung: high-end, luxury, exclusive, stylish... wie immer kommt es auf dem Kontext an (context is everything). Der Kunde musste sich von der vagen lifestyle-atmosphere verabschieden, aber dafür lockt sein stylish restaurant with a high-end look and feel.

Shebang
Jetzt kommt jedoch die Ausnahme: das lifestyle brand. Damit ist eine Marke gemeint, die nicht nur Produkte verkaufen will, sondern all das, was zu einem bestimmten Lebensstil gehört. Wenn man bei Quiksilver nicht nur sein Surfbrett kauft sondern Klamotten, Sonnenbrille – the whole shebang – dann verkauft die Marke einen Surfer-Lifestyle. Man denke auch an den Apple-Freak mit seinem iPad, iTunes und den weißen Kopfhörern, oder die 5th-Avenue-Dame von Kopf bis Fuß in Louis Vuitton gekleidet. 

Diese Marken haben es geschafft, ihre Produkte emotional aufzuladen: wir Kunden kaufen uns da nicht nur irgendein Zeug, wir kaufen unser Traumleben. In diesem Kontext ruft das Wort lifestyle schon das Sehnen nach einem bestimmten Lebensstil hervor. Und meistens strahlen diese Marken auch einen Hauch von Luxus aus, von hipper Urbanität, von Exklusivität. Meine Theorie? Daher kommt die denglische Deutung – you heard it here first!

Montag, 11. März 2013

Zwischenziel, Zwischenstation auf Englisch


Wir hatten es am Wochenende mit Lkws, Routenplanung und mit diesem Satz zu tun:

Abstimmung von Abkopplung, Zwischenstationen und Ruhezeiten


Was macht der übliche Zeilenschinder mit Null-Kontakt zum Kunden (und Null-Bock zum Kommunizieren)? Er schreibt irgendwas von decoupling, intermediate stations and rest periods – denn er verdient vielleicht 1,20 € für diese Zeile. Außerdem kennt es auch nicht anders. Und das Büro will es ja auch nicht anders. Per Memory Tool wird das dann fortgepflanzt und verbreitet wie ein Virus, bis alle der Meinung sind, das heißt auch so. Klingt alles nicht besonders natürlich, üblich oder leserfreundlich (bis auf rest periods – kommt wohl von der EU).

It's good to talk
Wir reden mit dem Kunden (ja, bei uns ist das nicht verboten! Es ist sogar erwünscht!!!). Recherchieren. Strengen unser Hirn an. Und bekommen Ärger mit dem Einkauf. But that’s another story.

Was sagt Kunde? Kunde sagt: „Unter Abkopplung ist das Abkoppeln (aber auch das Ankoppeln) vom Anhänger gemeint. Zwischenstation  - dort wird unterwegs abgeliefert.“ Haben wir vermutet. Aber jetzt wissen wir es.


Leo ist blöd
10 Minuten Recherche und ich bin  ziemlich glücklich mit trailer drop-off and pick-up.
Und Zwischenstation? Oh Gott. Leo und die anderen blöden elektronischen Wortlisten (dictionaries sind das nicht) sagen alles Mögliche – ohne nähere Angaben über Quelle, Kontext oder Qualität.



Naja, intermediate stop vielleicht. Ja, viele Hits. Und sogar gelengtlich „echte“ – aber die Meisten sind ausländisch oder branchenfremd.  Würde ich wirklich bei der Beschreibung von meiner Route von „intermediate stops“ reden? In einem Marketing-Zusammenhang? Klingt arg abgehoben, technisch und unnatürlich.
Also auf und einschlägige Websites besuchen – vor allem für Routenplanung.


A wrong turn
AA sagt via point, RAC mid point, Shell Add a destination and Holiday Autos einfach via. Naja, so komme ich nicht weiter. Bitte wenden.


Über die Software zum Zwischenziel
10 Minuten später habe ich Hersteller von entsprechender Software in GB und USA gefunden. Nach weiteren 10 Minuten bin ich mir ziemlich sicher: Die reden einfach von stops, teilweise delivery stops. Weit und breit kein intermediate.

Solche fuzzy research ist Gold wert. Aber zeitraubend. Und gestern wurde das Liverpool-Spiel bei Sky übertragen.

Allerdings finde ich delivery stops bisl wenig in meinem klitzekleinen Baby-Satz – es könnte als Endziel missverstanden werden. Also:

Scheduling of trailer drop-offs/pick-ups, en-route delivery stops, and rest periods

Ich war pünktlich daheim. Das Spiel ging (etwas glücklich) 3:2 aus. Danke der Nachfrage.

 

Hier ein paar Quellen:



Und ganz wichtig:

Montag, 4. März 2013

Kerzen und Komplikationen

Es ist CeBIT-Zeit (denkt daran: I will be at CeBIT– nicht at THE CeBIT). Und wir malochen Tag und Nacht. We are burning the candle at both ends (ach, was für eine schöne Redewendung). Dabei geht es oft um sehr spezifische IT-Lösungen – zum Beispiel um die Telemedizin und die Prävention von Folgeerkrankungen bei Diabetes.

Ich habe zwar selber per Internet-Recherche complications als linguistische Lösung für Folgeerkrankungen gefunden (über die englische Wiki). Aber ich dachte mir: Da gibt es sicherlich was Genaueres - irgendeinen Begriff, den die Götter in Weiß gern unter sich verwenden.

Der Aha-Effekt
Am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe führte mein schottischer Journalistenheld James Naughtie im BBC Radio 4 ein Gespräch mit einem Mediziner zu genau dieser Thematik.

Als der mitteilungsfreudige Fachmann complications erwähnte, war ich plötzlich trotz berufsbedingten Schlafdefizits hellwach. Aber es kam noch besser. Er sprach im nächsten Atemzug von secondary conditions. Aha! Das isses. Ich schickte mir vom Kopfkissen aus per Smartphone eine Email ins Büro. Und schlief wieder ein. Was würde ich ohne BBC Radio 4 machen? James, you’re my hero.

Am Puls der Zeit
Außerdem interessant: Wird ein Puls aus der Ferne überwacht (remote monitoring), so ist heart rate viel üblicher als pulse. Und ein Arztbrief ist nur dann doctors‘ correspondence, wenn es um das nächste Golfturnier geht. Offiziell heißt das Stück Papier ein medical referral letter oder physician referral letter (komischerweise ohne Apostroph) oder schlicht letter of referral.

Muss es immer Fußball sein, Martin?
Und sehr Germany-spezifische Sachen wie die Rote Liste sollte man erklären (list of approved drug products) – oder zumindest vergleichen (in den USA gibt es ein Orange Book). Red List hilft niemandem groß weiter. Das könnte genauso gut die nächste Aufstellung von FC Liverpool sein. Die Reds haben übrigens am Wochenende Wigan mit 0:4 weggeputzt. Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Grüße aus Hannover (= Greetings from Hanover – with ONE n)

Donnerstag, 31. Januar 2013

Mehr Glück als Verstand auf Englisch

Mein Cousin aus Liverpool war letzte Woche zu Besuch. Und hat mir einiges beigebracht - nicht nur wie man Bilder aufhängt und Löcher bohrt, sondern auch ein paar sprachliche Dinge.

Seit  Jahren bin auf der Suche nach einer englischen Lösung für Mehr Glück als Verstand. Peter brachte sie gleich mit im Gepäck: More good luck than good management. Vielleicht gibt es den Spruch schon lange, mir war er aber nicht geläufig.

Er hat auch öfter gemeint, er wäre all made up. Nein, er war nicht geschminkt, sondern  glücklich. Das scheint aber nordenglischer Dialekt zu sein.

Außerdem: to cut a long story short ist inzwischen wohl selbst zurecht gestutzt worden - auf  long story short.

Und wenn alles beim Alten geblieben ist, so sagt man same old, same old - ganz ohne Verb oder sonstige grammatikalische Feinheiten.



Donnerstag, 17. Januar 2013

Mahnverfahren auf Englisch

Heute ein Beitrag von Laura Macdonald:


Translation is as simple as A = B, isn’t it? But what if A could mean B, C, D, F or G? Sometimes, it’s just not that clear cut. And often, there is more than one right answer.

So if there are multiple terms out there, how do you pick the best one? Context is king. And Mahnverfahren is a case in point.

I come across it in a text on factoring. Now Mahnungen have cropped up in our translations before. But reminders are only part of the Mahnverfahren story. Yes, I’m sure Mahnverfahren does involve sending a fair few reminders. But that’s not all. Mahnverfahren describes the whole caboodle, including court proceedings: in short, everything required to get the cash off the customer and into your account.

My initial research produces some interesting findings. I discover that factoring companies chase slow payments. That they collect the cash. Demanding payment seems to be another popular expression (with over 100,000 Google hits from reputable sources). But would my newly learnt terms work in the context of our translation?

Well chasing and collecting payments certainly wouldn’t be wrong. And neither would demanding payment. In an informal context, that is. But our text is a fairly in-depth and technical description of how factoring works. And we don’t want to be too casual about it. Surely there’s a less colloquial term out there?

Indeed there is: dunning – more professional, more formal, and more appropriate for our context. And used in both UK and US English. You can even talk about the dunning process, if you wish. Now that’s more like it. 

Montag, 14. Januar 2013

Im Druckwesen: Nutzen, Nutzenverteilung, 2er Nutzen


Heute ein Beitrag von Diana Mangold:

Vor ein paar Wochen hat uns Novadex, die eine Softwarelösung namens LetterMaschine für die automatisierte Erstellung von hochindividualisierten Mailings bietet, eine scheinbar einfache Frage gestellt: „Wie heißt Nutzen auf Englisch? Zum Beispiel 2er Nutzen?“ 

Mehr zum Unternehmen hier: http://www.lettermaschine.de/

Unsere Ansprechspartnerin hat mehrere Vorschläge bei Leo und Co gefunden. Vieles von dem, was die Online-Wörterbücher vorschlagen, ist richtig – aber (leider!) nicht alles. Es kommt auf den Kontext an.

Was sagt Google Images dazu?
Was genau verbirgt sich hinter dem Wort „Nutzen“? Erster Schritt: Suchbegriff „Nutzen Druckbogen“ („Druckbogen“ hinzugefügt, um nur die relevantesten Hits zu bekomen) bei Google Images eingeben. Da sieht man große Bögen Papier, auf denen mehrere Drucksachen wie Flyer, Bilder oder Grußkarten nebeneinander gedruckt werde. Manchmal sind die Objekte identisch, manche unterschiedlich.

Zwei Beispiele:







Fragen wir Tante Wikipedia
Nächster Halt: Definition von Wikipedia. Da steht: „Nutzen ist ein Begriff aus dem Bereich der Druck- und Papierverarbeitenden Industrie. Er bezeichnet die Anzahl der auf dem Druckbogen befindlichen Exemplare eines Druckprodukts. Um den Platz auf einem Druckbogen optimal zu nutzen und kostengünstig zu drucken, werden in der Regel mehrere gleiche oder unterschiedliche Exemplare, zum Beispiel Etiketten, Plakate, Verpackungen usw., auf dem verfügbaren Platz verteilt.“

Context is King
Na gut. Und wie heißt das denn auf Englisch? Nachdem wir etliche Fachbücher bei uns im Büro (Graphically Speaking, Print&Finish, Production for Graphic Designers, Getting it Printed, Pons Fachwörterbuch Druck und Verlagswesen...) und die Webseiten von mehreren amerikanischen und britischen  Druckhäusern durchforstet haben, kamen wir zu einem nicht-so-einfachen Schluss:

Zwei Begriffe gibt es: multiple-up printing (und sein Cousin n-up printing wie 2-up, 3-up usw.) und gang-run printing.

Der feine Unterschied: 
wenn die Drucksachen identisch sind  = multiple-up printing.
Wenn sie unterschiedlich sind = gang-run printing.

Aber es wird noch komplizierter: manchmal wird „multiple-up printing“ auch dann verwendet, wenn man mehrere unterschiedliche Buchseiten auf einem Bogen druckt. Aber das ist wahrscheinlich noch kein gang-run, weil Buchseiten aus einem Buch immer das gleiche Format haben.

Hier drei real-world Beispiele aus der Anglosphere:

Another example of “multiple up” printing is promotional rack cards, which are commonly designed 3-Up so that three cards print on one sheet of 8.5” x 11” cardstock. To produce 1,200 rack cards like this the press would only need to cycle 400 times, because the cards are being printed three at a time.

Quelle: 

One of my favorite ways to print something “n-up” (that is, print the same thing multiple times in a grid on a page) is to use the LayoutZone script. Just export the whole page (or whatever part of the page you want) as an INDD file and place that file back into another InDesign document. Then use Step and Repeat to duplicate the “image” at will. If you later edit the original INDD file, it’s updated automatically on the n-up page.“

Quelle: 

We do NOT gang-run any of our print jobs under any circumstance! This is the reason that our reputation for quality is unmatched in our industry. Gang Run Printing refers to the production process of combining multiple jobs to print on the same press sheet. It is intended to help reduce press make-ready costs by spreading the initial production costs across several jobs. The main limitation with gang run printing, is the inability to control the ink density of neighboring images“

Quelle: