Mittwoch, 20. März 2013

Es zahlt sich aus – auf Englisch


Parental advice: this paragraph contains strong language
Es gibt Übersetzer, die geben sich zufrieden, wenn sie einen Satz wortwörtlich wiedergegeben haben – auch, wenn das Ergebnis unsinnig oder unappetitlich ist. Manche reden sogar von der „Treue zum Original“. Piss off. Sorry, aber es regt mich echt auf. Das ist (meist) ein Vorwand für Bequemlichkeit. Mein Anspruch: Die Aussage auf Englisch „neu texten“ oder gar „besser texten“.

Und dazu gehört, typische Satzstrukturen und Formulierungen der Fremdsprache als solche zu erkennen – und durch andere zu ersetzen oder vielleicht (Kinder, jetzt bitte wegschauen) wegzulassen.

Let me give you an example:

XYZ zahlt sich aus.

Machen wir es konkreter - mit drei real-world Beispielen (die alle leicht anders mit „Auszahlen“ umgehen):

Energiebewusstsein zahlt sich aus (es geht hier um Knete)

HIV-Therapie zahlt sich aus (es geht hier um Knete, aber nicht nur)

Regelmäßiges Joggen zahlt sich aus (hier hat der schnöde Mammon nichts verloren)

Bleiben wir bei Beispiel 1. XYZ pays for itself wäre leicht irreführend. Eine Investition in eine effizientere Heizung pays for itself. Aber Bewusstsein kostet nichts. So it cannot pay for itself, can it? Außerdem ist die Formulierung extrem unschön. Manche schreiben: XYZ pays dividends. Diese Redewendung ist so verstaubt, dass sie umweltfreundlich endgelagert werden müsste.

Wenn schon pay, dann wenigstens umdrehen:

It pays to be energy-conscious.

Aber der Satz läuft immer noch nicht so rund. Er fetzt nicht. Er ist eine Überschrift. Eine Überschrift hat eine ganz bestimmte Funktion: Interesse wecken. Diese Funktion sollte man übersetzen. Nicht die Wörter.

Also auf die Plätze, los.

Good for the planet. Good for your bank balance.

Oder vielleicht:

Save energy. Save money.

Ich lasse deshalb Überschriften oft bis zum Schluss. Man muss ja erst mal wissen, worum es geht. Und noch was: Die ganzen unübersetzbaren Wortspiele – Leute, nicht verzweifeln. WEGLASSEN. Komplett neue Headlines erfinden – am besten ohne irgendwelche verkrampften  Wortspiele. 

Und die anderen?

HIV-Therapie zahlt sich aus

HIV treatment delivers tangible benefits
The health and cost benefits of HIV therapy
HIV treatment has positive impact on health and budgets

Regelmäßiges Joggen zahlt sich aus

Regular running is a great way to get in shape
A jog a day keeps the pounds at bay

Fazit: Neuschreiben statt wortwörtlich übersetzen zahlt sich sprachlich (aber nicht immer betriebswirtschaftlich) aus.

Sonntag, 17. März 2013

Lifestyle ist nicht immer lifestyle....


Heute ein Beitrag von Anna Dunne, Senior Translator and Copywriter bei Martin Crellin

Lifestyle-Immobilien, Lifestyle-Cafés, neulich sogar Lifestyle-Mobility - http://www.elmoto.com/en

In der deutschen Werbung kommt man am Begriff Lifestyle nicht vorbei. Das Wort beschwört Vorstellungen einer besonderen Welt herauf, einer Welt voller schicken Penthouse-Wohnungen, Latte-Macchiatos und urbanen Cocktail-Bars, die wir alle (na klar!) anstreben. 

Von Öko bis Porno
Also wieso sollen wir nicht den schönen englischen Begriff lifestyle nehmen? Naja, weil erstens das eigentlich alles heißen kann.  Lifestyle bedeutet auf Englisch (warning: spoiler alert!) Lebensstil. Und genauso wie im Deutschen hat das Wort weder positive noch negative Assoziationen. Man kann sowohl ein extravagant lifestyle als auch ein simple lifestyle führen. Oder oft einen alternative lifestyle, was alles von Öko-Muttis bis 50 Shades of Grey abdecken kann. Aber man braucht im Englischen auf jeden Fall ein Adjektiv.

Ab ins Restaurant
Damit kommen wir zum zweiten Punkt: Wir benutzen das Wort nie als Adjektiv (naja fast nie – aber dazu komme ich gleich...you can hardly wait, I know!).  Ein Kunde war neulich ziemlich enttäuscht, als bei seinem „Restaurant mit exklusiver Lifestyle-Ambiente“ der Ausdruck lifestyle atmosphere in der Übersetzung nirgends zu finden war. Klar, man könnte vielleicht ahnen was gemeint war. Aber wer werben will, muss sich eindeutig ausdrücken – also lieber umschreiben, um die Botschaft richtig rüberzubringen. Und wie macht man das auf Englisch? Da stehen viele Wörter zur Verfügung: high-end, luxury, exclusive, stylish... wie immer kommt es auf dem Kontext an (context is everything). Der Kunde musste sich von der vagen lifestyle-atmosphere verabschieden, aber dafür lockt sein stylish restaurant with a high-end look and feel.

Shebang
Jetzt kommt jedoch die Ausnahme: das lifestyle brand. Damit ist eine Marke gemeint, die nicht nur Produkte verkaufen will, sondern all das, was zu einem bestimmten Lebensstil gehört. Wenn man bei Quiksilver nicht nur sein Surfbrett kauft sondern Klamotten, Sonnenbrille – the whole shebang – dann verkauft die Marke einen Surfer-Lifestyle. Man denke auch an den Apple-Freak mit seinem iPad, iTunes und den weißen Kopfhörern, oder die 5th-Avenue-Dame von Kopf bis Fuß in Louis Vuitton gekleidet. 

Diese Marken haben es geschafft, ihre Produkte emotional aufzuladen: wir Kunden kaufen uns da nicht nur irgendein Zeug, wir kaufen unser Traumleben. In diesem Kontext ruft das Wort lifestyle schon das Sehnen nach einem bestimmten Lebensstil hervor. Und meistens strahlen diese Marken auch einen Hauch von Luxus aus, von hipper Urbanität, von Exklusivität. Meine Theorie? Daher kommt die denglische Deutung – you heard it here first!

Montag, 11. März 2013

Zwischenziel, Zwischenstation auf Englisch


Wir hatten es am Wochenende mit Lkws, Routenplanung und mit diesem Satz zu tun:

Abstimmung von Abkopplung, Zwischenstationen und Ruhezeiten


Was macht der übliche Zeilenschinder mit Null-Kontakt zum Kunden (und Null-Bock zum Kommunizieren)? Er schreibt irgendwas von decoupling, intermediate stations and rest periods – denn er verdient vielleicht 1,20 € für diese Zeile. Außerdem kennt es auch nicht anders. Und das Büro will es ja auch nicht anders. Per Memory Tool wird das dann fortgepflanzt und verbreitet wie ein Virus, bis alle der Meinung sind, das heißt auch so. Klingt alles nicht besonders natürlich, üblich oder leserfreundlich (bis auf rest periods – kommt wohl von der EU).

It's good to talk
Wir reden mit dem Kunden (ja, bei uns ist das nicht verboten! Es ist sogar erwünscht!!!). Recherchieren. Strengen unser Hirn an. Und bekommen Ärger mit dem Einkauf. But that’s another story.

Was sagt Kunde? Kunde sagt: „Unter Abkopplung ist das Abkoppeln (aber auch das Ankoppeln) vom Anhänger gemeint. Zwischenstation  - dort wird unterwegs abgeliefert.“ Haben wir vermutet. Aber jetzt wissen wir es.


Leo ist blöd
10 Minuten Recherche und ich bin  ziemlich glücklich mit trailer drop-off and pick-up.
Und Zwischenstation? Oh Gott. Leo und die anderen blöden elektronischen Wortlisten (dictionaries sind das nicht) sagen alles Mögliche – ohne nähere Angaben über Quelle, Kontext oder Qualität.



Naja, intermediate stop vielleicht. Ja, viele Hits. Und sogar gelengtlich „echte“ – aber die Meisten sind ausländisch oder branchenfremd.  Würde ich wirklich bei der Beschreibung von meiner Route von „intermediate stops“ reden? In einem Marketing-Zusammenhang? Klingt arg abgehoben, technisch und unnatürlich.
Also auf und einschlägige Websites besuchen – vor allem für Routenplanung.


A wrong turn
AA sagt via point, RAC mid point, Shell Add a destination and Holiday Autos einfach via. Naja, so komme ich nicht weiter. Bitte wenden.


Über die Software zum Zwischenziel
10 Minuten später habe ich Hersteller von entsprechender Software in GB und USA gefunden. Nach weiteren 10 Minuten bin ich mir ziemlich sicher: Die reden einfach von stops, teilweise delivery stops. Weit und breit kein intermediate.

Solche fuzzy research ist Gold wert. Aber zeitraubend. Und gestern wurde das Liverpool-Spiel bei Sky übertragen.

Allerdings finde ich delivery stops bisl wenig in meinem klitzekleinen Baby-Satz – es könnte als Endziel missverstanden werden. Also:

Scheduling of trailer drop-offs/pick-ups, en-route delivery stops, and rest periods

Ich war pünktlich daheim. Das Spiel ging (etwas glücklich) 3:2 aus. Danke der Nachfrage.

 

Hier ein paar Quellen:



Und ganz wichtig:

Montag, 4. März 2013

Kerzen und Komplikationen

Es ist CeBIT-Zeit (denkt daran: I will be at CeBIT– nicht at THE CeBIT). Und wir malochen Tag und Nacht. We are burning the candle at both ends (ach, was für eine schöne Redewendung). Dabei geht es oft um sehr spezifische IT-Lösungen – zum Beispiel um die Telemedizin und die Prävention von Folgeerkrankungen bei Diabetes.

Ich habe zwar selber per Internet-Recherche complications als linguistische Lösung für Folgeerkrankungen gefunden (über die englische Wiki). Aber ich dachte mir: Da gibt es sicherlich was Genaueres - irgendeinen Begriff, den die Götter in Weiß gern unter sich verwenden.

Der Aha-Effekt
Am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe führte mein schottischer Journalistenheld James Naughtie im BBC Radio 4 ein Gespräch mit einem Mediziner zu genau dieser Thematik.

Als der mitteilungsfreudige Fachmann complications erwähnte, war ich plötzlich trotz berufsbedingten Schlafdefizits hellwach. Aber es kam noch besser. Er sprach im nächsten Atemzug von secondary conditions. Aha! Das isses. Ich schickte mir vom Kopfkissen aus per Smartphone eine Email ins Büro. Und schlief wieder ein. Was würde ich ohne BBC Radio 4 machen? James, you’re my hero.

Am Puls der Zeit
Außerdem interessant: Wird ein Puls aus der Ferne überwacht (remote monitoring), so ist heart rate viel üblicher als pulse. Und ein Arztbrief ist nur dann doctors‘ correspondence, wenn es um das nächste Golfturnier geht. Offiziell heißt das Stück Papier ein medical referral letter oder physician referral letter (komischerweise ohne Apostroph) oder schlicht letter of referral.

Muss es immer Fußball sein, Martin?
Und sehr Germany-spezifische Sachen wie die Rote Liste sollte man erklären (list of approved drug products) – oder zumindest vergleichen (in den USA gibt es ein Orange Book). Red List hilft niemandem groß weiter. Das könnte genauso gut die nächste Aufstellung von FC Liverpool sein. Die Reds haben übrigens am Wochenende Wigan mit 0:4 weggeputzt. Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Grüße aus Hannover (= Greetings from Hanover – with ONE n)