Dienstag, 23. Juli 2013

Love is what?

Heute ein Beitrag von Diana Mangold:

Welcher Firma könnte der URL www.loveiseasy.de gehören? Viellecht einem Rotlicht-Etablissement? Einer Kontaktbörse für Menschen, die einen Partner nur fürs Wochenende suchen?  

Leider nicht. Es gehört der Firma Niessing, Deutschlands führendem Hersteller von Eheringen.

Wie viele von Ihnen bereits aus meiner Email-Signatur wissen, habe ich im Oktober 2012 geheiratet. Beim Ringekauf habe ich von der sehr stylishen Dame im sehr stylischem Juweliergeschäft einen sehr stylischen Katalog von Niessing in die Hand gedrückt bekommen. Sehr schön und glossy, auf schwerem Papier und mit sehr aufwändig inszinierten Fotos. Kurz gesagt: Bestimmt sehr teuer produziert.

Aber dann kam die Überraschung: Der obige URL auf der Rückseite. Und gleich war meine (sehr positive) „first impression“ pfutsch.




Es gibt viele feststehende Floskeln, die dem „love is“-Muster folgen. Love is pure, love is patient, love is kind, und es gibt sogar ein comic strip namens Love Is... (kennt ihr schon, es kommt immer etwas wie „sharing the last piece of chocolate“, begleitet von einer niedlichen Illustration). Aber „easy“? Wenn man an „easy“ in Kombination mit „love“ sieht, denkt man gleich an eine „schnelle Nummer“. Oder ähnliches. Nicht an den Mann, mit dem frau unbedingt Ehrringe tauschen möchte.

Aber was ist mit diesem neuen Ohrwurm „Our love is easy“? Na ja. Wenn man den Rest des Liedes hört (oder hören muss), kommt: „It's a simple thing, we don't need a ring. Our love is easy.“ Also man könnte behaupten, Melody ist eher mäßig an Niessings Produkten interessiert.

Übrigens: Nivea hat vor Kürzem meine Lieblingsspülung, Straight & Easy, in Straight & Gloss umgetauft. For good reason. Die zweite Variante mag grammatikalisch etwas seltsam sein (warum nicht Straight & Glossy?) aber wir Muttersprachler haben keinen Grund mehr zum Kichern.


Montag, 15. Juli 2013

Shitstorm ist ein scheißgefährlicher Begriff!

Neulich hat Angela Merkel den neudeutschen Begriff Shitstorm verwendet – und damit in den englischsprachigen Medien einen (kleinen) Shitstorm ausgelöst. Hier der hämische Bericht der BBC:

http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-23142660

Es heißt wörtlich ein "Sturm aus Scheiße" - gemeint ist natürlich 
ein "Sturm der Entrüstung" auf Social-Media-Kanälen.


Wir sagen zum Beispiel "social media storm"




Das Wortgebilde ist aus zwei Gründen scheißproblematisch. Erstens: Ein Shitstorm ist auf Englisch nicht auf Reaktionen im Internet beschränkt. 
Oder online storm

Siehe hierzu das Urban Dictionary:

http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shitstorm

Zweitens und viel gravierender: Shitstorm ist auf Englisch EXTREM vulgär. Shit ist viel schlimmer als Scheiße. Aber deutsche Politiker gehen selbst mit „Scheiße“ scheißvorsichtig um. Aber in der teutonischen Welt ist shitstorm merkwürdigerweise salonfähig.





David Cameron oder Barack Obama würden den Begriff höchstens hinter sehr gut verschlossenen Türen im Flüsterton verwenden. In der Öffentlichkeit oder in Zeitungsartikeln? Nie.

Auch meine Kollegin und langjährige Freundin Sally Massmann hat darüber geschrieben:

http://sallymassmann.wordpress.com/2012/06/29/shstorm-ist-auf-englisch-ein-bisschen-schse/



Auch The Economist wundert sich über Angelas Wortwahl:

http://www.economist.com/blogs/prospero/2013/08/english-words-german