Samstag, 1. November 2014

Keine Kompromisse beim Komprimieren


Heute ein Beitrag von Kyle O'Hara:

False friends ahoy! This one is a personal favorite. My two (professional) loves are translation and music production, and it’s not often they come together.

I was working with a (German) sound engineer, and speaking English with him. When I got to the studio, he excitedly told me, “I compromised the whole track”, and I thought to myself, “so why are you smiling?!

There are two ways we can use “compromise”. Compromise, as in making concessions and striking a deal, is Kompromisse machen. Alternatively, compromised in the sense of having endangered or already damaged something, is gefährdet or beschädigt, depending on context. It hasn't got a thing to do with Komprimieren.

Komprimieren = compress, please. Not just in sound engineering – everywhere. Very definitely including IT.  “The data has been compressed” and “the data has been compromised” are very very very different.


You can’t afford to make compromises when it comes to this!

Sonntag, 29. Juni 2014

Fernreisen und Resorts


Die hyperinflationäre Entwicklung bei selbstgebastelten „englischen“ Texten habe ich öfter erwähnt. Diese Woche gab es zum Glück bei einem neuen Kunden Einsicht (und Mitleid?): Es folgte eine gut geschriebene deutsche Vorlage. Die Kombination tat in der Gesamtwirkung sehr gut. So konnte ich einiges im Deutschen besser verstehen, da der Kunde es auf Englisch deutlicher ausgedrückt hat. Und natürlich umgekehrt.

Martin und seine ewige Skepsis
Es ging um Fernreisen – also ein Marktsegment innerhalb der Tourismusbranche. Long-distance travel stand beim Kunden. Und bei Collins online. Naaaa. Das glaube ich nicht. Ich gehe nicht ins Reisebüro und sage: I am interested in long-distance travel.

Es war ein ganz klarer Fall für fuzzy research – sprich: die indirekte Suche, Hintergrundrecherche, Stöbern in relevanten Medien (im Gegensatz zum risikoreichen Versuch per Google sich eine wörtliche Übersetzung einfach „bestätigen  zu lassen“).


Fuzzy research comes up trumps
Also trat ich den digital Weg zu Thomas Cook UK an. Die entsprechende Überschrift (Far and Away) war sehr flott - aber nicht der Fachbegriff.

Aber siehe da…



Jetzt doch zu Google. Long-haul holidays – hier liefert der Branchenprimus unter den Suchmaschinen über 30.000 sehr gute Hits. Aber 30.000? Long-haul allein bringt mich auf noch bessere, verwandte Begriffe: Long-haul destinations (eine Million Hits) und Long-haul tourism (72 Mille). Alle drei sind auf jeden Fall besser als "long-distance travel" (was viele Hits liefert - aber für einen ganz anderen Kontext).


Noch was!
Beim Besprechen des englischen Textes mit dem Kunden sind wir auf eine interessante sprachliche Nuance gestoßen: Ein „Resort“ ist für Germanen eine Anlage. Für uns Anglos ist ein Resort in erster Linie ein Ort, eine Stadt – und in zweiter Linie eine Anlage.

Siehe die Definitionen von Wikipedia:

A resort is a place used for relaxation or recreation, attracting visitors for vacations and/or tourism. Resorts are places, towns or sometimes commercial establishment (sic) operated by a single company.

Ein Resort ist eine touristische Hotelanlage mit einem über den reinen Beherbergungsbetrieb hinausgehenden Angebot. 


Und hier Thomas Cook wieder:



Mittwoch, 4. Juni 2014

Business case ist kein Geschäftsmodell


Linguistic wisdom?
Ich bin seit gestern einen widerspenstigen Weisheitszahn (heißt tatsächlich wisdom tooth auf Englisch) los, und sitze zuhause mit zwei Hunden, einigen Schmerzmitteln und viel Suppe. Ich bin zwar noch per Email und Skype mit dem Büro verbunden, aber es bleibt etwas mehr Zeit als sonst für den Blog. Also auf die Plätze, fertig, los! (ready, steady, go!):


Business case
Der Begriff Business Case wird sehr gern in deutschen Journalen verwendet. Aber oft falsch. Ein Business Case ist eine Argumentation, eine betriebswirtschaftliche Begründung (zB für eine Investition) – oft in Form eines Dokuments zusammengefasst. Es ist keine Fallstudie, und kein Geschäftsmodell.

Martin schont seine Kunden??? Seit wann?
Um meine Kunden zu schonen, habe ich dieses hübsche Beispiel für die Falschübersetzung/Falschverwendung bei "Computerwoche" von einem Mr Hagen Bauer geklaut:



Hier eine saubere Definition von Business Case:

Hier ein real-life example:


Hier ein Link zum geklauten Beitrag:


I rest my case.  Nein, das heißt nicht "ich setze meinen Koffer ab" - sondern damit ruht die Beweisführung für die Anklage. Sprich: Mehr muß ich nicht sagen, oder?

Denn "case" heißt eben (auch) Begründung.  

Sonntag, 1. Juni 2014

Im hohen zweistelligen Millionenbereich – translate!

Uns Engländern wird oft unterstellt, wir würden um den heißen Brei reden. Es stimmt. Aber wenn es um Vertragsvolumen geht (bitte contract value nicht contract volume), werden die Deutschen auch plötzlich sehr vage.

Ein Deal im hohen zweistelligen Millionenbereich.
Eine Akquisition im mittleren dreistelligen Milliardenbereich.
Ein Vertrag im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Naja, das sind Summen, die wir Übersetzer nur aus Erzählung kennen. Aber egal. Wir müssen den Ausdruck öfter mal in die eigene Sprache übertragen. Aber wie?

Wir zählen die ganzen Nulls (und die Zahlen davor). Alle? Ja, alle. Ist blöd. Aber es ist halt so.

In the high eight figures.
In the mid twelve figures.
In the low seven figures.

Eine kompaktere Verbindung mit „million“ haben wir eben nicht. Sorry.

Hier ein Beispiel:






Da muss man also ziemlich genau nachzählen.  Deswegen geben wir die Zählerei jenseits der Millionengrenze in der Regel auf – und reden einfach von einem „multi-million deal“.




Damit habe ich es wieder mal geschafft, den Bogen zum Fußball zu spannen. Sogar zum FC Liverpool. Tja.



Und denkt bitte daran: Milliarde ist bei uns a billion. Eure Billion ist bei uns a trillion. Und wir kürzen die Million auf m oder mn – nicht auf „Mio.“ ab.

Montag, 19. Mai 2014

Motiv / Anzeigenmotiv auf Englisch

Das Wort Motiv (oft als Motif falsch geschrieben) macht Übersetzern ganz schön zu schaffen. Was mir aber ein Rätsel ist. Denn es gibt durchaus gute Lösungen.

Wir begegnen diesem Begriff fast immer im Zusammenhang mit Werbung (Anzeigenmotiv zum Beispiel).

Als Übersetzung wird von den üblichen Verdächtigen fast immer motive oder motif vorgeschlagen. 

Falsch, falsch, falsch (für unseren Kontext).

Proz.com zum Beispiel: Advertisement motif. Igit.

Auch Leo versagt komplett (für Anzeigenmotiv gibt es gar keinen Eintrag).






Mord und Totschlag
Ein motive ist ein Beweggrund (the motive for the murder was an incredibly bad translation). Das passt aber in 99,999% der Fälle nicht. Wir haben es eher mit Bildern/Werbung/Marketing als mit Mord und Totschlag zu tun.

Den Begriff motif ist von der Bedeutung her nur eingeschränkt einsetzbar. Er beschreibt in erster Linie ein wiederkehrendes Thema (oder Leitmotiv) in der Literatur oder Musik. Auch ein recurring Bild (Muster) auf einer Krawatte kann so beschrieben werden.

Siehe hierzu:



Real life sieht anders aus
Aber in Regel ist motif völlig daneben. Schauen wir uns zwei real-life Beispiele an:

Beispiel 1:
Es wurde jeweils das gleiche Motiv unter zwei Bedingungen aufgenommen - mit offener Blende und mit relativ geschlossener Blende.

Mein Vorschlag: subject.

Beispiel 2:
Die Kampagne zur Förderung der Printwerbung arbeitet mit der Bildsprache erfolgreicher Marken und ihren Anzeigenmotiven.

Mein Vorschlag: visuals (ist der Fachbegriff für Anzeigenmotive), images würde auch funktionieren.





Und sonst?
In vielen Zusammenhängen könnte man ganz profan von pictures oder photographs sprechen. In manchen Texten ist allerdings nicht so sehr das Bild sondern ein Thema gemeint – dann passt natürlich theme besser (wobei Thema nicht immer mit theme zu übersetzen ist – but that’s another story).


Aber „motif/motive“ hält sich erstaunlich hartnäckig. Seufz.

Freitag, 16. Mai 2014

Was will uns der Autor damit sagen?

Die meisten Marketing-Profis achten bei Anzeigen in der eigenen Sprache höchst penibel auf klare Kommunikation, schöne Formulierung und grammatikalische Richtigkeit. Und das ist gut so. Denn alles andere ist imageschädigend. 

Wenn es um die Übersetzung in eine Fremdsprache geht, gilt aber manchmal (nicht immer) die Parole: Schnell, günstig und möglichst nah an der Struktur und Wortwahl des Originals. Und das ist schlecht so.

Ich habe schon erlebt, dass eine englischsprachige Anzeige (bei der die Schaltung locker 5 Mille gekostet hat) dem Kunden keine 50 EUR wert war („dann machen wir es eben intern“). 50 EUR? Das ist nicht mal eine Tankfüllung bzw. ein ordentlicher Einkauf beim Discounter. 



Das Ergebnis ist dann ungefähr so wie das hier (erschien bei The Independent heute vormittag):






Nein, ich weiß auch nicht, was der Autor damit sagen wollte. 

Montag, 12. Mai 2014

Faszination Sprache! Alle Dinge Fußball!


Freitag früh (der erste Kaffee dampfte noch) wurde ich von einem sehr sympathischen Kunden angerufen. Er wollte wissen, warum bei unserer Übersetzung von „Faszination Logistik“ das Wort „fascination“ weit und breit nicht zu finden war.


Coffee anyone? Monmouth Cafe serves the best in London!



The quick answer:


Es gibt eben bestimmte Konstruktionen, die selbst bei größter Anstrengung nicht in eine andere Sprache reingequetscht werden können (zumindest nicht ohne unerträgliche Native-Speaker-Schmerzen).

Das Begriffspaar „Faszination ABC“ gehört ganz klar dazu. Sie ist aber unter germanischen Marketing- und Werbeprofis sehr beliebt: Faszination Technik, Faszination Porsche, Faszination Werbung. Faszination Mundgeruch ... you get the picture.

The more complicated answer:


Der erste dicke Hund:
Die Konstruktion „Hauptwort (Haupt)wort“ ohne Verbindung über eine Präposition oder Verb ist typisch Deutsch. Stichwort Kunst. Hauptsache billig. Standort Deutschland. Diese Auslassung (der linguistische Fachbegriff auf Englisch ist „ellipsis“) von Satzelementen gibt es auf Englisch natürlich auch – aber weniger oft, glaube ich, und vor allem in anderer Form.

Der zweite fat dog:
Für Deutsche geht die Faszination (meist) vom Objekt der Begierde aus. Für uns befindet sich die Faszination (meist) im Hirn des Betrachters.

Beispiel: Martin’s fascination with all things football is borderline pathological (darauf kommen wir zurück).


Es gibt tatsächlich einen Blog mit diesem Namen



Eine Sache, ein Gegenstand, eine Marke kann fascinating sein. Aber nicht in der Regel eine „Faszination“ für den Betrachter „ausüben“. Man kann es schon hinbiegen – aber es ist dann hingebogen.

Also warum nicht irgendwas mit „fascinating“ oder „the fascination of“?

Jegliche Konstruktion mit „fascinating“ ist zum Scheitern verurteilt. Das Wort wirkt lahmarschig oder gar leicht ironisch. Ja, ich könnte sowas wie „The fascinating world of logistics“ oder auch „The fascination of Porsche“ basteln. Bei uneinsichtigen Kunden muss man das notfalls machen. Aber es bleibt fad und eventuell ironisch. Mein „ellipsis“ ist aber weg – und damit die Kürze und Würze auch.

What are we trying to achieve?
Zweck der deutschen Wortwahl ist eigentlich nicht „ABC ist faszinierend“ zum Ausdruck zu bringen sondern eine knackige Überschrift herzuzaubern.

Die Lösung ist also aus meiner Sicht: Eine ganz andere Headline.

Umgekehrt wird es vielleicht klarer.

Es gibt im Englischen auch die Konstruktion „Hauptwort Wort“ (ellipsis).

Zum Beispiel oben: „all things football“. Aber würdet ihr „alle Dinge Fußball“ als Überschrift in die Welt setzen wollen? Nein. Sie wäre völlig unnatürlich. Und jeglicher Versuch, den Ausdruck zu übersetzen (alle Dinge, die mit Fußball zu tun haben) wäre ein Griff ins … WC.

So geht es uns mit „Faszination Logistik“.

Fazit: Dem Kunden schonend beibringen, dass die Faszination nicht funktionieren wird. Das ist vor allem bei Werbern schwierig – die oft für sich zu Recht viel kreativen Freiraum beanspruchen aber uns Übersetzern ganz wenig gönnen. Aber ihr könnt ja auf meinen Blog verwiesen und mir die Schuld in die shoes schieben.


These are some shoes



Donnerstag, 8. Mai 2014

Stammtisch - und wie er NICHT übersetzt werden soll



Eigentlich sollte ich diesen Blog umbenennen – in sowas wie „Mein Kreuzzug gegen Leo“.

Mit dem Collins Dictionary in den 1980er Jahren kam ein großer Durchbruch und Umbruch – es wurde kontextabhängig erklärt und übersetzt. Und zwar professionell.

Gepaart mit dem Irrglauben vieler Kunden, alles selbst übersetzen zu können, sind Leo und ähnliche „Werkzeuge“ daher in vielen Fällen ein Salto rückwärts. Es geht kontextfrei und unprofessionell kreuz und quer. Aber leider glauben viele Kunden (und Übersetzer): Wenn es bei Leo steht, wird’s schon stimmen. Tut es aber eben nicht.


Have a nice weekend, Martin!
Vergangenes Wochenende (ja, auch weekend work wird immer “normaler”) durften wir zum Beispiel einen angeblich englischen Text überarbeiten, der von einer Premium-Marke der automobilen Welt stammt.

Auf einer Liste von Aktivitäten stand der Begriff “Regular’s table”. Die Deutschen unter euch werden das wohl sofort kapieren. Wir haben eine Weile gebraucht. Gemeint ist Stammtisch. Und die englische Übersetzung kommt vom gelben Monster:




Allerdings ist bei den Nobelkarossen der Apostroph verrutscht. Oder es gibt tatsächlich nur einen Stammgast, der leider ganz allein am Tisch sein Bierchen schlürft.


One, two, three 
Hier kommen einige Probleme geballt zusammen.

Erstens: Der Stammtisch in der Kneipe samt Schild, Glocke und eigenartiger Rituale ist sehr Germany-specific (und auch hier vom Aussterben bedroht). Regulars’ table ist zwar eine “Übersetzung” – aber sowas gibt es bei uns halt nicht (thank God). Keiner kann was mit dem Begriff anfangen.

Zweitens: Der Begriff “Stammtisch” wird in der Business-Welt fast ausschließlich für ein regelmäßiges
Treffen verwendet. Auf Englisch ist ein “regulars‘ table” ein Möbelstück mit vier Beinen – und kein Treffen.

Drittens: Leo liefert keinen Kontext, keine Zusatzinfos, keine Warnschüsse (höchstens in den Diskussionen).


Frust!! 
In solchen frustrierenden Fällen müssen wir erst rätseln und rückübersetzen (oder rückfragen), bevor wir mit der eigentlichen Arbeit loslegen können. Die “mitgelieferte Übersetzung” ist also nicht nur schlecht, sie ist ein Riesenhindernis, eine verschlüsselte Botschaft, Anti-Kommunikation.

Das Ganze kostet uns Zeit und vor allem Nerven. Leider wollen immer mehr Kunden selbst übersetzen oder noch schlimmer: Selbst gleich auf Englisch verfassen. Und wir sollen dann das Machwerk “geschwind überarbeiten” (und das auch noch am Wochenende).

DAS MACHT KEINEN SPASS.

Und das Ergebnis, selbst nach erfolgreicher Entschlüsselung, ist selten optimal.


Neckisch
Besonders neckisch finde ich die oft gestellte Frage: Was kostet die Überarbeitung eines vorhandenen englischen Textes pro Seite/Zeile? Gegenfrage: Was kostet denn die Reparatur eines kaputten Boliden? Naja, kommt auf den Schaden an... EBEN.


Und die Lösung, Mr Crellin?
Wie übersetzen wir Stammtisch? Wer sind die Teilnehmer, wie oft findet er statt, welche Form hat er? Je nach dem: weekly meeting, regular customer get-together, regular informal gathering… ja, nicht unbedingt so schön wie “Stammtisch” – aber es wird VERSTANDEN.


Roundtable vielleicht? 
Ja, roundtable ist auch ein Treffen – aber eher (wie im Deutschen) im Sinne von „ein Zusammenkommen politischer Kontrahenten“. 

Montag, 5. Mai 2014

Public Viewing (again)


Mein Dank an einen Kunden für den Hinweis, daß selbst FIFA jetzt von “Public Viewing” redet. Man kann wohl nichts besseres von einem Verein erwarten, der von Joseph Blatter angeführt wird.


Die gesamte Seite ist schlecht geschrieben. Und das Motto der WM:






Grammatikalisch und semantisch eine Katastrophe. Kann jemand das für mich ins Englische übersetzen? 

Übrigens: Bitte "heiße Rhythmen" NICHT mit "hot rhythms" übersetzen - das ist eure linguistische Erfindung und wir wollen sie nicht importieren.


Echte Engländer und Amis reden nach wie vor von big screen (events) und (wenn draußen) outdoor viewing. “Public viewing” gibt es bei uns in vielen Zusammenhängen – man denkt aber nicht automatisch an Fußball.













Ich stelle mir da immer folgendes Gespräch vor:

Beckenbauer: I am going to a public viewing.
Beckham: Wot? Really? Of an art exhibition? A corpse?
Beckenbauer: Football.
Beckham: But a footie match is always played in public, innit, unless you had a riot.


Bei meiner Recherche bin auf den schönen Begriff “Rudelgucken” gestoßen. Sehr griffig! Das wäre doch eine Alternative, oder?



Donnerstag, 3. April 2014

Wann schreibt man "a"? Wann schreibt man "an"?


Oft werden unsere englischen Texte von anderen „verbessert“. Eine besonders beliebte Korrektur: Aus „a“ wird „an“ – oder umgekehrt.

Wie ist die Regel?
Die Regel hat man in der Schule gelernt: Vor einem Vokal muss „an“ stehen. Ja, das stimmt. Aber es geht um Aussprache nicht um Buchstaben. Es geht darum, was ein Native Speaker sagen würde.

Und die englische Sprache ist da heimtückisch.


What did you say?
Ein Bespiel: university. Wir sprechen das U wie you aus. Also kein Vokal. Daher bitte mit „a“. (underground dagegen bitte mit „an“).

Ein weiteres Beispiel: SAP solution. SAP ist eine Abkürzung. Wir sprechen S daher wie „ess“ aus. Also ist ein Vokal vorne. Daher an SAP solution.


Kräuter vielleicht?
Um die Sache noch kniffliger zu machen – nehmen wir herbs.

Die Bewohner der Kolonien jenseits des großen Teichs sprechen Kräuter ohne „h“ aus. Wir Briten (bis auf die Londoner) mit. Daher schreiben (und sagen) unsere American and Canadian cousins Sage is an herb“ und wir schreiben (und sagen) „sage is a herb“. Und die Londoner? „Saaaage issannerrrb“.

An hotel?

Ich sage und schreibe "a hotel" - und das tun die meisten Native Speakers. Aber eine (konservative) Minderheit hält sich hartnäckig an "an hotel" (ausgesprochen eben ohne "h"), dann ursprünglich war das Wort ja französisch.


Eddie!!
Kennt ihr Eddie Izzard? Einen sehr sprachbegabten englischen Komiker, der sich in diesem Jahr sogar an German gewagt hat (und in Berlin aufgetreten ist).

Ich kann diesen Clip von ihm sehr empfehlen (es geht um die Unterschiede zwischen US/GB-Englisch, inklusive herbs)


Und diesen auch (es geht um Zweichsprachigkeit):




Montag, 31. März 2014

Privat ist nicht immer private


Wir hatten heute in einem Vertrag:

"Wird der Einsatzort aus privaten Gründen verlassen, so werden keine Kosten ersetzt."

Das sind eher personal reasons als private.

Don't bank on it being private
Privatkunden bei Banken sind retail customers (private banking ist was gaaaaanz anderes).

Banken reden natürlich auch gern von clients - was wiederum bei einem Anwalt ein Mandant wäre - was wiederum bei dem Übersetzer des Romans "The Client" von John Grisham nicht ankam. Naja, er hats auch nicht besser verdient.

Leihst du mir einen Euro?
Und ich hätte gern 'n Euro für jedes Dokument, in dem Kreditinstitut mit credit institute falsch widergegeben wurde. It's a bank. Höchstens a financial institution - aber das ist ein sehr flutschiger und ungenauer Gummibegriff. Ein Kredit ist sowieso a loan nicht a credit.

Die Konsumgesellschaft
Bei den Telekommunikationsunternehmen sind die Privatkunden eher residential customers. Bei vielen Firmen sind es schlicht und ergreifend consumers.

Übrigens: Die Deutsche Telekom wird hierzulande gern auf „die Telekom“ abgekürzt. Das (er)kennt hier auch jeder. Nicht so in Wigan, Washington oder Winnipeg.

Firmennamen ohne "THE" bitte
Jedem Übersetzer, der im Englischen das so abgehackt stehen läßt (sprich: Nicht DEUTSCHE dazu schreibt), gehört die Finger abgehackt. Jedem Übersetzer, der auch noch „the Telekom“ (mit "the") schreibt, gehört was anderes abgehackt. Es heißt auch Barclays Bank, nicht the Barclays Bank.

Freitag, 21. März 2014

"stringent" auf Englisch - ein weiterer Leo-Lapsus


Es lauern False Friends an allen Ecken und Enden.

Heute dürfen wir den Ausdruck „stringente Markenführung“ für eine Stuttgarter Werbeagentur übersetzen. 

Viele German-speaking Engländer sind dem deutschen Wort „stringent“ nie begegnet. Sie suchen ihr Heil meist bei Leo. Dort steht als Übersetzung (natürlich) „stringent“. Sonst nichts. Eigentlich ist die Suchfunktion bei Leo extrem verwirrend – selbst wenn man explizit nach der englischen Übersetzung eines deutschen Begriffs sucht, kommt oft die umgekehrte Sprachrichtung. Klickt man auf „Stringenz“ kommt man zwar auf „rigour“, aber eine große Hilfe ist das alles nicht. 

Aber wir säumen damit das arme Pferd sowieso von hinten auf.

Ich versuche neuen Mitarbeitern in den Kopf zu hämmern, dass man zuerst das deutsche Wort in seinem Kontext verstehen und nach einer deutschen Definition suchen soll (Duden, anyone?). Aber die Rückfallquote ist leider extrem hoch.

Was sagt der Duden?
"aufgrund der Folgerichtigkeit sehr einleuchtend, überzeugend; logisch zwingend, schlüssig"

And stringent in English? Let us ask Merriam-Webster:
“marked by rigor, strictness, or severity especially with regard to rule or standardstringent decontamination procedures”

Oha. Das ist aber was ganz anderes.

Jetzt schauen wir den Kontext an: "Für eine stringente Markenführung streben wir langfristige Partnerschaften mit unseren Kunden an."


Hmmm. Ich glaube, wir sagen „to ensure consistent brand management“. In einem anderen Zusammenhang wäre vielleicht coherent passender. Aber auf keinen Fall „stringent“! Leo ist nicht immer sehr einleuchtend, überzeugend oder logisch zwingend.

Donnerstag, 20. März 2014

Serienfertigung auf Englisch

Laut Wikipedia gibt es tatsächlich sowas wie "series production". Aber ich habe den Begriff kein einziges Mal in The Economist oder in ähnlichen Zeitschriften gelesen. Und in manchen englischen Beiträgen auf Wiki sind teutonische Fußstapfen zu finden. Also Vorsicht!

Googlet man "series production", so tauchen gleich verdächtig viele übersetzte Websites von deutschen Unternehmen auf.

So what’s the solution, Martin?

Bei der Aussage "in Serie gehen" würde ich nie mit "series" arbeiten. Meist sagt man ganz einfach: Go into production.

Zum Beispiel (geklaut von der BBC):
The new engines will go into production within two years and will be among the first of a new generation of petrol engines expected to provide up to 20% better fuel economy.

Analog ist ein Serienfahrzeug kein series vehicle sondern ein production vehicle.

Will man unbedingt die Serienproduktion gegenüber pre-production oder pilot production betonen, dann redet man gern von volume production.

Zum Beispiel (geklaut von der New York Times):

Intel, largest computer chip maker, said on Monday that it would postpone volume production of a new Itanium processor for network servers because of problems with the quality of the product.