Montag, 12. Mai 2014

Faszination Sprache! Alle Dinge Fußball!


Freitag früh (der erste Kaffee dampfte noch) wurde ich von einem sehr sympathischen Kunden angerufen. Er wollte wissen, warum bei unserer Übersetzung von „Faszination Logistik“ das Wort „fascination“ weit und breit nicht zu finden war.


Coffee anyone? Monmouth Cafe serves the best in London!



The quick answer:


Es gibt eben bestimmte Konstruktionen, die selbst bei größter Anstrengung nicht in eine andere Sprache reingequetscht werden können (zumindest nicht ohne unerträgliche Native-Speaker-Schmerzen).

Das Begriffspaar „Faszination ABC“ gehört ganz klar dazu. Sie ist aber unter germanischen Marketing- und Werbeprofis sehr beliebt: Faszination Technik, Faszination Porsche, Faszination Werbung. Faszination Mundgeruch ... you get the picture.

The more complicated answer:


Der erste dicke Hund:
Die Konstruktion „Hauptwort (Haupt)wort“ ohne Verbindung über eine Präposition oder Verb ist typisch Deutsch. Stichwort Kunst. Hauptsache billig. Standort Deutschland. Diese Auslassung (der linguistische Fachbegriff auf Englisch ist „ellipsis“) von Satzelementen gibt es auf Englisch natürlich auch – aber weniger oft, glaube ich, und vor allem in anderer Form.

Der zweite fat dog:
Für Deutsche geht die Faszination (meist) vom Objekt der Begierde aus. Für uns befindet sich die Faszination (meist) im Hirn des Betrachters.

Beispiel: Martin’s fascination with all things football is borderline pathological (darauf kommen wir zurück).


Es gibt tatsächlich einen Blog mit diesem Namen



Eine Sache, ein Gegenstand, eine Marke kann fascinating sein. Aber nicht in der Regel eine „Faszination“ für den Betrachter „ausüben“. Man kann es schon hinbiegen – aber es ist dann hingebogen.

Also warum nicht irgendwas mit „fascinating“ oder „the fascination of“?

Jegliche Konstruktion mit „fascinating“ ist zum Scheitern verurteilt. Das Wort wirkt lahmarschig oder gar leicht ironisch. Ja, ich könnte sowas wie „The fascinating world of logistics“ oder auch „The fascination of Porsche“ basteln. Bei uneinsichtigen Kunden muss man das notfalls machen. Aber es bleibt fad und eventuell ironisch. Mein „ellipsis“ ist aber weg – und damit die Kürze und Würze auch.

What are we trying to achieve?
Zweck der deutschen Wortwahl ist eigentlich nicht „ABC ist faszinierend“ zum Ausdruck zu bringen sondern eine knackige Überschrift herzuzaubern.

Die Lösung ist also aus meiner Sicht: Eine ganz andere Headline.

Umgekehrt wird es vielleicht klarer.

Es gibt im Englischen auch die Konstruktion „Hauptwort Wort“ (ellipsis).

Zum Beispiel oben: „all things football“. Aber würdet ihr „alle Dinge Fußball“ als Überschrift in die Welt setzen wollen? Nein. Sie wäre völlig unnatürlich. Und jeglicher Versuch, den Ausdruck zu übersetzen (alle Dinge, die mit Fußball zu tun haben) wäre ein Griff ins … WC.

So geht es uns mit „Faszination Logistik“.

Fazit: Dem Kunden schonend beibringen, dass die Faszination nicht funktionieren wird. Das ist vor allem bei Werbern schwierig – die oft für sich zu Recht viel kreativen Freiraum beanspruchen aber uns Übersetzern ganz wenig gönnen. Aber ihr könnt ja auf meinen Blog verwiesen und mir die Schuld in die shoes schieben.


These are some shoes



Kommentare:

urbanplants hat gesagt…

Vielen Dank für diesen Beitrag, Martin. I hate the phrase "Faszination blah blah" and translating it is even worse than the phrase itself. Glad I now have a eloquent explanation of its pitfalls that I can point to.

Librarian hat gesagt…

Whenever I read or hear someone say "fascinating", I have Mr. Spock's elegantly raised eyebrow (just one) in mind. Certainly most "Faszination Irgendwas" slogans do not want to sound as logical and cold as a Vulcan.

Librarian hat gesagt…

PS: Wie hast Du "Faszination Logistik" letztendlich übersetzt?

MCSquared hat gesagt…

Das war zwar hier im Haus - aber nicht mein Projekt. Es war, glaube ich, eine Art (regelmäßig erscheinende) Rubrik in einer Zeitschrift - und wir haben es Spotlight on Logistics genannt.