Dienstag, 24. November 2015

Jürgen Klopp, Angie Merkel, nackte Männer


Was haben Jürgen Klopp und Angela Merkel gemeinsam?

Beide haben Fussballstars nackt in der Umkleidekabine erlebt. Und beide haben deutsche Wörter in die englische Sprache reingeschmuggelt.

Solche loan words (Lehnwörter) sind aufschlussreiche Hinweise auf Machtverhältnisse, Einfluss und Trends.

Der liebe Jürgen zum Beispiel – der mit Begeisterung (auch meiner) als neuer Trainer (head coach, manager – but not trainer) von FC Liverpool empfangen worden ist – steht für die Veränderungen und Verbesserungen im deutschen Fussball in den letzten 10 / 15 Jahren.



Counter-pressing liest man gelegentlich auch. Aber gegenpressing ist irgendwie gefühlt cooler. Und hat sich relativ klar durchgesetzt. Es ist ein Kombi-Wort aus Deutsch und Englisch, das wunderbar die frühere Hegemonie der Premier League und die erfolgreiche Umkrempelung der deutschen Fussballlandschaft (vor allem der Jugendarbeit) nach dem Trauma des frühen Ausscheidens beim EURO 2000 widerspiegelt.


Und wie wäre es mit Mittelstürmer (The Guardian):





Angie hat den Begriff Willkommenskultur ins Leben gerufen – und das Wort ist inzwischen sehr oft in den englischen Medien zu lesen.



The Economist hat darüber hinaus merkeln als Verb für sich entdeckt (wobei das wohl nicht lange überleben wird). Zeitgeist dagegen ist dermaßen bei uns ins Fleisch und Blut übergegangen, dass es von The Economist nicht mal mit kursiver Schrift bedacht wird.




Und Mittelstand kennt doch jeder halbwegs gebildeter Engländer:







Apropos “Kultur” – im Deutschen wird “Kultur” mit allem sehr positiv in Verbindung gebracht – es gibt Modekultur, Esskultur, Wohnkultur, ja selbst Fussballkultur.
Im Englischen geht das nicht immer – und auf jeden Fall nicht immer mit positiven Assoziationen.

Das führt zu vielen Diskussionen.

Wieso haben Sie nicht eating culture geschrieben? Seufz. Weil das nach Krankheitserregern klingt – und die sind wirklich not very welcome.

Go, Jürgen, go.

A firm fan of Liverpool, language - and gegenpressing




Kommentare:

Librarian hat gesagt…

Dazu fällt mir auch der deutsche Begriff "Angst" ein, der im Englischen gar nicht so selten verwendet wird: z. B. "teenage angst" ist mir schon häufiger begegnet.
Ein Fall, bei dem "Kultur" auch im deutschen nicht unbedingt positiv besetzt ist, wäre die Fehlerkultur (z. B. in einem Unternehmen). Wobei diese selbst wiederum sowohl negativ als auch positiv sein kann.

Gurkan Sukur hat gesagt…

Und nun das englische T-shirt: Der Normale Ein ...

http://www.fr-online.de/sport/juergen-klopp-fc-liverpool--der-normale-ein-,1472784,32237222.html



Librarian hat gesagt…

Hahaha, danke für diesen Lacher in der Mittagspause :-)